Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Die Jnsertionsgebiihren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im anitlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

AbomunuentSpreiö

Vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. exel. Postauischlag.

7> '--

Gratisbeilagen: ,,)ll»,striktes Sonntagsblatt" n.)llnftrirte lanöwirthfchaftliche Beilage".

A. 32. AcHlili ta. Wrz

1897.

Amtlicher Theil.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises erhalten in den nächsten Tagen dieStaatsst euer rollen für 1 8 9 7/9 8 zur Abgabe an die Staatssteuerhebestelle be­hufs Aufstellung der Hebeliste, und die hier festgesetzte Gemeinvesteucrliste für 1897/98 mit der Veran­lassung, diese vom 24. März bis cinschl. zum 6. April d I. öffentlich auszulegen und den Beginn der Auslegung in ortsüblicher Weise vorher bekannt zu machen. In die Bekanntmachung ist fol­gender Zusatz a u f z u n e h in e n :

Gegen die Veranlagung steht dem Steuerpflichtigen binnen einer Ausschlußfrist von 4 (vier) Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist die Berufung zu, und zwar

a. wenn die Veranlagung durch die Voreinschätzungs- kommission ohne Beanstandung erfolgt ist, an die Ver - a n t a g u n g s k o m in i s s i o n,

b. wenn die Festsetzung des Steuersatzes durch die Veranlagungskommission stattgefunden hat, an die Be­ruf u n g s k o m m i s s i o n."

Hersfeld, den 12. März 1897.

Der Vorsitzende der Veranlagungskommission:

Freiherr v o n Schleinitz,

I III 731. Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Ein Engländer über unsere Flotte.

In der englischen WochenschriftThe Spectator" wird die Aussicht eines Confliktes zwischen England und Deutschland in einer für die Gegner der Verstärkung unserer Kriegsflotte höchst lehrreichen Form besprochen. Wir geben aus diesem Artikel einige Stellen auszugs­weise hier wieder.

Das Blatt erkennt zunächst an, daß die deutsche Kriegsflotte an sich eine ganz achtbare Macht sei. Offi­ziere und Mannschaften seien alles Lobes werth, sie könnten aber, unbeschadet der Anerkennung ihrer Tapfer­keit, nicht ernstlich in Betracht kommen, sobald es sich um den Kampf mit den englischen Panzern handle. In einem Kriegsfalle, sagt derSpectator", würden zu­nächst jene deutschen Kriegsschiffe, die im Stillen Ozean

Herrgottswege.

Bauernroman von A. v. Hahn.

(Fortsetzung.)

So war's nicht schlimm, daß sie die Annemarie ihre eigenen Wege gehen ließ. z

Wie Ursula erst wieder am Leben der übrigen An­theil zn nehmen begann, da hatte sie's auch bald heraus- gefunden, wo ihr ein rechter Herzenstrost heranblühen konnte. Und die Dirn', die Maria, that gar, als hätt' sie jetzt erst ihren rechten Lebenszweck gefunden, wie die Base Ursula merken ließ, daß ihre Augen gern nach ihr hinsahen. Sie wußte der Alten so freundlich zu kommen und so lieb mit ihr umzugehen, daß es bald keine bessere Freundschaft mehr weitum gab, als zwischen den Beiden.

Es war, als wenn Maria nur darauf gewartet hätte, sich jemand so recht von Herzen anzuschließen. Denn das mußte man Tonerl nachjagen, eine so tüchtige Wirthin sie war und so gut sie auch mit jedem und besonders mit Maria umging, das rechte Mutterglück sah man ihr nie aus den Augen leuchten. Sie war nicht besser und nicht schlechter mit ihrem einzigen Kinde ihre zweite Ehe war kinderlos geblieben, als mit jedem andern Menschen.

Es war ja christlich und schön von Tonerl, daß sie den Menschen allsammt, die ihr in den Weg kamen, Gutes that und ihnen gerecht wurde, aber ein bischen mehr innerste Herzeuswärme hätte sie Maria zeigen können.

