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Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 4. August 1897.

Im Hinblick auf den Umstand, daß die Gefahr eines - ., Brandunglücks um so größer ist, je mehr Nahrung dem ; ausgebrochenen Feuer sich bietet, veranlasse ich die Herren Ortsvorstände des Kreises, thunlühst darauf hinzuwirken, daß jetzt, wo nach begonnener Ernte, die Scheuern mit brennbaren Stoffen angesüllt sind, soweit möglich e i n Jeder seine Vorräthe gegen Feuersge­fahr versichert, damit im Falle eines Unglücks eine thunlichst erreichbare Ausgleichung des erlittenen Schadens stattfinden möge.

Ich mache hierbei ausdrücklich darauf aufmerksam, daß nach dem Erlaß des Herrn Ober-Präsidenten vom 28. Februar 1878 (okr. Kreisblatt Nr. 20) die Abhaltung von Hauskollekten aus Anlaß von Beschädigungen durch Brand ebensowenig wie bei Hagel­schlag genehmigt werden wird.

Gleichzeitig richte ich an die Kreisbewohner die dringende Mahnung, ein besonderes Augenmerk auf d i e sichere Aufbewahrung der Streichzünd­hölzer zu richten, damit namentlich unverständige Kinder nicht in deren Besitz gelangen und durch Spielen damit, wie schon oft geschehen, Feuerschaden verursachen. ? Die Herren Ortsvorstände wollen für thunlichste Bekannt- [ Werbung des Gesagten Sorge tragen, und auch die ° Herren Lehrer hieraus Anlaß nehmen, in entsprechender s Weise auf die Schulkinder einzuwirken.

I. 4154. Aer Königliche Landrath.

I. V.: H e e g.

Hersfeld, den 5. August 1897.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügung vom 21. Juli d. Js. J. I. Nr. 3921, Kreisblatt Nr. 87, die Beiträge zu den Un­kosten der Landwirthschaftskammer betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis zum 12. d. M t s. bei M e i d u n g von 3 Mark Strafe hieran erinnert. I. 3921. Der Königliche Landratb

I. V.: H e e g.

Hersfeld, den 3. August 1897.

Die in der Gemeinde KerSpenhausen ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen und die über diese Gemeinde angeordnete Orts- und Gemarkungssperre wieder aufgehoben worden.

I I. Nr. 4139. Der Königliche Landrath.

I. V.: Heeg.

Nichtamtlicher Theil.

in

At Astmist mch " 7 7

Das deutsche Kaiserpaar hat am Mittwoch Abend Begleitung des gegenwärtigen Leiters des Auswärtigen Amtes, Herrn v. Bülow, der Reichskanzler, Fürst zu

Hohenlohe, hat den Landweg benutzt von Kiel aus feine Reise nach Rußland angetreten, um dem Zaren den Besuch zu erwidern, den dieser mit seiner Gemahlin bei den schlesischen Manövern im September vorigen Jahres ge­macht hat. In Deutschland unterschätzt man nicht die Wirkung, die eine Begegnung der Beherrscher zweier so mächtigen Reiche, wie Deutschland und Rußland es sind, auf die Geschicke der Völker zu üben vermag, aber man knüpft daran von vornherein keine Hoffnungen, wie in Frankreich, deffen Präsident bald nach dem deutschen Kaiser als Gast des Zaren in Petersburg eintreffen wird. Die einzige Hoffnung, die Deutschland auf den Zaren Nikolaus II. setzt, ist die, daß er das Bestehende erhalten und seine Hand nicht zu einer Störung des Friedens bieten werde. Und diese Hoffnung ist wohl berechtigt.

