Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Die Jusertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg-, im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Abonnenlentspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postaufschlag.

Gratisbeilagen:5Huftrirtes Sonntagsblatt" n.3Uufirirte Landwirthschaftliche Beilage".

fc 97.

ZmcrW den 19. AiigH

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 16. August 1897.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügung vom 2. d. Mts. I. A. Nr. 2230, Kreisblatt Nr. 90, die Aufstellung der Gemeinde- rechnung betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis 25. d. Mts. hieran erinnert.

Der Königliche Landrath

I. V.: H e e g.

Hersseld, den 16. August 1897.

Am 15. b. Mts. war die 2. Rate der für 1897/98 zu zahlenden Kreissteuern fällig.

Da mit Entrichtung dieser Zahlung noch mehrere Gemeinden rc. im Rückstände sind, so werden die betr. Herren Bürgermeister derselben hierdurch veranlaßt, da­für zu sorgen, daß solches bis spätestens zum 24. d. Mts. geschieht.

Der Königliche Landrath

I. V.: H e e g.

Uichlamtlicher Theil.

Felix .saure,

der Präsident der französischen Republik, hat an diesem Mittwoch von Dünkirchen aus seine Reise nach Rußland angetreten, um den Besuch zu erwidern, den ihm im vorigen Jahre Zar Nikolaus II. in Begleitung seiner Ge­mahlin gemacht hat. Am Montag Morgen 10 Uhr wird er in Kronstadt eintreffen und vier Tage Gast des Zaren sein.

Wenn man die Vorgeschichte der Petersburger Reise FaureS kurz ins Gedächtniß zurückruft, so kann man ein stilles Lächeln nicht unterdrücken. Es ist ja begreiflich, daß ein Volk, das so viel auf die schöne Außenseite, auf die Repräsentation und Pose giebt, sich ernsthaft den Kopf darüber zerbricht, wie die natürliche Schlichtheit der bürgerlichen Demokratie dem Glänze höfischen Prunkes und höfischer Uniformen gegenüber sich am besten in Scene setzt. Das ist ja nun im vorigen Jahre in Paris gelungen, in Petersburg aber wird der wirkungsvolle Hintergrund für den Präsidenten Frankreichs fehlen

Nachdruck verboten.

Jugendliebe.

t Erzählung von Hella L i m p u r g.) (Fortsetzung.)

Hätten Sie mich wiedererkannt, gnädige Gräfin?"

Nein," meinte sie freimüthig,der Schnurrbart verändert doch sehr und es sind ja zehn ganze Jahre, daß wir uns zuletzt sahen."

Als mein Vater starb, den Sie, Gräfin Jlsa, noch in den letzten Stunden so liebevoll pflegten," sagte Dannert etwas leiser,ich werde das nie vergessen."

Sie ward dunkelroth und wandle sich dem Prinzen zu.Hoheit sehen sehr wohl und heiter aus", bemerkte sie verbindlich.

»Ja, sie haben mich ja auch nicht aufgefressen oder tätowirt oder den Bauch aufgeschlitzt. Denken Sie nur, Gräfin, daß wir am Kilimandscharo gesehen haben, wie sich ein vornehmer Inder den Bauch ausschlitzte!"

Gräfin Liebow blickte ganz entsetzt auf den Sprecher, aber Hauptmann Dannert drehte sich höchst unceremoniell um und Jlsa sah wie er kirschroth im Gesicht wurde bei dem Bestreben, das Lachen zu verheißen.

Heh, Dannert, was fehlt Ihnen denn?" frug Prinz Konrad, harmlos wie ein Kind dreinschauend, da fiel ihm die Komteß mit einiger Schärfe ins Wort:

Der Hauptmann ist verwundert über die geographische Equilibristik, die Hoheit treiben; bei der vorherigen in­teressanten Schilderung reichten sich drei Länder resp. Völker friedlich die Hände"

und könnte es da dem einfach befrackten Faure nicht auch so gehen, wie in Paris, wo ein marokkanischerDiplomat" den glänzend gekleideten Vorreiter für den mächtigsten Mann Frankreichs gehalten hat?