Maria wußt's wohl selbst nicht, wo's bei der Mutter

oder an der afrikanischen Küste kreuzen, in den Grund gebohrt. Die deutsche Handelsflagge, die auf allen Meeren wehe und Deutschlands Weltmachstellung reprä­sentiere, sei den Engländern auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert.Allüberall in den Weltmeeren, die unsere (Englands) Kreuzer durchfurche», würden deutsche Han­delsschiffe gekapert und in den Grund gebohrt." Die deutschen Kolonisten müßten im Kriegsfalle froh sein, wenn sie ihren Grund und Boden zu Spottpreisen los- schlagen und dann mit heiler Haut sich in die «Heimath retten könnten. Auf diese Weise ginge das Mutterland mit einem Schlage aller der Vortheile, die deutscher Geist und deutsche Thatkraft in der Ferne errungen, verlustig. Der Norddeutsche Lloyd, diese größte Han­delsmarine der Welt, wäre ruinirt! Dazu die Blockade der deutschen Häfen, durch die dem deutschen Uebersee- Handel ein Verlust von hundert Millionen Pfund zuge- fügt würde. Das Ergebniß eines Konflikts mit Eng- l land wäre für Deutschland die Niederwerfung seiner Handelsmarine, der Verlust eines nach Hunderten von Millionen zählenden Nationalvermögens, die Aufgabe seiner Kolonien und der Zusammenbruch seines Ansehens in der Welt.

DerSpectator" hält seine Darstellung der unaus­bleiblichen Folgen eines zwischen Deutschland und Eng­land ausbrechenden ConfliktS für unanfechtbar, so lange Deutschland über eine Kriegsflotte verfügt, die über ihren jetzigen Umfang nicht hinausgeht.

So klar und unzweideutig sind die Folgen der Ver­nachlässigung unserer Seemacht, bis in ihre Einzelheiten noch nicht dem deutschen Volke vor Augen geführt wor­den, wie in den Ausführungen des englischen Blattes. In ihrer geradezu brutalen Aufrichtigkeit sind sie der beste Weg zur Erkenntniß der Dinge, wie sie sind und sich folgerichtig entwickeln mußten, wenn nicht bei Zeiten und ausreichend vorgesorgt wirb zum Wohl der Allge­meinheit. Würde nicht die Absicht der englischen Dar­legungen zn klar in die Erscheinung treten, man könnte glauben, es sei die Stimme des freundlichen WarnerS; die jenseits des Kanals ertönt. Aber als ernste Mah­nung mögen sie bei uns aufgefaßt werden und weit hinaus dringen in's deutsche Land, die Geister zu wecken zu energischer That!

fehlte, daß sie sich ihr nicht so anschmiegen konnte, wie's ihr zärtliches Herz gern gemacht hätte, aber sie hatte es doch von klein auf herausgefühlt, daß der Mutter nichts daran lag, wenn sie ihr liebkosend nahte, und darum hatte sie erst den Hanslvater mit ihren ganzen Schatz von Kindesliebe und Zärtlichkeit überschwemmt, und als es später so gut zwischen ihr und der Base Ursula wurde, dieser ihr ganzes liebes Herz entgegengetragen.

So war's eine Reihe von Jahren hingegangen und Maria ein schönes, blühendes Mädchen von sechzehn Jahren geworden, das gar fleißig war in Haus und Hof und sich nicht scheute, überall mit anzugreifen, aber auch viel Schönes und Nützliches gelernt hatte, was nicht gerade in einen Bauernhof hingehörte.

Gerade wie's die Ursula mit dem Alois angefangen, an dem sie einen regen Seist und vieles entdeckt hatte, was nach ihrem Sinn zu schade war, um ungepflegt zu verkümmern, gerade so hatte sie mit der Maria nicht Ruhe gelassen, bis Tonerl Ja und Amen gesagt und die Dirn alle Tage hinunter gelassen hat zum Herrn Pfarrer, von dem sie in Sachen unterrichtet wurde, die in der Dorfschule nicht gelehrt wurden, und bei dessen Schwester sie mit Nadel und Schere und sonstigem weiblichen Werk­zeug hantieren lernte.

Ursula hatte ihre heimliche Herzensfreude daran, daß Maria nun eine so andere Art besam und ein so apartes Gethu, wie die übrigen Dirnen im Dorfe nicht hatten. Denn Ursula, so schlicht und bescheiven sie in ihrem Wesen war, die bäuerische Art und das Grobe und Ungeschlachte hatte sie feit ihrer Jugendzeit nicht mehr

Europa gegen Griechenland.

