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Gratisbeilagen:)llustrirtes Ssnnragsblatt" n.3Uuffrtrte landwirthfehaftliche Beilage".

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SoinmN St» 25. grtrinr

1897.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sorltttagsblatt" und Wustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Mon^t März werden von allen Kaiser­lichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Ex­pedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 22. Februar 1897.

Behufs Bestellung der Standeshaupt- und ,Neben- Register für die nächsten Jahre haben mir die Herren Standesbeamten des Kreises bis zum 3. März d. I. berichtlich anzuzeigen, ob die bisherige Zahl der Vor­druck-Formulare in denselben eine dem Bedürfnisse ent­sprechende ist oder ob und evtl. welcher Mehr- oder Minder-Bedarf erforderlich ist. Zugleich ist auch der Bedarf an Formularen zu Register-Auszügen für das Jahr 1898 hierbei anzugeben.

Die Standes- H a u p t - Register werden wieder für einen dreijährigen Zeitraum bemessen werden.

A. Nr. 477. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Hersfeld, den 20. Februar 1897.

Die Maul- und Klauenseuche zu Hof Wincherode ist, nach Mittheilung des Königlichen Landraths zu Ziegen- hain, erloschen und die angeordnete Gemarkungssperre aufgehoben worden.

I. 1325 Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 20. Februar 1897.

Nach anher gesandter Mittheilung des Großherzog- lidieu Direktors des III. Verwaltungsbezirks zu Eisenach 01 in dem Gehöft des Landwirths Heinrich Löffler in

Herrgottswege.

Bauernroman von A. v. Hahn.

(Fortsetzung.)

Der Müller schwieg dazu beklommen. Nach einer langen Weile sagte er, sobald er wieder klar denken könnte, wollte er auch über diese Sache nachdenken. Dann sprach er von seiner Absicht, sein Testament zu machen, und er­klärte, damit er das Gerede der Leute nicht noch nach seinem Tode herausfordere, würde er ihr, der Ursula, so viel vermachen, als er der Agpxs zugedacht hätte, und durch ihre Hände sollte es später her Agnes oder deren Kindern übermittelt werden.

Die Ursula freute sich aus tiefstem Herzensgrund, daß der Bruder sich endlich zur Gerechtigkeit bekehrt hatte, und ging mit leichter»! Herzen zur Annemarie zurück.

Sie wollte es jetzt ruhiger hinnehmen, wenn der liebe Gott die Annemarie hinnehmen sollte.

Es lag ja jetzt der Weg frei, des Bruders Schuld zu sühnen, soweit dies noch möglich war. Wenn er die Agnes aus ihrer traurigen Lage befreite und für sie eintrat, wie's ihm vor Gott zukam, dann machte er's so am besten gut, was gutzumachen war.

Am Ende war's auch besser, der Alois kehrte zu seinem Berufe zurück und weihte sein Leben Gott, denn es gab ja noch immer genug vom Hanse wegzu- beten.

Daß der Gundelhof aber dereinst in Hände kam, denen er nach Recht und Gewissen zugehörte, dafür wollte die Ursula jetzt schon Sorge tragen, nun der Bruder

Herda und in bem des Landwirths Johannes Zickler II. in Untersuhl die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

I. 1326 u. 1327. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Das von uns unterm 12. September v. Js. erlassene Verbot der Einführung von Schweinen aus Orten, die nicht zur Provinz Oberhessen gehören, in den Kreis Lauterbach, heben wir hiermit auf. Diese Einführung ist jedoch nur unter der Bedingung gestattet, daß die Thiere, bevor sie zum Verkauf kommen, durch Gr. Kreis­veterinäramt Lauterbach besichtigt werden und daß der Führer mit einem Zeugniß über Unverseuchtheit des Ursprungsortes (-gehöstes) versehen ist.

Lauterbach, den 18. Februar 1897.

Großh. Kreisamt Lauterbach. Dr. Fischer.

* *

Lauterbach, den 18. Februar 1897.

Das Großherzogliche Kreisamt Lauterbach an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Die vorstehend abgedruckte Bekanntmachung wollen Sie alsbald ortsüblich bekannt machen.

Dr. Fischer.

Nichtamtlicher Theil.

Der Reichstag und Areta.

Der Reichstag hat sich, dem Beispiele anderer Staa­ten folgend, nun auch mit der kretensischen Frage be­schäftigt. Aber während dieselbe in den fremden Parla­menten meist zu einer Entflammung der politischen Leidenschaft den Anlaß gegeben hat, ist ihre Besprechung im deutschen Reichsrathhause ebenso ruhig und sachlich in seltener Uebereinstimmung aller Parteien verlaufen. Der Minister Frhr. v. Marschall umgrenzte kurz, doch scharf, das für Deutschland in der kretensischen Frage obwaltende Interesse. Die Linie der deutschen Politik ist auch hier: entschlossen einzutreten zur Erhaltung des Friedens!

Lediglich aus diesem Grunde hat der Kaiser die An­theilnahme eines deutschen Kriegsschiffes an der Flotten- demonstrativn der Großmächte gegen Griechenland befohlen, denn das Vorgehen der Griechen ist nach deutscher Auf­

bereit war, der Agnes und ihren Kindern gerecht zu werden.

Aber die Annemarie machte die Augen noch nicht zu.

Sie konnte weder leben noch sterben und machte so wochenlang hin, wie's angefangen hatte bei ihr. Der Doktor sagte, sie hätte ein Nervenfieber unv eine Gehirn­erschütterung davongetragen, und es wär' ihm selbst noch nicht klar, ob sie am Leben erhalten bleiben würde. Das könnte er aber jetzt schon sagen, daß ihr Geist niemals wieder klar werden würde, weil das Gehirn gelitten habe.

