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Rr. W. Aeilftag Sen 1 M.
Vestellungsn auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jlliistrirtes Sonntagsblatt" ™» „Jllustrirte landivirthschaftl. Beilage" für die Monate Mai und Juni werden von allen Aaiserlicheu poftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Die Frühjahrsconferenz des Bezirks Hersfeld II findet am Montag den 10. Mai, Vormittags 10 Uhr, in Weidenhain statt. Zu derselben lade ich die Herren Lokalschulinspektoren und Herren Lehrer er- gebenst ein.
Schenklengsseld, den 1. Mai 1897.
Barchfeld, Kreisschulinspektor.
Zugelaufen: ein brauner Jagdhund. Der Eigenthümer kann denselben gegen Erstattung der Futterkasten bei dem Ortsvorstand zu Bengendorf in Empfang nehmen.
Zugelaufen: ein junger brauner Hühnerhund. Gegen Erstattung der Futterkosten in Empfang zu nehmen bei Bürgermeister D ö r i n g in Sieglos.
Nichtamtlicher Theil.
Ier taps gegen ta Umsturz.
Die sozialdemokralifche Bewegung richtet sich auf unmögliche Ziele. Trotzdem schreitet sie fort. Die Zahl der von Sozialdemokraten eingenommenen Wahlsitze steigt, und in noch höherm Grade steigt die Zahl der abgegebenen sozialdemokratischen Wahlstimmen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die nächste Reichstagswahl diese Erfahrung von neuem bestätigen wird. Die Frage, wie die Gesellschaft einer Partei gegenübertreten soll, die sich offen als eine Gegnerin der bestehenden Gesellschaft bezeichnet, die den gewaltsamen Kampf gegen diese Ge-
Um Ehre und Uuhm.
Erzählung von M. v o n B u ch. (Fortsetzung.)
Allmählich breitete sich Dämmerung über die Well.
Dunkel wurde es in dem Gemache, in dem nur der Feuerschein aus dem Kamin ein unsichres Licht verbreitete. Helmrich zog seinen Sessel näher an den des Komturs; er erzählte aus seinem Leben, sprach von der unsichern Zukunft und gewährte dem neugewonnenen Freunde vollen Einblick in sein Herz.
Da pochte es an die Thür.
Ein junger Knecht trat herein um zu melden, daß das Nachtmahl aufgetragen sei.
„So spät schon," rief der Komtur; er erhob sich und winkte Helmrich, ihm zu folgen. „Wir haben heute Gäste," sagte er, indem er durch einen von Fackeln erhellten Gang schritt, der zu dem Ordenssaal führte. „Ein Gesandter unsers kurfürstlichen Herrn, der mit dem Erzbischof von Magdeburg zu unterhandeln hat, ist in der Komturei abgestiegen, um mir einen Brief Seiner Gnaden zu übergeben."
„Zu Ehren dieses Herrn würbe die Festtafel gerüstet, zu der sich einige Edelleute der Nachbarschaft eingefunden haben," fuhr er ein wenig zögernd fort, „auch der Ritter von Glien —
Helmrich unterbrach ihn jäh.
„Auch der Ritter von Glien ist unter den Gästen, wollt Ihr sagen. Entlaßt mich, ich bitte Euch darum."
„Warum so erregt, Knabe?"
sellschaft nur aus dem Grunde unterläßt, weil sie die Erwartung zu hegen vorgiebt, daß diese Gesellschaft auch ohne Anwendung von Gewalt von selbst zusommenfallen wird, ist daher von großer Bedeutung.
