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Gratisbeilagen:Illustrirtes Sonntagsblatt^^ u.)ll«ftrirte landwirthschaftliche Veilage^^.

Nr. «1. Stenfina ta 25. Mai M.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt für den Monat Juni werden von allen Kaiserlichen poftanftalten, Landbriefträgern und von der (Expedi­tion angenommen.

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Der griechisch-türkische Arieg.

Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, hätten die Botschafter ihre Instruktionen dahin erhalten, daß die Forderung der Pforte einer Abtretung Theffaliens sei­tens Griechenlands an die Türkei nicht gestattet, eine strategische Negulirung der thessalischen Grenze jedoch bewilligt werden könne. Auch der geforderte Betrag der Kriegsentschädigung müsse herabgesetzt und an eine Abschaffung der Kapitulationen könne nicht gedacht wer­den. Dagegen dürften einige Abänderungen der be­stehenden Verträge und der Abschluß eines Ausliefer- ungSvertrageS zwischen der Türkei und Griechenland möglich sein. Die Botschafter werden diese ihre In­struktionen dem türkischen Minister des Auswärtigen ge­meinschaftlich zur Kenntniß bringen. Es wird bestätigt, daß die Einmüthigkeit, mit welcher die Preffe aller europäischer Länder sich über die Unannehmbarkeit der türkischen Friedensbedingungen ausgesprochen hat, in türkischen Negierungskreisen einen tiefen Eindruck machte, so daß gegenwärtig bereits Berathungen 'über eine Er­mäßigung der Bedingungen stattfinden, obgleich seitens vieler einflußreicher hoher Offiziere und Civilbeamten dagegen Opposition zu machen versucht wird. Von Seiten der alttürkischen Partei wird für Ablehnung jeder Vermittelung beim Friedensschluß Stimmung gemacht, und zwar auffallender Weise bisher ungehindert.

Die Pforte hat den Botschaftern amtlich mitgetheilt, daß auf der ganzen Linie auf beiden Kriegsschauplätzen Waffenruhe herrsche. In Konstantinopel ist am Freitag ein Sonderzug mit griechischen Gefangenen eingetroffen.

Die gegenwärtige Stärke der türkischen Armee in Thessalien beträgt 65 000 Mann Infanterie, 1500 Mann Kavallerie und 204 Geschütze. Die Stärke der einzelne» Bataillone ist durch den Etappendienst auf 500 bis 400 Mann herabgesunken.

In Athen giebt man sich inzwischen der Erwartung

Um Ehre und Ruhm.

Erzählung von M. von Buch.

(Fortsetzung.)

So war die Slanlachin durch die alte Brigitte über­trumpft worden.

Die Belagerung ging seinen Gang. Selbst das Schreckliche wird allmählich Gewohnheit; auch die Bel- ziger gewöhnten sich mit der Zeit an den Anblick des Feindes, dessen Lager sich rings um die Stadt zog. Abends bot es sogar ein friedliches Bild; dann hallten aus den Zelten Kirchenlieder, Bußpsalmen und fromme Weisen, auch der finstere Procop, so erzählte man sich, entschlief stets mit einem Gebet auf den Lippen, auf den Lippen, die so oft Befehl gegeben, unschuldige Menschen zu tödten.

Aber bei Tage war der Friede dahin. Schauerlich und furchtbar hallte das Feldgeschrei der Hussiten unter den Mauern und Thoren der belagerten Stadt.

Bisher waren ihre Verluste nur gering gewesen. Drei Landsknechte waren gefallen und unter der jungen Mannschaft etliche schwer und einige leicht verwundet worden. Zu den letzteren hatte auch Friedel gehört.

Einige Tage war er im Zimmer geblieben, und Jlsabe hatte bei ihm gesessen und die Armwunde gekühlt.

Als er nun aber heute das Schwert umschnallte und die Blechkappe aufs Haar drückte, umschlang sie ihn in Angst und Sorge.Wenn ich dich doch noch unver­wundbar machen könnte," schluchzte sie.

hin, daß der Friede bereits in zwei Wochen geschlossen werden würde, daß die Kriegskosten auf 50 Millionen Franks herabgesetzt würden und daß Rußland die Zahl­ung dieser Summe übernehmen werde. Jedenfalls blickt alles jetzt auf den Zaren als den Retter in der Noth. DerFrkf. Ztg." wird aus Konstantinopel gemeldet, daß die Depesche des Kaisers Nikolaus an den Sultan auf eine inständige Bitte des griechischen Kronprinzen erfolgt sei. Derselbe wies auf seine nahe Verwandt­schaft mit dem Zaren, sowie auf dessen hohes Ansehen beim Sultan hin und erbat des Zaren persönliche In­tervention, um dem Gemetzel Einhalt zu thun.

