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Amtlicher Theil.
Die Abhaltung des Viehmarktes am 29. Juli l. J. ist unter nachfolgenden Bedingungen genehmigt worden.
Außer den in der landespolizeilichen Anordnung vom 20. November 1896 (Amtsblatt Seite 265) getroffenen Bestimmungen sind zur Durchführung der veterinärpoli- zeilichen Aufsicht des Marktes folgende weitere Bestimmungen getroffen worden, deren Nichtbeachtung mit einer Strafe von nicht unter 10 Mk. event. entsprechender Haft geahndet wird.
1. Vieh aus verseuchten Nachbargebieten, und zwar 1. Preußen: Regierungsbezirke Magdeburg, Merseburg, Erfurt, Hannover, Hildesheim, Münster, Minden, Arns- berg. Wiesbaden; 2. Bayern: Sämmtliche Regierungsbezirke; 3 Württemberg: Sämmtliche Kreise; 4. Baden: Landeskommissariate Karlsruhe, Konstanz, Freiburg, Mannheim; 5. Hessen: Provinzen Starkenburg, Oberhessen, Rheinheffen; 6. Sachsen-Weimar; 7. Braunschweig; 8. Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Ko- burg-Gotha; 9. Anball; 10. Schwarzburg-Sondershausen;
11. Waldeck; 12. Reuß j L.; 13. Fürstenlhümer Lippe; 14. Elsaß-Lothringen muß spätestens 5 Tage vor dem Markt, also spätestens am 24. d. M - in Fulda eintreffen und bei der Entladung sowie am 3. und 5. Tage nach der Entladung durch den beamteten Thierarzt (auf Staatskosten) untersucht werden, wenn es zu Markte gebracht werden soll.
2. Am Tage vor dem Markte werden die Gastställe, Höfe der Gastwirthschaften u. s. w. thierärztlich beaufsichtigt werden.
3. Mit dem Auftrieb des Viehes auf den Marktplatz darf erst 5'/^ Uhr früh begonnen werden. Das Vieh darf nur durch die Schloßstraße zugelrieben werden.
4. Durch den Eingang sind die Thiere einzeln zu führen. Ueber jedes zu Markte gebrachtes Stück Vieh muß ein von der Ortspolizeibehörde ausgestelltes, nur 5 Tage gültiges Urfpcungsattest am Eingang zum Markt dem die Aussicht führenden Königlichen Kreisthierarzt vorgezeigt werden.
5. Die Musterung von Vieh rc. im Zugang oder dicht davor ist verboten.
6. Am Markttage ist der Viehhandel in Gehöften, GastsläUen rc. innerhalb der Stadt Fulda verboten, x Fulda, den 13. Juli 1897.
Der Königliche Landrath.
I. A.: Zoberbier, Regierungs-Assesior.
Nichtamtlicher Theil.
Veschwichtigungsinittel.
Von oppositioneller Seite wird augenblicklich versucht, die Erregung, die in den Kreisen der Industrie über die Haltung der parlamentarischen Mehrheit des Abgeordnetenhauses gegenüber dem Vereinsgesetz zum Ausdruck gekommen, durch allerlei Beschwichtigungsmittel zu dämpfen. Man mildert die Tonart und versucht, dem zutage getretenen Zwiespalt seine Wichtigkeit zu nehmen, indem man die grundsätzliche Einigkeit betont und die Unterschiede des praktischen Verhaltens auf reine Zweckmäßig- keitserwägungen zurückzuführen unternimmt. Der aufrichtige Wunsch, mit ihren Arbeitern in Frieden zu leben, soll für alle Industriellen ohne Unterschied der entscheidende Gesichtspunkt bei Beurtheilung des Vereinsgesetzes bisher gewesen sein.
Sind einige Arbeitgeber auf Grund langjähriger Erfahrung und nach eingehender Prüfung zu der Ueberzeugung gelangt, daß das Gesetz dem Frieden dienen werde, daß es wenigstens in gewiffem Grade die Arbeiter vor dem Getreide der Hetzer bewahren werde, der Leute, deren Beruf es ist, die Arbeiter nicht glücklich, sondern unzufrieden und daher unglücklich zu machen, so will man ihnen diese Meinung durchaus nicht verargen. Die grundsätzliche Uebereinstimmung wird wieder und wieder betont. „Alle Industriellen wie ein Mann fordern Schutz gegen die wüsten Hetzer, die dem Arbeiter die Freude an seinem Vaterlande, an seinem Dasein nehmen." Nun jedoch kommt das entscheidende Aber. Die geplanten Bestimmungen sollen angeblich das Gegentheil von dem bewirken, was sie erreichen wollen. Gründe hierfür werden freilich nicht geboten.
