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Gratisbeilagen: „Illuftrirter Konntagsblatt" u. „)ünftrirte lanvwirthschaftliche Beilage".
K. 93.
AeOz den 16. Anglist
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" ^ „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher ®l|ciL
Hersfeld, den 6. August 1897.
Nach Mittheilung des Landes-Bauamtes dahier sind die Gemeinden Allmershausen (Hof Hählgans), Biedebach, Eitra, Eichhof, Friedlos, Gittersdorf, Heenes, Mecklar, Meisebach, Oberhaun, Reilos, Rohrbach und Tann mit Ausführung von Landwegebauarbeiten für das laufende Jahr noch im Rückstände.
Die Herren Ortsvorstände dieser Gemeinden erhalten die Auflage, für die Ausführung der fraglichen Arbeiten bis zum 31. d. Mts. Sorge zu tragen bei M e i d u n g derVeraccordirung derselben aufKosten der säumigen Gemeinden.
I. A. Nr. 2280—2292. Der Königliche Landrath.
I. V: H e e g.
Nichtamtlicher Theil.
Der Besuch des deutschen Kaiser» Paares in Rußland.
Reval 7. August. Heute nach Mitternacht passirte „Hohenzollern" die Insel Steenskiaer. Das Wetter ist schön, die See ruhig. Gestern Abend traf der russische Kreuzer „Asia" bei der Insel Hogland ein, wo neun deutsche Kriegsschiffe ankerten.
Petersburg, 7. August. Das Journal d e St. Pötersbourg" schreibt heute anläßlich der bevorstehenden Ankunft der Deutschen Majestäten:
Nachdruck verboten.
Jugendliebe.
(Erzählung von Hella Limpurg.)
Mitten in den Bergen liegt ein kleines Dorf, rings um ein alterthümliches Schlößchen, das noch Thürmchen, Schießscharten und Erker aufzuweisen hat aus alten, längstverklungenen Zeiten. Epheuranken und Immergrün rankt um die moosbedeckten Mauern, Schwalben nisten in den zerbröckelten Mauerlöchern und ein Büchlein so hell und krystallklar, daß sich das Auge daran labt, L rieselt eilig über die blanken Kieselsteine. Und am anderen K Ende des Dorfes liegt eine kleine, sehr einfach aussehende D Villa, welche so ganz das Gegentheil des gräflich Liebow' ^ schen Schlosses ist. Ein alter pensionierter Major Dannert giebt in der Villa mit seiner ebenso alten, ebenso gries- K grämigen Haushälterin, Frau Katharina. Augenblick- K lich ging es ein wenig lebhafter in dem Hause zu, denn SRolf Dannert, der einzige Sohn des alten Herrn, ein ö schlanker, hübscher Kadett von siebzehn Jahren war zu den Sommerferien gekommen und hatte etwas Licht und Brot)sinn mitgebracht. Rolf war auch der ausgesprochene M Liebling Frau Katharinas und ihr Schaffen in Küche 4 und Keller, denn der elegante Kadett, welcher stets nach v feinster Pomade duftete und auf eine tadellose Bügel- f?lte der Beinkleider hielt, wußte sehr gut die Vorzüge ' eines schinkenbelegten Brödchens oder einer frisch abge- M füllten Flasche Bieres zu würdigen. Frau Katharina, A b*e mit jedem anderen lebendigen Wesen aus Kriegsfuß I l°bte, hatte für Rolf Dannert eine ganz ausgesprochene
„Die Bevölkerung der Hauptstadt, welche diesen Besuch als einen neuen Beweis der Bande der Verwandtschaft und der traditionellen Freundschaft, welche die Deutschen Majestäten mit unserem Herrscherpaare und dem kaiserlichen Hause verbinden, und gleichzeitig als ein kostbares Unterpfand der zwischen den beiden Nachbarreichen in so glücklicher Weise bestehenden freundschaftlichen Beziehungen ausnimmt, heißt den Deutschen Kaiser und die deutsche Kaiserin auf das Wärmste willkommen.
