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Jr. 00.
WO- Den 3. Auch
Amtlicher Theil
Berzeichnitz der im Monate Juli 1897 ausgestellten Jagdscheine. A. Jahresjagdscheine:
1. am
2/7.
10/7.
15/7.
15/7.
15/7.
17/7.
26/7.
26/7.
28/7.
1897 für Herrn George Winkelhardt, Landwirth in Heringen,
„ „ „ Lehrer Theodor Ackert in
Hersfeld,
„ „ „ Beier, Königlicher Förster
in Meckbach,
„ „ „ Rittergutsbesitzer C. Wal-
ther in Kleinensee,
„ „ „ Jakob Fink, Schuhmacher
meister in Gershausen,
„ „ „ Forstmeister Faber in
Friedewald,
„ „ „ August Braun, Oekonom
Rechnungsführer der Landgemeinden des Landkreises Hersfeld vom 20. Juli 1895 ist die Jahresrechnung bis zum 1. August jeden Jahres dem Gemeinderathe zu überreichen.
Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden haben mir bis zum 15. d. Mts/berichtlich anzuzeigen, ob seitens des Gemeinderechnungsführers diese Bestimmung bezüglich der Rechnung vom Jahre 1896/97 beachtet worden ist und eventuell weshalb nicht.
I. A. N. 2230.
Der Königliche Landrath.
J. V.: Heeg, Kreissekretair.
Nichtamtlicher Theil
Die Annbigung des deutsch-eng lischen Handelsvertrages
land die Zeit des Freihandels, die England geschickt damit einleitete, daß es, ähnlich wie vorher mit Frankreich, mit dem deutschen Zollverein einen Handelsvertrag abschloß, welcher die berühmte Meistbegünstigungsklausel enthielt, deren praktische Anwendung die Völker von selbst der Freihandelspolitik entgegenführt.
Zweiunddreißig Jahre hat dieser Vertrag in Wirksamkeit gestanden. Deutschland hatte sich im Laufe der Zeit ganz zum schrankenlosen Freihandel bekannt und den Engländern alle Märkte geöffnet, aber dabei so üble Erfahrungen gemacht, daß Fürst Bismarck das Freihandels- fystem kurzweg bei Seite warf und dem nationalen Wirth- schaftssystem mit rationellen Schutzzöllen eine Stätte bereitete. Unter demselben ist die deutsche Industrie ebenso gewaltig erstarkt, wie einst die englische. Sie ist in die Lage gekommen, mit den Engländern auf allen Märkten zu konkurrieren. Im letzten Jahre führte Deutschland für 678 Millionen Mark allein nach England ein. Die
B. T
in Hersfeld, Buge, Königlicher in Obergeis, Sorg, Königlicher in Obergeis,
Förster
Förster
„ „ Braun, Königlicher Förster
in Heddersdorf,
„ „ Rudolf Stöber in Vacha,
Verw.Bez. Dermbach,
„ „ Lehrer Seng in Mecklar,
„ „ Kaufmann Ernst Nehn in
Oberrode,
„ „ Dr. Mittenzwey, Erster
Staatsanwalt in Eisenach, agesjagdscheine:
15. am 22/7. 1897 für Herrn Wilhelm Vockeroth in
16. „ 26/7.
Kathus, Kaufmann Wilh. Huth
in Hersfeld.
Bestehender Vorschrift gemäß wird solches hierdurch veröffentlicht.
Hersfeld, am 31. Juli 1897.
Der Königliche Landrath.
J. V.: Heeg, Kreissekretair.
Hersfeld, am 2. August 1897.