Und dann die andere wichtige Frage welchen Weg wird das Staatsoberhaupt einschlagen, um nicht durch irgend welche deutscheZudringlichkeit" belästigt zu werden? Was ist nicht alles darüber geschrieben worden in Frankreich! Geistreiche Franzosen haben schließlich selbst die Geißel des Spottes darüber geschwungen, und derFigaro" hat sogar vorgeschlagen, daß sich Faure des Nordpolballons von Dr. Andröe bedienen solle, um nur ja dem deutschen Kaiser auszuweichen! Die Uner- müdlichkeit, mit der diese Angelegenheit in Frankreich besprochen wurde, leitet zu den politischen Fragen über, die mit der Reise Faures verknüpft sind.

Hier hat unser Kaiser den Franzosen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der glänzende Empfang des deutschen Kaiserpaares in Petersburg, die zwischen beiden Kaisern gewechselten Versicherungen der Freund­schaft und der Friedenspolitik konnten an der Seine ihren Eindruck nicht verfehlen. Ein so freundschaftliches Ver­hältniß zwischen Deutschland und Rußland schließt noth­wendig ein Bündniß Frankreichs mit Rußland zu gemein­samem Vorgehennamentli>chwcge,. Elsaß-Lothringen, aus. Das muß sich jever Franzose sagen. Was bleibt da noch von der vielbesprochenen russischen Freundschaft, fragen die unabhängigen Blätter. Mit sauersüßer Miene hat man in Paris auch wahrgenommen, daß in Rußland Anstalten getroffen sind, um die Begeisterung für Herrn Faure einzudämmen. Das große Fest, das die Stadt Petersburg dem Präsidenten der französischen Republik geben wollte, ist auf höhern Wunsch aus dem Programm gestrichen, und ebenso soll die Einladung Moskaus an Faure unterbleiben. Diese Umstände schließen natürlich nicht aus, daß der französische Präsident mit ausgesuchter Höflichkeit, ja mit Begeisterung ausgenommen wird.

Deutschland hat schon die Pariser Zarenreise mit ge­lassenem Gleichmuthe ausgenommen, es hat keine Ur­sache, dem bevorstehenden Austausch russisch-französischer Gefühle eine andere Haltung entgegenzubringen. Nach allen Ueberschwänglichkeiten und freundschaftlichen Ver­sicherungen wird, wie im vorigen Jahre bei den Pariser Festen, das alte Verhältniß zwischen Rußland und Frank­reich bestehen bleiben. Ja, gewisse Anzeichen sprechen dafür, daß Herr Faure in Petersburg die Sicherung

über dem Aufgeschlitzten," Konrad lachte ruhig weiter,nichts für ungut, Gräfin, darf ich Sie zum Büffet führen?"

Hauptmann Dannert bot verbindlich der nichts ahnenden Gräfin den Arm, welche ganz entzückt von ihm schien, und plaudernd folgten sie dem voranschreitenden Paare.

Sie bleiben doch nun den Winter über hier?" frug sie lächelnd,da müssen Sie uns recht oft zum Thee besuchen. Ich habe solchen einfachen, zwangslosen Ver­kehr am liebsten und mein Vetter, Baron Geyern, ist wöchentlich zweimal unser regelmäßiger Gast."

Lebt der Baron stets hier?"

«Nein, meist auf seinen ungarischen Gütern, doch sind ihm dieselben jetzt im Winter zu einsam."

Ah so. Der Baron geht gewiß auf Freierssüßen."

Ein kokuetter Schlag mit dem Fächer strafte Rolfs etwas indiscrete Frage, aber die Gräfin lachte dabei sehr laut.Wie unvorsichtig, Herr Hauptmann I Aber als alten Bekannten nehme ich Ihnen die Frage nicht übel. Meine Tochter würde in der That eine glückliche Wahl treffen."

Gräfin Jlsa? Nein, Rolf Dannert hatte wenig Talent zum Diplomaten; er blieb bei diesen Worten wie festgewurzelt stehen und blickte ganz erschrocken die Dame an seiner Seite an.

