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«r. 27. Hamchg K« 4. März M

Vestellungen auf das Hersftlder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Wustrirtes Sonntagsblatt" und Slluftnrte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat März werden von allen Aaiser- licven postanstalten, ^andbriefträgern unb von der Ex­pedition angenommen.

Französische Uindersorgen.

In Paris hat sich einNationalverein für Vermeh­rung des Kinderreichthums" gebildet, für den die großen s Pariser Blätter viel Stimmung machen. In der That i haben die französischen Patrioten allen Grund, sich durch die Ergebnisse der Studien über Bevölkerungsstatistik be« unruhigt zu fühlen; denn es ergiebt sich daraus die für alle Revanchehoffnungen unbequeme Thatsache, daß die Bevölkerung Frankreichs, nachdem sie lange Zeit gleich geblieben ist, jetzt sogar abzunehmen beginnt.

Schon seit Anfang des Jahrhunderts herrscht bei I unsern französischen Nachbarn die Anstcht, das sicherste | Mittel zur Erhaltung und Vermehrung seiner irdischen | Glücksgüter sei, nur ein Kind, höchstens zwei, zu besitzen. I Noch zu Beginn des Jahrhunderts kamen auf 1000 | Einwohner jährlich 33 Geburten; im achten Jahrzehnt | dagegen sind es nur 24, und seit 1890 zählt man nur noch 22 Geburten auf 1000 Seelen gegen 38 in | Deutschland, Oesterreich und Italien und 38 in England.

Besonders betrübend sind diese Wahrnehmungen unter dem militairischen Gesichtspunkte. Die Anhänger jenes 8 Nationalvereins rechnen ihren Lesern vor, daß unmittel- ' bar nach dem großen Kriege Frankreich fast so viel | Rekruten hatte als Deutschland, nämlich 296 000 gegen 330 000, während gegenwärtig Deutschland um die | Hälfte mehr Rekruten besitze (448 000). Giebt es doch | auch seit 1891 in Deutschland doppelt so viel Geburten g als in Frankreich (1,9 Millionen gegen 0,9 Millionen). |Dies Volk haßt uns," ruft der Statistiker desTemps" I entfett aus,es wird uns verschlingen; die Deutschen B sagen es, sie drucken es, und sie werden es auch aus- führen!"

Hcrrgottswege.

Bauernroman von A. v. Hahn. (Fortsetzung.)

An demselben Tage noch verließ Haust, her Knappe, dem der Alois im Austrage des Vaters gekündigt und 8 einen vollen Monatslohn ausgezahlt hatte, die Mühle, I und Martin zog mit der Agnes in die Stube, wo der | Huber gewohnt und wo der Kram, den er hinterlassen I hatte, gleich stehen und liegen blieb, wie's war, denn die I Beiden brachten nicht viel mit herein, und als der Anne- I marie Schwester hatte die Agnes ein gutes Recht daran.

Des Müllers zermartertes Herz schwellte zum ersten | Male seit jenem Unglücksabend, der ihm sein Eheglück ge= I nommen hatte, eine gewisse Ruhe und Sicherheit und ein Gefühl der Befriedigung, als er sich abends nieder- I legte.

ES war ihm nicht leicht geworden, es ruhig mit anzu- I sehen, wie die Tonerl mit verweinten Augen herum- gegangen wax, seitdem es sich rumgesprochen hatte, daß I der HanSl entlassen sei. Er hatte sein Leid still in die k Brust verschlossen und nicht ansgeschrieen und sie kaum scheel angesehen, wenn'S ihm auch das Herz hatte abdrücken wollen, daß sie gar so schwer daran trug.

Jetzt war er aber auch mit den schwersten Theil | seiner Sühne für längst vergangene Schuld fertig. Denn [ was nun noch kam, war nichts im Vergleich z» dem, was er bis jetzt durchgemacht hatte.

Zu den schlaflosen Nächten, im schweren Kampfe mit

Und wie stellt es mit dem vielgerühmten materiellen Reichthum als Folge der Kinderarmuth? Die Antwort unseres Statistikers lautet wenig tröstlich: Seit dreißig Jahren betrug die mittlere Jahresausfuhr in Frankreich 3,33,4 Milliarden Franken, Deutschland dagegen ver­mehrte seinen Jahresexport von 2,9 auf 4,5 Milliarden Franken; ähnlich ist das Verhältniß in Oesterreich.

