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mchlkr Aeisblatt.
Gratisbrilagen: „Illnftrirter Sonntagsblatt" n. „3Uuftrirte landwirthschaftliche Veilage".
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1897.
Veftellnngen auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Zllustrirtes Soimtagsblatt" ^ „Jlliistrirte landivirthschaftl. Beilage" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Poftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Cassel, den 13. Juli 1897.
■ Unter Bezugnahme auf die Vorschriften im § 5 des Enteignungsgesetzes vom 11. Juni 1874 und § 150 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten angeordnet hat, allgemeine Vorarbeiten für eine Nebenbahn von Hersfeld nach Treysa oder einem zwischen Neustadt und Treysa belegenen Punkte der Main-Weser-Bahn oder nach Zivgeuyain zum Anschluffe an die Strecke Treysa-Malsfeld anzufertigen.
Die beseitigten Grundbesitzer des Regierungsbezirks Casiel sind verpflichtet, das Betreten ihrer Grundstücke zu dem angegebenen Zwecke zu gestatten.
Namens des Bezirksausschusses.
Der Vorsitzende.
(Unterschrift.)
An die Königlichen Herrn Landräthe zu Hersseld, Roten- burg, Homberg, Ziegenhain und Kirchhain.
*
* *
Hersfeld, den 20. Juli 1897.
Die vorstehend abgedruckte Bekanntmachung haben die betheiligten Ortsvorstände des Kreises demnächst zur Kenntniß der betheiligten Grundbesitzer zu bringen, Letztere auch event, mit den Bestimmungen des § 5 des Enteignungsgesetzes vom 11. Juni 1874, G. S. S. 222, näher bekannt zu machen.
3891. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Der Sieg des Herzens.
Novelle von N. H o s f m a » n.
(Fortsetzung.)
Aufgeregt lief der Baron im Zimmer umher.
„Ein neuer Hoffnungsstrahl zeigt sich mir doch," murmelte er dann, „denn dieser Herr von Ende könnte mein Netter werden. Meine Besitzungen sind für den richtigen Liebhaber eine und eine halbe Million werth. Zahlt Herr von Ende diesen Kaufpreis, so bin ich hier von allem Ruin erlöst, meine Gläubiger werden bezahlt und mir bleiben 600 000 Mark Vermögen, welches ich auf gute Hypotheken ausleihen und von den Zinsen standesgemäß leben kann. — Aber dieser Brief, o dieser Brief von Brunner ist doch eine arge Enttäuschung. Man möchte es nicht glauben, wenn nicht Alles hier von Brunners Hand deutlich geschrieben stände!"
Lindberg nahm jetzt wieder Brunners Brief in die Hand und las denselben nochmals leise. Der Brief lautete:
Lieber Freund!
Verdamme mich, verstoße mich, denn ich bin hier in Ludwigsthal bei meinem alten Freunde, dem Major und Rittergutsbesitzer von Kalten, meinem Dir gegebenen Versprechen zum größten Theile untreu geworden, aber wie ich Dir zuschwören kann, Franz, es ist auf keine schändliche Art geschehen. Major von Katten besitzt eine einzige, hübsche Tochter Hedwig. Diese ist ein so liebliches Geschöpf und besitzt so viele Tugenden des Geistes und Herzens, daß ich ganz wider Willen binnen drei Tagen
Nichtamtlicher Theil.
Der Streit um die Produktenbörse hat in Berlin nachgerade einen bodenlosen Charakter angenommen. Die Getreidehändler stellen sich, als ob durch das neue Börsengesetz ein unerhörter Schlag gegen ihre Standesehre gerichtet worden wäre, weigern sich fortgesetzt, die Bestimmungen desselben anzuerkennen, und weisen alle wohlwollenden Rathschläge der Regierung zur Erzielung einer Verständigung kurzweg zurück.
