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erWer meisblatt.

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«r. 67.

I-merstoß Den 10. Juni

1897.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt für den Monat Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Lxpedi- Hon angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 5. Juni 1897.

Im Monat Mai d. Js. sind für folgende Herren Jahres-- Jagdscheine ausgestellt worden und wird solches bestehen­der Vorschrift gemäß hierdurch veröffentlicht:

1. Bierbrauereibesitzer Heinrich Engelhardt hier, am 1/5-,

2. Bürgermeister Georg Hafsenpflug in Biedebach, am 3/5.,

3. Königlicher Förster Dittelbach i n Friedewald, am 3/5.

4. Röder daselbst, am 3/5.,

5. Wagner daselbst, am 3/5.

6. Forstaufseher Schmidt daselbst, am 3/5,

7. Weck in Hillartshausen, am 3/5.,

8. Mastwirth Jakob Ruhn in Niederaula, am 3/5.,

9. Königl. Forstaufseher Kehr in Friedlos, am 4/5.,

10. Förster Prescher in Niederaula, am 4/5.,

11. Emil Matthias in Hattenbach, am 5/5.,

12. Gutsbesitzer Adam Führer in Lautenhausen, am 6/5.,

13. Zahntechniker Hermann Caselitz in Hersfeld, am 6/5.,

14. Gutsbesitzer Karl Wilhelm Seybert in Lautenhausen, am 7/5.,

15. Landwirth Johannes Harnickel zu Hof Hälgans, am 10/5.,

16. Landwirth Heinrich Allendorf in Allmershausen, am 14/5.,

17. Königl. Förster Radeck in Hilmes, am 14/5.,

18. Jagdaufseher Adolph Westermann in Herfa, am 15/5.,

19. Schreiner und von Baumbach'scher Waldwärter Philipp Paul in Willingshain, am 18/5.,

20. Königl. Förster Langerhans in Holzheim, am 19/5.,

21. Schuhmachermeister Peter Köhler in Asbach, am 26/5., Der Königliche Landrath Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Der Schwan von Hohcnstein.

Roman von F. von P ü ck l e r.

(Fortsetzung.)

3. Kapitel.

Es war im Braunau'schen Hause und am Tage nach der Heimkehr von Vater und Tochter. Herr von Braunau, der schon eine ganze Stunde lang ruhelos in seinem Zimmer auf und nieder gewandert war, öffnete jetzt die Thüre nach dem Wohnzimmer und rief:Ilse."

Ich komme Papa", klang eine helle Stimme und gleich darauf stand das schöne Mädchen im Morgenkleid und heller Küchensckürze vor dem Vater, lächelnd und freundlich, wie er es an ihr gewohnt war.

Was wünschest Du, Papa? Ich wollte gerade in die Küche."

Es ist etwas sehr wichtige«, mein Kind, das ich mit Dir besprechen möchte. Mache Dich für eine halbe Stunde frei."

Bald darauf setzte sich das schöne Mädchen freund­lich auf einen Stuhl neben des Vaters Schreibtisch und schaute erwartungsvoll zu ihm auf. Bitter schwer schien es dem alten Herrn zu werden, was er jetzt dem ahn­ungslosen, schönen Wesen da vor ihm mittheilen mußte, aber es blieb kein Ausweg und so begann er stockend: »Ilse, mein Liebling! Ich ich habe den Auftrag er- halten, Dich für einen Ehrenmann zum Weibe zu fordern."

Sie zuckte zusammen und ward glühend roth.Papa",

Nichtamtlicher Theil.

Die Petersburger Reise des Präsi­denten Faure.

DerFigaro" hat einen witzigen Zeichner, namens Caran d'Ache, der alle Donnerstag irgend eine Geschichte in Karrikaturen den Lesern des Pariser Bouleward- blattes zum Besten giebt. Diese Karrikaturen richten sich mitunter gegen Deutschland, häufig aber auch gegen franzöfische Eigenthümlichkeiten und Schwächen des französischen NationalcharakterS, wie sie gerade bei irgend einer Tagesfrage hervortreten.

