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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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Gratisbeilagen:)llnstrirtes Sonntagsblatt" n.)llnftrirte lanvwirthschaftliche Beilage".

«r. 39.

Sonntrlog he« 1. April

1897.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt"» Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das II. Quartal 1897 werden noch von allen Kaiserlichen poftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Tlseil.

Mit dem Inkrafttreten des neuen Lehrerbesoldungs­gesetzes vom 3. d. Mts. (G. S. S. 25 fg.) kommen die bisherigen staatlichen Dienstalterszulagen in Fortfall und es greift auch bezüglich der Staatsbeiträge bei den großen Stadtgemeinden eine andere Berechnung Platz.

Da jedoch die neuen Leistungen des Staates erst im weiteren Verlauf der Ausführung des Gesetzes im Ein­zelnen festgestellt werden können, so weisen wir die Königlichen Kreiskassen auf Grund der uns Seitens des Herrn Finanzministers und des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten mittels AusführungS-Anweisung vom 20. d. Mts. er­theilten Ermächtigung an, den Schulverbänden die seit­herigen gesetzlichen Staatsbeiträge, den Lehrern und Lehrerinnen die seitherigen staatlichen Alterszulagen einstweilen und vorbehaltlich späterer endgültiger Ver­rechnung vom 1. April d. Js. ab vorschußweise weiter zu zahlen.

An sämmtliche Kreiskassen des Bezirks.

* *

Abschriftlich zur Kenntnißnahme und Benachrichtigung der Betheiligten.

Die Schulverbände sind zugleich anzuweisen, die Ge­hälter an die Lehrpersonen in der bisherigen Weise fort- zuzahlen, bis von hier aus eine anderweitige Festsetzung derselben erfolgt. Die Zahlung hat jedoch gemäß § 21 des Gesetzes vierteljährlich, bezw. an provisorische Lehrer monatlich zu erfolgen rc. rc.

Königl. Regierung, Abtheilung für Kirchen- u. Schulsachen. gcz. F l i e d n e r.

An die Herren Landräthe des Bezirks und die Herren Oberbürgermeister zu Caffel und Hanau. J. Nr. B. 3469.

* * *

Hersfeld, den 30. März 1897.

Vorstehender Erlaß wird den Königlichen Herren

Herrgottswege.

Bauernroman von A. v. Hahn. (Fortsetzung.)

Maria ist nicht dein Kind? Nicht meines Vaters Kind?" rief er mit einer Stimme, als sollte ihm die Ant­wort den Himmel in den Schoß legen.Sag', ist das wirklich wahr und wirst du nicht wieder anders sprechen, wenn du die wirkliche Wahrheit bekennen mußt?"

Ich hab' nicht mehr zu bekennen," entgegnete Tonerl rauh.Die Strafe dafür will ich gern tragen. Wenn ich's nur müßt, daß Hans den Müller nicht umgebracht hat, damit mir's wieder leichter am Herzen würde und ich's Hans zeigen könnte, wie ich ihn gern haben muß mein Leben lang!" stöhnte Tonerl und schlug die Hände vorS Gesicht.

Wirst du's beschwören, daß Maria dein Kind nicht ist? fragte AloiS in einer Aufregung, die Tonerl seltsam war. Sie hätte Alois eine solche Habgier nimmer zu- getraut.

Freilich will ich das!" sagte sie bitter.Aber du kannst Maria noch heut' von deinem Hof gehen sehen, denn sie ist mir lieb, wie ein eigenes Kind, und Hans und ich, wir werden sie schon mit durchbringen in der

Ortsschulinspektoren des Kreises zur gefälligen Beschei­dung der Ihnen unterstellten Herren Lehrer mitgetheilt.

Die Herrn Ortsvorstände haben die Gemeinde-Er- heber mit entsprechender Anweisung zu versehen.