Selbstverständlich ist ein Theil der Presse bei der Arbeit, sie in ihrem Widerstände zu bestärken. Dem Publikum wird vorgeredet, daß dem Getreidehändler vom Gesetz zugemuthet werden solle, sich vor den börsenfeind- lichen „Junkern" zu beugen und von diesen Vorschriften über die Führung ihrer Handelsgeschäfte machen zu laffen. Angesichts dessen ist es nützlich, die Bestimmungen, welche die Ehre der Getreidehändler angeblich tödtlich verletzen, auf ihren wirklichen Inhalt zu prüfen.
Es kommt hier die Börsenordnung für Berlin in Betracht, welche besagt, daß der Vorstand der Produktenbörse aus 19 Mitgliedern zu bestehen hat. Von diesen werden 9 von den Börsenbesuchern, 3 von den Aeltesten der Kaufmannschaft aus ihrer eigenen Mitte gewählt. Diese 12 gewählten Mitglieder bilden den eigentlichen i Vorstand, dem die Gesammtleitung der Börse zusteht. Lediglich für die den Handel mit landwirthschaft- l i ch e n Produkten betreffenden Angelegenheiten treten zu dem Vorstände der Produktenbörse als weitere Mitglieder zu diesen 12 gewählten noch 7 andere hinzu, von denen 5 vom Landwirthschastsminister als „Vertreter der Landwirthschaft u. s. w.," 2 vom Handelsminister als „Vertreter der Müllerei" ernannt werden. Diesen ernannten Mitgliedern steht aber nach § 8 nicht einmal die Befugniß zu, mit auf Ordnung in der Börse zu halten; dieses Recht ist lediglich gewählten Personen vorbehalten. Nach § 9 ist auch die Leitung derPreis- f e st st e l l u n g immer einem gewählten Mitglieds des Vorstandes zu übertragen. Bei Meinungsverschiedenheiten entscheidet die Mehrheit, bei Stimmengleichheit entscheidet der Leiter, also stets ein Gewählter. Gegen die Beschlüsse und Anordnungen des Börsenvorstandes und seiner Abtheilungen findet nach § 6 Beschwerde auch nur an die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin
mich ganz toll in sie verliebte. Ich prüfte mich vierzehn Tage lang, ob meine Neigung zu Hedwig wirklich ernst, tief und wahrhaftig sei, und mein Herz sagte jeden Tag deutlicher, daß Hedwig die richtige Frau für mich sei.
Ich wagte ein Geständniß, ich fand Gegenliebe und das liebe Mädchen ist jetzt meine Braut. Herr und Frau von Katten geben uns auch gern ihren Segen dazu. Meinem künftigen Schwiegervater habe ich auch meine mißlichen Vermögensverhältnisse gebeichtet, und er versprach zu helfen, wenn ich nun hübsch solid leben und wirthschaften wollte. An der Seite meiner lieben Hedwig, welche im September meine Frau werden wird, hoffe ich das Gelöbniß, welches ich dem wackeren Major in die biedere Rechte gab, erfüllen und ein fleißiger und sparsamer Landwirth werden zu können. Ich hoffe daher, daß Du mir wegen meines Abweichens von unserem Plan nicht so sehr zürnen wirst, daß Du mir nicht zur Verlobung gratulirst.
In Deiner Angelegenheit mit der Comteß habe ich auch das von Dir Gewünschte gethan und Dich dem alten Administrator Körner gegenüber, welcher Vertrauensperson im gräflichen Hause ist und einmal hier Gast war, als ein großer Taugenichts hingestellt.
Aber offen gestanden, ich schäme mich sehr darüber, Dir diesen Gefallen gethan zu haben, denn erstens bist Du gar nicht so schlecht, sondern nur sehr leichtsinnig, und zweitens hast Du auch von Deiner Cousine der Comteß Bertha von Lindberg-Kronstedt eine ganz falsche Vorstellung. Stolz und Hoffarth sind bei der Comteß gar nicht zu merken, sie wird hier und in der ganzen
statt, also wiederum an eine rein kaufmännische Körperschaft. Die Landwirthe haben nur das Recht, auf den allgemeinen Geschäftsgang zu achten, Anträge zu stellen und an Abstimmungen theilzunehmen, bei denen sie aber unbedingt immer in der Minorität sind (5:12). Und dagegen sträubt sich die Börse! Muß man da nicht auf den Gedanken kommen, daß die Börse die vom Minister ernannten, stets in der Minderheit befindlichen, von fast sämmtlichen Rechten ausgeschlossenen Vorstands-Mitglie- der nur deshalb nicht dulden will, damit sie nicht sehen, was an der Börse passiert und das an die Oeffentlich- keit bringen?
