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KervstlSer Kreisbktt.
Gratisbettasen: „Illuftvirter Sonntagsblatt" «. „Illuftrirte landwirthschaftliche Vettag^ .
L 96.
AeOg Den 17. AM
1697.
Amtlicher Theil.
Die Abhaltung des Vieh- und Schafmarktes am 19. August b. J. ist unter nachstehenden Bedingungen genehmigt worden.
Außer den in der landespolizeilichen Anordnung vom 21. Juni cr. — vergl. Nr. 74 des Kreisblatts — getroffenen Bestimmungen sind zur Durchführung der ve- terinärpolizeilichen Aufsicht des Marktes folgende weitere Bestimmungen getroffen worden, deren Nichtbeachtung mit einer Strafe von nicht unter 10 Mk. event, entsprechender Haft geahndet wird.
1. Vieh aus verseuchten Nachbargebieten, und zwar 1. Preußen: Regierungsbezirke Magdeburg, Merseburg, Erfurt, Hannover, Hildesheim, Münster, Minden, Arns- berg, Wiesbaden; 2 Bayern: Sämmtliche Regierungsbezirke; 3. Württemberg: Sämmtliche Kreise; 4. Baden: Landeskommissariate Karlsruhe, Konstanz, Freiburg, Mannheim; 5. Hessen: Provinzen Starkenburg, Oberhessen, Rheinheflen; 6. Sachsen-Weimar; 7. Braunschweig; 8. Sachsen-Merningen, Sachsen-Altenburg, Sachsen Koburg- Gotha; 9. Anhalt; 10. Schwarzburg-Sondershausen; 11. Waldeck; 12. Reuß j. L.; 13. Fürstenthümer Lippe; 14. Elsaß-Lothringen, welches mit der Eisenbahn in den hiesigen Kreis eingeführt ist, darf nur dann auf den Markt aufgetrieben werden, wenn der Besitzer nachweist, daß es der seither schon angeordneten Quarantaine von 5 Tagen unterworfen ist.
2. Am Tage vor dem Markte werden die Gastställe, Höfe der Gastwirthschaften u. s. w thierärztlich beaufsichtigt werden.
3. Mit dem Auftrieb des Viehes auf den Marktplatz darf erst 5*/4 Uhr früh begonnen werden. Das Vieh darf nur durch die Schloßstraße zugetrieben werde '.
4. Durch den Eingang sind die Thiere einzeln zu führen. Das Ausbringen von Vieh auf den Markt ist nur dem gestattet, wenn dem die Aufsicht führenden Königl. Kreisthierarzt eine von der zuständigen Ortspolizeibehörde ausgestellte Bescheinigung vorgelegt wird, daß in der Ursprungsgemeinde seit 4 Wochen nicht die Maul- und Klauenseuche — bei Schafen weder die Maul- und Klauenseuche noch die Räudekrankheit — herrscht und daß die Ursprungsgemeinde in den letzten 4 Wochen nicht zu einem Beobachtungsgebiet im Sinne des § 59a der Bundesrathsinstruktion gehört.
Nachdruck verboten. Jugendliebe.
lErzLhlung von Hella Limpurg.) (Fortsetzung.)
Baron Geyern biß sich auf die Lippen, aber er sagte nichts, sondern lenkte den Schlitten seiner Dame nach dem Erfrischungszelt, wo eine zahlreiche Gesellschaft plaudernd und lachend beisammen stand. Eine junge, blonde Dame in knappem, elegantem Tuchkostüm löste sich aus der Gruppe und glitt den Beiden entgegen.
„Nun, Mama, darf ich Dir ein Glas heißen Punsch holen? Er schmeckt hier im Freien ganz vorzüglich. Baron Geyern, auch Sie scheinen mir nicht abgeneigt zu solcher Gemüthsstärkung. Gehen Sie nur, ich werde Mama indeß weiterfahren."
„Nein, nein, liebe Jlsa," wehrte Gräfin Liebow lachend ab, „ich werde absteigen und mir selbst den Punsch holen; man friert doch stark beim längeren Schlitten- sahren."
Jlsa schien aus diese letzten Worte eine sarkastische Bemerkung auf den Lippen zu haben, unterdrückte dieselbe jedoch und wandt« sich an andre Bekannte.
Oben am Ufer waren zwei Herren in Uniform erschienen und beobachteten lustig die elegante Eisgesellschaft dort unten.