So lange Rußland und Deutschland sich nicht feindlich gegenüberstehen, so lange ihre Interessen nicht in einen künstlichen Gegensatz gebracht werden, so lange ist auch die Gefahr eines Weltkrieges vermieden. Die deutschen und die russischen Interessen aber Widerstreiten einander nicht, und es ist auch auf absehbare Zeit keine Aen­derung zu besorgen. Wir Deutschen haben keine Ver­anlassung, auf Rußland mit unfreundlichen Augen zu blicken, sondern unser eigenes Interesse weist uns da­rauf hin selbstverständlich bei voller Wahrung unserer nationalen Würde ein dauerndes freundschaftliches Verhältniß zu dem mächtigen Nachbarreiche zu pflegen. Auch die Interessen Rußlands fordern gebieterisch, die guten Beziehungen zu Deutschland aufrecht zu erhalten.

Was könnte Rußland durch einen Krieg gewinnen? Die Antwort ist: Es kann nichts gewinnen und viel verlieren! Mitten im Frieden, auf dem Wege durch die Kabinette, hat Rußland gerade in den letzten Jahren ungeheure Vortheile errungen. Und würde selbst Rußland in einem Kampfe mit Deutschland gewinne», würde die Schöpfung Kaiser Wilhelms des Großen zu Grunde gehen, so wäre vielleicht für den Augenbick der Zar der Herr der Welt; aber bald genug würde ein erneuter Kampf ent­brennen, indem die andern Nationen, um ihre Selbst- ständigkeit zu retten, sich gegen Rußland kehren müßten. Und mit der materiellen Erschöpfung würde parallel gehen eine tiefgehende innerpolitische Erschütterung des Zaren­reiches. Rußland bedarf nicht des Krieges und des Ländererwerbs im Westen, es bedarf des Innern Aus­baues und vielleicht im Orient einer grossem Bewegungs­freiheit. Hier aber steht ihm Deutschland nicht hindernd im Wege, und gerade hier fallen die Früchte leichter einem geschickten Diplomaten, als einem kampflustigen General in den Schoß. Es ist heute Rußlands Interesse vor allem, den Dreibund zu gewinnen oder doch mit ihm sich zu verständigen, weil nur so die Isolierung Eng­lands herbeigeführt und jener Rivale geknebelt wird, der allein den russischen Plänen hemmend entgegensteht.

Thorheit aber wäre es von uns, sentimentalen Re­gungen folgend, uns für das englische Interesse einzu- setzen. Lange genug stand dem Jnselvolke der Weg zum Dreibünde offen. Indem es bei seiner zweideutigen Politik verharrte, Deutschland als quantite negligeable ansah und uns in herausfordernder Weise entgegentrat, indem es der Ueberzeugung folgte, daß Deutschland seiner, nicht aber England Deutschlands bedürfe, hat es jene Irrwege gewählt, auf denen es von einer Niederlage zur andern, von Mißerfolg zu Mißerfolg gelangen mußte.

Aus allen diesen Erwägungen wird der Besuch unsers Kaiserpaares in Rußland, obwohl er vornehmlich nur ein Akt der Höflichkeit ist, auch eine politische Bedeutung haben. Er ist als eine Friedensbürgschaft aufzufassen, und die Freude daran wird durch den frohen Empfang tönen, der unser Kaiserpaar auf russischem Boden er­wartet. Unsere herzlichen Wünsche geleiten die Maje­stäten auf ihrer Reise.

Polilischc Nachrichtc».

Berlin, 5 August.

S e. Majestät der Kaiser hat vor seiner Ab­

reise aus Kiel die Ernennung des frühern Ministers von Köller zum Oberpräsidenten der Provinz Schleswig-Holstein vollzogen; der Reichsanzeiger" publiziert amtlich diese Ernennung.

I h r e M a j e st ä t d i e K a i s e r i n hat vor der Abreise aus Tegernsee für die Hilfsbedürftigen des Be­zirks den Betrag von 1000 Mark, und für Zwecke der evangelischen Kirchengemeinde 500 Mk. überweisen lassen.

