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. Herssel-er Kreisblatt.
। Gratisbeilagen: „Illuftrirtes Ssnntagsblatt" «. „)llnftrirte lan-wirthschaftliche Beilage".
J für. 91 Smcrftiisi ötn 12. AugB 1897.
Amtlicher Theil.
Hersseld, den 9. August 1897.
Für den mit Tode abgegangenen Hermann Kümmel zu Friedewald ist der Ortspolizeidiener August Eichenauer ^k daselbst für den die Gebäude von Hausnummer 106 bis " 161 umfassenden Schaubezirk als Sachverständiger zur J Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen sowie W zur Schlachtviehbeschau widerruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden.
& I. I. Nr. 4229. Der Königliche Landrath.
I. V.: Heeg.
। Hersfeld, den 9. August 1897.
An Stelle des verstorbenen Georg Adam Hildebrand zu Rohrbach ist der Gustwirth Peter Hahn daselbst für diese Gemeinde als Sachverständiger zur amtlichen Unter- I suchung des Schweinefleisches auf Trichinen sowie zur I Schlachtviehbeschau widerruflich bestellt und verpflichtet । worden.
3. I. Nr. 4229. Der Königliche Landrath.
I. V.: Heeg.
Hersseld, den 10. August 1897.
Der auf den 26. d. Mts, festgesetzte F u l d a'er Vieh- und Schafmarkt ist auf den 1 9. d. Mts. verlegt worden.
I. I. Nr. 4232.
Der Königliche Landrath.
I I. V.: Heeg.
11 Nichtamtlicher Theil.
I Der Besuch des deutschen Naiser- paares in Rußland.
* Die am Montag zu Ehren Sr. Majestät des ; Deutschen Kaisers stattgehabte Parade im großen Lager von Kratznoje Sselo nahm bei äußerst günstiger Witterung einen glanzvollen Verlauf.
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K Nach der Parade bei Kraßnoje-Sselo wurden die ^Offiziere des deutschen Geschwaders Ihren Majestäten bdem Kaiser und der Kaiserin von Rußland vorgestellt. An dem Frühstück, das sodann im Kaiserzelt
Jugendliebe. lErzählung von Hella L i m p u r g.)
(Fortsetzung.)
„Weshalb nennen Sie mich ein Kind?" rief Ilse erbittert, „ich bin die Gräfin Liebow und will nicht Kind genannt sein."
„Je nun, darin müssen Sie sich finden: Sie sind erst acht Jahr —"
„Nächsten Monat werde ich neun —
»Das ist ganz gleichgültig," unterbrach sie der Kadett ernsthaft, „solche kleine Mädchen aber werden g von Fremden nur dann liebenswürdig und angenehm I gesunden, wenn sie bescheiden und freundlich sind —" „Das habe ich nicht nöthig — ich bin die Gräfin W Liebow."
„Was ich mir dafür kaufe," lachte Rolf mitleidig, « „das steht Ihnen doch nicht an der Stirn geschrieben Wund würde allen Andern sehr gleichgültig sein, denn »solche Gräfinnen laufen dutzendweise auf der Welt her- Wum — und die meisten sind noch dazu hübscher und ■ liebenswürdiger."
■ Sie waren inzwischen in den schmalen Waldweg, I der neben dem Bache dahinlief, eingebogen und das I kleine Mädchen blieb jetzt in wilder Empörung stehen; | "ut dem Fuße stampfend rief sie aus und der ganze 8 magere Körper zitterte vor Wuth: „Fort, gehen Sie # ““’ der Stelle fort, ich will nichts mehr von Ihnen | hören, denn Sie haben mich beleidigt —"
„Armes Ding", und Rolf trat ernst, fast mitleidig
stattfand, nahmen außer den beiden Kaiserpaaren die beiderseitigen Hofwürdenträger, die Großfürsten und die Großfürstinnen, sowie die kommandirenden Generale Theil. Gegen Ende der Tafel erhob sich Se. Majestät der Kaiser Nikolaus und brächte die Gesundheit Ihrer Majestäten des Deutschen Kaisers und der Deutschen Kaiserin aus. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm trank sodann auf die Gesundheit des russischen Kaiserpaares.