Auch die übrigen Blätter begrüßen in herzlicher Weise den Besuch des Deutschen Kaisers und heben hervor, daß die Kaiserin zum ersten Male nach Rußland kommt. Die „Nowoje Wremja" bringt in einer Beilage ein Bild des Deutschen Kaiserpaares und der kaiserlichen Kinder. Dieses Blatt schreibt, die Begegnung des Deutschen Kaisers mit dem Zaren werde, wie die früheren Begegnungen dieser Monarchen, in der ganzen Welt als ein neues mächtiges Unterpfand für den Frieden Europas betrachtet werden; in der Politik bilde die klare und bestimmte Stellung beider Seiten die Hauptbedingung zu einem gedeihlichen Fortschritt jeglicher Verhandlungen; nichts könnte bestimmter sein, als die Stellung Rußlands und Deutschlands zu einander. Als Gast des Zaren könne Kaiser Wilhelm natürlich auf den herzlichsten und ehrerbietigsten Empfang von Seiten des russischen Volkes rechnen.
Petersburg, 7. August. Die Fahrt der Deutschen Majestäten nach Kronstadt vollzog sich bei sehr günstigem Wetter. Punkt 12 Uhr Mittags traf unter dem Donner der Geschütze der Festung Kronstadt und der vor Anker liegenden mächtigen russischen Kriegsflotte die kaiserliche Jacht „Hohenzollern" vor Kronstadt ein, wo die kaiserlich russische Jacht „Alexandria" mit dem Kaiser und der Kaiserin von Rußland, dem Generaladmiral Alexei und dem deutschen Botschafter Fürsten von Radolin an Bord bereits zum Empfange der deutschen Gäste eingetroffen war. Hunderte von festlich geschmückten Dampfern und Jachten begrüßten unter jubelnden Hurrah- rufen und unter den Klängen der Nationalhymne die nahende „Hohenzollern", und immer von Neuem gab die Kaiseryacht „Alexandria" Signale, das deutsche Kaiserschiff zu begrüßen. Als die „Hohenzollern" Anker geworfen hatte, fuhr von der „Alexandria" ein Ruderboot mit den russischen Majestäten, dem Generaladmiral und dem deutschen Botschafter Fürsten von Radolin nach der „Hohenzollern" hinüber, auf welcher alsbald die russische
Vorliebe und nahm stets seine Partei, ob mit Recht oder Unrecht, das war ihr gleich. Ein besonderer Dorn im Auge waren für die eigensinnige und mürrische Katharina die Bewohner des Schlosses und, wenn sie am Nachmittag neben ihrem Liebling in der Laube am Bache saß, eifrig strickend, während er eine Cigarette rauchte, so lenkte sie das Gespräch sehr bald auf die „Liebow'schen" im Schlosse.
„Sehen Sie, Herr Rolf," denn Frau Katharina wußte, daß diese Anrede sich für ihm geziemte, „da ist der alte Herr Graf, der schon seit Jahren nicht das Bett verläßt, ein müder, jämmerlicher alter Mann, dem man als Bestes einen recht baldigen sanften Tod wünschen muß; es kümmert sich kein Mensch um ihn, denn seine zweile Frau Gemahlin muß reiten, fahren, schießen und sich mit jedem jungen Fant in der Umgegend amüsiren — wo bliebe da die Zeit, bei ihrem Manne am Bett sitzen und mit ihm zu plaudern. Die kleine Jlsa soll den Vater zärtlich lieben und viel bei ihm sein, aber ich glaubs nicht! S' ist ein zu widerborstiges Ding; na, wir Beiden können uns schon einmal nicht leiden."
„Aber weshalb denn nicht, Frau Katharina?"
„Hm, das achtjährige Grafentöchterchen besitzt einen so ausgeprägten Hochmuth, daß sie, glaube ich, lieber sterben, als neben einem, der nicht ihres Gleichen ist, auch nur eine Viertelstunde hergehen würde."
„Hm, das wäre! Das muß ich einmal versuchen," meinte Rolf kopfschüttelnd, „ich gehe noch heute Abend ein wenig in den Schloßpark."
