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HelWer Kreisblatt.

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Rr. W.LmeOg St« 15. Wi M.

Amtlicher Theil.

Cassel, den 3. Juli 1897.

Anträge von Fabrikanten um Zulassung der von ihnen erbauten Acetylengaserzeuger und Installation der Leitungen für Beleuchtungszwecke veranlassen mich, nach­folgende jederzeit widerrufliche Bedingungen aufzustellen, deren Aenderung bezw. Ergänzung ich mir Vorbehalte, sobald gefährliche Eigenschaften des Acetylengases oder Mängel der für den Betrieb zugelassenen AcetylengaS- erzeugungsapparate, soweit sie bis jetzt noch nicht be­kannt sind, zu meiner Kenntniß gelangen sollten.

Als Bedingungen für die Ausstellung und Inbetrieb­nahme von Acetylengaserzeuger» gelten vorläufig:

a) Die Genehmigung der Konstruction der zur Ver­wendung in Aussicht genommenen Acetylengaser- zeuger unterliegt der Entscheidung der Königlichen Regierung. Zur Erlangung der Genehmigung hat der Lieferant genaue Zeichnungen und Beschreibungen in zweifacher Ausfertigung einzureichen.

b) Rechtzeitig vor der Aufstellung von Gaserzeugungs­apparaten hat der Unternehmer in Gemeinschaft mit dem Bauherrn die Erlaubniß zur Aufstellung des unter a) genehmigten Apparates bei der Orts- Polizeibehörde einzuholen, welche schriftlich ertheilt sein muß und vom Betriebsinhaber sorgfältig auf- zubewahren bezw. dem Aufsichtsbeamten jederzeit auf Verlangen vorzuzeigen ist.

c) Die Räume, in denen Acetylengas-Entwickler be­trieben werden sollen, müssen mit einer Ventilations­Einrichtung versehen sein, welche reichlichen Luft­wechsel herbeiführt und niemals völlig abgeschlossen werden kann, sodaß bei Undichtigkeiten und anderen Zufälligkeiten Ansammlungen vom entweichenden Gase in dem Raume ausgeschlossen sind. Sie müssen außerdem mindestens ein unmittelbar in's Freie führendes Fenster haben, das zum Oeffnen einge­richtet ist. Sie dürfen nicht mit Wohnräumen un­mittelbar in Verbindung stehen, und müssen trocken fein.

Kellerräume von Wohnhäusern eignen sich zur Ausstellung des Gaserzeugers nicht.

d) Die Räume, in denen sich Acetylengaserzeuger im Betriebe befinden, dürfen nicht mit offenem Lichte betreten werden, oder mit offener Flamme beleuchtet

Nachdruck verboten.

Der Sieg des Herzens.

Novelle von N. H o f s m a n n.

(Fortsetzung.)

Da Körner vermöge seiner Stellung und Bildung eine angesehene und beliebte Person war und auch von Major von Kalten sehr geschätzt wurde, so kam dieser alsbald heran, um Körner zu begrüßen.

Guten Tag, Herr Administrator!' rief er ihm freund- lich zu und bot ihm die Hand.Sie kommen gewiß wegen der Pferde? Gefallen sie Ihnen, so können wir bald handelseinig werden. Aber bitte, treten Sie doch in's Haus! Man sagt zwar der Pferdehandel geschehe am besten gleich im Hofe, doch zwischen uns wird es kein langes Feilschen um die Gäule geben. Es sind zwei junge, gesunde Thiere, sehr leistungsfähig für die land- wirthschastlichen Arbeiten."

Ich will wegen der Pferde lieber morgen wieder kommen, Herr Major," entgegnete Körner,denn ich hörte fchon vorhin, daß Sie Besuch hätten und da will ich nicht stören."