Nach § 17 Absatz 2 der Dienstanweisung für die
ist nunmehr erfolgt. Sie war längst vorhergesehen! Engländer sehen also ihre wirthschaftlich Weltstellung
worden, denn sie bildet nur den Abschluß der in England seit sieben Jahren von rühriger Seite gegen den deutschen Wettbewerb auf dem Weltmärkte entfachten Bewegung. Die Engländer sind daran gewöhnt, auf den überseeischen Märkten eine Alleinherrschaft zu üben, welche ihnen noch bis in die Mitte dieses Jahrhunderts thatsächlich unbestritten war. Durch ein zwei Jahrhunderte hindurch mit beispielloser Rücksichtslosigkeit durchgeführtes Schutzzollsystem hatte sich England eine gewaltige Industrie großgezogen, der bald die heimischen Märkte zu eng wurden, und die welterobernd wurde, nachdem der englische Staat durch die Vernichtung der napoleonischen Seemacht auf allen Meeren allein gebot. Um ihr auch alle europäischen Märkte zu öffnen, wandten sich die klugen Engländer in der Mitte unsers Jahrhunderts plötzlich dem Freihandel zu. Sie selbst hatten bei ihrer wirthschaftlichen Ueber- macht gar nichts zu riskieren; wohl aber durften sie hoffen, durch ihr Beispiel auch den einen oder andern Kontinentalstaat zur Annahme des Freihandelssystems zu bewegen und so ungehinderten Zutritt zu dessen heimischen Märkten zu erlangen.
Mit allen Mitteln wurde daher der Welt plötzlich das allein segensreiche Dogma des Freihandels verkündet, und da diefe Bewegung von England ausging und sich wohlweislich in „liberaler" Gewandung vorführte, so biß der deutsche Liberalismus selbstverständlich sofort auf den hingehaltenen Köder an. Es begann in Deutsch-
durch Deutschland gefährdet, und da auch alle übrigen Kulturstaaten vom Freihandel nichts mehr wissen wollen, so strebt das englische Volk nunmehr einem andern Wirthschaftssystem zu, welches das englische wirthschaft- liche Uebergewick. sichern soll, zu diesem Behuf zunächst die gesammten englischen Kolonien näher mit dem Mutter-' lande zusammenschließt, und so die „großenglische Wirthschaftsunion" befähigt, durch Bevorzugung der eigenen Fabrikate den fremden Wettbewerb zu erschweren.
Es ist dies, wie man sieht, ein erster Schritt zur Rückkehr Englands zum Schutzzollsystem. Seiner Durchführung stand der bis jetzt noch in Geltung gewesene deutsch-englische Meistbegünstigungsvertrag entgegen, welcher auch der deutschen Industrie jeden zollpolitischen Vortheil zuwies, den man in England und seinen Kolonien einem englischen oder fremden Fabrikate zuerkannte. Wie sich infolge dessen die wirthschaftlichen Beziehungen zwischen England und Deutschland später gestalten werden, ist noch nicht abzusehen. Jedenfalls hat die deutsche Industrie Ursache, sich auf alle Möglichkeiten vorzubereiten.
Politische Nachrichten
Inland.
Berlin, 31. Juli.
Se. Majestät der Kaiser ist an Bord der
Aus schweren Tagen.
Novelle von Ida von Conring.
(Fortsetzung.)
„Ich bin sehr gespannt; was haben Sie entdeckt, mein lieber Dubois?"
„Nichts, Excellenz, gar nichts!" entgegnete dieser. „Die genaue Nachforschung ergab weder verdächtige Papiere, noch Notizen — mit einem Worte, überhaupt kein Ergebniß!"
„Dann hat er etwas weggeschickt oder vernichtet!" / rief der Präsident.
Dubois warf ihm einen Blick milden Vorwurfs zu.
„Die Post war unterrichtet und überwacht, Excellenz!" E sagte er^ sanft; „Papierasche nicht zu finden, — meiner S Ansicht nach ist der junge Mann ungefährlicher, als wir
| geglaubt haben!"
„Oder klüger!" warf der Präsident ein; „alle Berichte | unserer Spione stimmen überein, daß Ketlenberg die I Fäden der Verschwörung in den Händen hält. Der I Mensch macht ja auch aus seinem Franzosenhaffe kein I Geheimniß!"
Dubois verbeugte sich.