Ah, Sie meinen, dazu sei die Kleine noch zu un­reif?" fiel ihm Gräfin Liebow geschmeichelt ins Wort; es war ja stadtbekannt, daß der Baron seiner Cousine huldigte, dabei aber das Vermögen der Komteß brauchte.

des Friedens nicht weniger wird betonen können, als es die beiden Kaiser gethan haben.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 17. August.

Se. Majestät der Kaiser empfing gestern Mittag auf Schloß Wilhelmshöhe Seine Erlaucht den am Vor­mittag aus Detmold dortselbst eingetroffenen Erbgrafen Leopold von Lippe-Biesterfeld, ältesten Sohn des Regen­ten des Fürstenthums Lippe, behufs Entgegennahme der Notification des Antrittes der Regentschaft. Gleich da­rauf wurde der Graf auch von Ihrer Majestät der Kaiserin empfangen. Am Nachmittag fuhr der Graf nach Detmold zurück.

Prinz Albrecht von Preußen, General­inspekteur der ersten Armee-Inspektion, wird vom 17. bis 27. August das zweite Armeekorps, das in den Pro­vinzen Pommern und Posen garnisoniert, besichtigen. Am 17. ist der Prinz in Stettin eingetroffen; die pom- merschen Regimenter werden bis zum 22. August besich­tigt, worauf der Prinz zum Grafen Königsmarck nach Oberleßnitz reist und dort Wohnung nimmt. Vom 23. bis zum 27. erfolgen Besichtigungen in Schneidemühl, Bromberg und Jnowrazlaw.

Die Besatzung d e rH o h e n z o l l e r n" ist des Lobes voll über die Kronstädter Tage. Die Mannschaf­ten sind in einer Weise von der Petersburger Bürger­schaft ausgezeichnet worden, wie bisher noch nirgends im Auslande. Der Kaiser hat wiederholt seine Anerkennung über die tadellose Haltung der Marinetruppen ausge­sprochen.

Der in Köln abgehaltene, aus 84 deutschen Städten besuchte Verbandstag der deutschen Kriegsveteranen hat beschlossen, den Fürsten Bismarck zum Ehren- m i t g l i e d e zu ernennen. Der nächstjährige Verbands­tag wird in Dresden abgehalten.

Die Minister, welche dasUeberschwemmungs- gebiet in Schlesien bereist haben, sind nach Berlin zurückgekehrt. Sie haben sich augenscheinlich überzeugt, daß die Schilderungen des Unheils, welches das Hoch­wasser angerichtet hat, nicht übertrieben sind. Der Minister des Innern war bereits in der Lage, an Ort und Stelle einigen Gemeinden zur Linderung der augenblicklichen

Dannert wurde einer Antwort überhoben, denn der Baron gesellte sich jetzt zu ihnen und so wurde, da auch der Prinz mit Jlsa am Büffet stehen blieb, die Unter­haltung allgemein.

In einigen Tagen ist Hofball," lachte der Thron­erbe munter,und da müssen wir armen Weltumsegler wieder das Tanzbein schwingen. Heh, Dannert, kommen Sie nur vorher zu mir, damit wir einen graziösen Walzer üben,"

Den Ew. Hoheit sicherlich noch nicht verlernt haben," schmachtete die Gräfin-Witwe, mit dem Fächer sich Lust zuwehend.

Nun, Komteß," Prinz Konrad wandte sich zu Jlsa, Sie sind so still; was meinen Sie, wenn ich Sie schon heute zu diesemStück Arbeit", d. h. dem Walzer mir sicherte?"

Ob ich zu dem Ball hier bin, Hoheit, weiß ich noch nicht", antwortete etwas reservirt die junge Dame.

Nun, und wo willst Du hin?" frug die Gräfin scharf und wandte sich ihrer Stieftochter zu.

Ins verwunschne Schloß, Mama, Du weißt, daß ich Papas Geburtstag stets an seinem Grabe verlebe."

Die Gräfin zuckte die Achseln und murmelte etwas wiekrankhafte Sentimentalität" vor sich hin; laut je­doch machte sie keinen Widerspruch.

Na, das war aber ein heillos langweiliger Abend," wähnte Prinz Konrad, als er mit seinem Adjutanten im Wagen saß und wieder davonfuhr,nur die kleine Komteß hat mir gefallen, aber die Alte ist dafür um so dümmer