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Sr. 58. Stahl im 18. Mai
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Auf dem Kriegsschauplatze in Griechenland ist noch keine Waffenruhe eingetreten. Von türkischer Seite ist, erklärt worden, eS sei nothwendig, die strategische Linie von Domokos in Besitz zu nehmen. Für die Griechen war diese Linie doch unhaltbar, und nach den neuesten Nachrichten scheinen sie sich von hier nach dem Othrys- gebirge zurückgezogen zu haben. Dagegen sind die Griechen auf dem epirotischen Kriegsschauplatze von neuem an- griffsweise vorgegangen. Sie haben an der Lurosmün- dung Truppen ausgesetzt und in der Nähe von Prevesa ein angeblich blutiges Gesecht geliefert. Mit welchem Erfolge ist noch unbekannt. Die Absicht geht auf griechischer Seite offenbar dahin, bei Beginn der Friedensverhandlungen ein Stück türkischen Gebietes besetzt zu halten und dadurch günstigere Friedensbedingungen zu erzielen. In Wirklichkeit jedoch kann ein Erfolg am Südende von Epirus an dem Stande der Dinge nichts i ändern. Solche Theilerfolge sind stets belanglos, wenn auf dem Hauptkriegsschauplatze die Entscheidung anders, ausgefallen ist.
Die Griechen können umso weniger darauf rechnen, daß ihnen ein erfolgreiches Vorgehen gegen Prevesa in Anrechsung gebracht werde, als ihr FelLzug in Thessalien im Grunde nichts weiter als eine große Retirade war. Sie sind hier geradezu einer ehrlichen Feldschlacht ausgewichen und haben damit auch ein moralisches Anrecht auf milde Behandlung ebenso wie schon durch die leichtfertige Provozierung des Krieges verwirkt. Ebenso nutzlos wie die Fortsetzung der Plänkeleien in Epirus und noch unsinniger als diese ist die Bombardierung offener Küsien- städte, die sich die griechische Flotte, die sonst herzlich wenig geleistet hat, noch immer angelegen sein läßt. Das eine wie das andere kann nur dazu beitragen, daß die Einstellung der Feindseligkeiten von türkischer Seite hinausgeschoben und die Türkei hartnäckiger in ihren Forderungen für den Friedensschluß gemacht wird.
Nimmt man noch hinzu, daß sich in neuern Aussagen griechischer Staatsmänner noch immer der alte Größenwahn wiederfindet und sogar noch mit einem Kriege bis aufs Messer gedroht wird, so ist es recht unverständlich, wie ein Theil der europäischen Presse, namentlich in Frankreich und England die Friedensverhandlungen noch immer vom griechensreundlichen Standpunkte aus betrachtet hat. Die Diplomatie in Konstantinspel, insbe
Um Ehre und Ruhm.
Erzählung von M. von Buch.
(Fortsetzung.)
Als er ihn jedoch genannt hatte, fühlte er den Blick der blauen Augen so warm auf sich gerichtet, daß er nicht unterlassen konnte zn fragen: „Ihr kennt mich, gnädigster Herr?"
Ueber die weichen Züge des jungen Kurfürsten huschte ein sonniges Lächeln. „Ich kenne dich, Helmrich von Zeuden. Hast du Lust, mir zu dienen?"
Helmrich war so erstaunt über die unerwartete Frage, daß er zuerst nichts darauf zu erwidern vermochte. Als jedoch der Zug späterhin, wie vorher bestimmt war, in einem Dorfe Halt machte und Helmrich dem Herrn vom Roß half, neigte er sich über die schmale Rechte des fürstlichen Knaben: „Ich will Euch dienen, gnädiger Herr," flüsterte er.
Der aber schlang den Arm um ihn, küßte ihn auf die Wange und sagte: „Ich habe dich lieb, Helmrich. Es ist schwer, Fürst zu sein, und ich bin so allein —*
„Ihr habt Brüder —"
„Mein Bruder wäre gern an meiner Statt Kurfürst," stieß Friedrich zwischen den Zähnen hervor und dann, gleich als fürchte er sich zuviel gesagt zu haben, wandte er sich an die Ritter, die zu ihm traten.
„Wir wollen eine Stunde Rast halten," sagte er.