Mit gesetzgeberischen Maßregeln allein läßt sich die sozialistische Fluth nicht eindämmen. Auch der Nachweis, daß die sozialdemokratischen Ideen undurchführbar sind, vermag es nicht genug; denn nur zuviele von denen, die es angeht, haben nicht die Fähigkeit, über solche Diuge tiefer nachzudenken. Auch der Sozialdemokrat gewinnt seinen Anhang nicht dadurch, daß er im Lande umherzieht und seine Ansichten vorträgt; vielmehr sucht er die letzten Ziele seiner Partei zu verbergen. Denn sein nächstes Ziel ist, die Arbeiter mit ihrer Lage unzufrieden zu machen. Und wo einmal in einer Fabrik oder auf einem größern Bauplatze einige „Zielbewußte" sich eingenistet haben, da wissen sie bald andere zu überreden, daß sie Sozialdemokraten werden müssen, daß allein die Sozialdemokratie das Wohl der Arbeiter im Auge habe. Sind dann die Sozialdemokraten in der Mehrzahl, so tritt der Zwang in die Erscheinung. Wer nicht zu der Sozialdemokratie hält, wer für Parteizwecke nichts opfern will, wird auf alle mögliche Act drangsaliert und gequält, bis er entweder davonzieht oder, da ein Arbeiter nicht gern seine gute Stellung aufgiebt, sich der sozialdemokratischen Partei anschließt. Man kann sich kaum einen Begriff davon machen, wie groß die Schreckensherrschaft ist, die einige Sozialdemokraten auf eine ganze Schar von Arbeitern ausüben.
Hier muß der Kampf gegen den Umsturz einsetzen und zwar nach dem Rezepte: Gleiches mit Gleichem! Scheuen sich die sozialdemokratischen Wühler nicht, die Arbeiter durch Zwang an die Partei zu ketten, so mögen sie sich nicht wundern, wenn von der andern Seite derselbe Zwang angewendet wird, um die Friedensstörer sich vom Halse zu schaffen. Suchen sie die Arbeiter, die der Sozialdemokratie nicht Heeresfolge leisten, von der Arbeitsstätte wegzuchikanieren, so entlasse man sie. Die sozialdemokratischen Blätter unterstütze man nicht durch Anzeigen. Kurz, man stelle sich auf den Standpunkt des Kampfes.
Die Sozialdemokraten lachen, wenn sie unter sich sind, über die mangelhafte Einigkeit der Gegner. Sie verhehlen sich gar nicht, daß es um sie und ihre Sache viel übler stehen würde, wenn im andern Lager auch Eintracht herrschte. Es handelt sich um einen Kampf um die Arbeiterschaft, nicht gegen die Arbeiterschaft
„Versteht Ihr mich nicht?" rief Helmrich mit finstrer Miene. „Mein Blut beginnt zu sieden, sobald ich den Namen des Ritters vernehme. Und mit ihm soll ich Zusammentreffen, mit ihm, der besitzt, was mir gehören sollte, und der der Räuber meines Eigenthums ist!"
Der Komtur runzelte die Brauen.
„Falsch ist der Vorwurf, den du dem Ritter machst. Ohne sein Zuthun erhielt er Zeuden. Bedenke die Worte, die du gebrauchst."
»Ich — ich kann nicht mit ihm zusammentreffen!"
Er bebte am ganzen Körper; der Komtur gab ihm Zeit, sich zu fassen. Als er ruhiger geworden war, ergriff Heinrich von Repgow die Hand des Jünglings.
„Nun komm," sagte er ernst. „Bedenke, jeder Mann hat die Pflicht, üble Empfindungen zu beherrschen
Er öffnete die Thür und führte den nun nicht mehr Widerstrebenden in den Saal. Noch zitterte die Erregung der letzten Minuten in Helmrich nach, aber die neuen Eindrücke vermischten sie bald und gaben ihm seine Haltung wieder. «Da die bereits versammelten Ritter schon von ihm gehört, wurde er von ihnen als der Verwandte des Bürgermeister« von Belzig begrüßt, obgleich der Komtur vermied, seinen Namen zu nennen
Der Gesandte des Kurfürsten hatte den Ehrenplatz an der Schmalseite der Tafel erhalten; einige Stufen führten zu dem Sitz, der sich von den übrigen Sesseln auch dadurch auszeichnete, daß er mit Kiffen aus rothem Sammt belegt war. Den Gebrauch des Tischtuches kannte das 15. Jahrhundert noch nicht, doch war die Tafel geschmackvoll hergerichtet und entsprach in ihren
Denn trotz aller Prahlereien sind wir in Deutschland noch lange nicht so weit, daß die Arbeiter Sozialdemokraten sind. Wäre es so weit, dann wäre der Kampf unnütz Aber je mehr wir in diesem Kampfe um die Arbeiter den Sozialdemokraten ohne rechten Widerstand das Feld laffen, um so leichter überreden die Sozialdemokraten die urtheilslose Menge, daß ihnen der Sieg von Rechts wegen gehöre.