O, da stören Sie uns heute gar nicht. Unser Besuch ist ein jüngerer Freund von mir, ist auch Rittergutsbesitzer und war früher Offizier, er gedenkt uns auch auf vielleicht noch acht Tage die Ehre seines Besuches zu erweisen, er würde also morgen auch noch hier sein. Sie stören uns thatsächlich gar nicht, unser Besuch weilt jetzt mit meiner Frau und Tochter im Parke. Bitte, treten Sie also in's Haus und wir wollen dort den Handel fertig machen.

werden. In diesen Räumen ist ein in die Augen fallender Aushang anzubringen, der dieses Verbot enthält.

e) Für die Gasleitungsrohre und alle Theile der Ap­parate, die mit Gas in Berührung kommen, darf kein Kupfer verwendet werden.

f) Das Calcium carbid darf nur in wafferdichten, geschlossenen und trockenen Gefäßen aus Holz oder Metall in trockenen Räumen aufbewahrt werden.

g) Die Gaserzeuger dürfen nicht eher benutzt werden, als bis ihre Besichtigung durch den zuständigen Gewerbeinspektor stattgefunden und die zuständige Ortspolizeibehörde die schriftliche Erlaubniß zur Benutzung gegeben hat.

Sie wollen die Ortspolizei-Verwaltungen mit ent­sprechender Weisung versehen und ihnen zur Pflicht machen, daß diese das Ersuchen zur Prüfung und Ab­nahme ungesäumt an die zuständige Königliche Gewerbe- Inspektion richten.

Die Konstruktion des von der Actiengesellschaft für Metall-Industrie von F. Butzke u. Co. Berlin zu liefern­den AcetylengaSerzeugers ist von mir auf den Antrag der Fabrik als betriebssicher zugelaffen worden.

Der RegierungS-Präsident Haussonville. An sämmtliche Herren Landrrühe des Regierungsbezirks rc. J. A. II. Nr. 5321.

* * *

Hersseld, den 12. Juli 1897.

Wird den Herren Ortspolizeiverwaltern zur Nach- achtung mitgetheilt.

J. I. Nr. 3778. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Politische Nachrichten.

Berlin, 13. Juli.

Aus Odde wird gemeldet: Se. Majestät der Kaiser konnte bei ruhiger, milder Lust mehrere Stunden auf Deck verweilen. Die Nachtruhe war sehr gut. Die Absorbirung des Blutergusses im Auge vollzieht sich regelrecht. Soweit bis jetzt bestimmt ist, geht Sr. Majestät JachtHohenzollern" morgen nach Bergen in See. Das Befinden Seiner Majestät des Kaisers ist zufriedenstellend.

Was bieten Sie für die Pferde, Sie sind ja Kenner und zahlen ja doch den geforderten Preis nicht, wenn er Ihnen zu hoch dünkt."

Die Pferde sind gut," erwiderte der Administrator mit schlauem Lächeln,doch müssen sie immer erst die übliche Probe bestehen, ich muß sie vor dem Pfluge und im schweren Zuge sehen, und wenn die Pferde dann den Erwartungen entsprechen, so zahle ich Ihnen für dieselben 1500 Mark."

Gut, gut, ich bin einverstanden," antwortete der Major.Ich schicke Ihnen morgen die Pferde nach Kronstedt und Sie können dieselben erproben, ich bin überzeugt, Sie werden mit denselben zufrieden sein."

Während dieses Gespräches waren die beiden Herren in das herrschaftliche Wohnhaus getreten und der Major lud den Administrator zu einem Glase Wein ein. Sie saßen bald traulich bei einer Flasche Rheinwein am Eck­fenster eines behaglichen Zimmers und plauderten über die Ernteaussichten und die große Viehausstellung, welche demnächst in der Kreisstadt stattfinden sollte, als plötzlich der Major zu seinem Gaste sagte:

Ich lade Sie übrigens ein, Herr Administrator, auch den Abend bei uns zu verbringen, denn vor Abends kommen Sie nun doch nicht wieder nach Hause."

Aber was soll ich alter Mann in einer Abendgesell­schaft!" rief Körner erstaunt.

Es ist ja gar keine große Gesellschaft bei uns," be­merkte der Major liebenswürdig,außer Ihnen und un­serem Besuch, dem Rittmeister a. D. Baron Brunner würde uns Niemand die Ehre erweisen. Sie essen bei

Ihre Majestät die Kaiserin empfing den Besuch des bayerischen Regenten, des Prinzen Luitpold. Auch Prinz Friedrich von Hohenzollern machte der hohen Frau mit seiner Gemahlin seine Aufwartung. Am Dienstage gedachte die Kaiserin den Besuch des Prinz­regenten zu erwidern.