Bei dieser Sachlage wird man im Publikum doch andere Vorstellungen von der „geschädigten Kaufmannsehre" gewinnen. In der That handelt es sich um diese auch garnicht. Die eigentliche Absicht ist auf die Wi ed er- einführung des Terminhandels gerichtet, bei dem die berufsmäßigen Börsenmänner am besten auf ihren Vortheil kamen und die Landwirthschaft aus- gebeutet wurde. So liegen die Dinge in Wahrheit, und wo man dies berücksichtigt, wird die Auflehnung der Getreidehändler in einem trüben Lichte erscheinen. Sie ist thatsächlich nicht gerechtfertigt.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 20. Juli.
Das Befinden unsers Kaisers ist gut. Am Montag ging die „Hohenzollern" nach Stavanger in See, wo Herzog Karl Theodor in Bayern an Bord kam.
In Bergen zeichnete der Kaiser den auf der Nordlandsreise befindlichen Hamburger Schnelldampfer „Auguste Viktoria" durch einen längern Besuch aus.
Zu dem bevorstehenden Besuche des Kaisers inPetersburg wird geschrieben: Die Truppenübung, die während des Besuches des Kaisers Wilhelm bei Kroßnaje Selo stattfindet, wird durch den Oberbefehlshaber der Garde und des Petersburger Militairbezirks Großfürsten Wladimir Alexandrowitsch geleitet werden. An ihr nehmen zwei Garde-Jnfanteriedivifionen, zwei Garde-Kavalleriedivisionen, die 37. Infanteriedivision, die zugehörigen Artilleriebrigaden, Reservetruppen, Militärschulen u. s. w. theil, im ganzen etwa fünf Infanteriedivisionen.
Umgegend vielmehr als ein wahrer Engel an Liebenswürdigkeit, Bescheidenheit und Großmuth gepriesen. Die gräflichen Beamten und Diener leben und streben für ihre edle Herrin, und was die Comteß für die Armen, für Schulen und Kirchen thut, das soll sich jährlich auf mindestens dreißig tausend Mark belaufen. Zudem sagten mir meine Braut wie auch meine Schwiegermutter, und das sind unverdächtige Zeugen, daß Comteß Bertha eine durchaus sympathische, liebliche Person sei und trotz ihrer sieben und zwanzig Jahre noch jünger aussehe als manche Dame, die erst fünf und zwanzig Jahre alt sei. Ich kann daher nicht umhin, Dir zu erklären, daß es für einen loderen Vogel wie Du gar keine bessere Frau geben kann als die, welche Dir Dein hochseliger Onkel der Graf Lindberg-Kronstedt in großer Weisheit testamentarisch ausgewählt hat. Und sehe ich mir dabei noch das stolze Schloß Kronenburg und die herrlichen gräflichen Besitzungen an, so muß ich Dich als einen der größten Thoren bedauern, wenn Du den Wunsch des Onkels zu erfüllen Dich nicht bald bemühst.
Dies schreibt Dir unter herzlichen Grüßen Dein aufrichtiger Freund Eduard von Brunner.
Baron Lindberg schloß diesen Brief jetzt in sein Pult und ging dann kopfschüttelnd, und zuweilen ein Zeichen des Unmuths oder Staunens ausstoßend, wieder in seinem Zimmer auf und ab.
„Es ist nicht möglich!" rief er dann aus, „ich kann jetzt nicht um die Comteß freien, nachdem ich sie viele Jahre ignorirt habe. Ich würde mich schändlich blamiren,