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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Die JnsertionSgebühren betragen für den Raum einer Spaltkeile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
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Gvatrsbeilasen: „SUuftrirtes Sonntagsblatt" n» „3Uuftrirte lanvwirthschaftttche Beilage".
UU SohmW Den 29. Mai M.
Beftellnngen auf das Hersfelder Kreisblatt für den Monat Juni werden von allen Äußerlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedi- Hon angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 26. Mai 1897.
Diejenigen Herren Ortsvorstände derjenigen Gemeinden 2C., welche noch mit Einzahlung der am 15. d. Mts. fällig gewesenen 1. Rate der pro 1897/98 zu entrichtenden Kreissteuer im Rückstände sind, werden hierdurch ersucht, dafür zu sorgen, daß solche noch bis späte st ens zum 3 1. d. Mts. Vormittags 9 Uhr erfolgt.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Lehren der Geschichte.
„Sowie sie offen sagen, wie sie die Zukunft zu gestalten denken, so lacht sie jeder einsichtige Arbeiter aus! sagte der Altreichskanzler Fürst Bismarck vom sozialdemokratischen „Zukunftsstaate" im Oktober 1878 im Reichstage. Seitdem ist eine Menge Schriften erschienen, die den Unsinn und die Unmöglichkeit dieser Zukunftsgesellschaft in mehr oder minder überzeugender Weise schildern. Aber nicht eine Schrift hat auch nur entfernt die unbeschreiblich verworrenen, unerträglichen und entsetzlichen Zustände des sozialdemokratischen Jdealstaates so darzu- stellen vermocht, wie sie zur Zeit der französischen Revolution im Jahre 1789 wirkliche Thatsache gewesen sind.
Angeblich ins Werk gesetzt, um dem französischen Volke zu seinem Rechte zu verhelfen, hat die französische Revolution in vieler Hinsicht gerade den breiten Schichten des Volkes unberechenbaren Schaden zugefügt. Wenn je die Ideen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit,
Um Ehre und Unhm.
Erzählung von M. von Buch.
(Fortsetzung.)
Dreizehntes Kapitel. Schluß.
Einige Wochen müssen wir zurückgehen.
In Pardietz war viel von dem Anrückeu der Hussiten die Rede, und Gilda dachte daran, daß sie Helmrich versprochen hatte, sich in Sicherheit zn bringen, sobald die Zeit ernst würde. Allein, da Becho krank wurde, verschob sie die Flucht von Tag $u Tag, bis es endlich zu spät war, bis sie von der Belagerung Belzigs hörte.
Spinnend saß Gilda am Fenster, als ein Schwärm Hussilen, der sich von dem Hauptheere abgezweigt hatte, in das Dorf drang. Einige der Bewohner vermochten sich noch in das Dickicht der Wälder zu retten; alle, die es nicht mochten, fielen der entfesselten Wuth der Böhmen zum Opfer. Jammer und Weherufe füllten die Luft. Mordend und plünbernb zog die im langen Kriegerleben völlig verwilderte Soldateska durch das unglückliche Dorf.
In Bechos Haus drang ein nhwarzhaarigcr Böhme.
Gefaßt trat ihm Gilda entgegen.
„Störe nicht die Ruhe deS Todten," bat sie; sie geleitete den Feind an die Bettstatt und hob das Tuch von Bechos Antlitz.
«Gestern ist er verschieden," sagte sie. Aermlich ist das Haus, und du wirst nichts finden, um5 dir der Mitnahme werth erscheint. Aber suche nach Gefallen."
die sogenannten Menschenrechte, mit Füßen getreten wurden, so geschah dieses im Jahre 1789. Es war der Wahnsinn ans Ruder gekommen.