Augenblicklich beschäftigen sich die Pariser lebhaft mit der Frage, ob und wann der Präsident der Republik Faure dem Zaren einen Gegenbesuch in Rußland machen werde. Es scheint so, als ob jetzt alle Schwierigkeit, namentlich Versaffungs- und Etikettefragen, so weit be­seitigt seien, daß der Reise Faures nach Rußland für diesen Sommer entgegengesehen werden darf. Aber welchen Weg wird er einschlagen, über Wien, über Odeffa über Kopenhagen? Jedenfalls in möglichst großem Bogen um Deutschland herum.

Diese Schmerzen haben dem Zeichner imFigaro" den Stoff zu seiner letzten Bilderreihe gegeben. Faure studiert den Globus: die gerade Linie führt über Berlin, das geht nicht, denn dann trifft er mit Kaiser Wilhelm züsammen und muß ihn wohl gar zum Besuche der Pariser Weltausstellung (1900) einladen; über Wien, über die Ostsee, da ist's auch nicht geheuer; wie wärs mit dem Reiseweg Nansens über den Nordpol? Faure versengt sich in diesen Traum, er begegnet einem Eskimo, der Seehunde für einen erlauchten Jäger treibt, und dieser Jäger der deutsche Kaiser ist auch schon in der Nähe, sodaß Faure kaum Zeit hat, sich den Frack und den Großcordon der Ehrenlegion anzulegen. Die Sorgen der französischen Chauvinisten wegen einer Be­gegnung Faures mit unserm Kaiser, sei es in Paris zur Ausstellung woran unser Kaiser nicht denkt, sei es auf der Durchreise Faures, sowie zum Schluß ihre Eitelkeit werden also von dem Zeichner offen verspottet.

Wie sehr sich die Franzosen überhaupt mit Kaiser Wilhelm beschäftigen, das sieht man auch daraus, daß andere Blätter zahlreiche Gutachten mehr oder weniger bekannter Persönlichkeiten über die Frage, ob unser Kaiser zur Ausstellung einzuladen sei, und wie man ihn

stammelte sie dann erschrocken,aber ich kenne ja den Herrn nicht und ich liebe auch keinen."

Du wirst ihn lieben lernen, mein Töchterchen, denn er ist ein Ehrenmann von großem Ansehen und wird Dich auf Händen tragen".

Eine Weile blieb es still in dem Gemach, dann hob Ilse die großen blauen Augen zum Vater auf und frug ernsthaft:Würde es in Deinem Willen liegen, wenn ich jenen Mann heiralhete?"

»Ja, o ja", rief Braunau fast ungestüm,es wäre die Erfüllung meines heißesten Lebenswunsches."

Ilse wurde jetzt todtenblaß und frug dann:So ist er wohl reich?"

Ja reich ist er, aber nicht nur reich, sondern auch edel und gut, aber ein bereits alternder Junggesell."

Vater", schrie da das Mädchen auf,ich liebe ja nicht; ich habe noch nie geliebt und Du weißt, daß ich ohne dies nicht heirathen kann."

Er sah sie sehr besorgt, doch voll tiefer zärtlicher Liebe an, dann frug er leise:Auch nicht um Deines Vaters Willen? Glaube es mir Ilse, Du würdest mir eine große Freude bereiten, der Freier ist ein lieber Freund von mir."

Wer ist es?" rang es sich zwischen Jlsens bleichen Lippen hervor; sie preßte beide Hände aufs Herz und nur mühsam athmete ihre heftig bewegte Brust.

Graf Hohenstein der Aeltere, der Onkel und Pflege­vater der beiden jungen Grafen."

Jetzt senkte Ilse das blonde Haupt, eine tiefe Ohn­

empfangen solle, zusammengetragen haben. Dabei ereifern sich die meisten Gutachten in dem Gedanken, daß Kaiser Wilhelm nach Paris kommen könne, ohne vorher Elsaß- Lothringen Frankreich geschenkt zu haben. Das ist für uns das Wichtige und Ernste: trotz alles Spottes leben die Revanche und der Chauvinismus fort.

