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Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 30. Juni 1897.

Dem auf dem diesjährigen Unterverbandstage zu Bebra gefaßten Beschlusse gemäß findet am Sonntag den 11. Juli d. J. Nachmittags L U h r in der Röse'schen Wirthschaft zu Bebra eine allgemeine Ver­sammlung statt, in welcher über die Silo-Frage ver­handelt werden und eventuell die Konstituirung einer Kornhaus-Genossenschast mit beschränkter Haftpflicht" erfolgen soll.

Bei der Wichtigkeit der Frage für die Landwirth- schast mache ich die Herren Landwirthe des Kreises auf diese Versammlung aufmerksam.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Berlin, den 29. Mai 1897.

Erwiderung auf den Bericht vom 4. Mai d. Js. Nr. I. A. 2792/97.

Ihrer Auffassung wird beigetreten, daß die sowohl von Kriegervereinen als auch von anderen nicht mili­tärischen Vereinen veranstalteten Trauerfeierlichkeiten, bei denen der Rückmarsch geschloffen und unter Marschmu­sik erfolgt, sich als einheitliche Handlungen darstellen und sich nicht in zwei Theile zerlegen lassen, von denen der eine als Trauerfeierlichkeit, der andere als Lustbar­keit anzusehen wäre.

Die schriftlichen Genehmigungen dieser Feierlichkeiten unterliegen deshalb der Stempelsteuer der Tarifstelle 39 des Stempelsteuergesetzes vom 31. Juli 1895 nicht, und zwar ohne Unterschied, ob sie von Kriegervereinen oder anderen Vereinen veranstaltet werden.

Der Finanz-Minister. Im Auftrage gez.: S ch o in e r. Der Minister des Innern, Im Auftrage gez.: H a a s e. An den Königlichen Regierungs-Präsidenten zu Frank- / furt a/O.

* * *

Berlin, den 29. Mai 1897.

Abschrift zur Nachachtung und weiteren Mittheilung. Der Finanz-Minister. Im Auftrage gez.: S ch o m e r. Der Minister des Innern. Im Austrage gez.: H a a s e. An den Königlichen Regierungs-Präsidenten zu Caffel.

* * *

Caffel, den 15. Juni 1897.

Abschrift zur Kenntnißnahme und weiteren Veranlaffung.

Der RegierungS-Präsident. I. V.: A l t h a u s.

I An den Herrn Polizeipräsidenten hier und die Herren Landräthe des Bezirks. A. 1. 4594.

* * *

Heröfeld, den 30. Juni 1897.

Wird den Ortspolizeibehörden zur Nachachtung mit- getheilt.

I- 3516. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz , ________________Geheimer RegierungS-Rath.

Hersfeld, den 1. Juli 1897.

Unter Hinweis auf meine Verfügung vom 19. Sep­

tember 1895 A. 76 und 1066 (Extrabeilage zum Kreis­blatt vom 26. September) werden die Herren Bürgermeister der darin bezeichneten Gemeinden hierdurch an die Ein- reichung der Voranschläge für das Jahr 1897/98, soweit dies noch nicht geschehen ist, mit 8tägiger Frist er­innert. Gemäß Ziffer 7 besagter Verfügung haben auch die darin nicht besonders erwähnten Gemeinden Voran­schläge einzureichen, welche mehr als 12 Umlagen erheben müssen.

J. A. Nr. 1879. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 1. Juli 1897.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügungen:

1. vom 15. April 1879 Nr. 4433, Kreisblatt Nr. 31, die Versicherung der Feldfrüchte gegen Hagelschaden betreffend,

2. vom 29. Juni 1880 Nr. 7650, Kreisblatt Nr. 52, die Einreichung des Verzeichniffes über die von Pri- vathengsten abstammenden Füllen betreffend,

3. vom 5. November 1892 Nr. 7380, Kreisblatt Nr. 133, die Herabminderung von- Grafen betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis zum 1 0. d. Mts. bei Meidung von 3 Mark Strafe hieran erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hünseld, den 28. Juni 1897.

Unter der Schafheerde zu Kirchhasel ist die Maul- und Klauenseuche erloschen. Weide- und Gemarkungs­sperre ist aufgehoben.

Der Landrath. I. V.: L o o ck. An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld.

* * *

Hersseld, den 1. Juli 1897. Wird veröffentlicht.

I. 3610. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hanau, den 25. Juni 1897.

Die am 7. Dezember 1876 zu Kleinsteinheim geborene Anna Ullrich, welche, da sie an Syphilis erkrankt, dem hiesigen Landkrankenhause überwiesen war, hat sich aus demselben entfernt und Hanau verlaffen.

Im Ermittelungsfalle wird um Nachricht ersucht.

I. Nr. P. 6937. Königliche Polizei-Direktion.

Nichtamtlicher Theil.

Die kernigen Werte, die der Kaiser auf dem Sparenberge und im Kölner Gürzenich gesprochen hat, haben in allen deutschen Herzen einen kräftigen Wiederhall gefunden. Freilich nimmt sich das Echo höchst verschiedenartig aus, und die Musterung des Chorus der Preßstimmen vermag zu interessanten Wahrnehmungen Anlaß zu geben.