„Haben Hoheit Lust, sich mit unter diese Männlein und Fräulein zu mischen?"
„O bewahre, bester Dannert — ich bin zu schüchtern dazu," lachte der Prinz, „heute Abend müssen wir doch
Diese Bescheinigung hat eine fünftägige Gültigkeit, den Ausstellungstag eingerechnet.
' 5. Die Musterung von Vieh rc. im Zugang oder dicht davor ist verboten.
6. Am Markttage ist der Viehhandel in Gehöften, Gastställen rc. innerhalb der Stadt Fulda verboten.
Fulda, den 12. August 1897.
Der Königliche Landrath
I. V. Köhler.
Nichtamtlicher Theil.
Frliiikreilj md Iniltiii.
Für die Wünsche Großbritanniens bezeichnend sind die englischen Preßstimmen zur Reise unsers Kaiserpaares nach Rußland. In fast allen größern Blättern wird die Meinung vertreten, nach dem glänzenden Verlauf des deutschen Kaiserbesuches bleibe für den Präsidenten Faure nichts mehr übrig; die Franzosen möchten, da die deutschrussische Freundschaft besiegelt sei, an Englands Seite kommen. Dieser Gedanke ist bereits früher in englischen Blättern erörtert worden und hat in London zur Bildung eines Komitees geführt, um eine Annäherung Frankreichs an England herbeizuführen. So verständlich die Versuche Englands sind, aus seiner glänzenden Isoliertheit heraus- zukommen, so unverständlich ist es, daß das Liebeswerben Englands diesseits des Kanals Anklang gefunden hat; nicht nur hat in Paris ein ähnliches Komitee sich dieselbe Aufgabe gestellt, sondern — und das ist das erstaunlichste — der französische Botschafter in London, v. Courcel. hat vor einiger Zeit öffentlich erklärt, England und Frankreich würden nur durch Mißverständnisse gehindert, überall Hand in Hand zu gehen.
Gegen diese Auffaffung des französischen Staatsmannes läßt sich nichts einwenden. Man müßte in der That blind sein, um Mißverständnisse nicht zu sehen, die schon so' lange dauern. Es war ein Mißverständniß, als die Engländer in einem hundertjährigen Raubzuge Frankreich verwüsteten; es war ein Mißverständniß, als sie es aus Ostindien verdrängten; es war ein Mißverständniß, als sie ihm Canada abnahmen, und daß sie sich jetzt in Egypten häuslich niederlassen, ist natürlich erst recht ein Mißver- ständniß. Jene Ereignisse sind längst vergessen, sie haben jedoch in der Volksseele einen Niederschlag von Unmuth
untertauchen in die sogenannte Gesellschaft, lasten Sie uns indeß noch die Freiheit genießen."
Hauptmann Dannert lachte: „Freiheit, ja, die ge- nossen wir auf unsrem schönen, blauen Meere. Nun ists aus damit! Wer weiß, Hoheit, wie bald man Ihnen nicht Hymens goldne Festeln anlegen wird."
„Brr, Mensch," schüttelte sich der hübsche Thronfolger, „sind Sie krank oder fantasiren Sie ohne Hitze? Wer wird mir armen Jungen denn gleich den Teufel an die Wand malen?"
„Ja, unsereins hats bester!"
„Oho, alter Knabe! Ich wette, daß nicht vier Wochen ins Land gehen, ehe nicht alle Damen der Residenz in Ihr interessant gebräuntes Gesicht verguckt sind."
„Mein bester Schutz ist mein Ueberfluß an Geldmangel."
Der Prinz lachte laut auf und erregte dadurch die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf dem Eise. Sofort grüßte man artig und ehrfurchtsvoll herauf, was jedoch den jovialen Thronfolger arg verstimmte.
„Zum Teufel, was soll denn diese ganz unverlangte Ovation ! Darf man sich denn nicht in der freien Gottes- natur sehen lassen, ohne wie ein wildes Thier angestarrt zu werden?" .
«Hm, die lieben Unterthanen freuen sich, ihrem künftigen Landesherrn wieder huldigen zu dürfen."
„Sehen Sie doch mal rasch die Dame dort unten," unterbrach Prinz Konrad seinen Freund, „die im leder- farbnen Tuchkleid und blauen Schleier. Sie läuft süperb,
als unbestimmte und vielleicht auch unbewußte historische Empfindung zurückgelaffen, die in unsern Tagen bereits stark abgeschwächt, aber noch lange nicht überwunden ist.
