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erÄr Neisblatt.
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Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 7. Juli 1897.
Der von dem Landesbauamt dahier aufgestellte Landwegebau-Etat pro 1898 liegt vom 14. b. Mts. ab vierzehn Tage lang zur Einsicht der Herren Ortsvorstände offen und zwar:
1) für die zum ersten Aufstchtsbezirke gehörigen Gemeinden Aua, Allmershausen, Biedebach, Bingartes, Eitra, Friedlos, Eichhof, Gittersdorf, Heenes, Hersfeld, Mecklar, Meckbach, Meisebach, Obergeis, Ober- haun, Reilos, Rotensee, Rohrbach, Sieglos, Unterbaun, Untergeis und Tann im Geschäftslokale des Königlichen Landrathsamtes;
> 2) für die zum zweiten Aufsichtsbezirke gehörigen Gemeinden Allendorf, Asbach, Beiershausen, Engelbach, GerSdorf, Gershausen, Goßmannsrode, Hattenbach, Hilperhausen, Holzheim, Kemmerode, Kerspenhausen, Kirchheim, Kleba, Kohlhausen, Kruspis, MengShau- sen, Niederaula, Reckerode, Reimboldshausen, Roß- bach, Rotterterode, Solms, Stärklos und WillingS- Hain im Bürgermeisterei-Lokale zu Niederaula.
3) für die zum dritten Aufstchtsbezirke gehörigen Ge- meindens'Petersberg, Wilhelmshof, Oberrode, Sorga, Kathus, WipperShain, Malkomes, Dünkeliode, Schenk- solz, Wüstfeld, Lampertsfeld, Conrode, Landershausen, Schenklengsfeld, Unterweisenborn, Oberlengsfeld, Hilmes, 'Motzfeld und Wehrshausen im Bürgermeistereilokale zu Wüstfeld;
4) für die zum vierten Aufstchtsbezirke gehörigen Gemeinden Ausbach, Bengendorf, Friedewald, Gethse-
Nachdruck verboten.
Der Steg des Herzens.
Novelle von N. H o s s m a n n.
(Fortsetzung.)
Sehr berühmt waren deshalb bei den passionirten Jägern der Umgegend die gräflich Lindberg'schen Jagden, denn auf denselben gab es einen sonst nirgends mehr vorhandenen Wildreichthum. Und einige Zimmer und Säle des Schlosses Kronburg wiesen aus gleichem Grunde eine solche Menge Prachtexemplare von Hirschgeweihen und Rehgehörnen auf, daß mancher in die Nähe des Schlosses kommende Jäger sich die Gunst erbat, diese reiche Sammlung schöner Jagdtrophäen in Augenschein nehmen zu dürfen.
Die Comteß Bertha lebte auf dem Schlosse mit einer entfernten Anverwandten, der Frau von Lingen. Diese Dame vertrat seit langen Jahren der Comteß gegenüber Mutterstelle, da diese ihre Mutter bereits verloren hatte, als die Comteß erst zehn Jahre alt war. Der Vertraute der Comteß war außerdem der alte Administrator Körner, ein ehemaliger Offizier, welcher in Folge eines unglücklichen Sturzes sehr frühzeitig den Militärdienst hatte quittiren müssen und dem die Frenndschast des verstorbenen Grafen Lindberg den Vertrauensposten eines Administrators der großen gräflichen Güter vor vierundzwanzig Jahren verschafft hatte. Der Lieutenant a. D. und Administrator Körner war ein sehr ehrenwerther, im treuen Dienste der gräflichen Familie ergrauter Herr, aber in Folge des in den letzten Jahren sehr geringen
mane, Harnrode, Heringen, Heimboldshausen, Herfa, Hillartshausen, Kleinensee, Lautenhausen, Leimbach, Lengers, Nippe und Röhrigshöfe, Philippsthal, Ransbach, Unterneurode, Wölfershausen und Widdershausen im Bürgermeisterei-Lokale zu H e i m - boldshausen vom 14. bis 22. d. Mts. und im Bürgermeisterei-Lokale zu Friedewald vom 2 3. b i s 3 0. d. M t s.
