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Gratisbeilagen r „)llnftrirtes Sonntagsblatt^^ n. ,,)llnstrirte landwirthschaftliche Beilage".
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Imerstaz Den 8. Ajiril
1897.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jllnstrirtes Soimtagsblatt" »^ „Jllustrirte laiidivirthschaftl. Beilage" für das II« Quartal 1897 werden noch von allen kaiserlichen Poftanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 3. April 1897.
Von dem Central-Ausschuß für Volks- und Jugend
Spielkurse für Lehrer und Lehrerinnen.
Die Spielkurse im Jahre 1897. Aufgestellt von E. von Schenkendorff, Görlitz. A. Lehrerkurse.
Ort.
Termine der Kurse.
Namen der Herren, an welche die Anmeldungen zu richten sind.
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Berlin Bonn Braunschweig Hadersleben Königsberg i/Pr. Krefeld Magdeburg Posen Stolp i/Pr.
17.—22. Mai
30 . Mai bis 5. Juni
31 . Mai bis 5. Juni
20 .—24. April
in der ersten Hälfte des August
21 .—26. Juni
14.—18. September
23.-28. August
31. Mai bis 5. Juni
Professor Eckler SW. Friedrichstraße 229. Dr. med. F. A. Schmidt.
Gymnasialdirektor Professor Dr. Koldewey. Gpmnasialoberlehrer Dunker. Stadtschulrath Dr. Tribukait.
Hauptturnlehrer Otto Scharf. Stadtschulrath Platen.
Oberturnlehrer Kloß. Turnlehrer F. Stüwe.
B. L e h r erin n e nkurse.
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Berlin Bonn Braunschweig Frankfurt a/M. Königsberg i/Pr. Stettin
im September
8.—11. Juni
5.—10. Juli
31. Mai bis 5. Juni
in der ersten Hälfte des August
9 —12. Juni
Professor Eckler SW. Friedrichstraße 229. Dr. med. F. A. Schmidt. Turninspektor A. Hermann. Turninspektor W. Weidenbusch. Stadtschulrath Dr. Tribukait. Stadtschulrath Dr. Krosta.
1. Die Betheiligung au Den Kursen ist kostenfrei. Damit indessen die Theilnehmer bezw. Theilnehmer- innen auch in die Gesammtbewegung für Volks- und Jugendspiele, bezw. in die Ideen derselben vollständiger eingeführt werden, erscheint es ange-
zeigt, daß jeder, der am Kursus theilnimmt, das Jahrbuch für Volks- und Jugendspiele des laufenden Jahres sich beschafft. An die Herren Leiter der Kurse ist seitens des Central-Ausschusses daher die Bitte gerichtet worden, bei Beginn des Kursus von
Um Ehre und Unffm.
Erzählung von M. v o n B u ch.
«.Fortsetzung.)
„Hochmüthig schilt so mancher den Ritter von Brandt, mich hat es gewundert, daß er dir eine Einladung zugestellt hat. Außer dir tanzte keiner der Belziger Bürgersöhne suf der Belziger Hochzeit, nur die jungen Edelleute waren vollzählig versammelt."
„Warum sprecht Ihr das so vorwurfsvoll Ohm? Glaubt mir, in ritterlichen Uebungen kann ich es mit jedem Junker aufnehmen," rief Helmrich mit blitzenden Augen. „Den Vogel im Fluge, und sei er noch so schnell und so hoch, erreicht mein Pfeil, und ein Roß zu tummeln —"
„Gemach, Helmrich, gemach," rief der Bürgermeister, den jungen Mann auf einen Schemel neben sich ziehend, „nicht fein ist's sich zu brüsten."
Er sah in daS hübsche Gesicht, bis in HelmrichS bräunliche Wange ein helles Roth stieg.
„Wie alt bist du Helmrich? fragte er nach einer Pause.
„Wie alt? Heute bin ich genau zwanzig Jahre alt. Brigitte erzählte mir, am hl. Jakobustage habe mich die Mutter in den Armen gewiegt, just in dem Augenblick, als von der Briccinskapelle das Abendläuten begann."
Michel Heinecke legte das Haupt mit den spärlichen grauen Haaren in den Sorgenstuhl zurück. „Wie die Zeit vergeht!" sagte er nachdenklich. „Zwanzig Jahre! Und drei Monate vorher — dein Vater —"
spiele in Deutschland sind im Sommer 1897 an verschiedenen Orten 15 Kurse zur Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen in den Volks- und Jugendspielen eingerichtet worden, worüber die hierunter abgedruckte Nach- weisung rc. in Bezug auf die Termine dieser Kurse sowie auf die Personen, an welche die Anmeldungen zu richten sind, nähere Angaben enthält.
Indem ich dieses den etwa vorhandenen Interessenten bekannt gebe, bemerke ich, daß die Königliche Regierung bereit ist, den Besuchern dieser Kurse den erforderlichen Urlaub zu gewähren, soweit dies thunlich ist, und der Staatskasse Kosten für die Stellvertretung nicht erwachsen. I. 2121. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
„Ohm," sagte Helmrich, in wachsender Spannung zu dem Manne aussehend, „was ist's mit meinem Vater? Man sagt, er sei vor meiner Geburt gestorben; ist dem wirklich so? Ich fühle, daß da ein Geheimnis ruht, dessen Schleier ich vergeblich zu lüften versuchte, und doch scheute ich mich, Euch darüber zu befragen' Ich glaubte, Ihr würdet reden, wenn es an der Zeit sei. Aber nun meine ich, ich bin alt genug, um das Recht zu haben, von Euch volle Wahrheit zu heischen."