Wo soll es hinaus, wenn die für 1895 zuni ersten Male beobachtete Erscheinung einer Abnahme der Ge- sammtbevölkerung in Frankreich (um 17000 Seelen) anhält, während andere Länder, vor allem Deutschland, jährlich mehr künftige Soldaten und Arbeiter hervor­bringen? Der Nationalverein wird nächstens ein Pro­gramm zur Abhilfe des großen Uebelslandes herausgeben. Wir gutmüthigen Deutschen werden sicher in Gemüths­ruhe das Wirken des Vereins abwarten, ohne den uns nachgesagten Heißhunger im Verschlingen unserer beküm­merten Nachbarn zu entwickeln.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 2. März.

Das Kaiserpaar unternahm gestern Nachmittag eine Ausfahrt und besuchte abends mit der Herzogin Adelheid und der Prinzessin Feodora zu Schleswig-Hol- stein-Sonderburg-Augustenbnrg die Vorstellung im Kgl. Schauspielhause.

Heute früh machten der Kaiser und die Kaiserin den gewohnten gemeinsamen Spaziergang durch den Thier­garten und besichtigten auf der Rückkehr im Zeughause die militärischen Andenken an Kaiser Wilhelm den Großen. Hierauf arbeitete der Kaiser zunächst mit dem Chef des Militärkabinets, General v. Hahnke, empfing um 11*/, Uhr vormittags den Staatssekretär des Innern, Dr. v. Boetticher, zum Vortrage und nahm daraus militärische Meldungen, sowie anschließend daran die Berichte der Leibregimenter entgegen. Um 1 Uhr mittags wurde die außerordentliche persische Botschaft empfangen, welche unter dem üblichen Zeremoniell in drei Hof-Galawagen aus ihrem Hotel nach dem Schlosse geführt und nach beendigter Audienz bei dem Kaiser auch von der Kaiserin empfangen wurden. Nachmittags um 2*/ ? Uhr unter­nahm der Kaiser einen Spazierritt und wohnte um 4 Uhr im Apollo-Saale des Schlosses der Fortsetzung des vor einiger Zeit begonnenen Kriegsspieles bei.

sich und den natürlichen Regungen von Haß, Eifersucht und Rachedurst hatte er sich in harter Selbstverleugnung zu dem Vorsätze durchgerungen und Gott dabei in sein Herz sehen lassen, denn er meinte, so Schweres hätt' noch kein Mensch zuwege gebracht, als Sühne für seine Frevelthat an der Vroni, es schweigend weiterzutragen, was ihm die Tonerl gethan hatte und niemandem Ein­blick in sein Martyrium zu gewähren. Da er den Feind seiner Ehre kannte, würde es ihm jetzt leicht werden, sie vor weiterer Befleckung zu schützen. Die Tonerl sollte vor der Welt fein Weib bleiben, und seine Buße sollte das Nebeneinanderleben mit ihr sein. Nur da« eine machte er sich vor dem lieben Gott aus, daß der Alois wegen ihr oder dem Kinde nicht in seinem Erbe verkürzt werden sollte. Das glaubte er der Gerechtigkeit schuldig zu sein.

Als die Tonerl spät abends an seinem Bette vorüber« gehen und in ihrer Kammer verschwinden wollte, rief er sie an und sah ihr zum ersten Male seit Monaten wieder ins Gesicht.

Hör' du an, was ich dir zu sagen hab'!" sprach er gepreßt.Jetzt ist's da drüben aus mit der Geschicht, und da ich will, daß die Schand' begraben bleibt, behalt' ich dich bei mir in meinem Haus. Was kommt, soll bleiben, wie's hingestellt wird vom lieben Gott in die Welt. Und daß du nicht meinst, ich könnt' dir und dem Kinde viel in den Weg legen, sollst gleich wissen, daß Ihr mir beide wie zwei Verwandte im Haus sein sollt, für die ich sorg', so lange ich will. So, nun weißt', wie ich'ü halten will, und jetzt zeig' dein zerjammertes Gesicht

Morgen Abend wird der Kaiser sich nach Wil- helmshaven begeben, um am Donnerstag, dem 4. März, daselbst der Vereidigung der Rekruten beizuwohnen.

