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Sr. 98.
SomäKiih Seil 21. All-ist
1897.
Eiftrs Blatt.
Amtlicher Tffett.
Hersfeld, den 18. August 1897.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden hierdurch benachrichtigt, daß die Hebegebühren, welche den 5 Gemeinden auf Grund des § 81 Abs. 2 des landwirth- < schaftlichen Unfallversicherungsgesetzes vom 5. Mai 1886 = und des § 25 Abs. 4 des BauunfallversicherungSgesetzes vom 11, Juli 1887 von den betreffenden Berufsgenossen- schaften für die Einziehung der Beiträge (Prämien) der Unfallversicherungsanstalten zu zahlen und welche nach den erlassenen Vorschriften auf 4 vom Hundert festge- : setzt worden sind, den Ersatz für alle mit der Einziehung der Prämien verbundenen Unkosten darstellen. Die Gemeinden können somit bei fruchtlos ausgefallener Zwangsvollstreckung den Ersatz baarer Auslagen nicht beanspruchen.
I. 4199. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer R,eg,ierungs-Rath.
Hersfeld, den 20. August 1897.
Die Herren Ortsvorstände derjenigen Landgemeinden, in welchen Witwen und Waisen von vor dem 1. April 1897 verstorbenen Beamten wohnhaft sind und die auf Grund des Gesetzes vom 20. Mai 1882 (G. S. S. 298) Witwen- oder Waisengeld beziehen, aber in besonderer Bedürftigkeit leben, haben mir solche bestimmt bis zum 24. d. Mts. berichtlich namhaft zu machen und hierbei bau Alter, den dermaligen Betrag des an dieselben gezahlt werdenden Witwen- bezw. Waisengeldes sowie die näheren Familien- und Einkommensverhältnisse besonders anzu- geben.
I. I. Nr. 4392. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Ziegenhain, den 17. August 1897.
In Schwarzenborn ist die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh, Schweinen und Ziegen ausgebrochen. Der Landrath von S ch w ertzell.
An den Königlichen Herrn Landrath in Hersfeld.
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Hersfeld, den 18. August 1897. Wird veröffentlicht.
L 4374. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Indien.
In den zwanziger und dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts war es den Engländern gelungen, die ostindische Herrschaft über das rechte Jndusufer auSzudehnen und eine Reihe afghanischer Städte, wie Kabul, Ghasni, Kandahar in Besitz zu nehmen. Aber schon damals stellte sich die russische Politik dem englischen Ausbrei- tungStrieb in den Weg, mit geheimem russischen Beistande gelang es den Afghanen, die britischen Besatzungen aus Kabul u. s. w. zu vertreiben. Zwar stellten die Engländer unter Ellenborough ihre Waffenehre durch einen neuen Streifzug nach Afghanistan (1842) wieder her, sie verließen aber bald das Land wieder, um sich nach Sindu am untern Laufe des Indus zu wenden und dieses wichtige Gebiet mit der Hauptstadt Heiderabad einzuverleiben.
Seitdem sind mancherlei Reibungen und Kämpfe -wischen Ostindien und Afghanistan vorgekommen. Die V’° häufig mit Erfolg angewandte englische Taktik, die
Streitigkeiten unter den eingebornen Stämmen und Stammessürsten geschickt auszunutzen, führte aber gegenüber dem Reiche der Afghanen um so weniger zum Ziele, als Rußlands englandfeindlicher Einfluß immer mehr von Norden her gegen Indien hin vordrang. Zwar bezieht der Chan von Afghanistan, Abdulrahman, eine jährliche Subvention von England, aber nicht sowohl als Zeichen der Abhängigkeit, als vielmehr als Unterpfand für ruhiges Verhalten.
Die neuesten Nachrichten aus Indien lassen keinen Zweifel mehr darüber, daß infolge der Gährung unter einer Reihe von Grenzstämmen heftige Kämpfe im Nordosten von Indien bevorstehen. Schon vor längerer Zeit war eine englische Kolonne im Tschitral-Thale Überfällen worden, jetzt werden bereits von andern empörten Stämmen die Städte Jamrud, in der Nähe von Pischawur, und Samana bedroht. Höchstwahrscheinlich hat der Chan oder Emir von Afghanistan seine Hand dabei im Spiele. Er hat Flugschriften erscheinen lassen, die zum heiligen Kriege auffordern, ebenso wie eS die in den Grenzgebieten herumziehenden muhamedänischen Priester (Mol- lahs) thun.
Besonders ausgefallen ist in Indien und England auch die Herstellung enger Beziehungen zwischen dem Emir von Afghanistan und dem Sultan in Konstantinopel. Die türkischen Waffenerfolge in Thessalien haben ohnedies die Phantaste der bis tief nach Indien hinein reichenden muhamedanischen Welt erhitzt. Als englische Staatsmänner und englische Zeitungen während der armenischen Wirren die Theilung der Türkei verlangten, das Kreuz gegen den Halbmond auszuspielen suchten und sogar von dem Mörder auf dem Throne am Bosporus sprachen, erinnerten festländische Blätter diesen englischen Uebertreibungen gegenüber an die vielen Millionen muhamedanischer Unterthanen der Kaiserin von Indien. Wenn es zu schweren Verlegenheiten für England im Nordwesten desjenigen Landes kommt, das den empfindlichsten Punkt des englischen Kolonialreiches bildet, so ist in der That die englische Orientpolitik dafür mit verantwortlich zu 'machen.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 19. August.