Ueber den bevorstehenden Besuch der Kaiser­lichen Majestäten in Wiesbaden meldet man derKöln. Ztg." von dort: Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin werden während der Kaisermanöver bei Homburg mit ihren Gästen, Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich, dem italienischen Kö­nig s p a a r und der großen Anzahl der zum Manöver erscheinenden Fürstlichkeiten, sowie dem ganzen Gefolge die Stadt besuchen. Der Tag ist noch nicht näher b-; stimmt, doch wird am Abend eine große Galafestvo"- stellung im hiesigen königlichen Theal - stattfinden. Der Vorstellung werden über 150 Fürstlichkeiten deiwohn n, doch ist noch nicht bestimmt festgesetzt, wie der Abeuo ausgefüllt wird. Hauptmann Jos. Lauff aus Köln hat ein Festspiel gedichtet, welches der königliche Kapellmeister Schlar-Wiesbaden in Musik gesetzt hat. Bei Gebrüder Kautsky und Rottono r in Wien wurde eine eigens dazu konstruirte PanoramaMoration Anfang voriger Woche bestellt. Wahrscheinlich wird dem Festspiel Webers Preciosa" folgen, jedoch ist noch keine endgültige Ent­scheidung getroffen. Die hohen Herrschaften werden sich am Abend in das große Hauptquartier nach Homburg zurückbegeben.

E i s e n b a h n m i n i st e r T h i e l e n hat sich mit Frau Wichelhaus, der Witwe des in Elberfeld verstorbe­nen Herrn Robert Wichelhaus, verlobt.

Gerüchtweise verlautete, baB. in Kiel die Frage er­örtert worden sei, ob das preußische Abgeord­netenhaus wegen der Ablehnung des Vereinsgesetzes nicht noch nachträglich aufzulösen sei. Darauf wird von gut unterrichteter Seite geantwortet, daß die preußische Staatsregierung an solche Maßnahme gar nicht denke.

Zur Errichtung eines Rationaldenkmals für den Fürsten Bismarck auf dem weithin ragenden Bismarckstein in Blankenese hat die Landes­kunstkommission ihre Zustimmung gegeben.

An die bayerischen Truppentheile sind neuerdings Weisungen gegangen, wonach das Ein schleppen sozialdemokratischer Schriften in die Kasernen durch die zu den Uebungen einberufenen Reservisten und Landwehrleute mit allen zu Gebote stehenden Mitteln verhindert werden soll.

Wegen M a j e st ä t s b e l e i d i g u n g ist von der Strafkammer in Dortmund der sozialdemokratische Reichs- tagsabgeordnete Dr. Lütgenau, Redakteur der in Dort­mund erscheinenden sozialdemokratischenArbeiterzeitung", zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt worden.

Für eine Denunziation wegen Majestäts­beleidigung hat einen Arbeiter Harmening aus Altenhagen die verdiente Strafe getroffen. Der Be­treffende hatte einen andern Arbeiter wegen Majestäts- beleidigung aus Rache denunziert und die Anzeige mit einem falschen Namen unterzeichnet. Er wurde von der Strafkammer in Hannover zu 2 Jahren Zuchthaus und Aberkennung der Ehrenrechte auf 5 Jahre verurtheilt.

Fünf pensionierte Generale der preußi­schen Armee haben am Donnerstage den Tag begangen, wo sie vor 60 Jahren in die Armee getreten sind. Dies sind General der Kavallerie z. D. v. Barby, der Gene­rallieutenant z. D. v. Pannwitz und die Generalmajors z. D. v. Bernuth, v Leslie und Freiherr v. Reitzensteiu.

Wie aus München berichtet wird, wurde in einer Versammlung des oberbayerischen Bauern- und Bürger­bundes auf Antrag Dr. Kleitners die Gründung einer Bayerischen Volkspartei" nach Sigl'schem Musterzur Bekämpfung der Uebergriffe des Preußen- thums"! beschlossen. Die neue Partei soll angeblich die Abwehr der wrrthschaftlichen Unterjochung des Südens und Westens Deutschlands durch den Norden bezwecke».