Mit dem stolzen FeldgeschreiGriechenland gegen Europa" begann vor etwas mehr als einem Monat das kretische Abenteuer, unter dem niederdrückenden Bewußt­seinEuropa gegen Griechenland" neigt es sich jetzt seinem Ende zu. Auf der ganzen Linie ist die Griechen­freundlichkeit im Rückzüge begriffen. Nach dem, was unter Mitwirkung Griechenlands oder jedenfalls unter seiner Verantwortung auf Kreta geschehen ist, kann auch in England und Frankreich kein ernst zu nehmender Politiker mehr daran denken, daß es möglich sei, den Griechen eine Mission der Menschlichkeit und der Friedens­stiftung anzuvertrauen.

Das fernere Schicksal der unglücklichen Insel tritt augenblicklich in den Hintergrund gegenüber der dringen­der werdenden Nothwendigkeit, mit den Hellenen auf dem Festlande abzurechnen. Blockadeschiffe vor den Häfen und überlegene türkische Streitkräfte an der thessalischen Grenze dürfen bald einen Zustand der Beklemmung her­beiführen, der die athenischen Phantasten zu der rauhen Wirklichkeit der Dinge zurückbringen und der Einsicht Bahn brechen müßte, daß der geniale Plan des Königs Georg und seiner Minister, Kreta den Mächten vor der Nase wegzuschnappen, gründlich fehlgeschlagen ist.

England, Frankreich und Italien besinnen sich bereits auf die Interessen, die sie als Mittelmeermächte zu schützen haben. Sie können nicht gleichgiltig bleiben, wenn in den kretischen Buchten sich griechische Seestreitkräfte, seien es auch nur Torpedoboote, unter irgend einem Vorwande dauernd festsetzen wollen. Im Innern der Insel ist die Okkupation" durch Oberst VassoS nicht geeignet, ein den Mächten imponierendes fait accompli zu schaffen oder bleibende Erfolge im griechischen Sinne zu erzielen. So hat denn die Anwandlung von Großmachtspolitik für Griechenland nichts erreicht, aber viel gefährdet, und die Athener Regierung wird sich beeilen müssen, wenn sie für die Zukunftshoffnungen des Hellenenvolkes noch einen Rest von Entgegenkommen retten will.

Politische Nachrichten.

Berlin, 13. März.

Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin unternahmen heute Vormittag einen gemein-

so recht leiden können, seit jener Zeit, wo sie als Freundin der Pfarrersschwester selbst viel im Pfarrhause unten ver­kehrt hatte.

Sie war mit ihr, die als Kind mit dem Pfarrherrn ins Dorf gesommert war, die letzten Schuljahre zusammen gewesen, und die beiden Mädchen hatten sich innig an­einander angeschtossen.

Später hatte der Pfarrer seine Schwester in ein Kloster geschickt, wo ihre Ausbildung vollendet wurde. Als sie dann als erwachsenes Mädchen zurückkehrte, um dem Bruder den Haushalt zu versehen, hatte sie die alte Freundschaft mit Ursula vom Gundelhof wieder ausge­nommen.

Ursula war dann im Pfarrhause ein- und ausge­gangen unb hatte dort viel gesehen, was anders war, als im Gundelhofe, und was mehr nach ihrem Sinn war.

Damals es war vordem, ehe der Vetter des Pfarrherrn zur Erholung seiner Gesundheit vorübergehend im Pfarrhause Quartier genommen hatte, damals hatte sie sich's im Stillen gelobt, wenn sie heirathen und Gott ihr Kuider schenken sollte, dann müßten sie so sein und so denken lernen, wie diese Menschen, zu denen sie mit Bewunderung und, weil sie anders war, mit heimlich nagendem Schmerz emporsah.

Das Heirathen war ihr aber dann als etwas arg Schlimmes vorgekommen, als ihr der Vater diesen und jenen Freier zuführte und sie immer nur mit heimlicher Sehnsucht an den fremden Vetter des Pfarrers zurück­denken mußte, der lie beim Mondschein, als er sie ein-