Der Alois hatte das schwere Wort wie ein unfaß- liches Unglück hingenommen und weinte die Nächte durch und betete und rang die Hände.

Aber die Annemarie wurde nicht besser.

Sie kam wohl endlich wieder so weit zu sich, daß sie nach Speise und Trank verlangte, und endlich auch, daß sie wieder saß und umherging. Aber ihr Verstand wurde nicht anders.

Entweder schrie sie nach dem Vater und jammerte um sein Seelenheil und meinte, sie könne nicht eher ruhen, als bis sie den Gottseibeiuns das Herzl wieder abgenommen habe, womit er den Vater von der Hölle losgeben müßte, oder sie saß stumm in einem Winkel, vergrub die Hände ins Haar und sah und hörte nicht, was um sie vorging.

So ging ein halbes Jahr hin, und der Alois, der sich inzwischen mit dem Vater soweit auSgesöhnt hatte, als die Unglücksgeschicbte nicht angerührt wurde, sah'« nun selber ein, daß er's aufgeben müßte, an der Annemaries Seite sich ein Glück zu träumen.

Er brächte Gott in seinem Herzen still ein Opfer dar

fassung ein Verstoß gegen das Völkerrecht und vermöge seiner Rückwirkung auf andere Völker eine schwere Ge­fährdung des Frievens. Diese FriedenSgesährlichkeit zu beseitigen mit den wirksamsten Mitteln, ist nicht sowohl ein Akt der Gerechtigkeit gegen die Türkei, sondern auch die Forderung einer richtig verstandenen Humanität. Es schließt dies nicht die Befriedigung wohlbegründeter Wünsche der christlichen Bevölkerung Kretas aus; eine solche ist denkbar, ohne daß man die Integrität des ottomanischen Reiches anzutasten und nutzlos Blut zu vergießen braucht. Mit voller Thatkraft verfolgt Deutsch­land dies Ziel.

Alle Parteien im Reichstage, selbst die Sozialdemo- kraten, haben durch ihr Verhalten ihre Zustimmung zu diesen Eiklärungen der Reichsregierung zu erkennen ge­geben. Auf keiner Seite war man von einer wässerigen Humanität für das Griechenvolk angekränkelt, nachdem dieses sich ohne alle Bedenken über seine finanziellen Verpflichtungen gegen die auswärtigen, besonders deut­schen, Staatsgläubiger hinweggesetzt und den Weg der politischen Abenteuer eingeschlagen hat. Um so eigen­artiger berührte es, daß der Wortführer der Centrums­partei, Herr Lieber, wohl die Haltung des deutschen Reiches billigte, aber aus dem Verhalten der Großmächte Kreta gegenüber doch auch ihre Pflicht zu einem gemein­samen Eintreten zu gunsten der weltlichen Papst - Herr­schaft folgerte. Die Vereinsamung, in die sich der Urheber dieses Gedankens versetzt sah, brächte ihn indes schnell zu einer bessern Erkenntniß; er selbst gab schließ­lich dem Wunsche Ausdruck, daß Deutschland in allen auswärtigen Fragen stets einmüthig zusammenstehen möge. Dieses Bild voller Eintracht aller Parteien, wenn es die Wahrung des deutschen Ansehens nach außen hin gilt, wird seinen Eindruck auf die fremden Staaten nicht verfehlen.

Politisüic Nachrichten.

Inland.

Berlin, 23. Februar.

Die Heilung des kleinen Furunkels, welcher sich am rechten Knie des Kaisers gebildet hatte, nimmt einen durchaus normalen Verlauf. Der Kaiser kann mit dem rechten Beine bereits wieder auftreten. Die Kaiserin wird heute Nachmittag Huberlusstock verlassen und abends

und gab's ihm freiwillig zurück, was er ihm dort hinein­gepflanzt hatte an menschlichen Wünschen.

Es stieg jetzt oftmals selber in ihm auf, was die Leute sich zuraunten, daß die Annemarie wohl um seinetwillen so vom lieben Gott zugerichet war. Vielleicht war's doch nicht so ohne Sünde und Schuld abgegangen, als er sich so leichten Herzens von seinem frommen Beruf losgesagt hatte.

Der Müller war inzwischen auch ein ganz anderer Mann geworden.

Der stolze, harte Nacken war gebeugt, das Haar, das vorher nur wenige Silberfäden durchzogen, gebleicht, da« Gesicht eingefallen und die Augen, die oft so wild und herrisch geblickt hatten, waren trübe und traurig ge­worden.

Die Leute meinten, die Krankheit müsse ihm das an­gethan haben, und schüttelten den Kopf, weil er gar nicht mehr aufbegehren konnte und alles hinnahm, wie's kam.

Am wenigsten aber konnte man'S fassen, daß er die junge Müllerin schier gar nicht mehr vor den Augen haben konnte, deren Gegenwart er ehedem kaum eine Stunde hatte missen mögen und die er mit den Augen überall gesucht hatte, wenn sie nicht bei ihm war.

Und gerade jetzt, wo sie so rechter Liebe und Schon­ung bedürftig war, konnte er hart und ungerecht mit ihr sei».

Die Tonerl fühlte es auch arg, wie's anders geworden war im Haus, und ging oft mit verweinten Augen umher.

Die Leute wunderten sich, daß sie's so schweigend Hin­trug und niemals ungeduldig wurde, wenn's der Müller