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ersstlSer Kreisblatt.

Gratrsbsilagen:Illnstrirtes Sonntag-blatt" n.Illnstrirte lanSwirthschaftliche Veilage".

Nr. 44. Ämteü Sei 1». Wril 1897.

Vestellnngen

auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Soimtagsblatt""» Jlliistrirte lmidwirthschastl. Beilage" für das II. Quartal 1897 werden noch von allen Kaiserlichen poftanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Staatssekretär v. Stephan f.

Von den wenigen überlebenden hervorragenden Männern aus der Zeit der Neubegründung des deutschen Reiches ist wieder einer hinübergegangen in die Ewigkeit: Staatssekretär Heinrich v. Stephan ist in der Nacht zum Donnerstage seinem Leiden erlegen. Mit ihm ist ein Mann dahingeschieden, der ein Muster altpreußischer Beamtentreue seine unermüdliche Arbeitskraft, sein außergewöhnliches organisatorisches Talent und seine große staatsmännische Befähigung 'in den Dienst des Vaterlandes gestellt und nicht nur diesem, sondern der ganzen Welt die allergrößten Dienste geleistet hat. Nahezu 27 Jahre hat der Verstorbene an der Spitze unsers Ver­kehrswesens gestanden. Was der auf diesen Zeitraum zurückschauende Blick erfaßt, das sind die wichtigsten Fort­schritte im Ausbau des vaterländischen und des Welt­verkehrs, Ergebnisse seiner Kraft, seines Willens.

Ein großes einheitliches Postverkehrsgebiet mit ein­heitlicher Gesetzgebung, gleichmäßigen BetriebSeinrich- tungen und fester Centralleitungen ersetzt die ehemalige Zerrissenheit deutschen Postwesens, die unrühmliche Zer­klüftung der Gebiete, die Zersplitterung der Kräste. Mit festen Klammern ist die staatsrechtliche und Ver- waltungs-Organisation in das öffentliche Leben der Nation eingefügt. Gemeinsames Postrecht, einfache und billige Einheitstarife nach einheitlichem Maß-, Münz- und Ge- wichlssystem üben leichte Herrschaft, wo ehedem Vielheiten, Wirrnisse, bunte Mannigfaltigkeit die Entwicklung er­schwerten.

Mit weitem Blick hat Stephan neue große Aufgaben bem Wirkungsbereich des geeinten Post- und Telegraphen­wesens zugeführt, mit williger Hand hat er alle Bedürf­

Um ®ljre und Kussm.

Erzählung von M. von Buch. (Fortsetzung.)

Helmrich schüttelte das Haupt. «Ich bin Euch dank­barer, als ich zu sagen vermag," erwiderte er,aber die Ruhe des Gemüthes habt ihr von mir genommen. Zuviel hörte ich, als daß mein Leben wie bisher in den harmlos ruhigen Geleis weiterfließen könnte."

Helmrich," sagte erschrocken der Bürgermeister,was bedeuten diese Worte? was gedenkst du zu thun?"

Weiß ich's?" rief Helmrich außer sichNur das ist mir klar, bei Euch zu bleiben vermag ich nicht."

Als er endlich ein wenig ruhiger geworden war, er­hob er sich und sagte:Nicht kann ich heute über die Zukunft bestimmen, gönnt mir Zeit, daß ich einen Ent­schluß fassen kann."

Michel Heinecke erwiderte nichts, aber auf den sonst so freundlichen Zügen lagerte tiefer Ernst, und schwer- müthig folgten seine grauen Augen der kraftvollen Ge­stalt des junges Mannes, der in der Thür verschwand.

Ob ich wohl recht that, ihm die Wahrheit zu sagen ?" seufzte er leise.