„Meinst du, Knabe?" fragte der Bürgermeister. „Freilich, ich habe zuweilen selbst daran gedacht, es sei an der Zeit, dir alles zu offenbaren."
Er ging einigemal« im Zimmer auf und ab, und in seinem Gesicht zeigte sich deutlich der Widerstreit seiner Empfindungen. Endlich setzte er sich, und seine Augen voll auf Helmrich ruhend lassend, der erregt zu ihm auf- sah, sagte er: „Ich glaube, du bist im Recht. So magst du denn also erfahren, wer du bist und wie du heißt."
„Wie? bin ich nicht einer aus Eurer Sippe? heiße ich nicht Heinecke wie Ihr?"
Michel Heinecke schüttelte das Haupt.
„Nein, Knabe, unter dem Nitterschilde bist du geboren. Dein Vater war der Ritter SigiSmund von Zeuden; auf dem Gute Zeuden stand die Wiege deines Geschlechts."
Helmrich sprang auf.
„Ein Zeuden — ich? Ich meinte, das Geschlecht sei ausgestorben. Ein Ritter dieses Namens, ward erzählt, habe im Streite den eigenen Bruder erschlagen!"
„Das war dein Vater, armer Knabe," rief der Mann,
jedem Betheiligten eine Einschreibegebühr von 3 M. zu erheben, wofür den Theilnehmern neben
Jahrbuch noch die weiteren Schriften des CentM- Ausschusses, nämlich die Spielregeln, die Wettspiele von Dr. Schmidt und den Rathgeber zur Einführung der Volks- und Jugendspiele ausgehändigt werden. Nur in Ausnahmefällen kann mit Zustimmung des Vorsitzenden des Central-Ausschusses von der Erhebung der Einschreibegebühr abgesehen werden. Den Theilnehmern wird auf ihr Verlangen kostenfrei eine Bescheinigung über ihre Betheiligung am Kursus ausgefertigt.
2. Die Anmeldung muß thunlichst drei Wochen vor Beginn der Kurse beiden vorstehend bezeichneten Herren bewirkt sein.
3. Auf Wunsch der Herren Kursleiter können Zeugniß- Formulare, welche die stattgefundene Theilnahme der Kursisten bekunden, kostenfrei von dem Herrn Geschäftsführer des Central-Ausschusses, Direktor Raydt bezogen werden.
Bekanntmachung.
In Nr. 63 des Deutschen Reichs-Anzeigers und Königlich Preußischen Staats-Anzeigers ist eine Bekanntmachung des Herrn Reichskanzlers vom 12. ds. MtS. veröffentlicht, welche sich auf die Umwandlung der vier- prozentigen Reichsanleihe in eine dreieinhalbprozentige bezieht.
Die Umwandlung vollzieht sich danach in derselben Weise wie die Umwandlung der Preußischen konsolidirten 4°/o igen Staatsanleihe in eine B^^/oige. Die Frist für die Einreichung der Anträge auf Baarzahlung des Kapitalbetrages läuft mit dem 8. A p r i l d S. I S. ab und die Inhaber von Schuldverschreibungen bezw. die im Reichsschuldbuch eingetragenen Gläubiger der 4°/oigen Reichsanleihe, welche innerhalb der festgesetzten Frist Baarzahlung des Kapitalbetrages beantragen, haben demnächst die Kündigung und nach Ablauf der Kündigungsfrist die Rückzahlung zum Nennbeträge (nicht zum Kurswerthe) zu gewärtigen.
Cassel, den 27. März 1897.
K. 621. Königliche Regierung.
von Bremer.
Hersfeld, den 3. April 1897.
Als zweiter StandesamtS-Stellvertreter für die Stadt Hersfeld und den hierzu gehörigen Ortschaften wurde
indem er theilnehmend die Hand des Jünglings umfaßte. „Laß mich dir das Furchtbare erzählen, wie ich es von Augenzeugen vernommen habe. Dein Vater hatte ein Gastmahl gerüstet zu Ehren des jüngeren Bruders, der aus Ungarn, wo er gegen die Türken gekämpft hatte, heimgekehrt war. Wacker wurde gezecht und der Jubel der Gäste hallte durch das Haus.
Da brach, als der Wein die Köpfe erhitzt und die klaren Gedanken getrübt hatte, ein Streit zwischen den beiden Brüdern aus Ein Wort gab das andere, und bald reichten die Worte nicht mehr aus. In blinder Wuth griff Ritter SigiSmund zum Schwert und stieß es dem eigenen Bruder ins Herz, daß er lautlos zu- sammenbrach."
Mit einem Weherufe fuhr Helmrich empor, der Bürgermeister drückte ihn sanft auf den Platz nieder.
„Das heiße Blut hatte deinen unseligen Vater über« mannt," sagte er traurig. „Was half's, daß den Aermsten später Reue und Verzweiflung zu überwältigen drohten? Er war zum Mörder geworden, und der Kurfürst sprach die Acht über ihn aus."
Er hielt inne und setzte dann leise hinzu: „Du lebtest damals noch nicht, erst drei Monate später kamst du zur Welt."
Helmrich war blaß geworden, und eiskalt ruhten seine Finger in der Hand seines Wohlthäters. „Und Ihr wäret der einzige, der meiner armen Mutter die Wohlthat einer Freistatt gewährte?" fragte er.
Michel Heinecke fuhr sich über die feuchten Augen. „Wohl kannst du sagen meine arme Mutter; jammer-