Der griechisch-türkische Arieg.
Die türkische Hauptarmee geht langsam gegen Pharsala und Volo vor. Die erste Stellung wurde, am rechten Flügel bei A'ivaly, nach griechischen Angaben, angegriffen. Da mittlerweile über dieses angebliche Gefecht weitere Meldungen nicht eingingen, so wird es sich als eine RekognoSzirung entpuppen. Die 2. türkische Division ist seit dem 29. auf dem Vormarsch in gerader Linie von Lariffa gegen Pharsala gemeldet. Gegen Volo geht die Kavalleriedivision und die Jn- fanteriebrigade Hassan Pascha vor.
E h d e m Pascha hat am 29. sein Hauptquartier von Kazaklar nach Lariffa vorgelegt.
Dagegen haben sich die beiden Minister des neuen griechischen KabinetS Theotokis und Tsamados zur Armee nach Domoskos und Pharsala begeben. Es ist diese Nachricht um deswillen nicht ohne Bedeutung, weil von dem Urtheil Beider, insbesondere des Ersteren, über den jetzigen Zustand der Armee die Entschließung — ob nutzlos weiter kämpfen oder nicht — abhängig gemacht werden wird. Nach den allseitigen Berichten kann der Zustand der griechischen Armee nur ein höchst mangelhafter sein und wird selbst ein nicht militärisches Auge, wie das des Ministers Theotokis, dieses erkennen müssen.
Die an und für sich schwache Widerstandskraft der griechischen Armee ist durch den fluchtartigen Rückzug über Lariffa, durch das vollkommen erschütterte Vertrauen in ihre Führung und durch die Streitigkeiten des poli- tisirenden und deswegen unzuverlässigen Offizierkorps so gering geworden, daß sie als ein brauchbares Werkzeug nicht mehr betrachtet werven kann. Zudem hat der Elan der Freiwilligen nach den ersten Anstrengungen und Mißerfolgen in bedenklicher, aber naturgemäßer Weise abge- nomnie», so daß dieses, bei den dortigen Verhältnissen eine nicht unwesentliche Rolle spielende Moment wohl dazu beitragen dürfte, um das übertriebene griechische
gesammten Anordnungen der Wohlhabenheit der Ordensritter. Auf dem Tische prunkte ein reicher Silberschatz, Schüsseln, Teller und Becher waren aus Edelmetall, die Krüge aus feinem, gebrannten Thon.
Der Gesandte aus Dresden, Herr Peter Dölitz, trug zuerst fast allein die Kosten der Unterhaltung. Er war ein weitgereister Herr, und da er in der ganzen Welt Bescheid wußte, lauschten die ritterlichen Herren mit Vergnügen den lebhaften Schilderungen.
Im Laufe des Gesprächs aber wandte er sich an seinen Nachbar, den Komtur. Er sah ernst aus, als er sagte:
„In Dresden steht nicht alles so, wie es sollte. Unser gnädigster Herr, der Kurfürst ist leidend, und die Tränke und Tinkturen der Aerzte wollen nicht helfen. Ich fürchte, böse Dinge bereiten sich vor; auch der junge Kurprinz weilt unausgesetzt am Lager des Herrn."
„Was fehlt ihm?" fragte der Komtur. „Ist es eine ausgesprochene Krankheit?"
Peter Dölitz schüttelte den Kopf. „Unser gnädigster Herr klagt über große Mattigkeit; die Aerzte glauben jedoch nicht, daß eine bestimmte Krankheit vorliegt."
„Dann ist es gut," sagte der Komtur, der offenbar erleichtert aufathmete. „Unser Kurfürst heißt der Streitbare, und ich hoffe zu Gott, seine gute Natur wird auch körperliche Uebel siegreich bekämpfen."
Der Gesandte sah vor sich hin.
„Ich ahne wohl, was ihm fehlt," sagte er, indem er sein kluges, ausdrucksvolles Gesicht seinem Nachbar zu- wendete „An seiner Seele nagt der Gramm. Die