* *

*

Der Abend brach herein, und die Familienglieder versammelten sich zum Nachtmahl, das die alte Brigitte in dem weißgetünchten Eßzimmer aufgetragen hatte. Das Gemach hatte etwas gar Anheimelndes. In einer Ecke stand ein riesiger, dunkelgrüner Ofen, um den sich eine gepolsterte Holzbank zog; kunstvoll waren die ein­

nisse eines das ganze Wirthschaftsleben befruchtenden Postverkehrs gepflegt. Verkehrsfreiheit, Verkehrsverbesser­ungen, Neueinrichtungen und Erleichterungen wo immer die materielle und geistige Wohlfahrt des Volkes ihre wechselnden Anforderungen stellten wurden Ziel­punkte seiner durchdringenden Schaffenskraft. Um das Sechsfache an Zahl vermehrte Postanstalten mit mehr als verdoppeltem Personal und mit neuen Verkehrsmitteln aller Art verbinden jetzt einheitlich alle Theile des Reiches und tragen mit dem Postverkehr das Kulturelement in die entlegenste Wohnstätte. Verwaltungs- und Betriebs­einrichtungen erfreuen sich in fremden Staaten des Rufes der Mustergiltigkeit.

Mit allen civilisirten Ländern der Welt verbindet uns die Weltpost, die, dem Geiste und der Thatkraft Stephans entsprungen, mit einheitlichem Band die ganze Erde umschlingt. In überseeischen Ländern blühen deutsche Postanstalten empor, auf allen Meeren weht die deutsche Postflagge, und zwischen beiden Hemisphären schlagen deutsche Seeposten die verkehrverbindenden Brücken. Nicht zu vergessen sind die heute alle Landestheile und Volksschichten umschließenden telegraphischen und tele­phonischen Einrichtungen des Reiches, die um das Zwölf­fache vermehrten TelegraphManflalten, das fünffach ver­dichtete Leitungsnetz. Weitverzweigte Kabellinien, die ersten in der Welt, durchschneiden das Reich in allen Richtungen und bilden im Frieden wie im Kriege ein sicheres Verkehrsmittel. Dazu kommt eine Zunahme des Verfendungsverkehrs, welche alle Erscheinungen der Kul­turentwicklung früherer Abschnitte weit hinter sich zurück- läßt. Mit sechsfacher Steigerung des Gesammtverkehrs und elffacher Vermehrung in einzelnen Verfendungs- gattungen stehen Post und Telegraphie im Dienste aller persönlichen und geschäftlichen Beziehungen und an be­vorzugter Stelle unter den lebenspendenden Kräften des Staates.

Alls diese Einrichtungen und Neugestaltungen auf vaterländischem und internationalem Verkehrsgebiete tragen das Gepräge der starken Persönlichkeit des Herrn v. Stephan, welcher dadurch seinen Namen unvergänglich in die Geschichte des Verkehrswesens eingetragen hat. Und wenn dereinst in kommenden Jahrhunderten erzählt wird, welche Wohlthaten den deutschen Landen seit den glorreichen Wiedererstehungsjahren des neuen Reiches erwachsen sind, so werden die Thaten Heinrich v. Stephans und sein Name nicht vergessen werden.

zelnen Kacheln mit zierlichen Figuren versehen. An der Wand hing ein Bild des heiligen Briccius, dem die Stadt Belzig eine besondere Verehrung bewies, hatten doch auch die Ritter Oppen dem Heiligen ein eigenes Kapellchen erbaut. Ueber dem Bilde blitzte ein silbernes Kruzifix, darunter befand sich ein Betfchemel.

Die andre Wand schmückte ein Bord, das mit bunt bemalten Thonkrügen geziert war. Auf dem Anrichte­tisch, den Wohlstand des Hauses kündend, prunkten silberne Becher und Kannen. In der Mitte des Zimmers stand der Eßtisch, den Holzbänke umgaben, nur an den Ehren­platz der Tafel, den der Hausherr einnahm, hatte man einen mit Kiffen belegten Lehnstuhl gerückt.

Die kleinen Fenster mit in Blei gefaßten Scheiben standen weit offen, doch kein erfrischender Luftzug drang von der Straße herein, draußen und drinnen erschien die Hitze gleich unerträglich. Friedel klagte, daß sie ihm den Appetit raube, legte aber trotzdem zwei große Stücke gesottenes Schweinefleisch auf den Zinnteller, schnitt einen derben Kanten Brot dazu und spülte das Ganze mit einem reichlichen Aufguß Gerstenbier hinunter.

Der Bürgermeister unterhielt sich mit Helmrich. Aber HelmrichS Gedanken weilten nicht bei seinen Worten, und er mußte sich Zwang anthun, um auch richtige Ant­wort zu geben. Brigitte war mit dem Mahl, das er zu sich nahm, höchst unzufrieden und blickte ihm besorgt in die Augen.