Der Kaiser hat als sein Programm zunächst den Schutz der nationalen Arbeit und die Hebung des Mittelstandes bezeichnet. Daraus haben einige Demokratenblätter eine Absage an die werkthätige Landbevölkerung, an das von ihnen so gehaßteAgrarierthum" herleiten wollen. Hier­bei kann natürlich nur der Wunsch der Vater deS^Ge- dankens gewesen sein. Nimmt etwa die Landwirthschaft treibende Bevölkerung nicht an der nationalen Produktion theil? Wenn der Kaiser von der nationalen Arbeit ge­sprochen hat, so hat er damit alle produktiven Berufü- zweige ohne Ausnahme gemeint. Schon die praktische Fürsorge, welche von der Regierung unter dem persön­lichen Einflüsse des Kaisers fortgesetzt der Landwirthschaft zugewandt wird, straft das demokratische Gerede Lügen. Der ganze Zweck ist auch durchsichtig genug. Man will

Mißtrauen und Zwietracht säen. Die Worte des Kaisers aber klingen gerade als versöhnender Akkord in die Dis­harmonie der Jnteressenkämpfe hinein. Allen ohne Aus. nähme, den Landwirthen, den Handwerkern, den Indu­striellen, den Kaufleuten verheißt er seinen Schutz. Als Ziel dieses Schutzes aber erscheint die Erhaltung und Kräftigung des Kerns der Nation, des werkthätigen Mittel­standes. Das ist von jeher traditionelle Hohenzollern- politik gewesen. Indem Kaiser Wilhelm II. die Pflege des Mittelstandes auf sein Banner schreibt, knüpft er da­mit an die besten Ueberlieferungen seiner Vorfahren an. Auch wird damit wieder die sogenannte soziale Frage in der rechten, weiten Weise aufgefaßt, während bisher vielfach die Gefahr drohte, in ihr eine einseitige Ange­legenheit des Lohnarbeiterstandes zu erblicken. Der Kaiser wird auch fernerhin auf das Wohl der Arbeiter bedacht sein, aber er weiß, daß es daneben noch andere Leute giebt, die seiner Fürsorge in gleichem, vielleicht sogar in höherm Grade bedürfen. Das sind die Mitglieder des in der Gegenwart schwer ringenden und kämpfenden Mittelstandes.. Erst derjenige faßt die Lösung der sozialen Frage von der richti m Seite an, der die Erhaltung des ' ittelstandes z '^r° drL fadsten und schwerwiegendsten Problemen rechnet.

Unser Kaiser hat ferner die Bekämpfung des Umsturzes als Ziel proklamiert. Auch dieses Wort hat die ver­schiedenartigste Beurtheilung erfahren. Für alle königs- treuen und vaterlandsliebenden Männer wirkt es wahrhaft erlösend und befreiend. Wo aber die rechte Königstreue und Vaterlandsliebe fehlen, sucht man zu kritteln und zu deuteln. Was ist Umsturz ? Werden nicht auch berechtigte Bestrebungen von der Niederkämpfung des Umsturzes be­troffen werden? Nun, wer die Augen nur ein wenig öffnen will, wird die wahren Träger des Umsturzes gar bald erkennen. Der Umsturz das ist die Sozialdemo- kratie und der dem gleichen Stamme entsprossene Anarchis­mus. Diesen Richtungen, die das Bestehende zu unter­graben und die festen Pfeiler aller staatlichen und gesell­schaftlichen Ordnung zu stürzen trachten, gelten die kaiser­lichen Worte.

Im Anschluß an die gegen den Umsturz gerichteten Worte hat der Kaiser weiterhin allen denen, die ihre Mitmenschen in der Ausübung friedlicher Thätigkeit be­hindern, für die Zukunft harte Strafen in Aussicht ge­stellt. Diese Worte sind den sozialdemokratischen Blättern arg in die Glieder gefahren. Sie strecken auf einmal die Sammetpfötchen heraus und geberden sich gar fried­fertig. Die streitlustigen Anhänger der Sozialdemokratie, so wird uns versichert, denken nicht daran, Arbeitswillige zu vergewaltigen. Solche Behauptungen aber schlagen den Thatsachen ins Gesicht. Die Fälle von Beleidigung, brutaler Mißhandlung und roher Vergewaltigung ar­beitender Berufsgenoffen sind geradezu Legion. Man braucht sich nur der blutigen Kravalle während des Hamburger Hafenarbeiterausstandes zu erinnern. Der Terrorismus der Sozialdemokratie kennt keine Grenzen mehr. Wer es wie der Kieler Arbeiter Lorentzen unter­nimmt, ihr mit der Fackel der Wahrheit ins Gesicht zu leuchten, ist seines Lebens nicht mehr sicher. Daß unser kaiserlicher Herr bestrebt sein will, diesem Terroris­mus ein nachdrückliches Halt zu gebieten, muß alle gut­gesinnten Bürger mit aufrichtigem Danke erfüllen.

Eine erschöpfende Uebersicht über die Urtheile, mit denen die Reden des Kaisers begleitet worden sind, würde noch zu mancher Betrachtung Anlaß geben. Die kaiser­lichen Worte haben sich als Prüfstein der Geister erwiesen. Dort laue Aufnahme, gezwungene Anerkennung, Bekritte­lung und Mißdeutung, hier freudiger Dank und jubelnde Zustimmung. Sie sind wohl geeignet, ein Sammelruf und gemeinsames Feldzeichen für alle diejenigen zu werden, denen das Vaterland höher steht als die Partei, das Ge- sammtwohl höher, als kleinliche Sondervortheile. Gelingt , das Programm des Monarchen zu verwirklichen, so ist die Zukunft unsers Volkes von neuem auf sicherste Grundlage gestellt.