Diese historische Empfindung war besonders während der großen Revolution lebendig. Das ist merkwürdig und bezeichnend zugleich. Die Revolutionsmänner traten mit großen Völkerumarmungs-Bedürfnissen auf und träumten sich bereits ein Weltbürgerthum aller vom Tyrannenjoch erlösten Nationen zurecht. Wo wir die Berichte über die Sitzungen des Nationalkonvents aufschlagen, lodert der Haß gegen Albion hervor, und das Wort Mirabeaus aus dem Jahre 1790: „Die Feindseligkeit Englands wird ewig fein !" kehrt hundertfach wieder.
In dieser Thatsache drückt sich das Gefühl aus, daß England der unversöhnliche Neider, der Erbfeind Frankreichs sei. Der zweiundzwanzigjährige, durch den Frieden von Amiens nur für kurze Zeit unterbrochene und erst bei Waterloo beendete Kriegszustand konnte dieses Gefühl nur noch bestärken. Anderthalb Jahrzehnte nach dem Tage von Waterloo ging die Regierung Louis Philipps darüber zur Tagesordnung über, als sie sich von Palmerston ins Schlepptau nehmen ließ, um jene famose Politik der Westmächte einzuleiten, in der Frankreich auf dem hohen Rosse zu sitzen glaubte, während es thatsächlich zu Fuß hinterdrein lief und den Engländern unentgeltlich Handlangerdienste leisten mußte. Das Ende vom Liede war Sedan!
Die Franzosen thäten daher im eigenen Interesse besser, den englischen Sirenenklängen das Ohr zu verschließen. Was englische Versprechungen und Liebes- worte werth sind, hat gerade die Aera der westmächtlichen Freundschaft gezeigt, die Frankreich so theuer zu stehen kam, daß es vielleicht bei der offenkundigen Feindschaft der frühern Zeit noch bester auf seine Rechnung kam. Sollten die Franzosen aber, den Lehren der Geschichte zum Trotz, den englischen Lockrufen doch Gehör schenken, so wäre das für uns kein Grund zur Beunruhigung. Wir werden unsere zielbewußte Friedenspolitik an der Seite Oesterreichs und Rußlands unbeirrt fortsetzen. Die Thatsachen werden schon das ihrige thun, um Frankreich zu überzeugen, daß ein französisch-englisches Einvernehmen einem Vertrage zwischen einem Löwen und einem Esel gleicht, bei dem Frankreich nicht die Rolle des Löwen spielt.
so graziös und elegant, wie ich noch nie bei einer Dame gesehen habe."
„Es scheint Gräfin Liebow zu sein —"
„Ah, die reiche Erbin! Na, Freundchen, da nehmen Sie sich doch aber gefälligst recht in acht. Neben dieser sehr angenehmen Eigenschaft ist sie geradezu bewund- rungswürdig hübsch."
„Ohne Sorge, Hoheit, die Gräfin hat mir bereits vor zehn Jahren haarscharf die Grenze gewiesen, die zwischen ihr und mir liegt; sie ist über allen Begriff stolz."
„Ah bah, was ei» Kind ausspricht, kann man nicht zu schroff beurtheilen und Sie, mein bester Dannert, scheinen mir auch eine stark unversöhnliche Ader zu besitzen."
„Mag sein, Hoheit; ein Mann verträgt eben nicht, wenn ihm rücksichtslos entgegengeschleudert wird; „Ich stehe hoch, sehr hoch über Dir."
„Hm, darüber ließe sich streiten. Jedenfalls gehen Sie heute Abend zu dem reizenden Komteßchen und stellen sich als Jugendbekannten vor; da müßte es doch mit dem Teufel zugehen, wenn das hübsche Ding Ihnen nicht gnädig wird." —
„Weißt Du auch schon, Jlsa," meinte Gräfin Liebow beim Nachmittagskaffee zu ihrer Stistochter, „daß Haupt- mann Dannert, der mit dem Prinzen Konrad zurückkam, der Sohn des alten wunderlichen Majors ist; vor zehn Jahren war er als Kadett im vermunschnen Schlößchen."
Jlsa erröthete ein wenig. „Ja, das weiß ich von