Er war todmüde, schwankte in eine Bauernstube und winkte Helmrich ihm zu folgen. Erschöpft warf er sich
sondere die Vertreter der europäischen Ostmächte werden sich den Rathschlägen, der Pforte einen für Griechenland günstigen Frieden mit diplomatischem Hochdruck zu diktieren, gewiß nicht fügen. Die Mittheilung der Vertreter der Großmächte in Konstantinopel, daß diese eine Intervention übernommen haben, sowie die Anfrage nach den Friedensbedingungen der Türkei find von der Pforte entgegengenommen worden. Der Sultan hat eine Antwort für die Zeit nach dem Beiramfeste in Aussicht gestellt.
Trotz der Schwierigkeiten, welche die Vereinbarung der Friedensbedingungen namentlich auch über die Bürgschaften für die Kriegsentschädigungen machen wird, ist doch ein Erfolg der diplomatischen Bemühungen zu erhoffen, wenn Griechenland nicht von neuem Thorheiten begeht und sich vielmehr in den unabänderlichen Zwang der Thatsache fügt, daß seine geistigen, wirthschaftlichen und moralischen Kräfte weit hinter seinen kriegerischen Gelüsten zurückgeblieben sind, und daß es nur von der Gnade des Siegers und der Großmächte ein neues Leben in friedlicher Sammlung seiner Kräfte erwarten darf.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 17. Mai.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin sind gestern Nachmittag 4 Uhr in Wiesbaden eingetroffen und haben sich sogleich im offenen Wagen durch die festlich geschmückte Stadt nach dem Schloße begeben. Die in den Straßen angesammelte Menge brächte den Majestäten enthusiastische Ovationen dar. Um 5 Uhr fand bei dem Ober-Hof- und Hausmarschall v. Liebenau Diner statt. Hierauf beabsichtigten sich die Majestäten nach dem Theater zu begeben, um der Probe zum „Burggraf" von Lauff beizuwohnen.
Der Reichstag «hat sich eine Geschäftslage geschaffen, wie sie unbefriedigender kaum gedacht werden kann. Es besteht nirgends mehr ein Zweifel, daß eine Reihe höchst wichtiger GefetzeSvorlagen nicht mehr zu einem endgiltige» Abschluß gelangen wird. Die Schuld daran fällt allerdings zum größten Theil dem fortgesetzten mangelhaften Besuch der Sitzungen und der ihn bedingenden Gleichgültigkeit der Reichsvertreter an den Aufgaben des ReichsparlementS zur Last. Aber beides
auf die eilig herbeigetragenen Decken, gebot den Dienern, das Zimmer zu verlassen, und reichte dann Helmrich die Hand.
„Dein Gesicht zieht mich wunderbar an, werde du mein Freund," flüsterte er. „Mir ist Weh im Herzen. Hörtest du je von meinem Bruder Wilhelm? Er ist anders geartet als ich. Lieber sieht er im Felde Speere schimmern als das friedliche Wogen der Aehren, und Waffenklang ist die Freude seines Herzen«. Dir sag ich, was ich noch niemandem sonst gesagt habe: er strebt nach der Krone, die ich trage, und da er der Stärkere ist von uns beiden, sowohl an Leib als an Geist, so meint er ein Recht darauf zu haben."
Friedrich drangen die Thränen aus den Augen, doch er wehrte ihnen und sagte: „Ich bin müde, Helmrich, wache du für mich."
Nach wenigen Minuten war er fest eingeschlafen, und Helmrich hütete die Ruhe des fürstlichen Knaben. Er setzte sich auf einen Holzschemel und schaute nachdenklich vor sich hiu.
Draußen, mitten auf dem Wege stand der Wagen mit dem Sarg des Fürsten, für den die Nacht zu früh viel zu früh hereingebrochen war. Aber für ihn war es Tag und an ihm war es, zu kämpfen und zu schaffen, ehe die Ruhezeit kam.