Hymne ertönte. Ihre Majestäten Kaiser Wilhelm und Kaiserin Auguste Viktoria stiegen das Fallreep hinab, dem anlegenden Ruderboote mit den russischen Majestäten entgegen. Zunächst begrüßten und küßten sich beide Kaiserinnen wiederholt und herzlichst, sodann umarmten sich beide Monarchen dreimal und drückten sich immer wieder die Hand. Se. Majestät Kaiser Nikolaus überraschte den Deutschen Kaiser, der sichtlich gerührt und hochbefriedigt und erfreut über den überaus herzlichen und großartigen Empfang war, beim Betreten des „Hohenzollern", welche sogleich die russische Kaiserflagge gehißt hatte, mit der Ernennung zum Admiral der russisclen Flotte, indem er Sc. Majestät zugleich die Admiralsflagge überreichte und die russische Admiralsuniform zueignete. Hierauf stellte Se. Majestät Kaiser Wilhelm dem russischen Kaiserpaare die Herren des Gefolges vor. Nach der Vorstellung begaben sich die russischen Majestäten mit dem deutschen Kaiserpaare, Sr. königl. Hoheit dem Prinzen Heinrich von Preußen, dem Generaladmiral Alexei, dem Botschafter Fürsten von Radolin, dem Botschafter von Bülow, dem Generaladjutanten v. Hahnke, Exzellenz v. Lucanus, Kontreadmiral Frhrn. v. Senden Bibran und dem übrigen militärischen Gefolge auf die Zarenyacht „Alexandira", auf welcher neben der russischen Kaiser- flaggedie deutscheKaiserstandarte gehißt war unddiedeutsche Hymne gespielt wurde: Begleitet von mehreren anderen Jachten, an deren Bord sich die Mitglieder des kaiserlichen Gefolges befanden, dampfte nunmehr die „Alexandria" unter nicht enden wollendem Jubel der umliegenden Kriegs- und Vergnügungsdampfer, überall von den Klängen der beiden Nationalhymnen, Tücherschwenken und donnernden Hurrahrufen begrüßt, Nach Peterhof. Hier halten sich auf der Landungsbrücke die Großfürsten und Großfürstinnen, der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe, der Kriegsminister Wannowski, und die Mitglieder der deutschen Botschaft, das Gefolge der russischen Majestäten und zahlreiche russische höchste und hohe Würdenträger zur Begrüßung eingefunden. Beim Herannahen der „Alexandria" ertönte von der Landungsbrücke ein Ehren- salut und weit in die See hinaus leuchtete dem hohen Gaste in prächtiger Ausführung in goldenen Lettern die Worte entgegen: „Imperator! et Reg! Guilelmo II. Salve!“ Nach erfolgtet Landung begrüßten die deutschen Majestäten die russischen Großfürstinnen in wärmster Weise. Hierauf fand Cercle statt. Der Deutsche Kaiser trug die Uniform seines Petersburger Leib-Grenadierregiments
„So, nun da nehmen Sie sich in acht, daß Gräfin Ilse Sie nicht an die Luft setzt."
„Pah, einen königlichen Kadetten," Rolf zuckte übermüthig die Achseln, „sie wird sich schon vorsehen."
Rolf war wirklich ein hübscher junger Mann, mit krausem, dunklem Haar und blitzenden Augen, dessen schlanke Figur durch die tadellose Haltung noch eleganter und entwickelter aussah. Frau Katharinas Blick leuchtete beinah zärtlich auf, als sie ihn so beobachtete.
„So, nun werde ich mich auf den Kriegspfad be- geben," meinte der Kadett sorglos, „aber zum Abendessen, Frau Katharina, bitte ich mir schöne frische Steinpilze aus; ich habe in der Küche einen ganzen Korb voll gesehen."
„Ja, schön — wir werden sehen. Gehen Sie nicht noch mal zum Papa hinein?"
„Nein, er ist heute noch schlechterer Laune als sonst, er mag wohl wieder Podagra haben."
Major Dannert lebte wie ein Einsiedler und es gab nur ein lebendes Wesen, das er häufig im Walde traf und mit dem er freundliche Worte wechselte, Frau Katharina würde sich darüber allerdings sehr gewundert haben, aber sie ahnte davon nichts, denn der Major bewahrte diese Begegnungen als sein Geheimnis.
Seitwärts von dem Fahrweg, der nach dem gräflichen Schlosse führte, befand sich eine Moosbank, halb versteckt unter alten, überhängenden Weiden; hier ' hatte auch heute der finster aussehende Major gesessen und neben ihm ein kleines blondes Mädchen mit blauen Augen und sehr zartem, aber scharfgeschnittenein Gesicht •