Die Herrschaft wurde von einigen unbekannten Fanatikern ausgeübt. Gesetz und Recht, ohne die ein Staatswesen nicht bestehen kann, waren leere Worte. Freiheit und Sicherheit der Person und des Eigenthums waren beseitigt; selbst die Ehre galt nicht mehr als ein Rechtsgut, das des Schutzes werth gewesen wäre. Man widerlegte keine abweichenden Ansichten, man ließ keinem Gegner Gelegenheit zur Aeußerung. Mit Pulver und Blei, mit Strick und Fallbeil wußte man den Widerspruch zu ersticken. An Stelle des Rechtsspruches trat der Mord ohne Richterspruch. Wer sich den jeweiligen leitenden Personen auch nur im geringsten unbequem oder verdächtig machte, hatte sein Leben verwirkt.
Auch die Machthaber selbst waren ihres Lebens nicht sicher. Viele von ihnen haben auf dem Blutgerüst geendet. Es war ihnen nicht möglich gewesen, die Wogen der Volksleidenschaft, die sie hervorgerufen hatten, wieder zur Ruhe zu bringen. Sie mußten andern Platz machen. Und was waren das für Männer! Fast keiner von ihnen hatte eine einwandsfreie Vergangenheit. Was Wunder, daß durch ihr Beispiel, ihre Leidenschaft und ihre Grausamkeit die Massen mitgerissen,, daß auch diese von dem Wahnsinn angesteckt wurden! Denn was war es anders als Wahnsinn, daß beschlossen wurde, Christenthum und Religion abzuschaffen, den lieben Gott abzusetzen und statt seiner ein Frauenzimmer als „Göttin der Vernunft" zu verehren!
Aehnliche Zustände würden wir wieder erleben, wenn es der Sozialdemokratie einmal gelingen sollte, ihren „Zukunftsstaat" einzurichten. Wie während der französischen Revolution die führenden Männer Vorgaben, auf dem Wege der Gewalt die Zustände zu verbessern, so will heute die Sozialdemokratie die bestehende Staatsund Gesellschaftsordnung umstürzen, um auf ihren Trümmern einen neuen Gesellschaftszustand herzustellen, in welchem eitel Glück und Zufriedenheit herrschen. Aber, wie damals die Arbeit der Revolutionsmänner nicht den erwarteten Erfolg hatte, sondern den entgegengesetzten, so würde auch die Sozialdemokratie, wenn sie einmal aus Ruder käme, unsägliches Unglück über die Arbeiterwelt und das gesammte Volk heraufbeschwören. Wie zur Zeit der französischen Revolution würden dann alle Bande der Sitte und Ordnung gelockert, würden
Scheu verließ der Hussit das Haus.
Noch andere stürmten über die Schwelle, doch die Leiche schreckte die wildesten und rohesten Gesellen zurück; das war sicher: Der tobte Becho schützte Gilda mehr, als es der lebende vermocht hatte.
Allmählich wurde es dunkel, die Plünderung wurde beendet.
Der Anführer der Schar, der mit seinen Leuten wieder zum Hauptheere stoßen wollte, gab Befehl, das Dorf in Brand $u setzen, damit er, wie er sagte, den Weg besser finden könne.
Kaum brannte das erste Strohdach, so war auch das Schicksal des Dorfes besiegelt; hier zu löschen war nutzloses Bemühen. Mit gierigen Zungen leckten die Flammen an dein dürren Gebälk der Häuser, und der Wind trug das Feuer von Dach zu Dach.
Schon füllte sich die Dorfstraße mit jammernden Menschen. Sie hatten den Rest ihrer Armuth aus den Flammen ins Freie getragen, wehklagend schickten sie sich an, das Dorf in Rauch aufgehen zu sehen.
Alle Häuser waren geräumt, nur die Thür von Bechos Gehöft öffnete sich nicht. — Warum nicht? Ahnte man hier nicht das Schicksal, dein das Dorf entgegenging?
O doch!
Gildas bleiches Gesicht erschien an dem winzigen Fenster. „Laßt mich hinaus," jammerte sie, „die Thür ist verschlossen."
Es war, wie sie sagte.