I. 1984. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Hersfeld, den 26. März 1897.

Von dem Herrn Minister für Handel und Gewerbe ist darauf hingewiesen worden, daß es sich empfiehlt, wenn Arbeitgeber bei Errichtung oder wesentlicher Ver­änderung von Betriebsstätten (d. h. soweit es sich um nicht konzessionspflichtige gewerbliche Anlagen handelt) den Gewerbeaufsichtsbeamten resp die Bauinspektion zu Rathe ziehen, damit zur Vermei­dung nachträglicher Weiterungen und unnöthiger Kosten die erforderlichen Einrichtungen von vornherein getroffen werden können, welche im Interesse der Arbeiter in den §§. 120 ad der Gewerbe-Ordnung zur Vorschrift ge­macht sind.

Die Ortspolizeibehörden erhalten die Auflage, ge­gebenen Falles die betreffenden Gewerbtreibenden hier­nach zu bescheiden.

J. I. Nr. 1968. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Fürst Bismarcks Geburtstag.

1. April.

Wo immer am Beginn der vergangenen Woche im In- und Auslande deutsche Männer zusammenkamen, um das Andenken an unsern unvergeßlichen Kaiser Wilhelm den Großen festlich zu begehen und sich sinnend in die Vergangenheit zu versenken, in der in heißen Kämpfen das deutsche Reich erstand, da ist auch vor allen eines Mannes gedacht worden, dessen Name schon jedes deutsche Herz höher schlagen läßt, des einzigen noch lebenden und des hervorragendsten unter den Paladinen unsers Heldenkaisers, des gewaltigen ersten Kanzlers des neuerstandenen Reiches: des Fürsten Bis- marck. Mit Recht! Der Held des Krieges, der Vater seines Volkes und das Genie im Staate, in der Kunst des Regierens und des Vollbringens, sie sind untrennbar. In beiden Persönlichkeiten sieht die Geschichte eine nie zuvor erhörte Vereinigung von Heldenthum und genia­lem Geiste, von entschiedenem Wollen und vollendetem Können, von muthigem Beharren und beharrlichem

Welt, du sprachst vorhin, du woll'st Hans die Schuld um | Maria wegen nicht nachtragen vor Gericht," fuhr sie er­stickt fort und sah ängstlich forschend zu Alois auf, der so froh und glücklich aussah, als wäre der Himmel zu ihm niedergestiegen.Wirst du jetzt hingehn und ihn ver­klagen, weil du's weißt, daß Maria deine Schwester nicht ist? Es ist nun siebzehn Jahr her, und er that's in der Nothwehr, AloiS, wenn er's wirklich gewesen ist!" schloß Tonerl in heißer Bitte.

Wie Alois antworten wollte, öffnete sich die Thür, und Hans kam herein.

Er wußt's wohl, daß Alois gekommen war, aber er trat doch mit hoch erhobenem Haupt herein, als braucht er Alois nicht zu scheuen.

Steh auf! Was liegst' vor dem auf den Knieen, hast' was verbrochen?" herrschte er sie an und zog sie empor.Ich mein', ich hab' doch nur verbrochen" fuhr er bitter fort und ließ sich schwer auf den Stuhl nieder.

Dies Weib da," wandle er sich an Alois und wies nach Tonerl,dies Weib, das gemeint hat, es hätt' mich lieb, und das mich kennt wie ihr eigenes Leben, denn ich hab' meine Seel' nicht vor ihr versteckt, dies Weib hält mich für den Mörder deines Vaters, Alois. Sieb­zehn Jahre hindurch hat sie mich dafür gehalten! Heut'

Muthe, von zähem Festhalten am Königsrecht und küh­nem Vordringen zu kaiserlicher Herrlichkeit.

