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Aber allmählich werden die Europäer von den Seestädten aus vordringen, unmittelbare Fühlung mit den kretischen Führern gewinnen und diese überzeugen, daß die griechische, von keiner Macht anerkannte Besitzergreifung ihrer Heimath ebenso tiefe Wunden schlägt, als die türkische Herrschaft. Tritt erst eine schärfere Bewachung der Küsten in Verbindung mit Blockademaßregeln gegen Griechenland hinzu, so wird Vassos mit seinen Truppen halb als ein verlorener Posten betrachtet werden müssen.
Politische Nachrichten.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 13. März 1897.
Im Anschluß an mein Aus schreiben vom 1. Februar b. Js. I. I. Nr. 889, Kreisblatt Nr. 15, benachrichtige ich die Herren Ortsvorstände ec. weiter, daß der Bezugspreis des Einzelexemplars von der anläßlich der Feier des hundertjährigen Geburtstages des hochseligen Kaisers Wilhelm I. von der Freifrau A. von Liliencron beraus- gegebenen Schrift „Kaiser Wilhelm der Große" nicht 22 Pfg. sondern 30 Psg beträgt, und daß es sich empfiehlt, die Einzelexemplare durch die Buchhandlungen zu beziehe», da dieselben sich durch den direkten Verkehr des Publikums mit dem Verleger beeinträchtigt sehen.
I. 1754. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Hersfeld, den 15. März 1897.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügungen
1. vom 15. April 1886 Nr. 4578, Kreisblatt Nr. 46, die Körung der Zuchtbullen betreffend,
- 2. vom 1. April 1879 Nr. 4004, Kreisblatt Nr. 27, die Revision der Kirchen- und Schalgebänden betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis zum 22. d. M t S. bei Reibung von 3 Mark Strafe H hieran erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
KlichtamtUcher Theil.
Vor der Blockade.
Die Stunde rückt heran, wo Griechenlana am eigenen Leibe spüren dürfte, was es durch Kundgebungen seiner Staatsmänner, wie durch die Agitation der diesen dienstwilligen Presse in allen Ländern Europas so oft hinwegzuspolten versucht hat: die Einigkeit der zur Ge- waltanweuovng entschlossenen Großmächte. Wenn nicht alle Nachrichten trügen, werden an die Stelle der diplo
Herrgottsmege.
Bauernroman von A. v. Hahn.
(Fortsetzung.)
Es konnte ja nimmer so werden, wie's mit ihr gekommen war. Denn wenn ein rechter und rechtlicher Mann sich in Maria verliebte, dann, mochte er sein, wer er wollte, konnte er sie auch heimführen. Maria war ja wie er.
Und dann meinte Ursula, dürfte sie Maria auch gerade nicht von solchen Menschen fernhalte». Denn, wenn's nicht geschah, was sie heimlich hoffte von Tag zu Tag, daß AloiS zurückkam und sie ihm Maria mitgeben konnte, damit sie sich draußen umsehen und sich ein Glück suchen konnte, dann mußte es doch der liebe Gott fügen, daß ihr Glück, wenn der Maria ein solches bestimmt war, hierher kam und sie suchte.
Darum, meinte Ursula, durfte sie die Dirn' nicht zurückhalten und mußte eS gehen lassen, wie das Schicksal den Weg nahm.
Und Maria ging nach wie vor alle Tage inS Pfarrhaus hinunter, und immer Neues und Liebes wußte sie von dem fremden Mann zu erzählen, der ein Doktor war und von den Pfarrersleuten gar lieb behandelt wurde.
Sie war nun selbst auch mit ihm bekannt gemacht worden und erzählte es mit leuchtenden Augen, daß er sie immer gar so freundlich ansehe, wenn e> mit ihr spreche, und sie könnt'S der Base gar nicht sagen, was für ein guter Mensch er fei, und daß sie noch nie in ihrem Leben
matischen Noten in nächster Zeit die kürzer und kräftiger redenden Zeichen der internationalen Signalsprache von den Mästen fremder Kriegsschiffe aus die Griechen zu der Haltung ermähnen, die man in ihrem eigenen Interesse von ihnen erwartet.