Du schaust heute anders denn sonst, Helmrich?" fragte sie endlich.WaS ist mit dir?"

Da hörte man in der Ferne das dumpfe Grollen

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 8. April 1897.

Ihre Majestäten der Kaiser und die K a i s e r i n unternahmen gestern Nachmittag einen gemeinsamen Spazierritt. Zur gestrigen Abendtafel hatte der Chef des Marine-Cabinets, Admiral a la suite Freiherr von Senden-Bibran, eine Einladung erhalten.

Heute früh machten beide Majestäten den gewohnten gemeinsamen Spaziergang durch den Thiergarten, worauf der Kaiser das Atelier des Bildhauers Böse in der Klosterstraße besuchte. Später hörte der Kaiser den Vortrag des Kriegsministers, v. Goßler, und demnächst den Vortrag des Chefs des Militairkabinels, v. Hahnke. Um 1 Uhr gedachte der Kaiser und später auch die Kaiserin den Erzbischof von Aork Maclagan in Audienz zu empfangen.

Der Reichstag hat in zweiter und dritter Lesung das Handelsgesetzbuch angenommen und hat dann seine Osterferien angetreten. Die nächste Sitzung ist auf den 27. April angesetzt.

Das preußisch-; ?'. b g e o r d n «t e n h a u S ist ebenfalls in die Ferien gegangen, nachdem es den Ent­wurf über den Umbau des Chariteekrankenhauses sowie die Verlegung des botanischen Gartens in Berlin nach Dahlen der Budgetkommission überwiesen, den Antrag von Schenkendorff wegen Förderung des Fortbildungs- schulwesens in der von der Kommission empfohlenen Fassung mit dem Zusatz des Abgeordneten v. Pletten- berg-Mehrum (Pflege der Religion) angenommen und mehrere Petitionen erledigt hatte.

Die deutsch-konservative Fraktion hat im Reichstage folgende Interpellation eingebracht: Beabsichtigen die verbündeten Regierungen angesichts der bevorstehenden Erhöhung wichtiger Positionen des Z o l l t a r i f s der nordamerikanischen Union, insbesondere der verschärften Differenziierung der deutschen Zuckereinfuhr, an dem durch Notenaustausch vom 22. August 1891 getroffenen Uebereinkommen mit den Vereinigten Staaten festzuhalten?

Der preußische Minister des Innern hat die Ober­präsidenten benachrichtigt, daß es zur Errichtung von öffentlichen Denkmälern für Mitglie­der des Hohenzollernhauses der ausdrück-

des Donners, das Gewitter kam herauf. Mit Heulen und Pfeifen meldete sich der Sturm, aus den schwer- hängenden Wolken zuckte der erste Blitz.

Sagte ich er nicht, daß wir noch ein Gewitter be­kommen würden?" rief Friedel.Wie gut, daß das Korn geborgen ist," damit sprang er sogleich auf und machte die Runde durch sämmtliche Gebäude, um alle Thüren und Dachluken zu schließen. Da erbebte das Haus unter einem furchtbaren Donnerschlage, von neuem zuckte es fahlgelb in den Wolken.

Der Bürgermeister öffnete die Thür und rief das Gesinde herein, das sich ängstlich im Flur zusammen- drückte.

Mit furchtbarem Getös zog das Gewitter, das schwerste, dessen man sich seit Jahrzehnten erinnern konnte, über die Stadt. Die Mägde lagen, Gebete stammelnd, auf den Knieen vor dem Heiligenbilde; auch die Männer erblaßten.

Nur einer blieb ruhig

Helmrich stand am Fenster und blickte mit glänzenden Augen in den Aufruhr der Elemente. Bald erschien die Stube wie in Licht getaucht, dann wieder herrschte tiefste Finsternis. Das Heulen des Sturmes und das Rollen des Donneis mischte sich zu einem Geräusch, das, ob» wohl es ihn mit bangem Entsetzen erfüllte, ihm dennoch wohlthat.

Auch seine Seele war im tiefsten Grunde erschüttert und schrie vergeblich nach Frieden.