Blicken wir zurück auf die Zeit, wo Fürst Bismarck zuerst in die Geschicke unseres Vaterlandes "eingriff. Wallt nicht allen guten Deutschen, wenigstens den ältern, noch heute das Blut in heißem Grolle auf, wenn jene trüben Tage des alten deutschen Bundes in der Erinne­rung aufsteigen? Da war es, in jenen Tagen des tiefsten politischen Elends unsers im Innern zerrissene^, int Auslande mißachteten, verlachten, verhöhnten Volkes, wo uns der Gott begnadete, Gott gerüstete Rächer und Retter erstand! Da trat er heraus für uns auf den Plan, da stürzte er mit der Kraft und dem Muth und dem Feuer eines KriegSgottes sich hinein in den Kampf, den Jahre lang dauernden gewaltigen Titanenkampf gegen die innern und äußern Feinde unserer Einheit, unsers Glücks, unserer Macht, unserer Größe. Und nicht lange hat es gewährt, da ist in manches deutschen Mannes Brust der Traum unserer Väter aufs neue er­wacht, das alte .fast vergessene Lied aufs neue erklungen, der alte schöne Traum vom einigen Vaterlande, das alte mächtige Lied vom deutschen Kaiserreich!

Fürst Bismarck war es, der zuerst mit Seherblick er­kannte, daß die der hr F age nicht durchReden und Majoritätsbeschlüsse," sondern nur durchBlut und Eisen" gelöst werden könne; er war es, der uns, in heißem Ringen gegen eine widerstrebende Volksvertretung, die Rüstung schmiedete zum kommenden Kampfe; er war es, der schließlich mit wuchtigem Schwertstreich den gor­dischen Knoten der deutschen Frage zerhieb! Und welch' eine Wandlung in der Seele unsers Volkes hat dieser Erfolg gezeitigt! Damals in den Tagen des Konflikts derbestgehaßte Mann feiner Zeit," ein einsamer Fels inmitten der tosenden Brandung der Opposition, nun der Heros, dem das Volk zujauchzte, nachdem es den Adlerflug seines Geistes erkannt hatte.

Als dann Napoleon uns die Früchte von Königgrätz eifersüchtig zu entreißen trachtete, da war es wiederum Fürst Bismarck, dessen unvergleichliche Staatskunst den deutschen Zorn zu rechter Zeit zu entfesseln und den Sieg an unsere Fahnen zu heften wußte. Wer entsänne sich nicht noch jener Julitage drückender politischer Schwüle, in die seine Emser Depesche einem Blitzstrahle gleich hineinfuhr, auf die beleidigende Anmaßung Benedettis wie auf ihre entschiedene Zurückweisung durch König Wilhelm ein grelles Schlaglicht werfend und zugleich un­sagbare, Sieg verheißende Begeisterung in unserm Volke entzündend! Wie ein Mann erhob sich ganz Deutschland von der Memel bis zum Rhein, von den Alpen bis zum Belt, und aus Millionen Kehlen erklang es :Lieb Vater­land magst ruhig sein, Fest steht und treu die Wacht am Rhein!"

Nacht hat sie mir's ins Gesicht gesagt und ich bin nicht darüber gestorben! Ach, ich hab's ja gewußt, die ganze Zeit hab' ich's gefühlt, was zwischen uns steht, daß sie mich nimmer hat ansehen können mit geradem Blick und gezittert hat in meinem Arm! Immer hab' ich gehofft, sie würde sich bekehren, aber es ist keine Hoffnung keine Hoffnung! Es will nichts kommen und nichts geschehen, das die dunkle Geschichte aufdeckt und mich frei macht von der schweren Last!"

HanSl seufzte schwer auf und sank mit dem Ober­körper über den Tisch hin.

Ich will nicht über euch richten," sprach er.Laßt euer Gewissen Recht sprechen über euch! Den Trost aber will ich euch geben, so wie ich's heut' in meinem Herzen begraben will, was mir die Vergangenheit gethan, so möge alles begraben bleiben, was von der unglückseligen Ge­schichte vergessen ist. Ich will nichts dazu thun, daß jene» Gespenst, das mich verfolgt hat die ganzen Jahre und den Rachedurst in mir wachgehalten hat, wieder Fleisch und Blut bekommt. Ich überlasse euch dem Richter in eurer eigenen Brust, vielleicht, daß er die Vergeltung übt, die euch gebührt. Was ihr an mir gethan habt, daß ich die ganzen Jahre hindurch ein kranker, verbitterter Mann war, das will ich euch um der Maria willen ver-