Statt deffen muß ein leeres Gerede herhalten, als deffen Kern sich immer nur die Abneigung gegen jede Verstärkung staatlicher Schutzmittel und das Mißtrauen gegen die Staatsgewalt erkennen läßt. Die Hetzer sollen lediglich durch Gerechtigkeit sortgeschafft werden, indem man Rechte und Pflichten gerechter vertheilt, denn die neuere Sozialpolitik habe das suum cuique nicht stets genügend im Auge behalten. Nimmt man diese Behauptungen ernst und behandelt sie nicht als das, was sie in Wirklichkeit allein sind, als reine Verlegenheitsausflüchte, so schlagen dieselben den Thatsachen direkt ins Gesicht. Bei den sozialpolitischen Maßnahmen der letzten Jahre hat sicher nicht der Arbeiterstand, zu dessen Gunsten sich
i Staat und Unternehmertum den schwersten Lasten willig unterzogen haben, über irgend eine Art Unbilligfeit zu klagen.
Wissen die Gegner des Vereinsgesetzes neue gesetzgeberische Maßnahmen vorzuschlagen, die ohne weitere drückende Belastung des ohnehin schon schwer genug kämpfenden Mittelstandes und der produktiven Arbeit in Stadt und Land die Lage der Arbeiter zu heben im stände sind, nun wohlan, heraus damit. Die Regierung wird sich der gewissenhaften Prüfung solcher Vorschläge nicht entziehen. Aber mit nebelhaften Redensarten von „einer durchgreifenden Reform, gegründet auf Gerechtigkeit, eine Gerechtigkeit, welche Licht und Schatten, Rechte und Pflichten wieder ins Gleichgewicht bringt," ist absolut nichts gethan. Auch ist es, die Nothwendigkeit und Möglichkeit neuer, umfassender sozialpolitischer Reformen vorausgesetzt, höchst naiv, anzunehmen, solche Reformen allein könnten der Hetzarbeit des Umsturzes dauernd Stillstand gebieten.
Hat dies die hochherzige Sozialpolitik unsers Kaisers bisher nicht vermocht, so wird auch ein weiteres Fortschreiten auf dem Gebiete allein es in Zukunft nicht vermögen. Neben dem weitern Ausbau der Sozialpolitik muß vielmehr die Inanspruchnahme und kräftige Handhabe der staatliche« Machtmittel, wie solche unter anderm von dem Vereinsgesetze verlangt wird, einherschreiten. Nur auf gesicherter Grundlage kann eine gesunde Sozialpolitik gedeihen.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 17. Juli.
Se. Majestät der Kaiser wird seine Nordlandsreise fortsetzen. Zur Zeit befindet er sich noch in Bergen.
Der Kaiser übersandte dem Kommandeur des 4. Armeekorps, General v. Höhnisch, zudessen fünfzigjährigem Dienstjubiläum ein herzliches Glückwunschschreiben und zugleich die Brillanten zum Schwarzen Adlerorden.
Der Prinz von Neapel begab sich Ende dieses 'Monats zu einem zehntägigen Aufenthalt nach Petersburg, um als Gast des Zaren und in Gesellschaft Kaiser Wilhelms den Manövern der russischen Armee beizu- wohnen. Auf der Rückreise uach Italien wird der Prinz zu kurzem Besuche nach Berlin kommen.
Ein allgemeiner Kongreß der sozialdemo-
Der Sieg des Herzens.
Novelle von N. H o f f m a n n.
(Fortsetzung.)
„Ich will Ihre Frau werden und Ihnen mit Gottes Segen zu einem häuslichen Glücke verhelfen," erwiderte endlich die junge Dame mit bebenden Lippen und reichte Brunner ihre zarte rechte Hand, welche dieser mit heißen Küssen bedeckte. Dann umarmte er das geliebte Mädchen und rief freudetrunken: „Du bist also meine liebe Braut, Hedwig!"
