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Gratisbeilagen:)llustriktes Sonntagsblatt" u.)llnstrirte landwirthschaftliche Beilage".

Kr. 70.IoWerftsg Ita 17. Zmi 1897.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 14. Juni 1897.

Die auf Grund des Ministerial-Erlasses vom 13. ?" Februar d. I. (cfr. Ausschreiben vom 1. März 1897 ; I. I. JVs. 1449 Kreisblatt JY? 28) seitens der Herren \ Kreisthierärzte ausgeführten Dienstreisen haben für die g Staatskasse so bedeutende Kosten verursacht, daß auf deren Einschränkung Bedacht genommen werden soll.

Demgemäß sind in Abänderung des vorerwähnten ; Ausschreibens seitens der Herren Octsvorstände die Vieh­besitzer ihrer resp. Gemeinden aufzufordern, künftig alle Anträge auf Viehuntersuchungen bei der OrtS- f behörde zu stellen, welche dieselben zu sammeln hat und g zu bestimmten Terminen an den Kreisthierarzt einsendet. / Der Kreisthierarzt wird sodann auf seinen Rundreisen , ferner nur noch diejenigen Orte bereisen, aus welchen Aufträge zu Untersuchungen vorliegen.

ß J. I. Nr. 3338. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, p Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 14. Juni 1897.

Aus Anlaß der Errichtung einer Pastagentur in dem H Orte O b e r g e i s, vielfach auch OberNgeis geschrieben, : hat der Herr Regierungs-Präsident mittelst Verfügung 1 vom 4. Juni er. A. I. Nr. 4556 die erstere Schreib­weise für richtig anerkannt.

Demgemäß ist künftig stetsObergeis" w i e ebenfallsUntergeis" zu schreiben, was sich alle Behörden, Beamten und Privatpersonen zur Nachachtung dienen lassen wollen.

? I. I. Nr. 3337. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Homberg, den 12. Juni 1897.

Unter der Schafheerde des Schäfers Johannes Hassen- pflug zu Oberhülsa ist die Räudekrankheit ausgebrochen. Der Landrath von Gehren.

An den Herrn Landrath zu Hersfeld.

* * *

Hersseld, den 14. Juni 1897. Wird veröffentlicht.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Der Schwan von Höllenstein.

Roman von F. von Pückler.

(Fortsetzung.)

Heute saßen Gräfin Ilse und Gertrud von Reimar j zusammen auf der Veranda, die Herren hatten sich nach dem Kaffee zu einer Kegelpartie in den Garten zurück- g gezogen und Ilse lehnte behaglich in dem Schaukelstuhl, | um die milde Herbstlandschaft vor sich zu betrachten. | Ihr gegenüber, mit gekreuzten Füßchen, saß oder lag g vielmehr die noch immer sehr übermüthige Getrud, eine I Cigarette zwischen den rothen Lippen, ein Bild des Wohl- K behagens und der gespannten Erwartung. Lange allein 1 zu bleiben mit der schweigsamen Freundin war nicht K ihr Fall.

O", rief Gertrud plötzlich auffahrend,heute erhielt ich Albrechts neuestes Bild und die Neuigkeit, daß er in I einigen Tagen hier sein wird."

Aber Gertrud, das sagst Du erst jetzt? meinte die »Gräfin Ilse erstaunt, aber doch herzlich,das freut mich »ja ganz außerordentlich für Dich! Nach so langer Ab- W Wesenheit Deines Verlobten zählst Du nun sicher die »Stunden bis Du ihn hier hast."

Nun ja", seufzte Gertrud gedehnt,ich freue mich W ja natürlich auf Albrechts Heimkehr, aber er wird dann Manch recht langweilig werden, denn er ist so schrecklich M eifersüchtig. Ich werde mit keinem anderen Herrn mehr 8 ein Wort reden dürfen. Hier ist das Bild, willst Du Des sehen? Ilse ergriff das Bild und schaute ernst, fast

Zugelaufen: ein gelber Dachshund mit weißen Pfo­ten und weißer Schwanzspitze. Der Eigenthümer kann denselben bei Lehrer Horn zu Mengshausen in Empfang nehmen.

