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Gratisbeilagen:Illuftrirtes Sonntag-blatt" «.)ll«ftrirte lanvwirthschaftliche Beilage".

(i Sr. 95. Sonttabenö öen 11 August 1M.

Amtlicher Theil.

In Gemäßheit der Vorschrift im §§. 44 des Kom- | munal-Abgaben-Gesetzes vom 14. Juli 1893 (Ges. Samml. f S. 152) ist der bei der Veranlagung der Gemeinde- Einkommensteuer von fiskalischen Domänen- und Forst- ' f grundstücken für das laufende Steuerjahr der Gemeinden ' zum Grunde zu legende, aus diesen Grundstücken erzielte, ? etatsmäßige Ueberschuß der Einnahmen über die Aus- A-gaben, unter Berücksichtigung der auf denselben ruhenden Verbindlichkeiten und Verwaltungskosten nach den Etats pro 1. April 1897/98, durch Bekanntmachung des Herrn ; Ministers für Landwirthschaft, Domänen und Forsten vom 5. Juli c. in der Provinz Hessen-Nassau auf 89,8 t Prozent des Grundsteuer-Reinertrags festgestellt worden. PC. I D. 4134.)

Saffel am 27. Juli 1897.

Königliche Regierung, L Abtheilung für direkte Steuern, Domainen und Forsten.

* * . *

Hersfeld, den 12. August 1897.

Die Herren Bürgermeister derjenigen Gemeinden, innerhalb deren Gemarkungen fiskalische Domainen und Forstgrundstücke liegen, haben bei Ausstellung der Liqui- ' Kationen über die vom Fiskus zu fordernden Umlagen Wfür das Jahr 1897/98 das in vorstehender Bekanntmach- ^ung sestgestellte Einkommen aus diesen Grundstücken bei - der Berechnung der Umlagenbeträge (neben der Grund- Mund Gebäudesteuer) mit in Ansatz zu bringen. g|A. 2362. Der Königliche Landrach

I. V.: H e e g.

t Nichtamtlicher Theil.

Der Besuch des deutschen Kaiser- paares in Butzland.

Bei herrlichstem Wetter versammelten sich in Peter- 1 bof am Mittwoch Vormittag gegen 11 Uhr die Groß- Hsurften und Großfürstinnen, Generale, Würdenträger »und die Mitglieder der Deutschen Botschaft am Lan- W dungsstege, von einer zahllosen Menschenmenge umdrängt, um die Anfahrt der russischen und der deutschen Majestäten Wzu erwarten. Auf der Landung-brücke hatte eine Kom- pagnie des Petersburger Leib - Garderegiments Sr. E Majestät des Kaisers Wilhelm mit der Regimentskapelle

1 Spalier gebildet. Brausende Hurrahrufe ertönten, als; zuerst die beiden Monarchen, der Z a r in deutscher, H Kaiser Wilhelm in russischer Marineuniform ein- trafen. Die Majestäten schritten die Front ab, während die Musik die deutsche Hymne intonirte und die An­wesenden salutirten. Kaiser Wilhelm begrüßte sodann die Großfürsten und die Großfürstinnen und die übrigen Würdenträger äußerst herzlich und lachte und scherzte wiederholt. Se. Majestät sprach mit den Großfürsten Michael und Rikolajewitsch, Nikolai Rikolajewitsch und Wladimir längere Zeit und zog den Minister des Aeußeren Grafen 5 Murawjew und den Botschafter von Bülow! mehrfach in längere Gespräche. Der Zar unterhielt sich nach der Begrüßung längere Zeit mit dem Botschafter o. Bülow. Als nunmehr die beiden Kaiserinnen eintrafen, küßten die Großfürsten ihnen die Hand, wäh­rend die beiden Kaiserinnen die Großfürstinnen umarmten. Der Abschied war allseitig herzlich und warm. Der Botschafter Fürst von R a d a l i n und die Fürstin von Äaholtn wurden wiederholt durch längere Ansprachen beider H.r ervaare ausgezeichnet. Als das Abfahrt-» bgnal gegeben wurde, drückte .Kaiser D i l h e l m vor oMv Betretew derA jmnr t dem Grafen Murawiew Mit leit DtzM« W a m R * » a ü t« MtchMü-t Sät H«Mt»

