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Nr. 36. ImeM h 25. Miirz 1897.

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die Expedition.

Amtlicher Theil.

Hünfeld, den 18. März 1897.

Unter dem Rindviehbestand des August Malkmus zu Hünfeld, und des Bahnwärters Friedrich Lübeck zu Gruben A. B. ist die Maul- und Klauenseuche auSge- brochen.

Der Königliche Landralh. I. V. L 0 0 ck. An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld. I. Nr. 2657.

* * * Hersfeld, den 23. März 1897.

Wird veröffentlicht.

I. 1905. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer RegierungS-Rath.

Herrgottsmege.

Bauernroman von A. v. Hahn.

(Fortsetzung.)

Ursula war ganz wirr im Kopf, nachdem Alois ge­sprochen hatte, sodass sie noch gar nicht darüber zur Be­sinnung kam, welch harter Schlag in anderer Weise der armen Maria bevorstand.

Sie besprachen noch vielerlei, und als sie endlich zu Ende kamen, da war's auch Zeit, daß die Ursula auf- brach.

Alois setzte sich neben Ursula in das kleine Wägel­chen. Er wollte mit ihr ein Stück Weges mit hinauf­fahren.

Mit Rücksicht auf den Knecht sprachen sie unterwegs nicht mehr, als ein gleichgültiges Wort, was ihnen ge­rade am Wege aufstieß, und fuhren die Dorfstraße und den Zickzackweg, der zum Gundelhofe hinaufführte, ein­silbig dahin. Bei der letzten Biegung ließ Alois halten und sprang ab.

Er reichte Ursula die Hand, und sie nickten ein­ander zu.

Dann fuhr das Wägelchen weiter, und Ursula sah bekümmert vor sich hin, denn nun kam das Herzeleid mit ganzer Gewalt über sie, und war ihr gerade, als sollte sie Maria ins Grab legen, Sie mußt'S ihr ja noch

Nichtamtlicher Theil.

Jas Wilhelmsfest in her ReWnHM.

Der 2 2. M ä r z.

Der eigentliche Hundertjahrtag der Geburt Kaiser Wilhelms trug, schon nach dem Leben und Treiben auf der Straße zu urtheilen, das Gepräge eines großen na­tionalen Festtages. Schon daß von allen Gegenden der Stadt die Truppen zur Paradeaufstellung sich nach der StraßeUnter den Linden" begaben und Scharen von Menschen ihnen das Geleite gaben, brächte halb Berlin auf die Beine. Die mit Eintrittskarten zur Enthüllungs- feier Versehenen konnten nicht früh genug ihre Tribünen« plätze einnehmen.

Am frühen Morgen, um 9 Uhr, besuchte das Kaiser­paar, von allen Seiten jubelnd begrüßt, das Mausoleum in Charlottenburg, um hier am Sarge des großen Kaisers zu beten und einen Lorbeerkranz niederzulegen. Die Majestäten knieten am Sarge nieder und verharrten lange im stillen Gebet. Hierauf begab sich das Kaiser­paar in die Mausoleumshalle, wo schon zahlreiche Kränze niedergelegt worden waren.

Der Kaiser verließ in tiefem Ernste und sichtlich be­wegt die Gruft seines Großvaters, dessen Liebling er gewesen. Hatte er doch soeben erst wieder durch den kaiserlichen Erlaß, betreffend die Einführung der deutschen Kokarde in der Armee, im Verein mit den Bundesfürsten es dem deutschen Volke und der ganzen Welt bezeugen dürfen, daß das Werk der Einigung Deutschlands fest und unwandelbar besteht, so wie es der Begründer der nationalen Einheit geschaffen hat. Vor dem Königlichen Palais machte das Kaiserpaar Halt, um auch das Sterbe­zimmer des Kaisers Wilhelm I. zu stiller Andacht aufzu- suchen. Im Empfangssalon harrten seiner schon der Großherzog und die Großherzogin von Baden. Mit diesen begab sich das Kaiserpaar durch das Arbeitskabinel nach dem Sterbezimmer, dessen Thür heute geöffnet war. Auf dem Tische stand ein schlichter Kornblumenstrauß. Wohl zehn Minuten verweilten die hohen Herrschaften an dieser weihevollen Stätte.

Als das Kaiserpaar in das Schloß zurückkehrte, waren bereits die schön geschmückten mit rothem Tuch ausge­schlagenen Tribünen am Schloß dichtbesetzt. Zu Füßen des Denkmals, das mit gewaltigen Leinewandsegeln verhüllt war, standen Posten der Garderegimenter, vor den Tri­bünen die Abordnungen derjenigen Regimenter der fremden Staaten, deren Chef Wilhelm der Große gewesen war, die russischen OffizierS-Teputationen mit ihren Lamm«

heut' sagen, das Schreckliche, das sich wie der Tod um ihr junges Herz legen würde, damit sie's über Nacht verarbeiten und sich hineinfinden lernte, ehe Alois kam. Sie mußte ihn ja als ihren Bruder mit lächelnden! Mund hinnehmen und durft'S nicht merken laffen, daß ihr der Bruderkuß eine Dornenkrone aufs Haupt legte.

Alois war nicht gleich zurückgegangen, als Ursula allein weiter fuhr.

Er war gerade an der Stelle abgestiegen, wo er und Annemarie damals am Wege geseffen und erkannt hatten, daß er nicht Priester werden durfte.