„Aber noch fehlt die Einwilligung meiner Eltern, Herr Baron," sagte das junge Mädchen leise und zärtlich, Freden Sie sobald als möglich mit meinem Vater, ich r hoffe, daß er unserem Glücke kein Hinderniß bereiten wird."
„Ja, noch heute werde ich mit Deinem Vater spre- x eben, meine liebe Hedwig. Er ist mein alter Freund und MGönner und wird mir meine Herzensbitte wohl nicht ab- Uschlagen. Freilich habe ich ihm auch eine Beichte abzu- x legen, denn meine lange Junggesellenwirthschaft ist für Umeme Vermögensverhältnisse nicht gerade günstig ge- Mwefen."
«Wenn wir bescheiden und einfach auf Ihrem Gute F Elzberg uns einrichten, dann werden wir schon unser Auskommen finden. Meine Mutter ist eine gute Wirthschaften« und ich glaube, daß ich auch etwas von ihr in dieser Hinsicht gelernt habe."
„Ja, Du liebes Mädchen sollst mein Schutzgeist nunmehr sein," entgegnete Brunner beinahe mit Rührung. „Du sollst mich vor den Thorheiten des Junggesellenlebens bewahren, aber nun bitte ich Dich auch ein für alle Male, Hedwig. nenne mich Du, wie es sich zwischen Verlobten ziemt, ich kann es nicht mehr ertragen, daß Du mich Sie und Herr Baron nennst, ich heiße für Dich Eduard."
„Ich werde es versuchen," erwiderte holdselig erröthend das junge Mädchen, „aber ich werde mich wohl noch öfters versprechen, mein Glück ist zu neu."
„Im Triumphe möchte ich Dich mein liebes Bräut- eben nach dem Herrenhause 'führen," rief dann Baron Brunner, „aber es schickt sich noch nicht, ich habe noch nicht mit Deinem Vater gesprochen und ehe er uns nicht seinen Segen gegeben, darf ich Dich auch nicht meine Braut nennen. Wann treffe ich denn Papa am sichersten in seinem Zimmer allein, mein Kind?"
„Genau läßt sich das nicht sagen, da mein Vater sehr oft und plötzlich Haus und Hof, Felder und Wälder in- spicirt, aber es ist möglich, daß er jetzt noch zu Hause und in seinem Zimmer ist, um einige Schreibereien zu besorgen. Es wäre vielleicht da gerade noch die günstige Zeit, um mit ihm zu sprechen. Auch möchte ich hier im Hause meiner Eltern mein Glück nicht lange verheimlichen, es giebt sonst für uns nur noch bange Stunden."
„Ich gehe, um mir von Deinem Vater den Segen zu erbitten," erklärte jetzt Baron Brunner rundweg. Er
nahm zärtlich Abschied von Hedwig und eilte dann dem Herrenhause zu.
Das junge Mädchen blickte ihm freudestrahlend nach, dann faltete sie die Hände zu einem stillen Gebet zu Gott für den Geliebten und ihr Glück. Hedwig setzte sich dann wieder auf ihr Lieblingsplätzchen, auf die Bank am Weiher, und träumte einen schönen Traum von ihrem künftigen Glück.
Auf Schloß Lindberg hatte sich in der Zwischenzeit wenig verändert. Die Gläubiger des Barons hatten sich noch einmal vertrösten lassen, und wenn dieser auch nicht ganz mehr so leichtsinnig war wie in früheren Zeiten, so lebte er seiner leichtlebigen Natur entsprechend doch froh in den Tag hinein und machte sich wegen der Zukunft keine Sorgen.
Viele Sorgen machte sich inzwischen der alte, brave Schloßverwalter Werner um seinen geliebten jungen Herrn. Werner sah für diesen nur noch eine Rettung in der Verheiratung mit seiner Cousine Comteß Bertha, und gar zu gern hätte er den Baron veranlaßt, schon vor der im Testament des Grafen Lindberg-Kronstedt angegebenen Zusammenkunst mit der Comteß seinen schon lange schuldigen Anstandsbesuch auf Schloß Kronburg zu machen. Aber der Baron Lindberg war unter keinen i Umständen dazu zu bewegen in dieser Hinsicht den Bitten und Vorstellungen des treuen Dieners nachzugeben.