während die Kaiserin sich von der Fürstin von Radolin mit Händedruck verabschiedete und Kaiser Nikolaus dem Botschafter von Bülow die Hand reichte. Unter dem Donner der Kanonen, den Klängen der deutschen Hymne und Hurrahrufen der Anwesenden betraten sodann beide Herrscherpaare die Kaiseryacht Alexandria", welche die deutsche Kaiserflagge gehißt hatte. Die auf dem Landungsstege Anwesenden salu­tirten, die Damen winkten mit den Tüchern, was die Deutsche Kaiserin freundlich lächelnd erwiderte. Kaiser Wilhelm grüßte die ganze Zeit hindurch mili- tairisch. Dann setzte sich dieAlexandria" in Bewegung unter allseitigen herzlichen Wünschen für eine glückliche Reise und dampfte nach Kronstadt, wo zunächst das PanzerschiffRossija" besichtigt werden soll. Der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe hatte sich bereits früher von den Majestäten verabschiedet und war Mit­tags mit der Eisenbahn von Petersburg abgereist.

Nach den aus Kronstadt vorliegenden Meldungen war auch der gestrige Tag vom Wetter begünstigt. Zwar folgten dem schwülen Vormittage gegen 3 Uhr einige kurze Regengüsse, aber alsbald hellte sich das Wetter wie­der auf, so daß die Abreise Ihrer Majestäten von schö­nem Wetter bei theilweise bedecktem Himmel begünstigt war. Gegen 1 Uhr Nachmiüags sah man von den von Petersburg her kommenden Privatdampfern aus beide Kaiserstandarten aus dem am Entferntesten auf der Außen- rhede liegendenKönig Wilhelm" gehißt, wo beide Kaiserpaare bei Sr. königl. Hoheit dem Prinzen Heinrich das Frühstück einnahmen. Die Kronstädter Kais waren von Menschen dicht besetzt, welche nochmals das zur Abfahrt bereit liegende deutsche Geschwader se­hen wollten. Auf den auf der Außenchede liegenden Dampfern konnte man die Tafelmusik an Bord des König Wilhelm" deutlich vernehmen. Bald nach 4 Uhr verriethen die Manöver der Mannschaften der Panzer­schiffe, daß der Augenblick der Verabschiedung gekommen sei. Inzwischen hatte sich das Wetter ganz aufgehellt und nur ein vom Peterhofer Ufer aufsteigender Regen­bogen erinnerte noch an die vorübergegangene Trübung. Die See wurde von einer leichten Brise bewegt. Mit den Schiffen des deutschen und des russischen Geschwa­ders, den Torpedobooten und den zahlreichen Dampfern und Segelschiffen gewährte die Rhede ein prachtvolles Bild, dessen Mittelpunkt das deutsche Admiralschiff war.

Um 43/4 Uhr gabKönig Wilhelm" das Abfahrt­signal. Sämmtliche deutschen Schiffe donnerten ihren Abschiedsgruß, den die Kronstädter Forts erwiderten. Nunmehr zogen langsam die deutschen Schiffe heran, deren Mannschaften an Deck paradirten und vor demKönig Wilhelm" im Vorbeifahren durch Hurrahrufen grüßten, zuletzt dieHohenzollern". Die Kaiserpaare verabschie­deten sich von dem Prinzen Heinrich und fuhren dann hinüber zurHohenzollern". Hier verweilte das Zaren­paar etwa noch zehn Minuten, verabschiedete sich dann auf das Herzlichste, und fuhr, vom deutschen Kaiserpaar bis zum unteren Treppenabsatz des Fallreeps geleitet, nach der JachtAlexandria". DerKönig Wilhelm" feuerte den Abschiedssalut ab. Auf derHohenzollern" stand das Kaiserpaar, fortwährend nach derAlexandria" hinüberwinkend, was das Zarenpaar erwiderte. Bald nach 6 Uhr folgte derHohenzollern" das übrige Ge­schwader, dessen Weg eine mächtige Rauchsäule bezeich­nete. So schloffen diese Peterhofer Kaisertage mit einem eindrucksvollen Bild ab, wie sie glänzend auf dem glei­chen Schauplatz vor fünf Tagen begonnen hatten. Un­verkennbar hat das deutsche Geschwader und die Haltung seiner Offiziere und nicht weniger seiner Mannschaften auch in weiten Volkskreisen einen tiefen und günstigen Eindruck gemacht, welcher sich in der warmen, ungekün­stelten und herzlichen Aufnahme offenbarte, die überall den deutschen Gästen zu Theil geworden ist.

an6agitation.