Im preußischen Abgeordnetenhause wurde am Montage eine Interpellation über die Ein­führung eines Schutzzolles für Quebrachoholz berathen. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Am Dienstage stand eine Interpellation über die Handwerkerorganisation auf der Tagesordnung. Am Mittwoch und Donnerstag sollten die Plenarsitzungen mit Rücksicht auf die Thätigkeit der Budgetkommission ausfallen.

In der Budgetkommission despceußischen Abgeordneten­hauses hat Minister Thielen in der Generaldebatte zum Etat der Eisenbahnverwaltung die Erklärung abgegeben, die Sonntagsruhe sei allgemein nicht durchführbar, auch nicht im Verkehr der Güterzüge. Soweit es irgend möglich sei, werde den Beamten in dieser Beziehung ge­währt, was sie gerechter Weise beanspruchen könnten.

Auf zahlreichen Zechen des Ruhrkohlenreviers haben die Arbeiter, gemäß den Bochumer Beschlüssen des christlichen Bergarbeiterverbandes, verschiedene Forder­ungen überreicht; insbesondere wird eine 1U prozentige Lohnerhöhung gefordert.

Dem Reichstag ist nun auch der Entwurf eines Gesetzes über die Abäu^ruug des bestehenden Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes zugegangen, nachdem ihm vor Kurzem die Novelle zum Unfallverstcherungsgesetz unterbreitet worden ist. Die gesammte ReichSversicher- ungs-Gesetzgebung soll also auf Grund der gesammelten Erfahrungen einer Durchsicht unterworfen werden, die bei dem Invaliden- und AltersversicherungSgesetz so um­fangreich gedacht ist, daß von den 163 Paragraphen des alten Gesetzes nur 30 unverändert bleiben, 19 ganz fort­fallen und 11 neu hiuzukommen. In der neuen Vor­lage ist das M a rk e n - K l e b e s y st e m beibehalten worden, doch sollen zur Erleichterung des Verfahrens die Marken nicht mehr bloß für eine Woche, sondern auch für größere Zeiträume, für je zwei Wochen und für je ein Vierteljahr, ausgegeben werden.

Auslaitv.

Bis Dienstag war die gleichlautende Note der Mächte i n Athe n noch nicht überreicht. Die Ver­zögerung soll dadurch entstanden sein, daß die Vertreter der Mächte in Athen zunächst sich über die Fassung zu einigen und dann die Genehmigung der Regierung ein« zuholen hatten. Nachdem eine grundsätzliche Einigung i unter den Großmächten erzielt worden ist, muß man an«

nicht mehr so viel herum, sonst kommt's noch so an den Tag, ohne daß ich red'. Glaub' nicht, daß ich kein' Ehr' im Leibe hätt'. Ich hab' nur mit dem lieben Gott was abzurechnen, und Da hab' ich's hingezahlt für die Schuld, mein letztes Herzblut ist mit'gangen. Für dich hab' ich jetzt nichts mehr übrig in der Welt, und ich will sehen, wie ich mich aufricht' an meinem Sohn. Wenn ich einst sterb', sollst' dein Wittibtheil haben, ungeschmälert, wie's dir bestimmt war. Auf sonst was wirst wohl jetzt nicht mehr Anspruch machen. Im Testament will ich's fest­machen, daß dir sonst nichts zukommt, dir nicht und dem Kinde, nicht mehr, als das Gesetz im Zwang Euch zuspricht!"

Als Der Müller das gesagt hatte, drehte er sich auf die andere Seite, und die Tonerl, die mit niederge­schlagenen Augen und mit zusammengepreßten Lippen hinge­hört hatte, ging weiter und legte sich in der Kammer nieder.

Frühzeitig am nächsten Tage ließ der Müller seinen Sohn hereinrufen.

Er theilte ihm mit, daß er heute in die Stadt schicken und Die Gerichtleute herausholen lassen wolle, um sein Testament zu machen. Der Tod käme den Menschen rasch an, und es treibe ihn eine innere Unruhe, alles schnell klar zu machen. Vorher wolle er nun noch einmal mit ihm reden und sich die Versicherung von ihm einholen, daß er sich seinen väterlichen Anordnungen fügen und alles so hinnehmen wolle, wie er's im Testament bestimmen werde. Er ginge nun von der sichern Erwartung aus, den Alois