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ersjelkr Kreisblatt.
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Rr. 65.ImerstU K« 3. Zmi 1867,
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Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 1. Juni.
Die große Frühjahrsparade ist für Berlin immer ein Fest, das bis in die weitesten Kreise hinein freudige Antheilnahme erweckt. Als heute morgen die goldene Junisonne am klaren blauen Himmel emporstieg, i da mögen Tausende das echte „Kaiserwetter" froh be- grüßt haben. Schon um 7 Uhr rollte Equipage auf Equipage durch die Bellealliancestraße, die ebenso wie die Friedrichstrabe vielfach Fahnenschmuck angelegt hatte, während die Schar der Fußgänger sich wie ein breiter schwarzer Strom dem Paradeselde zu bewegte. Die Standarten-Eskadron und Fahnen-Compagnie rückten unter .klingendem Spiel nach dem königlichen Schloß, um die Fahnen und Standarten der an der Parade be« theiligten Regimenter abzuholen. Auch die Schutzmannschaft zu Fuß und zu Pferde begann ihres schweren Amtes zu walten. Der grüne Plan des weiten Paradefeldes, auf dem man erst nur die OrientierungStafeln für die Truppenaufstellung bemerkt hatte, begann sich allmählich zu beleben, die Regimenter zogen von allen Seiten herbei und rückten in ihre Plätze ein. Die Parade war in zwei Treffen aufgestellt und zog sich von der Bockbrauerei bis zum Eisenbahndamm der Verbindungsbahn. Der kommandierende General, General der Infanterie von Winterfeld, hielt mit dem Chef des Generalstabes des Gardekorps, Obersten von Scheffer, vor der Parade. Inzwischen hatten sich viele hohe Offiziere, das Hauptquartier Sr. Majestät, die Generaladjutanten, der Chef des Generalstabes, die Stäbe der Divisionen und Brigaden, die Militärattachees der fremden Staaten u. a. eingefunden, sämmtlich in Parade-Uniform mit den Ordensbändern. Zu Wagen erschienen die Prinzessin Friedrich
Dcr Schwan von Hohenstein.
Roman von F. von P ü d l e r. (Fortsetzung.)
Der vorwitzige Junker schlich heim und ging an ihm zuerst die Prophezeiung in Erfüllung, denn noch im selben Jahre erschien auf dem Hohenstein ein todtwunder riesengroßer Schwan, der mit den Flügeln schlagend dreimal das Schloß umkreiste und sodann leblos umfiel. Am nächsten Tage war das todte Thier verschwunden, aber das junge Gräflein fiel vom Pferde und brach das Genick. Und so ist es denn weiter gegangen bis auf den heutigen Tag, denn kein Graf von Hohenstein stirbt eines natürlichen Todes. Auch führen die Grafen von Hohenstein einen weißen Schwan im blauen Felde und harren sehnsüchtig, daß unser Herrgott droben doch einstmals den Fluch von ihrem alten Geschlechte fort nehmen möchte, welcher seit jener Zeit auf ihnen lastet."
„Ach welch' ein Unsinn," rief Gertrud spöttisch, als die Freundin die alte Chronik bei Seite legte, „ich bin nicht abergläubisch und hoffe, daß mein zukünftiger Gemahl es auch nicht sein wird. Allerdings ist sein Vater auch sehr jung gestorben und der Onkel hat die Verwaltung des Majorats übernommen und ist der Pflegevater des Grafen geworden."