Zum erstenmale hatte er heute selbst die Bestimmung über seinen Lebensweg getroffen; in einer plötzlichen Gefühlsaufwallung hatte ihm Friedrich die Hand entgegen gestreckt, in die er die seine gelegt hatte. War das recht gewesen? Er wußte es nicht.
erklärt die herrschende Verworrenheit doch noch nicht vollkommen. Es ist ein offenes Geheimniß, daß auch die Geschäftsleitung ihrem Berufe bisher nicht gewachsen war und einer abfälligen Kritik ununterbrochen reichen Stoss geboten hat. Nur mit Bedauern kann der Freund des Vaterlandes bei dieser Erscheinung verweilen. Die den gegenwärtigen Reichstag beherrschende Mehrheit hat durch ihr gewohnheitsmäßiges Verhalten das Interesse des Volkes an den parlamentarischen Arbeiten erheblich abgeschwächt. Seit 7 Jahren haben die demokratischen Parteien, die früher so laut ihren nicht hinreichenden Antheil an den parlamentarischen End- abschlüssen beklagten, vollauf Gelegenheit zur Erprobung ihrer positiven Leistungsfähigkeit gehabt. Und was ist das Ergebniß? Ihr Können wird kaum in ihren eigenen Reihen große Selbstbefriedigung erwecken, es sei denn, daß es ihnen eine Genugthuung bereitet, in der Verneinung des Reichsgedankens ihre Stärke bewiesen zu haben. Zur Zeit ist im Reichstage auf allen Plätzen entweder völlige Leere oder eine große Uebermüdung wahrnehmbar. Man sehnt sich übersättigt nach dem heimathlichen Herd und möchte mindestens über Pfingsten hinaus nicht mehr die Luft am Berliner Königsplatze athmen. Das ist auch durchaus verständlich, denn an dem Siechthum des zegenwärtigen Reichstages ist nichts mehr zu ändern. Es gelingt nichts mehr. Selbst Gesetze, die bereits in drei Lesungen eine sympathische Beurtheilung der Mehrheit gefunden haben, können nicht zur Erledigung gelangen, weil bei der chronischen Be- schlußunfähigkeit der Widerspruch eines einzelnen mißvergnügten Abgeordneten auskeicht, um die Verabschiedung des Gesetzes zu verhindern. So ist es dem Auswanderungsgesetz gegangen, dessen Bestimmungen in drei Lesungen Annahme gefunden hatten. Es kann aus dem soeben angeführten Grunde nicht zur Endabstimm- ung gelangen und scheitert womöglich noch ganz, obwohl ihm eine große Mehrheit sicher ist. Solche Anomalien sind doch fast unglaublich und ein überzeugendes Beispiel für den Niedergang des parlamentarischen Lebens im Reiche. Aehnlich steht es mit der Unfallversicherungsvorlage, mit dem Handwerker- und dem Margarinegesetz. Alles ist dem Zufall preisgegeben, und niemand vermag vorher zu sagen, mit welchen Resultaten die Session abschließen wird. In der That ein Zustand, welcher den Vaterlandsfreund tief bekümmert.
Mit unserm Kaiser haben sich die fron-
Helmrich öffnete das Fenster und schaute hinaus. Etwas abseits vom Dorfe leuchteten die Feuer, um die sich die Ritter und Gewappneten gelagert hatten, aus der Ferne erklang das Gewieher der Rosse. Im Nachbarhause nächtigten die Pagen, deren lustige Stimmen gedämpft an sein Ohr schlugen. Hoch am Himmel aber blinkte jetzt statt des silbernen Mondes in feurigem Glänze der Rutenstern.
Als der Aufbruch nach einigen Stunden Rast erfolgte, sandte Friedrich einen Boten nach Dresden zurück, der dem Komtur, auf daß er sich nicht sorge, über Helmrich berichten und ihm dessen Lebewohl überbringen sollte.
Helmrich begleitete den Zug nach Meißen und blieb fortan in der Umgebung des Fürsten.
Zwischen dem jungen Friedrich und dem Sohne des geächteten Ritters aber bestand seit jener Stunde eine innige Freundschaft, und die Welt fand Gelegenheit, das wunderbare Schauspiel zu bereden.
Elftes Kapitel.
Am Hyfe des Wettiners.
Allmählich schwand der Winter, und der Lenz zog ins Land. In den Thüringer Bergen schmolz der Schnee, und im Tannendickicht balzte der Auerhahn. Das kurfürstliche Banner wehte von der stattlichen Altenburg, allwo der junge Friedrich, der Sohn des Streitbaren, Hof hielt. Der erste heftige Schmerz über den Tod des geliebten Vaters war überwunden; in dem Wesen des jungen Fürsten machte sich jetzt oft der berechtigte Stolz des Herrschers bemerkbar. Die alten Räthe, die schon