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Wr. 26. ÄkllsiU K« 2. März M.

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Eine Äaiserrede.

Kaiser Wilhelm hat seit Jahren, schon als er noch fi nicht die Krone trug, an dem Festmahle des märkischen | Provinziallandtages theilgenommen. Von hier aus sind i bedeutsame Kundgebungen ausgegangen. Hier sprach isein jugendlich begeisterter Mund von demBanner­träger der Nation," hier klang die Verheißung:Zu Großem sind wir noch bestimmt, und herrlichen Tagen führe ich euch entgegen!" Hier wurden die deutschen Frauen ermähnt, eingedenk zu bleiben des hohen Berufs, eine brave, tüchtige '©eneration heranzubilden voll Gott­vertrauen und Zuversicht. Immer wieder hat Kaiser Wilhelm auf dem Feste des märkischen Provinzialland­tages das Wort ergriffen, und fast immer trugen die Reden des Monarchen ein eminent politisches Gepräge. Dieses gilt in besonderm Maße auch von der Rede, die der Kaiser jetzt an derselben Stelle gehalten hat. Zwei leitende Gedanken heben sich mit voller Klarheit hervor. Das unbedingte Vertrauen auf die historische Mission H des Hohenzollernhauses bildet die Grundlage und den U Ausgangspunkt der kaiserlichen Darlegungen. In poetisch f schwungvoller Weise erinnerte der Kaiser an die Ver- E dienste, die sich sein unvergeßlicher Großvater Wilhelm 8 der Große, um die Begründung des Reiches erworben § hat, er feierte ihn als ein Werkzeug der Vorsehung zur M Einigung Deutschlands.Wenn der hohe Herr im Ä Mittelalter gelebt hätte, er wäre heilig gesprochen, und k Pilgerzüge aus allen Ländern wären hingezogen, um an Weinen Gebeinen Gebete zu verrichten!" Einen ähnlichen W Zug dankbarer Pietät beweisen die patriotischen Besuche 8 der weihevollen Stätte im Mausoleum in Charlotten- S burg.

Die tiefgehende politische Bedeutung der kaiserlichen i Rede ruht aber nicht in der tiefempfundenen Dankbarkeit und Verehrung für unsern Heldenkaiser. Gewiß werden die Worte des Monarchen die freudigste Zustimmuna aller patriotischen Kreise des Volkes finden und aucy bei der hundertjährigen Geburtstagsfeier Wilhelms des Großen ein nachhaltiges Echo hervorrufen. Der Schwer­punkt der Kaiserrede liegt indessen in der Aufforderung, auch das zu erhalten, was uns unser erster Kaiser erworben hat. Der Ruf des Kaisers geht dahin, uns um das Andenken Wilhelms des Großen zu scharen, um mit allen Mitteln den Kampf gegen den Umsturz zu übernehmen und unser Land von dieser Krankheit zu befreien, die nicht nur unser Volk durchseucht, sondern auch das Familienleben, vor allen Dingen aber das Heiligste, was wir Deutschen kennen, die Stellung der Frau, zu erschüttern trachtet."Diejenige Partei, die es wagt, die staatlichen Grundlagen anzugreifen, die gegen bie Religion sich erhebt und selbst nicht vor der Person des allerhöchsten Herrn Halt macht, muß über­wunden werden. Ich werde mich freuen, jedes Mannes Hand in der Meinen zu wissen, sei er Arbeiter, Fürst oder Herr wenn mir nur geholfen wird in diesem Gefechte!"

Diese Mahnung erinnert an die Königsberger Worte, an die Sedanrede und an andere denkwürdige Aufrufe an das Gewissen des Volkes. Aufs neue tritt der Kaiser der Nation mit der Mahnung entgegen, die Sozialdemokratie in ihrer ganzen Gefährlichkeit zu er­kennen. Dabei übermannt ihn die frische Erinnerung an die Verunglimpfung, welche das Andenken unsers ersten Kaisers auch jetzt wieder durch die Umstürzler er­litten hat. Hoffentlich wird der Ernst des uns aufge- nöthigten Kampfes in den weitesten Kreisen ganz erfaßt und gewürdigt werden. Ueber die Formen, in denen der Kampf gegen die Sozialdemokratie geführt werden soll, haben wir heute nicht zu rechten. Darauf allein kommt es an, daß wir Deutschen uns immer mehr be­wußt werden, welche köstlichen Güter uns unser Helden­kaiser errungen hat, und daß sie gegen den innern Feind nicht minder vertheidigt werden müssen, wie sie nach außen geschützt sein wollen.