Die Herren Ortsvorstände wollen diesen Etat während der besagten Zeit daselbst einsehen und sich in Betreff der für ihre bezüglichen Gemeinden vorgeschlagenen Etatssätze sofort schriftlich beim Landrathsamt erklären, indem sonst angenommen werden muß, daß Einwendungen dagegen nicht zu erheben sind und dem demnächst zusammentretenden Kreistage bei Vorlage des Etats hiervon Kenntniß gegeben wird.
I. A. Nr. 1941. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 9. Juli 1897.
Nach Mittheilung des Königlichen Landrathsamtes in Homberg ist die unter dem Rindvieh des Valentin Discher zu Steindorf ausgebrochene Maul- und Klauenseuche erloschen und die über diese Gemeinde und deren Feldmark angeordnete Gemarkungssperre aufgehoben.
J. I. Nr. 3746. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 10. Juli 1897.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügung vom 8. April 1879, Nr. 4257, Kreisblatt Nr. 29, das Weißen der Schulräume betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis zum 2 0. d. Mts. bei Meidung von 3 Mark Strafe hieran erinnert.
I. 3764. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Polilischc Nachrichten
Inland.
Berlin, 10. Juli.
Einem Telegramm aus V i n g a zufolge hat Se.
Verkehrs mit der Außenwelt etwas beschränkt in seinen Anschauungen und pedantisch. Da Körner ebenfalls der Vertraute des verstorbenen Grafen gewesen war, kannte er natürlich auch dessen Testament und die in demselben enthaltenen Klauseln in Bezug auf die geplante Verhei- rathung der Comteß Bertha mit ihrem Vetter den Baron Franz von Lindberg.
Diese Klauseln und die daraus entstandenen Verhältnisse waren die Ursache großer Betrübniß und oft noch größeren Aergers für den Administrator. Denn der biedere Mann bedauerte nicht nur oft, daß die Comteß durch das Tastament des Vaters in ihren freien Entschließungen in Bezug auf eine Verheiratung gebunden war, sondern er war auch im hohen Grade darüber entrüstet, daß der Vetter der Comteß, Baron Franz von Lindberg, seine im Range viel höher stehende Cousine vollständig ignorirte und die große Gunst, welche ihn durch das Testament des Onkel« und seine etwaige Verheirathung mit der Comteß Bertha erwiesen werden sollte, gar nicht zu schätzen schien. Dazu rückte der Termin immer näher, an welchem es sich entscheiden mußte, ob Comteß Bertha und Baron Lindberg in Erfüllung des testamentarischen Wunsches des Grasen Lindberg ein Paar werden würden, und der Herr Vetter hatte in Schloß Kronburg noch immer nicht seinen Anstandsbesuch gemacht, hatte sich überhaupt seit seinen Knabenjahren nicht dort sehen lassen.
In sehr mißmuthigen Gedanken über diesen ärgerlichen Zustand schritt der Administrator Körner in seinem Zimmer auf und ab, als plötzlich an die Thüre geklopft
Majestät der Kaiser gestern früh 9 Uhr an Bord, der .,Hohenzollern" seine Reise von Gothenburg nach Christiansand fortgesetzt. An Bord war Alles wohl. Das Wetter war trübe, aber viel ruhiger.
Prinz Heinrich übernimmt vom Herbst d. I. ab nach Abgabe des Kommandos der 2. Division die 1, Geschwader- und 1. Marine-Inspektion in Kiel, um zum ersten Male in seiner Stellung als Kontre-Admiral ein größeres Landkommando zu führen.