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Während der Fahrt vom Paradefelde nach Peterhof ging ein leichter, nicht lange anhaltender Gewitterregen nieder. Das Wetter hellte sich jedoch gegen Abend mehr und mehr auf, so daß das an das Familiendiner sich anschließende Galaballet bei prachtvollstem Wetter unter» freiem Himmel stattfinden konnte.
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P etersburg 10. August. Gegen 11 Uhr Vormittags traf Ihre Majestät die Deutsche Kaiserin auf i der Aacht „Alexandria", welche die kaiserliche Standarte gehißt hatte, mit der Großfürstin Elisaveta Mavrikiwna aus Peterhof hier ein. In der Begleitung der hohen Herrschaften befanden sich die Hofdamen der Kaiserin, Frl. Wassiltschikow und Oberst-Stallmeister GrafOrlow- Davydow. Am Landungsplätze hatten sich zur Begrüßung der Chef des Generalstabes der Marine, Vize-Ad- miral Avellan, mit den Generalen Clayhillo und Adelsson eingefunden. Die Jacht „Alexandria" hatte auf der Fahrt von Peterhof nach Petersburg der Flaggkapitain des Kaisers Nikolaus, Admiral Lomen, geführt. Vom Landungssteg begaben die hohen Herrschaften und das Gefolge sich im offenen Wagen in das Winterpalais, wo Ihre Majestät die Kaiserin die Eremitage und das Brillanten-Zimmer besichtigte. Nach dem Frühstück, welches im Winterpalais eingenommen wird, beabsichtigt Ihre Majestät noch einige Sehenswürdigkeiten in Augenschein zu nehmen und dann eine Spazierfahrt längs den bei Petersburg gelegenen Inseln zu machen. — Als die Nacht „Alexandria" das Schulschiff „Charlotte" passirte, nahmen die Kadetten auf Deck und in den Raaen Aufstellung und begrüßten Ihre Majestät mit Hochrufen, während die Musikkapelle die Nationalhymne spielte.
Den deutschen Marinesoldaten wurde von der Stadt Petersburg am Sonntag und Montag ei» festlicher Empfang in den öffentlichen Gärten der Stadt bereitet. Im Zoologischen Garten waren lange Tafeln gedeckt, wo Speisen verabfolgt und Bier ausgeschenkt wurde.
einen Schritt auf seine kleine Feindin zu, „Dir ist's bis jetzt schlecht gegangen, denn Dir hat noch Niemand die Wahrheit gesagt, sondern Dich nur wegen Deines Reichthums verwöhnt. Aber denke an mich und an das vierte Gebot, wenn Du Deine Eltern mehr lieben wirst, so kann Dir auch unser Herrgott eines Tages noch gut sein."
Er wollte ihr gutmüthig die Hand reichen, aber sie wich mit einem bösen Blick jäh aus — versah den Weg und rutschte im nächsten Moment den Abhang hinunter in den Bach. Es war nur einen Moment, da sprang auch schon Rolf seiner kleinen Feindin nach und zog sie wieder ans Ufer; das Wasser war ganz flach und unbedeutend, aber Ilse hatte sich an den scharfen Grundkieseln die Schläfen aufgeritzt, sodaß ein feines Blutstreifchen wie eine Schlange über Gesicht und Hals sich nieder schlängelte. Aber sie schrie nicht, sie gab keinen Ton von sich, sondern richtete sich nur schroff empor, wies Rolf von sich und kehrte den Fußweg zum Schlosse zurück. Aber sogleich war der warmherzige Kadett an ihrer Seite: „Kann ich nicht mitkommen und warten bis Sie wohlbehalten im Schloß ankommen?" frug er herzlich, aber die kleine Gräfin sagte nur eiskalt : „Ich danke, ich kann meinen Weg allein finden."
„Aber — sind Sie mir auch nicht mehr böse?"
„Nein, wir werden uns voraussichtlich nicht mehr sehen."
„Geben Sie mir nur noch zum Abschied die Hand," bat Rolf gutmüthig, aber schon hatte ihm das Kom- teßchen von neuem den Rücken gewandt und eilte davon.