Politischc Nachrichten.

Berlin, 27. Februar.

Se. Majestät der Kaiser kehrte gestern Abend

nach 10 Uhr von dem Diner des Brandenburgischen Provinziallandtages in das Schloß zurück. Heute Vor­mittag machte das Kaiserpaar die übliche Spazierfahrt. Darauf nahm der Kaiser den Vortrag des Chefs des Generalstabes, Generals der Kavallerie Grafen von Schlieffen, entgegen und arbeitete anschließend daran mit dem Chef des Militärkabinets, General v. Hahnke. Um l/4 Uhr fand eine Frühstückstafel statt, zu welcher alle Adjutanten des Kaisers befohlen waren. Um 12 Uhr 55 Min. traf Prinz Heinrich von Preußen aus Kiel hier ein, um an dem für heute Abend festgesetzten Kostümfest theilzunehmen.

Der Reichskanzler hat Einladungen zu einem parlamentarischen Diner für den 4. März ergehen lassen.

Ein entscheidendes Wort ist kürzlich in der Flöt ten- frage gesprochen worden. Die amtliche Erklärung des Vertreters des Reichsmarineamts in der Rechnungskom- mission des Reichstages hat mit klaren Worten ausge­führt, daß die Erwägungen über die aus dem japanisch­chinesischen Kriege zu ziehenden Lehren folgendes Resultat ergeben haben:Bei dem Bestand unserer Flotte, die sich zum großen Theil aus veralteten Schiffen zusammen- setzt, mußten unverzügUch Maßregeln ergriffen werden, welche diese Schiffe, so lange bis moderne Ersatzbauten erlangt und eingestellt werden konnten, den neuen An­forderungen entsprechend verbesserten, soweit es ihre ver­altete Bauart überhaupt gestattet. Für uns kamen hierbei in Betracht:König Wilhelm",Kaiser",Deutschland", Preußen",Friedrich der Große",Oldenburg", Baden",Bayern",Sachsen" undWürttemberg". Hiermit ist also in aller Form ausgesprochen, daß der baldigste Ersatz für diese zehn Schiffe von absolute st er Dringlichkeit ist. Selbst der zum Theil durchgeführte Umbau sichert nureine beschränkte Verwendung im Kriege". Der Bericht der RechnungSkommission schließt:Auf eine Geheimhaltung vorstehender Angaben wird seitens der Marineverwal­tung Werth nicht gelegt. Der Zustand unserer alten Schiffe ist allen interessierten Nationen so bekannt, daß eine Geheimhaltung unnütz ist." DieBerl. N. N." bemerken hierzu:Ein größeres Armuthszeugniß eines integrierenden Theiles der vaterländischen Wehrkraft ist allerdings kaum denkbar; ganz Deutscbland müßte sich eigentlich schämen, daß die Marine in eine solche Situation überhaupt gerathen konnte."

Der auswärtige Handel des deutschen Zollgebietes betrug im Januar 1897 nach dem

Herrgottswege.

Bauernroman von A. v. Hahn.

(Fortsetzung.)

Da fiel's ihm auch ein, daß es des HanslS Stimme gewesen war, die er damals in der schrecklichen Nacht gehört hatte, und daß er nur in der Aufregung nicht darauf gekommen war.

Zitternd und zähneklappernd stand der Müller vor der Thür, in der die Tonerl verschwunden war, und es war doch eine laue, weiche Nacht.

Er fragte sich, ob er jetzt da hineingehen oder aber ob er hier draußen zum Himmel aufschreien und die Leute zusammenrufen sollte.

Aber er that weder das eine noch das andere.