Da war der begrabene Schmerz um jenes versunkene Glück wieder auferstanden und eine Wehmuth über ihn gekommen, daß er sich nicht fassen konnte und laut auf­schluchzend unter die Bäume getreten war, unter denen er als Bube gelegen und in den Himmel hinaufge­träumt hatte.

Es zwang ihn etwa's sich in das Gras zu werfen und zu weinen, so recht aus Herzensgrund zu weinen, wie er's seit vielen Jahren nicht mehr gekonnt, seitdem der Haß und der Durst nach Vergeltung an seinem Herzen nagten.

Alles war ihm eingekommen, seine verlorene Jugend, seine vergrämten Mannesjahre, und auch das Herzeleid jetzt, welches er sich nicht eingestehen wollte, daß Maria just seine Schwester war.

fellmützen, die Abordnung des österreichischen Husaren- Regiment in ihrer kleidsamen Uniform, sie tragen Kränze von goldenen oder silbernen Palmen, die sie am Denk­mal niederlegen werden; die Leibkürassiere brachten einen Riesenkranz mit langer Schleife heran; Soldaten der Schloßgardecompagnie erschienen mit wunderschönen Blumengewinden.

Es war ein farbenprächtiges Bild das sich dem Auge darstellte. Der geschmackvolle Kaiserpavillon in rothem Sammet mit goldenen Kaiseradlern, war von einer Menge von Uniformen der Militärs und hohen Staats­beamten umfluthet, so daß es schwer hielt den einzelnen Eindruck festzuhalten, denn jeder Augenblick drängte ein neues Bild auf. Die Generalität füllt die Tribüne rechts vom Kaiserzelt, wie ein wogendes Feld von Federbüschen, während links die Räthe erster Klaffe mit den breiten goldenen Tressen ihrer Hüte sich wie ein goldgefurchtes Par- quet ausnahmen. Die hellgekleideten Damen, die Ver­treter der Universität und der Kunstakademie in ihren farbenprächtigen mittelalterlichen Trachten, die Offiziers­uniformen aller Nationen: das alles wogt durcheinander, bis von ferne her vieltausendstimmiges Hurrahrufen die Ankunft des Kaisers und damit den Beginn der Ent- Hüllungsfeier verkündigt. Zur selben Zeit füllt sich auch das Kaiserzelt. Die Kaiserin in einem hell Lila Staats« kleide mit der Kette des schwarzen Adlerordens geschmückt, den Prinzen Oskar in Matrosenkleidung an ihrer Seite, neben ihr in schwarzer Trauerkleidung die Kaiserin Friedrich, und rechts und links von beiden der Prinz- Regent Luitpold und der König von Sachsen, hinter und neben ihnen die deutschen und die fremden Fürsten. Der Kaiser hatte die Fahnen der Regimenter, deren Chef Kaiser Wilhelm I. gewesen, aus dem Palais mit der ersten Compagnie des ersten Garde-Regiments, in welcher die kaiserlichen Prinzen Dienst thun, vom Palais Unter den Linden abgeholt, die Fahnenträger stellten sich am Fuße des Denkmals auf, der Kaiser nahm vor dem Kaiserzelte Stellung, er hatte die Uniform der Garde du Corps angelegt ohne Paletot, und ritt ein Prachtroß.

Auf das Kommando des Kaisers locken die Tambours des ersten Garde-Regiments zum Gebet, erst stark ein­setzend, dann nach und nach verhallend, hierauf bliesen die Trompeter der Kavallerie zum Gebet. Das Bläser­chor spielte des Kaisers Lieblingschoral:Wir treten zum Beten" und danach:Großer Gott, wir loben dich!" worauf Generalsuperintendent D. Faber mit lauter, über den ganzen Festplatz dringender Stimme die Weiherede hielt über das Wort:Herr Gott, du bist Sonne und Schild, du giebst Gnade und Ehre! Wohl dem Menschen, der sich auf dich verläßt." Er schließt mit dem Gebete:

Als er dann aber nach seinem heftigen Thränener- guß noch ruhig im Grase liegen blieb und sich in stiller Resignation sein künftiges Zusammenleben mit der Schwester auszumalen begann und so viel freundliche Versöhnung daraus emporblühen sah, hörte er plötzlich, nicht weit ab von der Stelle, wo er lag, jenseits einer Hecke, die den Obstgarten von dem Gemüsegarten schied, wo der Weg sich nach der Sitter abzweigte, zwei Stimmen laut werden.

Die eine gedämpfte Stimme erkannte er gleich, es war die der Stiefmutter. Die andere rohe und unge­stüme Männerstimme war ihm fremd, es hörte sich an, als wenn der Mann, der so grob hinaussprach, betrunken oder nicht ganz klar im Kopfe sei.

Du bist die schlechteste Kreatur unter der Sonne," sagte Tonerl in unterdrücktem Zorn. Auf'» heilige Kreuz hast' mir's geschworen, nimmer was zu verrathen von dem, was du weißt, und gleich, wenn ich dir nicht will­fahr', weil'S mir schier unmöglich ist, dich zu befriedigen, denn ich bin bald ruiniert durch deine Forderungen, drohst' mit Verrath 1"

Meinst', ich werd' dich sitzen lassen wie die Made im Speck und dich dickthun lassen in deinem Reichthum und ich werd' noch schön katzenbuckeln vor dir, wenn du mich durchfütterst wie einen Hund, wo ich'» anders haben kann? Da wird nichts daraus! Entweder du giebst, was