Ueber das Aussehen der siegreichen türkischen Armee schreibt der Berichterstatter desStandard": Diese Soldaten haben nichts Schneidiges an sich, weder in der Uniform, noch in der Haltung. Ihre Uniform hat nicht das Malerische, wie die der Redifs im letzten russisch-türkischen Kriege mit ihrer Zuavenjacke, ihren weiten Hosen, ihrer rothen Schärpe und ihren Gamaschen. In der Armee, welche auf Volo marschirte, hatte kein einziger Soldat eine heile Uniform an. Wenn man diese Gestalten mit den zerfetzten Aermeln betrachtet, wie sie gemüthlich ihre Gewehre einherschleifen, kann man sich kaum vorstellen, daß das eine siegreiche Armee ist, vor welcher der Feind stets Hasenpanier ergreift, sobald er ihr zu nahe kommt. Die türkische Armee sieht aus, wie eine Armee von Vogelscheuchen. Als solche hat sie aber gewiß Bewunderungswürdiges geleistet. Mehr als auf eine Entfernung von 1500 Aards sind die Griechen ihr nie nahe gekommen.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 23. Mai.

Se. Majestät der Kaiser traf gestern um 1 Uhr 40 Min. in Sibyllenort ein. Er umarmte und küßte Se. Majestät den König von Sachsen und begrüßte den Generaladjutanten Generallieutenant v. Minckwintz, sowie den Landrath Grafen Kospoth. Das neunjährige Töchterchen des Pastors Katterwe aus Penke überreichte Seiner Majestät mit einem kleinen Spruche einen Blumen­strauß. Alsdann erfolgte die Fahrt zum Schlosse. Am Eingänge desselben wurde Se. Majestät der Kaiser von Ihrer Majestät der Königin von Sachsen, sowie dem

Er löste behutsam die blonden Flechten von seiner Schulter.Gräme dich nicht," bat er.Das böhmische Gesindel schießt so schlecht, daß es eine wahre Schande ist. Vor unsicheren Schützen aber bangt uns nicht."

Doch im geheimen sah er nicht so hoffnungsfroh in die Zukunft, als er sich den Anschein gab.

Und wie Friedel dachten auch andere. Besonnene Männer verhehlten sich nicht, daß es Belzig unmöglich sei, nur auf die Dauer von wenigen Monaten^ der Be- lagernng stand zu halten. Dazu besaß die Stadt zu wenig Lebenömittel; die plötzliche Umzingelung durch die Hussiten hatte es unmöglich gemacht, genügend Vorräthe zu sammeln. Was sollte werden, wenn der Hunger an die Thore pochte? Müßte sich die Stadt dann etwa doch dem Feinde aus Gnade und Ungnade ergeben ? Dem Feinde, der kein Erbarmen kannte und der selbst des Blutes unschuldiger Kinder nicht schonte? Ach, so manch tapfere Brust füllte sich bei solchen Gedanken mit Sorge und Trauer.

Es war gegen Mitternacht; im Lager der Hussiten erloschen die Feuer. Um die Pechpfannen und Fackeln, die von den Thoren der Stadt flammten, fuhr der Sturm und trieb den Wächtern den Rauch in die Augen. Finster war die Nacht, nur ab und zu, wenn das Ge­wölk am Himmel zerriß, wurde ein einsames Sternlein sichtbar. Aber schon im nächsten Augenblick verschwand es wieder.