. „Ich werde mein Mögliches thun, Excellenz! — Darf ^ch noch eine außerdienstliche Angelegenheit berühren?
ist mir heute ein in der Theaterloge Ew. Excellenz Mfundener Stein eingehändigt; ich vermuthe, daß Fräulein Wn Werden ihn dort verloren haben wird!"
M.Der Präsident betrachtete den Brillanten aufmerksam. M, „DaS ist sehr wahrscheinlich!" sagte er, „meine
Tochter und Frau von Ruberg trugen beide die Mal- theserkreuze; der Stein sieht aus, als wäre er aus einem derselben !"
„Marguerite!" rief er ins Nebenzimmer.
Im nächsten Moment erschien das Gesicht seiner Tochter unter der sortiere.
„Gieb mir einmal dein Kreuz!" sagte der Präsident, mit dem Brillanten ans Fenster tretend.
Marguerite griff nach dem Halse, wo sie an einer feinen, goldenen Kette den Schmuck zu tragen pflegte. Die Kette und mit ihr das Kreuz waren von dem gewohnten Platze verschwunden. Eine tiefe Bläffe zog über Marguerites Gesicht. — Wie ein Blitz flog das Erinnern durch ihr Gedächtniß, daß sie einen leisen Ton, wie von reibendem Metall gehört hatte, in dem Moment, als Magnus sie in seine Arme zog. Wenn sie bei ihm das Kreuz verloren und Dubois es gesunden hätte! War dieser väterliche Befehl eine Prüfung? „Vielleicht ist es dennoch in meinem Zimmer!" dachte sie.
„Ich will es holen, Papa!" sagte sie dann.
„Sie will Zeit gewinnen!" kombinierte Dubois; „sie hat es nicht, sie ist bei ihm gewesen!"
„Nehmen Sie Platz!" sagte der Präsident freundlich, „meine Tochter kommt gleich wieder!"
Da war Marguerite schon. Sie trug das Maltheser- kreuz in der Hand und legte es vor ihrem Vater auf den Tisch. — Dubais beobachtete sie scharf und sah, wie die kleine weiße Hand zitterte.
„Sie ist es also doch nicht gewesen," dachte er, i(aber weshalb dann diese Erregung?"
„Hier fehlt kein Stein!" rief der Präsident; „vielleicht gehört der gefundene Frau von Ruberg. Sie sehen, hier ist die Fassung unverletzt. Jedenfalls danke ich Ihnen sehr für Ihre Aufmerksamkeit. Hier ist der Brillant zurück, mein lieber Dubais!"
„Ich habe die Ehre, mich zu empfehlen!" verbeugte sich dieser.
„Leben Sie wohl, lieber Dubois!"
Marguerite griff nach dem Kreuz und entfernte sich. Sie drückte die heiße Stirn in die Hände und dachte nach. Was hätte sie thun sollen ohne Mariens Einfall, ihr das Kreuz mitzugeben? Der Verlust desselben hätte zu Nachforschungen geführt, ihn vielleicht verrathen. Marguerite beschloß, sich das verlorene Kreuz heimlich anfertigen zu lassen, Marie würde ihr das gern besorgen.
Herr Dubois war inzwischen nach Hause gegangen und hatte das in seinem Besitz befindliche Kreuz zu sich gesteckt. Er nahm einen Wagen und fuhr zu Frau von Ruberg. Das Mädchen meldete ihn, und die junge Frau ließ ihn bitten, einzutreten. Die reizende Witwe saß in geschmackvoller Haustoilette auf dem Sofa und lud ihn ein, ihr gegenüber Platz zu nehmen. Dubois wor etwas in Verlegenheit, wie er das Gespräch auf den Punkt bringen sollte, der ihn beschäftigte, und begann deshalb vom Wetter und Theater zu sprechen. Die junge Frau zeigte sich sehr lebhaft bei der ilnterhaltung, und als er des gefundenen Diamanten erwähnte, bat sie ihn, ihr denselben zu zeigen. Dubois zog langsam das in Papier gehüllte Maltheser kreuz hervor. Seine Augen bohrten sich förmlich in das Gesicht der jungen Frau, als er es enthüllte. Auf