Denn plötzlich raschelte es zwischen dem Holz an der Mauer, und es kam etwas hervor, das dem Müller im Ersten Schreck das Herzblut stockte und er ganz seine Sache vergas? und nur darauf hinsehen mußte, was da lang­sam hinter dem HoJstoß hervorkam

Gottseibeiuns, gieb mir dasHerzl!" sagte eine Stimme, und eine Gestalt kam aus ihn zu.

Der initiier erkannte die Annemarie, die nur halb lbekleidet vor ihm stand.

Da faßte ihn ein Zorn nach dem Schreck, daß es pbni schier gleich war, was daraus entstand, und er schrie: Scher' dich weg, Dir»', mit deinem verrückten Geschwätz, ich bin der Müller!"

Gottseibeiuns, gieb mir das Herzl!" sagte aber die Annemarie mit demselben herzzerreißenden Ton.Geh, schau, was hast' von der einen Seel'! Gieb mir das Herzl, daß ich den Vater losbeten kann von der Höll', und damil's hier oben wieder anders wird unter meiner Stirn und die Nägel hinausgeh'n, die mich da so drücken!"

Scher' dich weg!" wiederholte der Müller heftig. Ich kann dich hier nicht brauchen. Ich weiß nichts von einem Herzen, und der, den du suchst, bin ich schon lange nicht. Siehst' nicht, daß ich der Müller bin?"

Jetzt bist' der Müller, nachher bist' ein andrer und bald dieser und bald jener," stöhnte die Annemarie. Aber ich kenn' dich wieder in jeder Gestalt, und jeden Abend sitz' ich hier und wart' und wart' und bin dir dort drüben im Garten nach'gangen und hab' dich abgewartet am Steg, über den Wehr, wo bu immer als der Haust herkommst, aber nimmer hörst' mich an, immer heißt' mich gehen, und du weißt doch, daß ich nicht gehen, und nicht sterben kann, bis ich das Herzl hab'! Gottseibeiuns, gieb mir das Herzl!"

Und die Annemarie fing lauter an zu bitten,gieb mir das Herzl", und sagte es immer wieder und schrie's dann mit einer Stimme, die dem Müller durch Mark und Bein ging,gieb mir das Herzl!" und sah ihn dabei an, daß ihm heiß und kalt wurde.

Oben in der Mühle wurde es laut, und drüben im Haus that sich ein Fenster aus, und die Ursula schrie herüber:Herrgott und alle Heiligen! Annemarie, bist

schon wieder aus'kommen? Gleich kommst herüber und legst dich hin, wie ein Christenmensch!"

Die Annemarie aber achtete nicht darauf, sondern schrie noch lauter um ihr Herzl. Da hörte der Müller, der in den Schatten getreten war, den der Holzstoß hinwarf, daß die Ursula im Haus drin nach dem Alois rief, und da rannte er schnell zum Hause zurück.

Er verriegelte die Hausthür von innen, weil die Anne­marie hinter ihm hergeeilt war, ging in die Kammer und warf sich aufs Bett.

Er hörte draußen unter dem Fenster, wo die Anne­marie schreiend stand, den Alois und die Ursula der Kranken gut zureden, und nach einer Weile war's still.

Dann horchte er, ob die Tonerl jetzt nicht kommen und an die Hausthür klopfen würde, und es faßte ihn eine wilde Freude, daß er ihr durch's Fenster zurufen konnte:Geh, scher' dich hin, wo du deine Ehr' hinge­tragen hast!"

Er horchte laiWe, aber sie kam nicht, und ein brennen­des Herzweh stieg ihm auf. ,

Da kam's aber plötzlich über ihn, daß er um dreißig Jahr zurückdenken mußte, und er sah. wie die Vroni da­mals mit ihrem Bündel vom Hof gegangen war und sich draußen beim Garten an den Weg hingesetzt und mit dem blassen Gesicht so lange herüber gesehen hatte.

Er hörte es, wie die andern MagdSleule hinter ihr herkicherten und skandalirten und der Vater drinnen in der Stube über das sreche Mensch schalt. Und er hatte