Helmrich stand auf der Plattform des grauen Wacht- thurmes und überdachte die Ereignisse des Tages. Unter ihm lagen die Trümmer des Schlosses, kaum waren die

Erbprinzen und der Erbprinzessin von Meiningen empfangen. Um 2 Uhr begann die Frühstückstafel. In Wirschkowitz wurde Se. Majestät gegen 5 Uhr bei der Wärterbude 20 vom Grafen Hochberg erwartet und fuhr direkt von dort zur Pürsche nach Tschotschwitz und Jdahof. Das Gefolge begab sich nach Wirschkowitz. Se. Majestät erlegte acht Rehböcke. Zur Abendtafel waren geladen: Graf Maltzahn-Militsch, Graf Recke auf Kraschnitz und Landrath Graf Stosch. Im Gefolge Sr. Majestät befinden sich Ober-Hofmarschall Graf zu Eulen- burg, Flügeladjutanten General von Kessel, Oberst­lieutenant Graf Moltke, der Gesandte in Kopenhagen v. Kiderlen-Wächter und Ober-Stabsarzt Dr. Jlberg.

Se. Majestät der Kaiser verlieh vor der Abreise von Wiesbaden dem Ober-Bürgermeister von Wiesbaden, v. I b e l l, eine goldene Amtskette, Haupt­mann Laufs den Kronenorden 3. Klasse, ließ dem Maschineninspektor Schick und dem Garderobeinspektor R a u p p eine goldene Busennadel mit Brillanten zu­stellen und ernannte den Hauptmann Ballet des B a r r e s , den Chef der Fahnenkompagnie des Hessischen Füsilierregiments (von Gersdoff) Nr. 80 zum Major.

Das nebst dem zugehörigen Einführungsgesetz unter dem 10. d. Mts. Allerhöchst vollzogene Deutsche Handelsgesetzbuch ist gestern ärmlich publizirt worden.

Das Reichsgesetz wegen anderweiter Bemessung der Wittwen - und Waisengelder ist unter dem 17. d. Mts. Allerhöchst vollzogen und gestern amtlich publizirt worden.

Der Reichstag hat die Berathung der Hand­werkervorlage bei § 100, der von den Zwangsinnungen handelt, fortgesetzt.

Dem Reichstag ist ein Gesetzentwurf über die Ab­änderung der Gewerbeordnung und des Krankenversicherungsgesetzes zugegangen. Derselbe ist veranlaßt durch die Zwistigkeiten, die im Frühjahr v. I. zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in der Konfektionsbranche entstanden waren. Es sollen Bestimmungen getroffen werden, nach denen verboten wird, Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern Arbeit mit nach Hause zu geben. Ferner wird eine Beurkundung der auf die Lohnberechnung bezüglichen Arbeitsbedingungen vorgeschrieben, da sich die Arbeiter häufig im Unklaren über den demnächst von ihnen zu beanspruchenden Lohn befänden. Endlich ist es ein Mangel, daß die zahlreichen

einzelnen Umrisse derselben erkennbar. Da kreischte plötzlich der heißere Schrei eines Käuzchens durch die Stille.

Kein Laut dünkte Helmrich so widrig wie der Ruf der lichtscheuen Eule. Und wieder erklang er, zum zweiten-, zum drittenmale. Dann rollte ein Steinchen, das sich aus dem Gemäuer gelöst haben mochte, zur Erde. Helm­rich wurde unruhig, und seine Augen suchten vergeblich, das Dunkel der Nacht zu durchdringen.

Er stieg vom Thurm herab und betrat den Schloß­hof. Da kreischte abermals das Käuzchen. Der Ruf kam aus einer Ecke des Schloßhofs, wo aus Stein- und Mauertrümmern ein Hollunderstrauch sproßte.

Greulicher Nachtvogel, du sollst kein Unheil mehr künden," rief Helmrich. Er griff in das Gesträuch und schüttelte es, um den vermeintlichen Uhu zu verscheuchen, als er plötzlich in der linken Hand einen heftigen Schmerz verspürte. Der scharfe Stahl eines Messers war ihm durch die Handfläche gedrungen.

Verrath!" schrie er laut auf und zugleich hieb er, das Schwert in der Rechten, blindlings in das Hollunder- gebüsch ein.

Ein Angstschrei gellte dann löste sich ein mensch­licher Körper aus dem Gesträuch und rollte auf den Schloßhof.

Ueberfall! Verrath!" donnerte Helmrich. Ihm war die Sachlage sofort klar geworden; er wußte, daß der Schrei des Käuzchens ein verabredetes Zeichen der Feinde gewesen war. So riß er einem der Wächter, die durch den Lärm erschreckt sogleich herzugeeilt waren, die Fackel