Der bisherige Regent von. Lippe, Prinz Adolf von Schaumburg-Lippe, hat seinen Abschied genommen und sich am Sonnabend nebst Gemahlin von Detmold nach Bückeburg begeben. Der lippesche Minister hat seine Entlassung eingereicht.

Offiziös wird mitgetheilt, daß an maßgebender Stelle von einer Absicht der preußischen Regierung, die nächste Landtagssession mit Gesetzesvorschlägen behufs Regel­ung des Wahlrechts für Staat und Gemeinde mit Rücksicht auf die Ergebnisse der neuern Steuergesetz­gebung zu befassen, nichts bekannt sei.

Zur Erleichterung der Infanterie- Ausrüstung kommt bei der Infanterie und den Jägern die hintere große Patronentasche in Wegfall; dagegen werden in den beiden untern Ecken des Tornisters auf jeder Seite 30 Patronen untergebracht, die leicht und schnell herauszunehmen sind; in jeder der beiden vordern Patronentaschen befinden sich 40 Patronen, so daß der Mann l40,Pajronen mit sich führt; der Tor­nisterbeutel hängt nicht mehr lose im Tornister, sondern ist dort festgemacht. Infolge des Fortfalls ,ber Hintern Patronentasche ist der Mann weniger am Feuern im Liegen gehindert.

Das diesjährige Korpsmanöver des 3. Ar­meekorps wird am 17. und 18. September bei Gransee abgehalten werden. Bei der Generalidee, die dem Manöver zu Grunde liegt, handelt es sich um die Deckung Berlins gegen eine französisch-russische Invasion, welche die Reichshauptstadt von der Ostsee aus über Mecklenburg bedroht. Bei Nassenheide oder Teschendorf ist ein großes Bivouak in Aussicht genommen.

Der Centralverband deutscher Kauf­leute wird seine diesjährige Generalversammlung in den Tagen vom 30. August bis 1. September in Ham­burg abhalten und u. a. die Frage der Abkürzung der Zahlungsfristen erörtern, sowie Maßnahmen berathen, um der Züchtung des kaufmännischen ProletariratS ent- gegenzuwirken und Stellung zu dem Salzsyndikat zu nehmen.

Der sozialdemokratische Abgeordnete

uns zu Abend und nach Tisch spielen wir noch eine Stunde Skat. Es wird Baron Brunner gewiß auch freuen, Ihre Bekanntschaft zu machen. Sie sind ein sehr erfahrener Landwirth, Herr Administrator, und wir können von Ihnen lernen."

Das ist ein zu großes Compliment für mich," gab Körner zurück,Sie und der Herr Baron werden meiner landwirthschaftlichen Belehrungen nicht bedürfen und sich schließlich in meiner Gesellschaft langweilen."

O, bitte sehr, das kann niemals der Fall fein. Sie nehmen also meine Einladung an und ich führe Sie dann in den Park, um Sie dem Baron vorzustellen."

Da dem Administrator diese Einladung ganz in seinen Plan paßte, so nahm er dieselbe nach einigem Zögern lächelnd an, und eine Viertelstunde später begaben sich die beiden Herren nach dem Parke, um die Damen des Hau­ses und Baron Brunner aufzusuchen.

Freundlich empfingen Frau von Katten und deren blühende Tochter Hedwig, den biederen, den Damen schon längst bekannten Administrator Körner, und auch Baron Brunner freute sich sichtlich die Bekanntschaft Körners gemacht zu haben, war der Baron doch dadurch ganz unerwartet seinem Ziele näher gekommen, denn mit Hilfe der Bekanntschaft des Administrators der gräflich Lind- berg'schen Güter konnte es dem Baron nun nicht mehr schwer fallen, auf Schloß Kronburg einen Besuch zu machen und dort das Glück zu haben, der Comtesse Bertha vorgestellt zu werden.

Baron Brunner brannte förmlich vor Begier die Com- teß kennen zu lernen, denn er hatte von dieser Dame,