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Amtlicher Tlseil.
Hersfeld, den 8. Februar 1897.
Die Königlichen Herren Ortsschulinspektoren ersuche ich um gefällige Mittheilung, ob und in welchem Umfange Neujahrsgelder Seitens der Kinder an die Ihnen unterstellten Herren Lehrer etwa noch gezahlt werden, gleichviel ob in der Competenz veranschlagt, oder nicht. I. 1084. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 6. Februar 1897.
Nach Mittheilung der Grobherzoglichen Direktion des III. Verwaltungsbezirks zu Eisenach ist in dem Gehöfte des Landwirths Christian Wilhelm Gliem in Untersuhl die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. I. 1078. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersseld, den 8. Februar 1897.
Nach anher gelangter Mittheilung der Grobherzoglichen Direktion des III. Verwaltungsbezirks zu Eisenach ist zu Berka a/Werra die Maul- und Klauenseuche aus- gebrochen.
I. 1090. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 8. Februar 1897.
Nach Mittheilung des Grobherzoglichen Kreisamts
Herrgottsmege.
Bauernroman von A. v. Hahn.
(Fortsetzung.)
Sie hatte sich an der Wand niedergekauert, und ihr Gesicht bedeckt und war so sitzen geblieben. Sie konnte es nicht fassen, warum das alles so gekommen war, und warum sie nicht weinen konnte, und ob es nun immer so still und stumm und leer in ihr und um sie her sein würde.
Plötzlich sing das Mühlwerk sich zu drehen an und setzte sausend und kreischend in seine Thätigkeit ein, daß die Annemarie erschreckt auffuhr und hinhorchte.
Es klang so seltsam, als wenn eine Menschenstimme dazwischen ausschreie.
Gleich darauf ging die Thür, die nach draußen führte, auf, und die Ursula kam hastig herein.
„Da bist' ja, Dirndl," rief sie aufgeregt. „Gottlob, kannst getrost sein, der liebe Herrgott hat das Schlimme nicht gewollt. Der Müller lebt! Sein Kopf hat nur vom harten Anprall gelitten, und sein Arm ist verstaucht. Der Bader hat ihn eingerieben und gebunden und ge- gemeint, es wird nicht gar zu lange dauern, da kann er wieder herumgehen. Wir haben ihn gebettet, und nun schickt mich der Alois herüber, ich sollt' nach dir und dem Vater sehen, damit Ihr Euch nicht gar zu sehr grämt. Wo hast' den Vater, Annemarie?"
Annemaries Augen strahlten die Ursula an, wie sie's früher gethan hatten, wenn die Ursula als WeihnachtS- engel vor sie hingetreten war.
zu Alsfeld ist die Maul- und Klauenseuche zu Grebenau i wieder erloschen und die angeordnete Gemarkungssperre aufgehoben worden.
I. 1104. Der Königliche Landrath
Freiherr- von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 6. Februar 1897.
Nach Mittheilung der Großherzoglichen Direktion des III. Verwaltungsbezirks zu Eisenach ist die Maul- und Klauenseuche zu Auenheim wieder erloschen und die Feldmarksperre wieder aufgehoben worden.
I. 1079. Der Königliche Landrath.
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Gefunden: ein Portemonnaie mit Inhalt. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Friedlos.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 9. Februar.
Se. Majestät der Kaiser, welcher gestern Nachmittag nm 3</2 Uhr den Vortrag des Chefs des Marinekabinets, Freiherrn v. Senden-Bibran, entgegen» nahm und abends beim Staats- und Finanzminister Dr. v. Miguel dinierte, machte heute Vormittag den regelmäßigen Spaziergang durch den Thiergarten und arbeitete hierauf längere Zeit mit dem Chef des Militär- kabinets, General v. Hahnke. Mittags empfing der Kaiser den chilenischen Militär-Bevollmächtigten, General Martinez. Heute Abend gedenkt der Kaiser sich nach Potsdam zu begeben und im Kreise des Offizierskorps des ersten Garde-Regiments z. F., in welches heute vor zwanzig Jahren die Einstellung des Kaisers erfolgte, zu dinieren.
Die „Hamburger Nachrichten" weisen darauf hin, daß die feierliche Uebergabe der neuen Fahnen- bänder, die der Kaiser von Rußland dem preußischen Kaiser Alexander-GardeGrena- dier-Regiment verliehen hat, und der Trink- spruch Kaiser Wilhelms auf den russischen Kaiser nicht ohne politisches Interesse seien, und daß diese Vorgänge namentlich in Paris scharf unter die Lupe genommen werden dürsten: „Wenn der Kaiser von
„Ach, Pathe Ursula, das hat der liebe Gott gutgemacht!" rief sie mit zitternder Stimme und erhob sich und fiel der Ursula um den Hals. Sie weinte laut, denn die erlösenden Thränen hatten nun endlich ihren Weg vom Herzen heraufgefunden.
„Geh', sag's nun auch dem Vater," sprach die Ursula bewegt, „er wird sich arg grämen. Er wird wohl oben sein beim Werk, denn in der Stube ist er nicht. Hast' nicht nach dem alten Mann gesehen? Er wird sich bald zu Schanden gegrämt haben!"
