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Gratisbeilagen:Illnftrirtes Sonntagsblatt" n.)ll«ftrirte landwirthschaftliche Beilage".

Nr. 76. Iomerstnz Sei 1 W 1897.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllnstrirtes Sonntagsblatt" «"> Illustrirte landlvirthschastl. Beilage" für die Monate Juli, August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrief­trägern und von der Expedition angenommen.

Die Handwerkervorlage ist vom Reichstage endlich verabschiedet worden und zwar wesentlich nach den Vorschlägen der verbündeten Re­gierungen. Sie entspricht in ihrer Fassung nicht schlecht­hin den Erwartungen der ausgesprochenen Freunde der alten Zunstversaffung. Denn sie sieht von der obliga­torischen Zwangsinnung und der grundsätzlichen Ein­führung des Befähigungsnachweises ab. Aber die Be- sührworter eines einheitlich und streng durchgeführten Jnnungszwanges und des Befähigungsnachweises haben doch guten Grund, nch des Erreichten zu erfreuen. Es stellt immerhin eine reichliche Abschlagszahlung auf ihre Wünsche dar und entspricht genau demjenigen, was znr Zeit überhaupt möglich war.

Es ist für sie schon von Werth, daß die verbündeten Regierungen sich als aufrichtige Freunde des Handwerks bethätigt haben. Das erweckt Vertrauen für die Zukunft. Die Regierungen wären dem Handwerk, wie der frühere Handwerksorganisations-Entmurf des Ministers v.Berlepsch beweist, auch gegenwärtig gern noch weiter entgegenge- kommen, wenn es nur nach ihren Wünschen gegangen wäre. Aber unter den obwaltenden Verhältnissen durften sie bestimmte Grenzen nicht überschreiten.

Man darf nicht vergessen, daß in den süddeutschen Bundesstaaten die Begeisterung für die Zwangsinnung füglich nur eine sehr getheilte gewesen ist. Dort sind im Laufe der Jahre aus dem freien Zusammenschluß der Handwerker ganz lebensfähigeSchöpfungen hervorgegangen, welche dem Handwerk eine gute Organisation und einen

Der Schwan von Hohenstein.

Roman von F. von Pückler.

(Fortsetzung.)

Du hast mich sehr, sehr glücklich gemacht, mein Liebling," flüsterte er und eine heiße Thräne fiel auf ihren blonden Scheitel,Gott segne Dich dafür! Lebe wohl, lebe wohl!"

Er war hinausgeeilt und wie betäubt sank die junge Frau in den Sessel zurück; tausend unruhige Gedanken kreuzten in ihrem Köpfchen, sie preßte schwer athmend die Hände auf die Brust.

Was war das? Was geht vor, ohne daß ich es ahne? Er hat nicht aus Wiedersehen gesagt!"---

Als es Mittag geworden war, da stürzte wieder wie damals vor einem Jahre der Förster ins Schloß, athemlos, halb betäubt vor Schmerz und Schreck. Er verlangte den jungen Grafen zu sprechen und der Kammerdiener führte ihn zu Albrecht, der eifrig schreibend an seinem Schreibtische saß.

Was wollen Sie, Möllner?" frug Graf Albrecht zerstreut, ohne emporzusehen, und erst als er keine Ant­wort erhielt, sondern nur einen dumpfen Aufschrei ver­nahm, blickte er in die Höhe.

Wie gebrochen lehnte der Mann dort am Thür­pfosten und heiße Thränen rannen ihm über die blaffen Wangen.

Hebel zu fruchtbringender Fortentwicklung bieten. Die süddeutsche Strömung ist zur Zeit nicht geneigt, diese Errungenschaften im allgemeinen Reichsinteresse preiszu- geben; und die auf die Gewerbefreiheit eingeschworene freisinnige Preffe hatte hier geschickt die Hebel angesetzt, um eine allgemeine deutsche Handwerksorganisation auf dem Boden der Zwangsinnung zu hintertreiben.