Bei seiner jüngsten Anwesenheit in Schlesien nahm Minister Dr. Bosse auch an der Einweihung des Lehrerheims in Schreiberhau. theil. Bei dieser Gelegenheit hielt der Minister eine Rede, in welcher er in Erinnerung an das Lehrerbesoldungsgesetz aus- führte: „Ich überschätze das Gesetz nicht, es giebt noch viel zu thun, aber das ist ersichtlich, daß es eine Grundlage ist, auf der wir weiter bauen können. Es gab in den Kommissionsberathungen eine Zeit, wo das Gesetz auf der Schärfe eines Meffers stand. Es gab Ober- und Unterströmungen. Wir mußten alle Kräfte zusammennehmen. Da gab der Finanzminister die Mittel, ohne die das Werk gefährdet gewesen märe. Wäre es erst einmal hinausgeschoben worden, dann vielleicht auf unabsehbare Zeit. Ich habe große Ursache, dem Herrn Finanzminister dankbar zu sein. Es ist wahr, ich habe ein Herz für die preußische Volksschule und ihre Lehrer. Ich spreche es nicht aus, um irgend einen Lehrer für mich und irgend welche Tendenzen zu gewinnen. Weshalb ich eine warme Empfindung für die preußische Volksschullehrerschaft habe, liegt weit zurück. Als ich in mein Amt trat, habe ich mir gesagt: „Du hast an die Volksschullehrerschaft eine große Dankesschuld abzu- tragen." Und nun schilderte der Minister die Volks- schullehrer, denen er seine erste Bildung in Quedlinburg, wo er drei Klaffen einer vierklassigen Volksschule durchgemacht hat, verdanke. Er rühmte die Tüchtigkeit und Pflichttreue seiner Lehrer, die unter den erbärmlichsten Verhältnissen Großes geleistet hätten. Der Respekt vor ihnen habe ihn niemals verlassen. Hierin sei die Wurzel zu suchen für sein Bemühen, der preußischen Volksschullehrerschaft den Dank, den wir ihr schulden, abzutragen. „Wir müssen die Dinge abstellen, die den Lehrer in der Ausübung seines Amtes hindern. Kummer und Elend wird es noch geben. Sie kommen nicht ausschließlich aus dem Mangel; aber wenn die Sorge dazu kommt, dann wird das Elend doppelt unerträglich und wo dann
wurde und auf Körners Hereinruf Frau von Lingen, Comteß Berthas Tante, eintrat.
„Entschuldigen Sie, Herr Administrator, wenn ich vielleicht störe," sagte die Dame, als ihr Körner galant den Platz auf dem Sopha anbot, „aber ich muß Sie in einer sehr wichtigen Angelegenheit allein sprechen."
„Ich stehe zu Diensten, gnädige Frau," erwiderte Körner freundlich.
„Nun, ich brauche keine lange Einleitung zu machen, Herr Administrator," fuhr Frau von Lingen halblaut fort, „Sie wissen als Vertrauter des gräflichen Hauses, daß Comteß Bertha bereit ist, den Willen ihres seligen Vaters zu erfüllen und ihren Vetter, den Baron Lindberg, zu heirathen, wenn dieser selbst in diese Ehe willigt und Ihnen ist auch bekannt, in welche peinliche Verlegenheit uns die bisherige Haltung des Barons, der seine Cousine seit fast fünfzehn Jahren nicht gesehen, gebracht hat. Der entscheidende Tag rückt näher und näher und Comteß Bertha und der Herr Vetter kennen sich so gut wie nicht. Es ist ein wahrer Skandal, daß Baron Lindberg so taktlos sein kann, und sich niemals hier sehn läßt. Die für beide Theile sehr wichtige Frage wäre vielleicht schon vor Jahr und Tag auf die eine oder andere Weise entschieden, wenn Baron Lindberg, wie es sich unter Verwandten schickt, mit der Comteß freundschaftlich verkehrte. Sie hat es ja gar nicht nöthig, gerade den rücksichtslosen Vetter zu heirathen, wenn er selbst den Wunsch des Oheims nicht erfüllen will, denn die Comteß hatte Freier genug, sie ist aber geneigt, dem Willen des Vaters im Interesse der Erhaltung der gräflichen Linie