Die Annemarie sah betroffen hinauf, wo sie den Vater vorhin erblickt hatte und eilte dann die Stufen rasch empor.
„Vater —! Vater —!" hörte die Ursula rufen als die Annemarie in der Oeffnung oben verschwunden war, und noch einmal rief die helle, bekümmerte Mädchenstimme „Vater!"
Dann ertönte ein markerschütternder Schrei, und dann war's still oben.
Ursula eilte, so schnell es ihre alten Beine gestatteten, die steile Stiege empor, ihr Herz zitterte ahnungsbe- klommen.
Als sie den Kopf durch die Luke steckte, sah sie die Annemarie, nicht weit ab, regungslos am Boden auSge- streckt liegen, und ein paar Schritte weiter, zwischen Sägespähnen und Absallholz, einen andern Körper.
Als sie näher darauf zugeeilt war, stockte ihr Fuß, und sie taumelte mit einem wilden Aufschrei zurück.
Der Huber lag blutüberströmt unter der rastlos arbeitenden, ächzenden Kreissäge.
i Rußland die Fahnen der Regimenter, die bei Gravelotte und Sedan gesiegt haben, mit Bändern schmücken läßt, die seinen Namenszug und Inschriften in russischer Sprache tragen, so ist das zum mindesten kein Beweis für den Bestand einer „Allianz" zwischen Rußland und Frankreich, die sich gegen Deutschland richtet; der Begriff der Heus precieux, von denen der Zar bei seinem Besuche in Frankreich gesprochen hat, erhält durch die Berliner Vorgänge eine Interpretation, welche jede fernere und auch nur indirekte Verwerthung jener Bezeichnung zu Gunsten der Verwirklichung der französischen Revanche-Träume unter Beihilfe Rußlands sehr gewagt erscheinen läßt. Wir begrüßen den herzlichen Ton, den der Toast Kaiser Wilhelms auf den Kaiser Nikolaus an« geschlagen hat, die wiederholte Betonung der geschichtlichen Waffenbrüderschaft zwischen dem preußischen und dem russischen Heere und die Art und Weise, wie der deutsche Monarch der Breslauer Vorgänge gedachte als Symptom der fortschreitenden Befestigung unserer guten Beziehungen zu Rußland, welche wir als eine der wichtigsten Voraussetzungen der Erhaltung des Friedens betrachten."
Der Reichstag hat einen Antrag angenommen, wonach die Regierung ersucht werden soll, eine Denkschrift über die Wirkung der Handelsverträge zu veröffentlichen. Das Haus trat darauf in die erste Lesung des Handelsgesetzbuches ein.
Das preußische Abgeordnetenhaus hat den Antrag Ring über die Vorkehrungen gegen Viehseuchen angenommen, ferner den Antrag Hoensbroech auf Verbot der Fleischeinfuhr aus den Niederlanden und den Antrag Hahn auf Einsetzung einer Specialkommission wegen der Maul-und Klauenseuche. Der Antrag Letocha auf vorläufige Zulassung der russischen Schweineeinfuhr nach Oberschlesien wurde abgelehnt.
Bei derGroßherzogin von Baden hatte eine Linsentrübung des rechten Auges im Laufe des letzten Jahres so zugenommen, daß von den behandelnden Aerzten die Entfernung der Linse für nothwendig erachtet wurde. Diese Operation wurde am Montage vorgenommen und ist ohne Zwischenfall günstig verlaufen.
Der deutsche Gesandte in Tanger, Freiherr Schenk zu Schweinsberg, hat, der „Köln. Ztg." zufolge, in den Zeitungen einen Aufruf veröffentlichen lassen, durch welchen für die Ermittlung der Mörder des Kauf-
Die obere Kopfhälfte war vom Stirnhaar ab glatt losgetrennt und lag einige Schritte zurück, von der wüthenden Säge achtlos weggeschleudert.
Ursula sank von Grausen geschüttelt neben dem ohn- mächtigen Mädchen nieder.
Sie versuchte die Unglückliche in ihren Armen aufzu- richten, aber sie waren kraftlos und wie gelähmt. Sie konnte nur verzweifelt auf das arme, junge Geschöpf niederblicken, das unter der Qual des schrecklichen Eindrucks zusammengebrochen war.
Eine lange Weile lag sie so, zu jeglichem Entschluß unfähig, auf den Knieen.
Dann endlich richtete sie sich empor und schlich müde und gebeugt den Weg zurück, den sie gekommen war, ohne noch einmal nach dem Orte des Schreckens zurück- zusehen.
Mühsam erreichte sie das Wohnhaus; dort sank sie auf der Schwelle nieder.
Gebrochen und erschöpft berichtete sie, was geschehen war, und ordnete an, daß man das Mädchen nach ihrem Stübchen Hinaufbringe.
Dann ging sie die Stufen hinauf, um dem verwaisten, unglücklichen Kinde das Lager herzurichten. —
Der Sägemüller aber lag behaglich gebettet in feiner Kammer. Der Bader hatte ihm den Kopf, der von dem harten Anprall eine blutunterlaufene Stelle davonge- tragen hatte, in nasse Tücher gepackt und den verstauchten Arm fest umwickelt.
Die Tonnerl saß neben dem Lager und hielt die