Gefunden: ein Rock und eine Jacke. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Roßbach.,

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin 15. Juni.

Ihre Kaiserlichen Majestäten begaben Sich heute, als am Todestage weiland Sr. Majestät des Kaisers Friedrich, Morgens um 9 Uhr nach dem Mausoleum. Von 91/* Uhr ab hörte Se. Majestät der Kaiser den Vortrag des Chefs des Militairkabinets, Generaladjutanten, Generals der Infanterie v. Hahnke, und daran anschließend die Marinevorträge. Um 12s/4 Uhr gedachte Se. Majestät, den Reichskanzler Fürsten zu Hohen- lohe und den Finanzminister Dr. von Miguel zu em­pfangen, ferner um 2 Uhr den Maler Hans Borth. Nachmittag 5 Uhr 30 Min. wird Sich Se. Majestät zur Beisetzung des Generals v. Albedyll begeben.

S e. Majestät der Kaiser hat am 12. d. M, Nachmittags 6 Uhr, im hiesigen königlichen Schlöffe den neuernannten außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika an Allerhöchstseinem Hofe, Herrn Andrew D. White in feier­licher Audienz zu empfangen und aus dessen Händen ein Schreiben des Herrn Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika entgegenzunehmen geruht, durch welches der Herr Botschafter in der gedachten Eigenschaft bei Allerhöchstdemselben beglaubigt wird. Als Vertreter des Auswärtigen Amts wohnte der Audienz der Unterstaats- fekretär, Wirkliche Geheime Rath Freiherr von Rotenhan, bei.

Wie in diplomatischen Kreisen verlautet, gedenkt der Kaiser am 6. August zum Besuche des Kaisers und der Kaiserin von Rußland in Peterhof einzutreffen. Die 1. Division des 1. Geschwaders wird ihn auf diefer Reise begleiten.

Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Heinrich ist heute nach Bremen abgereist und wird sich von dort an Bord eines Lloyddampfers nach England zur Theilnahme an den Jubiläumsfeierlichkeiten begeben.

mit Theilnahme auf das vornehme, durchgeistigte Antlitz Albrechts, dessen dunkle, kluge Augen viel Aehnlichkeit mit dem verstorbenen Bruder Botho zeigten. Die Ge­sichtsfarbe Albrechts erschien gebräunt, der Schnurrbart stand an ihm gut und die junge Frau dachte bei sich, daß ihr Neffe ein auffallend schöner, stattlicher Mann sein over es doch während der langen Abwesenheit ge­worden sein müsse.Du wirst ihn glücklich machen, Gertrud, bemerkte sie herzlich, er sieht aus, als könne das bei ihm nicht schwer sein."

Ich soll ihn glücklich machen ?", fuhr das verwöhnte Mädchen empfindlich auf,ich denke doch, das ist seine erste Pflicht gegen mich! Ich habe ja schon das Meiste gethan, als ich ihm mein Wort gab, meine Freiheit opferte. Nun ist es an ihm, mir das Leben heiter und angenehm zu machen."

Das Leben, zumal das Leben in der Ehe ist in der Hauptsache eine Pflicht, liebe Gertrud", entgegnete die Gräfin sanft,nur wenn man diefe zu erfüllen strebt, wird man sich wohl und befriedigt fühlen."

Ach, geh' mir doch mit dieser Weisheit, gute Ilse", rief das junge Mädchen erzürnt,Du bist eben selbst die reine, volle Pflichterfüllung und daher, nimm's mir nicht übel, etwas langweilig, du hast eben mit Deinem stark angejahrten Manne und feinem vielen Gelde auch heillos viel Langeweile geheiratet, und verstehst es nicht, Dir diese zu vertreiben."

Still, Gertrud, mit solchen Reden", gebot Ilse sich aufrichtend mit voller Würde,laß bei Deinen losen

Der Kaiser ließ am Montag früh die gesammte Garde-Kavallerie exerzieren. Die Kaiserin wohnte zu Pferde den Uebungen bei, ebenso die beiden Prinzen Adalbert und August Wilhelm, sowie die Kron­prinzessin von Schweden.