Mit dieser Thatsache hatten die verbündeten Regier­ungen zu rechnen. Wollten sie überhaupt dem Handwerk nützlich sein, so mußten sie sich mit dem zunächst Erreich­baren begnügen und doch zugleich Grundlagen schaffen, auf denen sich das Handwerk im Sinne der Freunde einer straffen Handwerksorganisation fortentfalten konnte. Dies ist hinreichend geschehen. Die Bestimmungen des § 100, nach welchen von den Behörden die Bildung einer Zwangsinnung angeordnet werden kann, sobald die Mehrheit der betheiligten Handwerker der Einführung des Beitrittszwanges zustimmt und die Zahl der im Be­zirk vorhandenest betheiligten Handwerker zur Bildung einer leistungsfähigen Innung ausreicht diese Be­stimmungen haben Gesetzeskraft erlangt und leisten den Freunden der obligatorischen Zwangsinnung unstreitig großen Vorschub.

Auch die zum Schluß noch angenommene Resolution, durch welche die verbündeten Regierungen in der nächsten Session um Vorlage eines Gesetzes über die Einführung eines Befähigungsnachweises für die handwerksmäßigen Gewerbe ersucht werden, muß die Freunde einer festen Handwerksorganisation mit Hoffnungen für die Zukunft erfüllen. Wie sich die verbündeten Regierungen zu dieser Resolution stellen werden, bleibt abzuwarten. Aber jeden­falls ist die öffentliche Meinung ihr nicht schlechthin un­günstig, und so haben die Handwerker thatsächlich Grund zur Zufriedenheit. Sie erhalten durch das neue Hand­werkergesetz hinreichende Gelegenheit, sich zu organisieren, das Handwerk zu fördern und die Unentbehrlichkeit der Zwangsinnung ihren BerufSgenoffen überzeugend erkenn­bar zu machen. Mit dieser Errungenschaft können sie vorläufig zufrieden sein.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, den 29. Juni.

Zur Kaiserreise liegen nachstehende telegraphische Meldungen vor: Eckernförde, 28. Juni. Die kaiserliche YachtHohenzollern" ist mit Ihrer 5 Majestät

Aber, mein Himmel, Möller, was ist denn geschehen?" rief er und sprang auf,seid Ihr krank geworden?"

Nein," stieß der treue Mann schluchzend hervor, aber draußen im Revier liegt Seine Er­laucht der Herr Graf todt die Pistole noch in der Hand"

Allmächtiger Himmel, Mann, seid Ihr wahnsinnig mein Onkel todt. Das ist ja unmöglich."

Er war schon todt, als ich ihn fand," schluchzte der Förster,und sah so friedlich und mild aus wie wir ihn immer im Leben gekannt haben."

Führt mich zu ihm," befahl Albrecht rauh,aber kein Wort darf hier verlauten. Onkel, 0 mein guter, theurer edler Onkel!"

Die Leute im Schloß schauten entsetzt auf den jungen Grafen, als derselbe jetzt ohne Hut mit stieren Blicken und todtenbleich aus dem Hause stürzte und nach dem Walde eilte, hinter ihm drein der treue Förster, der noch eilig den Hut seines Gebieters ergriffe» hatte. Der alte Kastellan aber faltete laut aufweinend die Hände über der Brust und sprach feierlich:Leute, ich weiß was vorgefallen ist unser alter Herr Graf ist todt, der Schwan war da und der Möllner sah damals gerade so aus als sie den Grafen Botho ge­funden hatten"

Dcanßen im Walde lag der Todte, friedlich wie im Schlummer; die Kugel hatte jedenfalls genau das Herz getroffen, daß er sofort todt gewesen. Ueber

der Kaiserin an Bord heute Nachmittag 123/» Uhr hier eingelaufen. Fünf Minuten später ging derMeteor" mit Sr. Majestät dem Kaiser an Bord als erstes Boot durch das Ziel, von den anwesenden Regattakuttern stürmisch begrüßt. Es wehte ein starker Ostwind mit Seegang. Eckernförde, 28. Juni. Se. Majestät der Kaiser blieb bis Nachmittags 3 Uhr an Bord Seiner RennyachtMeteor" und beobachtete das Ein­laufen der großen Dachten; alsdann kehrte Se. Majestät auf dieHohenzollern" zurück. Unter denBegleitdampfern befand sich auch die DampfyachtLensahn" des Erb- großherzogs von Oldenburg. DieHohenzollern" wird voraussichtlich während der Nacht vor Eckernförde bleiben.