Die Soldaten, welche in Trupps von 50 Mann pro Schiff beurlaubt waren, fanden in der ganzen Stadt die wärmste Aufnahme. In allen Gärten wurde unter begeisterten Kundgebungen der Menge die deutsche Nationalhymne gespielt. Deutsche und russische Matrosen zogen Arm in Arm durch die Straßen. Im Zoologischeu Garten begrüßte das Stadthaupt Ratkow Roshnow die Matrosen mit warmen Worten in deutscher Sprache. Die Matrosen dankten durch ein dreimaliges Hurrah. — Gestern gab die russische Marine zu Ehren der deutschen Offiziere ein Banket auf dem Kreuzer „Rossija", welches sehr kameradschaftlich verlief.
Politische Nachrichten.
Berlin, 10. August.
Inland.
Wie aus Tegernsee gemeldet wird, reisen die kaiserlichen Kinder heute Nachmittag von dort ab. Se. kaiserl. und königl. Hoheit der Kronprinz kehrt mit seinen älteren Brüdern über München und Berlin nach Plön zurück, während sich die beiden jüngsten Kinder des Kaiserpaares nach Wilhelmshöhe bei Cassel begeben.
Im „Reichsanz-ioer" wird amtlich bekannt gegeben, daß der Kaiser den Botschafter in Rom, v. B ü l o w , mit der Vertretung der Wahrnehmung der Geschäfte des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes und gleichzeitig während dieser Zeit auch mit der Stellvertretung des Reichskanzlers im Bereiche des Auswärtigen Amtes betraut hat.
Der Minister des Innern hat dem Vorstände des deutschen Kriegerbundes auf eine Anfrage erwidert, daß in Ermangelung besonderer Bestimmungen die Befugniß zum Tragen der d e u t s ch e n K o k a r d e als mit dem Recht zum Tragen der Landeskokarde verbunden anzu- sehen ist. Für die Mitglieder nichtuniformierter Kriegervereine bestehen keine abweichenden Vorschriften.
Nach Berliner Blättern wird eine öffentliche Kreis- notiernngsstelle sämmtlicher Landwirthschaftskam- mern der preußischen Monarchie nunmehr mit der Landwirthschaftskammer für die Provinz Brandenburg unter dem Vorsitz des Herrn von Arnim-Güterderg verbunden. Die Büreaux befinden sich in Berlin, wohin alle Preisnotierungen der preußischen Landwirthschaftskammern berichtet und dann verbreitet werden.
„Kleine Kratzbürste," murmelte der Kadett ingrimmig vor sich hin, „na, aber ich bereue nicht ein Wort, was ich ihr gesagt habe; solch ein unangenehmer kleiner Hoch- muthsteusel ist doch zu widerwärtig."
Und dennoch mußte er den ganzen Abend noch an das magere, blonde Komteßchen denken, die er aus dem Bach gezogen und die ihn doch so bitterlich haßte.
Auch die schönste Zeit verrinnt und die Tage, von denen man sagt, sie gefallen einem nicht, treten wieder in ihr Recht. Rolfs große Sommerferien gingen zu Ende, er sollte schon morgen abreisen. Aber es hatte sich in letzter Zeit doch so manches verändert, besonders sein Vater war Recht elend und besorgnißerregend. Er ging jeden Tag, bei gutem oder schlechtem Wetter aus, sein Geschichtswerk unterm Arm und Niemand wußte eigentlich recht, was er vor hatte. Daß er einem kleinen, kaum neunjährigen Mädchen dies mühevolle Resultat seiner Wissenschaft vorlas und erläuterte, ahnte eben kein Mensch, doch der alte Herr fühlte sich am wohlsten in dem kleinen, häßlichen Gartenhäuschen, wenn die großen blauen Augen seines Gegenübers mit einem über die Jahre hinausgehenden Verständnis an ihm hingen und das Komteßchen athemlos dem Vortrag ihres alten Freundes lauschte.
Auch heute saßen sie bei Hellem, warmen Sonnenschein zusammen und der Major versuchte mit zitternder Stimme über den großen Kurfürst zu sprechen, doch es wollte nicht recht gehen. Er verlor fortwährend den Athem und vor seinen Augen tanzten schwarze Flämmchen. Jlsa war sehr beunruhigt und drang fortwährend in