Die Mra aemaLracifche Partei nistet Sersirt erfrag nk dre nächsten ReitchStagSmahien. ,-u Buefent ,^ wecke find

neuerdings zwei .Flugblätter erschienen, die die Land­bevölkerung für die Ziele der Umsturzpartei gewinnen sollen. Die Flugblätter sind so allgemein gehalten, daß sie überall verbreitet werden können. Es dürfte daher nicht unzweckmäßig sein, sie ein wenig näher anzusehen.

Das FlugblattDas Landvolk und der Sozialismus" äußert sich in hochtönenden Worten über die Sorgen des kleinen Mannes auf dem Lande, wobei der Verfasser, nach erprobter Manier, gegen dieHerren", dieJunker" u. f. w. loszieht. Zum Schlüsse kommt dann der be­kannte Hinweis auf die Rettung:Durchglüht von dem hohen Ideal einer großen, wohlgeordneten und plan­mäßigen Volkswirthschaft, bekämpft der Sozialismus mit ganzer Thatkraft die heutige Schuldknechtschaft der Bauern, die entsetzliche Zerstückelung des Grundbesitzes, die grauen­vollen Verheerungen unsers ungeregelten Konkurrenz- Systems. Das Gemeinde-Eigenthum, einmal so geläufig unsern Altvordern, wird wieder seinen Siegeszug über den Erdkreis antreten. Wie in alten Zeiten der Bauer mit freien und gleichberechtigten Dorf-Angehörigen treu­lich die Wiesen, Wälder und Felder bestellte, so wird der freie Genosse der Zukunft mit seinen Mitgenossen ge­meinsam den Boden bebauen. Ein trefflich vervollkommnetes Ackergeräth wird dem künftigen Landmann seine Mühe, seine Arbeit sehr erleichtern, und goldene Saaten, blühende Gärten verkünden dann laut seinen blühenden Wohlstand."

Schon diese Sätze genügen zur Kenntzeichnung der neuen Agitation, die dem ehrlich und schwer arbeitenden Landmann weiter nichts als Redensarten und Luftschlösser zu bieten hat. Aber es kommt noch besser. Die Phantasie des Verfassers segelt unaufhaltsam weiter, jede Vernunft hinter sich lassend. Sie läßt den Landmann der Zukunft in den Zeiten, wo die Feldarbeit ruht," durch Reisen und Studien seinen Gesichtskreis erweitern und sich alle Genüsse der Wissenschaft und Kunst erschließen; aus dem Erdenrund waltet dann in dem Reiche desallgemeinen Wohlstandes" auchdie freie Liebe".

Eine Agitationsschrift, die ausschließlich sich gegen die konservative Landbevölkerung richtet, ist das andere Flug­blatt, dasDie wahren Freunde und Feinde des Bauern" betitelt ist. Es wird den Bauern u. a. eindringlich vorgeredet, daß sie der himmelschreienden Gewaltthätigkeiten derJunker" und derherzkalten Gleichgültigkeit der Regierungen" gedenken sollen. Die erfreuliche Einigkeit derKleinen und Großen" in der Landwirthschaft steht der sozialistischen Agitation am meisten im Wege,Der Bauer", sagen die Sozialdemokraten in ihrem Flugblatte kurz und bündig,hat vor allem endlich die Bundesbrüderschaft zu zerreißen, die ihn an die konservative Junkerpartei knüpfte!" Buch in dieser zweiten Flugschrift deckt die Sozialdemokratie ihre Karten auf: In der kommenden Gesellschaft wird alles wohl ge­regelt werden. Da wird zuerst die Nachfrage nach Ge­treide festgestellt, bevor der Bauer den Pflug führt und die Sichel schwingt. Und kein Schweißtropfen fließt ver­gebens, weil jedes Korn und jeder Halm einen Ab­nehmer findet!"

Der alte Kunstgriff der Sozialdemokraten, welcher darin besteht, daß eine Schicht der Bevölkerung mit allen Mitteln, gegen die andere aufgewiegelt wird, tritt hier wieder hervor. Das Bemerkenswertheste jedoch ist, daß in beiden Agitationsschriften, die sich an das gesamte Landvolk wenden, keinWort von den länd­lichen Arbeitern, von der Gesindeordnung, für deren sofortige Aufhebung dieGenossen" in den Städten sich begeistern, enthalten ist. Man will eben diedick­köpfigen Bauern" nicht vor den Kopf stoßen und behält deshalb den Theil des Programms, der nicht für ihre Ohren geeignet erscheint, in der Tasche. Ob im übrigen der in den Flugblättern versuchte Gimpelfang bei den Landbewohnern Glauben findet, mochten wir bezweifeln. Durch leere Versprechungen wird heutzutage selten jemand auf die Dauer gewonnen.