Ein Hussit, der letzte, der das Haus betreten, hatte den Riegel vor die Thür geschoben, voraussichtlich mehr aus
Willkür, Diebstahl, Raub und Mord an der Tagesordnung sein. Auch die Umsturzlehre und der Anarchismus sind nichts weiter als der in System gebrachte Wahnsinn. Hiergegen anzukämpfen ist die Pflicht eines jeden, der will, daß das Wohl der Menschheit gefördert, nicht aber vernichtet werde.
Politische Nachrichten.
Berlin, 27. Mai.
S e. Majestät der Kaiser hat sich gestern von Schlobitten nach Prökelwitz begeben'
Der Reichstag hat am Dienstage die zweite Berathung der Handwerkervorlage zu Ende geführt. Am Mittwoch wurde die zweite Berathung der Finanzvorlagen vorgenommen. Alsdann wurde der Reichstag bis zum 22. Juni vertagt. Vom 22. Juni ab soll dann noch die dritte Lesung der Finanzvorlage und der Handwerkervorlage stattfinden. Außerdem sollen nur noch kleinere Sachen erledigt werden, sodaß die Session nicht über die am 22. Juni beginnende Woche hinausdauern würde.
Das preußische Abgeordnetenhaus hat am Dienstage und Mittwoch die zweite Lesung des Han- delskammergesetzes vorgenommen. Am Freitage sollte die zweite Lesung der Novelle zum Vereinsgesetze beginnen.
Der Ueberschuß der preußischen Staatseinnahmen für 1896/97 wird auf 80 bis 100 Millionen Mk. geschätzt.
Die freikonservative Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses hat einen Antrag zur Vereinsgesetznovelle eingebracht. Darnach sollen die Artikel 1 und 3 in der Fassung wieder hergestellt werden, daß Versammlungen und Vereine, in welchen anarchistische, sozialdemokratische, sozialistische oder kommunistische, auf den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung gerichtete Bestrebungen in einer die öffentliche Sicherheit, insbesondere die Sicherheit des Staates gefährdenden Weise zu Tage treten, von den Abgeordneten der Polizeibehörde bezw. der Landespolizeibehörde aufgelöst oder geschlossen werden können. Von Vereinen rc., welche die Losreißung eines Theiles des Staatsgebietes vom Ganzen erstreben, soll dasselbe gelten.
Der Sultan hat an Kaiser Wilhelm II. ein Te-
Uebermuth, denn aus Berechnung, Gilda hatte es wohl bemerkt, doch dem Umstände keine Bedeutung beigelegt bis zu dieser Minute.
Schon schlugen die Hellen Flammen von allen Seiten empor, ein Knistern und Beben ging durch die Wände.
„Oeffuet mir," flehte die zitternde Stimme, „der Rauch erstickt mich."
Das war ein Triumph für die Leute, die ihr zuschauten.
„Sie ist eine Hexe, ihr schadet fein Feuer," schrieen sie. „Oeffuet ihr nicht, wir wollen sehen, ob sie eine Hexe ist."
Die Thür blieb verschlossen, und die Hilferufe wurden schwächer und schwächer.
Da hörte man plötzlich Pferdegetrappel. Schweißbedeckt schwang sich Helmrich aus dem Sattel.
„Wo ist Gilda? wo ist sie? wo?" Verstört sah er um sich.
Als er die tobende Menge erblickte, errieth er voraussichtlich den Zusammenhang, und nun war es um ihn ge schehen. Wie ein Rasender stürmte er ins Haus, die Begleiter, die ihn zurückzuhalten suchten, mit einer wilden Ge- berde von sich abschüttelnd.
Er hört nicht auf die Warnungen, will sie nicht hören. Er stürzt über die Schwelle, Rauch und Gluth, wohin er blickt. Mühsam tastet er sich ins Zimmer. „Gilda, wo bist du?" keucht er.
Eine schluchzende Antwort wird ihm zu theil, — halb ein Jubel-, halb ein Weheruf und dann —.
Hoch schießt die Gluth zum Himmel empor, dann sinkt sie allmählich, lind dann steigt sie noch einmal, noch einmal flammen die Feuergraben hoch auf und dann bricht