Im Ausblick zu den Ueberresten antiker Größe, an den stolzen Linien der für heilig geachteten Akropolis hat sich die Seele der modernen Athener zu einem Größenwahn erhitzt, der die Welt gegen sich in die Schranken fordert. Jetzt soll diesen jede Besinnung verdrängenden Bildern ein wirksames Pendant gegeben werden durch Eröffnung der Perspektive auf die Umrisse schwimmender Festungen, die Europa vor die hellenischen Häfen senden wird. Der Blockadezustand drückt das ganze Mißverhältniß zwischen der Schwäche des Ruhestörers und der Uebermacht der Friedenswächter anschau- lich aus, auf der einen Seile eine fast schutzlose Küste, auf der andern schwere, kaum angreifbare Pauzerkolosse.
Als eine friedliche soll, nach dem Willen der Mächte, die Blockade beginnen. Es hängt aber fernerhin nicht vom Wellen der Mächte ab, ob sie eine friedliche bleibt. Werden die Signalbefehle der europäischen Admirale von den hellenischen „Geschwadern" mit Feindseligkeiten beantwortet, finden die Offiziere griechischer Strandbatterien den verhängnißvollen Muth, auf die Schiffe der Großmächte feuern zu lassen, dann entsteht eine Lage, bereit Entwicklung im Dränge des Augenblicks diplomatischen Eingriffen entzogen ist. Die Ehre der Flagge verlangt, daß ein gewaltsamer Angriff gewaltsam zurückgewiesen wird. Jeder Freund der Kultur muß den Wunsch hegen, daß den europäischen Seeoffizieren gewisse traurige Nothwendigkeiten erspart bleiben. Die Blockadeschiffe verfügen über Kanonen, deren Sprenggeschosse von der Bucht von Phaleron bis auf die Akropolis tragen. Der Apell an die ultima ratio dieser Artillerie wird sich hoffentlich vermeiden lassen.
Fast sollte man denken, mehr als alle Zwangsmaßregeln müsse auf die Gemüther der Athener der Eindruck ernüchternd wirke», daß ja der letzte Zweck aller Anstrengungen schon jetzt als verfehlt zu betrachten, daß Kreta für Griechenland doch nicht zu haben ist. An den wichtigern Küstenpunkten der Insel haben die Mächte ihre Flaggen gehißt, und wann sie diese wieder einziehen werden, hat nicht Griechenland zu bestimmen. Im Innern sind ausgedehnte Landschaften durch Herrn Vassos für Rechnung und Gefahr des Königs Georgios besetzt.
einen fremben Menschen so gern gehabt hätte, wie ihn.
Da war's der Ursula doch zu Muthe, als dürfte sie das länger nicht so hingehen lassen, und sie mußte selbst einmal hinuntergehen und sehen, was der liebe Gott dort für ein Schicksal für die Maria vorbereitet habe.
Als Maria am nächsten Tage wieder aus dem Pfarr- Hof Heranfkam, brächte sie die Nachricht mit, der fremde Herr sei abgereist, nur auf ein par Tage, und er wollte wiederkommen.
Ursula wurde dabei so sonderbar ums Herz, als Maria das so leise hinsprach und dabei so fortblickte, durch's offene Fenster hinaus in die Weite, als könne sie durch die Luft hinter jemand herschauen, der weit drüben in der Welt, in her weiten Ferne hinging.
Es kam ihr ein, wie's damals gewesen, wie sie in die blaue Luft hinausgeschaut hatte, in die sonnige Helle bis ihr die Augen weh thaten, und sie dabei hatte denken und denken müssen, daß es ihr das Herz zusammenpreßte und ihr die Thränen aus den Augen rollten. So viele Jahre hatte sie in die Weite hinausgeschant, wo er nimmer und nimmer auftauchen wollte.