Geflissentlich wird jetzt in einer gewissen Presse die Nachricht verbreitet, die Regierung beabsichtigte, die No­velle zum Vereinsgesetze zurückzuziehen. Es liegt auf der Hand, daß dies erfunden ist, um wieder Verwirrung zu erregen. Die Regierung wird selbstver­ständlich jetzt, wo die Chancen der Novelle infolge der Haltung des Herrenhauses weit günstiger sind, nicht daran denken, den Kampfplatz zu räumen.

Der Kaiser wird dem im September in Fürsten­walde stattfindenden Einzug des Ulanen-Regiments Kaiser Alexander II. von Rußland, 1. Brandenburger Nr. 3, beiwohnen.

Deutscher unp englischer Handel in Hamburg. Im Hamburger Hafen hatte bisher die englische Flagge das Uebergewicht, sie nahm in den letzten Jahren nach Maßgabe der eingegangenen Tonnen- zahl etwa 45 Proz. von allen Flaggen ein. Im letzten Jahre hat nach der vorliegenden Handelsstatistik die deutsche Flagge die britische überflügelt und mit einer recht erheblichen Ziffer. Es liefen Schiffe ein unter deutscher Flagge im Jahre 1895 2,772 Mill., 1896 2,915 Mill. Tons, unter englischer Flagge im Jahre 1895 2,822 Mill. und 1896 2,734 Mill. Tons. Die Zunahme der deutschen Flagge im Hafen ist darnach recht erheblich, während Großbritannien in den letzten Jahren regelmäßig zurückgegangen ist.

Der Reichskanzler Fürst zu H 0 henl 0 he- Schillingsfürst hat am Montage dem Fürsten B i s m a r ck einen vierstündigen Besuch abgestattet. Fürst Hohenlohe unternahm mit dem Altreichskanzler in Begleitung des Wirkt. Geh. Oberregierungsrathes Frhrn. v. Willmowski und dem Botschafter v. Bülow eine andert- halbstündige Spazierfahrt. Das Befinden des Fürsten Bismarck ist ausgezeichnet.

Der Bundesrath hat dem Beschlußantrage des

seinem silbernen Scheitel spielte ein milder Sonnenstrahl, als sei es ein Gruß vom ewigen Richter dort oben: Ich verzeihe Dir, Du hast viel gesündigt, aber auch viel geliebt!" Wer wollte es auf sich nehmen, das bittre Weh, den qualvollen Schmerz Albrechts zu schildern!" Eine dumpfe Ahnung hatte freilich sein Herz beschlichen, als heute früh der Onkel so ernst und feierlich von ihm Abschied genommen, aber nein, das hatte er nicht erwartet! Der Onkel wollte nicht länger zwischen zwei Herzen stehen, darum war er gegangen.

Stunden mochten vergangen sein, da richtete Albrecht sich endlich auf und sprach zu dem Förster mit klang­losem Ton:Theilen Sie der Frau Gräfin mit, was hier vorgefallen ist und sagen Sie dem Kastellan, es möge ein Wagen oder eine Bahre gesandt werden, um den Herrn Grafen ins Schloß zu bringen"

Onkel, 0 mein Onkel," schluchzte er, als er sich allein sah, von Neuem auf.O, weshalb bist Du von uns gegangen! Wie soll ich leben ohne Deine Güte."

Auf der Brust des Todten lag ein blaues Schleif- chen und daneben ein Brief für Albrecht. Er steckte ihn zu sich das letzte, theure Vermächtnis.Die Schleife sollst Du mitnehmen in die Gruft, Du Geliebter," murmelte er stöhnend,sie ist von ihr, die Du so treu geliebt! Was wird sie sagen, wenn sie erfährt, daß ihr liebevoller Gatte und Beschützer dahin ist, um nie mehr wiederzukehren."---

Es war ein sehr düsterer Zug, der spät Abends auf