„So ganz ist die Sache doch nicht abzuschütteln," meinte Ilse nachdenklich. «Sollte es denn nie der Fall mn, daß die Vorsehung die Menschen durch ein Zeichen mahnen und aufrütteln will aus unserem weltlichen Treiben. Mich hat diese Chronik sehr ernst gestimmt,
Leopold und die Prinzessin Aribert von Anhalt. Kurz vor 9 Uhr sprengten der Kaiser und die Kaiserin heran, gefolgt von den Flügeladjutanten, dem Oberstallmeister Grafen von Wedell, den Trompetern der Leibgendarmerie und weiterm Gefolge. Der Kaiser trug Generalsuniform mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens, die Kaiserin ein weißes Reitkostüm, welches der Uniform der alten Bayreuther Dragoner sich anschloß, mit einem schwarzen Dreimaster. Auch die Kaiserin trug das Band des Schwarzen Adlerordens. Nach Begrüßung mit den Prinzessinnen ritten die Majestäten, die Fürstlichkeiten und das gesammle Gefolge die Front ab. Die Truppen präsentierten, die Spielleute schlugen, die Hautboisten ließen den Präsentiermarsch erklingen, und die Fahnen senkten sich zur Erde. Das zweite Treffen wurde vom linken Flügel aus gesehen. Hierauf sprengte das Kaiserpaar zu dem historischen Platz bei der einsamen Pappel, um den Parademarsch abzunehmen. Hinter den allerhöchsten Herrschaften hielt zu Pferde die glänzende Suite. Insbesondere die Militärattachees in ihren zum Theil sehr malerischen Uniformen geben dieser Gruppe einen eigenartigen Reiz von höchstem Farbenreichthum. Auch der große Wagenpark der Zuschauer war eingeschwänkt und gab mit den Hellen Toiletten der Damen einen hübschen Hintergrund für das blitzende Bild ab. Man bemerkte Minister und Angehörige des diplomatischen Corpü mit ihren Damen und zahlreiche Mitglieder der ersten Gesellschaftskreise. Der Vorbeimarsch fand für die Infanterie in Compagniefronten statt, das zweite Treffen defilierte im Trabe, die Kavallerie in Eskadronssronten mit ganzem Tiefenabstand, die Artillerie in Batteriefront, der Train in Compagniefront. Die alten preußischen Marschweisen ertönten, und in tadellosen Linien, die bei der beinahe völligen Staubfreiheit bis zum linken Flügel hindurch klar zu erkennen waren, kam Regiment auf Regiment vorüber. Nach Beendigung des Parademarsches hielt der Kaiser die Kritik ab und nahm eine große Reihe militärischer Meldungen entgegen, worauf er an der Spitze der Fahnen und Standarten in das Königliche Schloß zurückkehrte. Die Kaiserin hatte bereits vor der Kritik das Paradefeld verlaffen. Lange dauerte es, bevor sich die Menge verlaufen hatte, und Berlin wieder sein gewohntes Aussehen zeigte.
Der König von Sachsen wird voraussichtlich den Kaisermanövern beiwohnen und in Homburg Wohnung nehmen.
zumal sich die alte Sage doch bis auf den Vater Deines Bräutigams erfüllt hat."
„O, Ilse, Du bist aus lauter Sentimentalität zusammengesetzt", spöttelte Gertrud, „nimm doch das Leben leicht wie ich es thue, man kommt damit viel weiter."
„Das Leben hat sich mir aber auch weit ernster und schwerer gezeigt, mein Herz, als Dir. Solange ich denken kann, mußten wir, meine Eltern und ich kämpfen und ringen, oft sogar ums tägliche Brot, denn wir mußten jedes Geldstück doppelt umdrehen ehe es ausgegeben wurde. Und wie selten konnten die theueren Eltern mir einen Wunsch gewähren, den ich auch nie auszusprechen wagte, denn sie mußten ja nach außen hin den Schein zu wahren suchen, daß wir begüterte Leute seien. Als Papa dann nach mehreren schlechten Jahren sein Gut günstig verkaufen und in die Stadt ziehen konnte, ermöglichte er es, mich ein Jahr in Pension zu geben. Es war dies das schöne Jahr, Gertrud, das wir gemeinsam verlebten. So fröhlich wie in jener Zeit bin ich nie vor- oder nachher gewesen."
„Arme liebe Ilse", rief Gertrud und umschlang die Freundin theiluehmend. „Nun es wird auch für Dich einmal eine bessere Zeit kommen und wenn ich erst ver- heirathet bin, hast Du bei uns eine Heimath. Es würde für mich auch sterben« langweilig sein ewig nur mit Albrecht allein auf dem Hohenstein sitzen, ich brauche Abwechselung."
„Aber, Gertrud," lachte Ilse heiter. „Du sprichst wie der Blinde von der Farbe. In einer rechten Ehe kennen doch Mann und Frau nichts Schöneres als bei-
Der preußische Apot he kerrath ist am Montage in Berlin zusammengetreten, um über die Frage der Zulassung der Frauen zum Apothekerberufe zu berathen.