So war's nun gerade mit Maria. Denn als Ursula nach ihrem Gesicht herüberschielte, auf dem ein eigener Ausdruck lag, als wenn ein Fl ühlingsschauer über Blüthen gegangen wär', da wußte sie's ganz genau — und die Erinnerung zuckte ihr mit demselben Weh durch die Brust, das sie damals empfunden hatte, als sie so hinter ihrem versunkenen Glück herschaute —, daß Maria jetzt auch nimmer darüber hinweg konnte, was ihr geschehen war.
Berlin, 16. März.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin unternahmen heute Vormittag eine gemeinsame Spazierfahrt. Von derselben zurückgekehrt, empfing der Kaiser den Chef des Militärkabinets General v. Hahnke, den stellvertretenden Chef der Ingenieur- und Pioniercorps und der Festungen, General v. Falckenstein, sowie den Kriegsminister v. Sollet zu gemeinsamem Vortrage und arbeitete demnächst mit dem Chef des Militärkabinets. Um 12 Uhr wohnte der Kaiser auf dem Kasernenhofe des zweiten Garde-Dragoner-RegimentS der feierlichen HeUrgabe der dem Regiments von der Kaiserin von Rußland verliehenen silbernen Kesselpauken bei. Vor dem Frühstück nahm der Kaiser noch einige militärische Meldungen entgegen. Heute Abend wird das Kaiserpaar einer Einladung des russischen Botschafters zum Diner entsprechen.
Bei der Hundertjahrfeier wird sich der König von Schweden und Norwegen durch den Kronprinzen vertreten lassen, der Sonnabend in Berlin eintreffen wird. Der russische Hof wird durch den Großfürsten Wladimir vertreten sein. Den König von Rumänien wird Prinz Ferdinand von Rumänien vertreten. Der frühere Reichskanzler Graf Caprivi hat die Einladung wegen ungünstigen körperlichen Befindens abgelehnt.
Der Reichstag hat am Montage das Schuldentilgungsgesetz in dritter Lesung angenommen und darnach Petitionen erledigt. Am Dienstage wurde in die Berathung des Auslieferungsvertrages zwischen dem deutschen Reiche und den Niederlanden eingetreten. Auf der Tagesordnung stand ferner noch die erste Berathung des Auswanderungsgesetzes.
Zu den A b st r i ch e n am M a r i n e e t a t seitens
Da erhob sich Ursula, so krumm und lahm sie auch jetzt schon geworden, aus ihrem Lehnstuhl, den sie nur selten noch verließ, und ging zu Maria hin, die sich plötzlich an dem Tisch niedergelassen, vor dem sie stand und den Kopf in die verschlungenen Arme hinein gelegt hatte.
Sie legte ihr die alte, runzlige Hand auf den blonden Scheitel, und ließ sich neben ihr auf einen Stuhl nieder.
Dann sprach sie zu ihr. Ihre eigene Geschichte erzählte sie, die so weit zurücklag, in der rosigen Jugendzeit. So weit zurück —, und so viele dunkle Schichten Leben hatten sich zwischen jenen goldenen Tagen und der Gegenwart aufgelhürmt, daß sie erst gar nicht zurückfinden und sich zncechtfinden konnte mit dem Wort und die Augen schließen mußte, denn sie war so lange im Dunkeln hingegangen, daß ihr jetzt die Thränen in die Augen kamen, als sie in den Sonnenschein jener Vergangenheit zurückblickle. Sie mußte die Hand aus's Herz pressen, wo die verlöschten Flamme» wieder empotzuckten, ehe sie sprechen konnte.
Dann aber fand sie die rechten Worte, daß sie's Maria erzählen konnte, wie's damals gewesen und wie's gekommen, daß sie den Blick »immer ins Leben hatte zurückwenden können, sondern nur immer ihrem versunkenen Jugendsonnenschein hatte nachträumen müssen.
Maria hörte es an. Ihre Brust hob sich dabei so beklommen, und ein langer, banger Seufzer schwebte von ihren Sippen. Dann glitt sie nieder, legte ihren ' Kopf in den Schoß der Base, und ein zittern flog über