Politische Nachrichten.

Inland.

Potsdam, 8. Juni.

Gestern Vormittag 11 Uhr fand im Neuen Palais das Stiftungsfest des Lehr-Jnfanterie-Bataillons statt. Der Feier wohnten Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin mit den Prinzen Söhnen und der Prinzessin Victoria Luise bei, ferner Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Friedrich Leopold von Preußen, der Erbprinz von Hohenzollern, Prinz und Prinzessin Carl von Hohenzollern, der Sohn des Königs von Siam, welcher Zögling des hiesigen Cadettenhauses ist, sowie die direkten Vorgesetzten des Lehr-Jnfanterie-Bataillons, zahlreiche höhere Offiziere und die Militär-Attachss. Die Feier wurde mit einem liturgischen Gottesdienst eröffnet, welchen Divisionspfarrer Keßler abhielt. Nach­dem darauf Se. Majestät die Front des Bataillons ab- geschritlen, folgte ein Parademarsch in Zügen, nach dessen Schluß das Bataillon nach den Colonnaden an der Mopke abmarschirte, wo unter Zelten die Tafeln aufgestellt waren, an denen die Speisung der Mann­schaften erfolgte. Die Allerhöchsten und Höchsten Herr­schaften begaben Sich vom Neuen Palais aus nach den Colonnaden; bei dem Erscheinen der Majestäten spielten die Musikcorps der hiesigen GarnisonHeil Dir im Siegerkranz". Se. Majestät der Kaiser brächte ein Hoch auf die Armee aus, der commandirende General des Gardecorps General von Winterseld ein Hoch auf Se. Majestät, in das die Mannschaften mit dreifachem Hurrah einstimmten, während die Musikcorps wiederum das Heil Dir im Siegerkranz" spielten. Gegen 1 Uhr fand im Neuen Palais eine Mittagstafel zu etwa 160 Gedecken statt.

Heute Vormittag 9 Uhr hörte der Kaiser die Vor- träge des Kriegsministers, Generallieutenants v. Goßler, sowie des Chefs des Militärkabinets, Generals von Hahnke. Um 12 Uhr gedachte der Kaiser den amerikanischen Bot­schafter Mr. Uhl nebst Gemahlin, sowie den japanischen

macht umgab ihre Sinne und entsetzt fing ihr Vater die Taumelnde in seinen Armen auf.

Es währte eine lange Zeit, ehe Ilse wieder zu sich kam; dann brach ein Strom heißer Thränen aus ihren Augen, sie schluchzte herzzerbrechend. Herr von Braunau stand tief erschüttert diesem Jammer gegenüber; er wagte nicht mit einem Worte sich einzumischen, er liebte sein Kind und wollte es nicht unglücklich machen für's Leben.

Papa", bat endlich das junge Mädchen,gieb mir Zeit bis morgen, ehe ich mich entscheide; es kam zu rasch, ich muß mich erst fassen."

Er küßte sie voll warmer Zärtlichkeit auf die Stirn. Armes Mädchen", sagte er weich,ich will Dich ja nicht quälen, wenn Du den Antrag nicht annehmen willst; Gott wird auch so helfen."

Ilse lag bald darauf in ihrem Stübchen vor dem Bett auf den Knieen und eine Fluth von Gedanken schoß durch ihr Hirn. Also das war es, worauf Gertrud hingezielt, diese Werbung hatte sie irgendwie erlauscht gehabt. Und sie, Ilse, welche Graf Botho mit dem stolzen Be­scheide abgewiesen, sie werde nur aus Liebe heirathen, sie sollte nun seinem Onkel die Hand reichen, weil er ihr eine glänzende, sichere Stellung bieten konnte! Nein und abermals nein; das konnte und durfte nicht sein! Aber ihr Vater! Wie hoffnungsvoll hatte sein liebes, altes Antlitz geleuchtet, als er ihr den Antrag des Grafen mitgetheilt! Wie sorglos und hell könnte sein Lebensabend sein, wenn er sie geborgen an der Seite jenes edlen Mannes wüßte.