Der König von Siam wird auf Einladung des Kaisers der großen Herbstparade des Gardekorps bei­wohnen.

Das unter dem 8. Juni Allerhöchst vollzogene Gesetz, betreffend die Erweiterung des Staatseisenbahnnetzes und die Betheiligung des Staats an dem Bau von Klein­bahnen, sowie an der Errichtung von landwirthschaftlichen Getreidelagerhäusern (S e k u n d ä r b a h n g e s e tz), ist gestern amtlich publizirt worden.

Vom landwirthschaftlichen Ministerium soll dem Land­tage noch ein Gesetzentwurf zugehen, welcher bezweckt, die den alten Landschaften zustehenden Zwangs­befugnisse auf die neuen landschaftlichen Institute und die öffentlichen Zwecken dienenden Kreditinstitute in den Westprovinzen zu erstrecken.

Die überseeische Auswanderung aus dem deutschen Reiche über deutsche Häfen, Ant­werpen, Rotterdam und Amsterdam war im ersten Viertel­jahr dieses Jahres geringer als in einem der Vorjahre. Es wanderten nämlich 4011 Personen aus gegen 6096 im Jahre 1896, 5728 im Jahre 1895, 7527 im Jahre 1894, 14046 im Jahre 1893 und 22685 im Jahre 1892. Außer den deutschen Auswanderern wurden noch Angehörige fremder Staaten befördert über Bremen 7071, Hamburg 4302 und Stettin 250. Zusammen gingen also über deutsche Häfen 11623 fremde Auswanderer gegen 21154 im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Die Hauptversammlung der deutschen Kolonialgesell- schaft, die am Sonnabend in München tagte, hat u. a. einen Antrag angenommen, welcher ein nachdrückliches Eintreten für die Flottenverstärkung verlangt, bestimmte Vorschläge für die Agitation enthält, und unter anberm auch die Bildung eines Agitations­fonds anstrebt.

Ausland.

Dem Präsidenten der französischen Republik sind aus Anlaß des noch immer nicht ganz aufgeklärten Vorfalls vom Sonntag Nachmittag zahlreiche Glück­wunschtelegramme auswärtiger Staatsoberhäupter zuge­gangen. Alle in Paris anwesenden Botschafter und Ge­sandten, sowie zahlreiche Senatoren und Deputirte, zeichneten sich in die im Elysse ausliegenden Listen ein.

Reden meinen Gemahl aus dem Spiele, der nur für Andere, nie aber für sich lebt. Ich bin ihm Dank, unendlichen Dank schuldig und werde nie erlauben, daß Du ihn in meiner Gegenwart herabsetzest oder lächerlich machst."

Wie es Dir beliebt," entgegnete Gertrud spitz,ich kann nicht in so hochtrabendem Tone sprechen, fühle mich auch keineswegs berufen, mich so zur Sklavin meines Gemahls einst zu machen, wie Du es thust. Aber wenn Albrecht und Du zusammen über mich herfallen werdet, dann reiße ich aus, das sage ich Dir und vielleicht nicht allein."

Die letzten Worte wurden etwas weniger laut ge­sprochen und das junge Mädchen wandte sich jetzt mit glühenden Wangen einem großen, starken Herrn mit weinrothem Gesicht, pechschwarzem Haar und Schnurr­bart zu, der langsam auf die Veranda zuschritt und sie mit den Augen zu verschlingen schien.

Haben Sie Ihre Partie gewonnen, Graf Orosseff?" frug sie neckend und stand auf, ohne Ilse weiter zn beachten.

Nein, gnädiges Fräulein, sondern verloren und nun komme ich zu Ihnen, um mich trösten zu lassen." Er bot ihr galant den Arm und plaudernd und lachend ver­schwanden Beide in den Gängen des Parkes.

Kopfschüttelnd nahm Ilse das Bild des Grafen Albrecht nochmals auf, ein Schatten flog über ihr Ge­sicht.Armer Albrecht", flüsterte sie ganz leise vor sich hin,sie ist sicher nicht das Weib, welches Du verdienst."