Prinz Heinrich hat vor seinem Abschied von Hamburg dem Direktor der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt- Aktiengesellschaft folgendes Telegramm desKaisers überreicht: „Se. Königliche Hoheit Prinz Heinrich, Hamburg. Ich bitte Dich, der Direktion der H. A. Packet- fahrt-Aktiengesellschaft, welche deutsche Intelligenz und Einsicht zum Wohle heimischer Interessen ins Leben rief und fortentwickelte, meine wärmsten Glückwünsche für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auszusprechen. Wilhelm, I. R."
Einpolnisch-sozialdemokratischecPar« teitag soll während der Pfingstfeiertage in Berlin abgehalten werden. Ursprünglich war Posen als Ort der Abhaltung in Aussicht genommen. Da es aber nicht möglich war, einen Saal zu erlangen, wurde Berlin gewählt. Gerade im gegenwärtigen Moment, während über die Maßnahmen Erörterungen gepflogen werden, die zur Abwehr der sozialdemokratischen Angriffe auf den Staat dienen sollen, nimmt sich diese Veranstaltung wie eine Herausforderung und Verhöhnung der Staatsgewalt aus.
Die anläßlich der Vereinsgesetz-Novelle wieder innerhalb der Sozialdemokratie angeregte Frage, ob sie sich künftig an den Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause betheiligen solle, wird in der Presse der Partei fortdauernd erörtert. Die meisten Organe derselben, welche in die Diskussion eingreifen, sprechen sich für die Betheiligung aus. Die Frage wird wohl auf dem nächsten Parteitage entschieden werden. Diejenigen Stimmen, welche sich für die Wahlbetheiligung erklären, erwarten nicht, daß die Sozialdemokratie bei dem preußischen Drei-Klassen-System Abgeordnete, wohl aber, daß sie in der dritten Klasse Wahlmänner durchsetzen, vermittels dieser die linksliberalen Kandidaten unterstützen und möglicherweise auf dem Wege des Wahlkompromisses auch ein und das andere Mandat erhalten könnte.
AuSlanV.
Präsident Faure trifft, nach der „Kölnischen Zeitung", am 25. Juli auf dem Wasserwege in Petersburg ein.
Der König von Siam hat an diesem Mitt-
sammen zu sein und für einander zu leben und zu streben. So lange meine Mutter lebte, verlangte mein Vater nichts anderes als mit ihr zusammen zu sein."
„Ja, für solch ein Idyll bin ich nun einmal nicht geschaffen," kopfschüttelte Fräulein von Reimar spottend, „mein Geschmack ist die große Welt, Geselligkeit und Leben, Reisen, Theater und all derlei Zerstreuung. Wozu lebt denn sonst der Mensch in dieser Welt?
„Gertrud," sagte Ilse stauneno, „ich kenne dich ja nicht wieder! Du bist wie ausgetauscht. Wer hat Dir diese niedrigen Ansichten über das Menschenleben eingeimpft ? Hast Du denn gar keine höhere Empfindung für das was Du Deinem Verlobten schuldig bist und daß wir nach dem flüchtigen Jugendrausche ein Leben der Pflicht leben müssen."
„So? Hat mein Bräutigam denn nicht alle Ursache mir dankbar zu sein, daß ich seine Werbung annahm? Ich kann jeden Tag eine ebenso gute, wenn nicht bessere Partie machen und fühle mich doch eigentlich zu gut, um auf dem langweiligen Hohenstein zu verkümmern."
Ilse war von diesen Worten Gertruds so betroffen, daß sie einige Minuten sckwieg. Das Dienstmädchen kam inzwischen mit einem Telegramm vom Hause her. Neugierig riß Gertrud es ihr aus der Hand und las die Depesche.
„Sie kommen, Ilse, sie kommen," jubelte sie dann der Freundin zu, der Onkel Graf Hohenstein und Graf Botho, der jüngere Bruder meines Bräutigams. Graf Botho ist Lieutenant bei den Husaren. Dank dem Himmel, daß sie kommen und die Langweile von uns nehmen.