Auf Schloß Wilhelmshöhe fand die kaiserliche Galatafel zur Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef gestern Nachmittag l‘/4 Uhr statt. An derselben nahmen Theil Seine Durchl. Prinz Adolf zu Schaumburg-Lippe mit seiner Gemahlin, Ihrer königl. Hoheit' der Prinzessin Viktoria, Ihre Durchl. der Fürst und die Fürstin zu Waldeck und Pyrmont, ferner die Mitglieder der österreichisch-ungarischen Botschaft, Kavallerie-General Fürst Windischgrätz, der kom- mandirende General des 11. Armeekorps, General der Infanterie v. Wittich u. A. Se. Majestät der Kaiser trank auf das Wohl Seines theueren Verbündeten, des Kaisers von Oesterreich. Nach der Tafel hielten die Majestäten Cercle ab.
Die Kaiserin hat dem Vaterländischen Frauen- verein der Provinz Schlesien eine zweite Gabe von 1000 Mark aus Anlaß der durch die Ueberschwemmungen hervorgerufenen Nothfälle überweisen lassen. Zugleich hat die Kaiserin an den Vorstand des Vaterländischen Frauen- vereins ein Schreiben gerichtet, worin sie ihre Theilnahme an dem Unglück ausdrückt.
In den Blättern sind in der letzten Zeit wiederholt Nachrichten über Veränderungen im diplomatischen Dien st des deutschen Reiches erschienen. So wurde kürzlich von einem Berliner Blatte mit der Miene eines Eingeweihten behauptet, der Kaiserliche Botschafter in Petersburg, Fürst Radolin, werde nach London versetzt werden und der dortige hochverdiente Vertreter des deutschen Reiches, Graf Hatzfeldt, werde in den Ruhestand treten. Diese Nachricht ist vollständig unbegründet. Auch über die diplomatischen Posten,
die zur Zeit offen sind oder in Kürze offen werden, wie der in Washington, deffen seitheriger Inhaber, Freiherr v. Thielmann, bekanntlich Reichsschatzsekretär geworden ist, und von Rom, deffen Inhaber, v. Bülow, als Nachfolger des Freiherrn v. Marschall zum Leiter des Auswärtigen Amtes ausersehen ist,- werden vielfach Nachrichten verbreitet, die zugleich unzuverlässig sind, da die allerhöchsten Entscheidungen noch ausstehen.
Der stellvertretende Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Botschafter v. Bülow, hatte sich zum Vortrage bei Sr. Majestät und zur Theilnahme an der Galatafel zu Ehren des Kaisers Franz Josef nach Cassel begeben, von wo er, entgegen der Meldung Berliner Blätter, am 19. oder 20. August zurückzukehren gedachte.
Se. Durchlaucht der Reichskanzler, Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst, wird sich bis Anfang September auf seiner russischen Besitzung Werki aufhalten und sich alsdann nach Homburg zum Empfange Sr. Majestät des Königs von Italien begeben.
Der Deutsche Tischlertag in Bremen hat beschlossen, Lokalverbände der Arbeitgeber zu gründen, um gegen Streiks gesichert zu sein. Beim Streikausbruch sollen Listen angelegt werden, auf denen die Streikenden verzeichnet sind. Kein Meister dürfe einen auf der Liste Stehens-, annehmen. Ein Antrag, beim Reichstage um hohe Eingangszölle auf alle ausländischen Tischlerfabrikate zu petitionieren, wurde angenommen.
Der Centralverband deutscher Kaufleute hält seine diesjährige Generalversammlung am 31. August und 1. September in Hamburg ab. Die Tagesordnung umfaßt 28 Gegenstände, darunter sind Anträge von großer Bedeutung für den gesammten Kaufmanns- und Gewerbestand. Dieselben richten sich zum Theil gegen das Konsumvereinswesen, die Bazare, Versandtgeschäfte und Filialen, sowie gegen das Wandergewerbe.
Nach einer amtlichen Statistik werden gegenwärtig 17,7 Milliarden Liter Bier auf der Erde gebraut. Davon kommen 5 Milliarden Liter Bier auf Deutschland, 4,79 Milliarden auf Großbritannien und Irland, 3,2 Milliarden auf die Vereinigten Staaten und 1,35 Milliarden auf Oesterreich-Ungarn. Belgien braut und verzehrt jährlich 1,05 Milliarden Liter Bier, Frankreich 840 Millionen und Rußland 400 Millionen.
Die Auswanderung aus Deutschland ist in diesem Jahre verhältnißmäßig gering. Einer Meldung aus Bremen zufolge sind im ganzen in diesem Jahre (vom Januar bis Ende Juli) über Bremen ausgewandert 23 827 Personen, gegen 48 366 in derselben Zeit 1896. Der Hauptstrom der Auswanderung geht immer noch nach Amerika; die Auswanderung nach Brasilien verzeichnet nur 183 Personen vom Januar bis Juli gegen 4201 in derselben Zeit des vorigen Jahres.
Auslanv.
Die c z e ch i s ch e n Ausschreitungen gegen die Deutschen nehmen in Oesterreich immer mehr überhand. Aüch in Prag herrscht jetzt unter der czechi- schen Bevölkerung eine so gereizte Stimmung, daß Deutsche sogar in den Gasthäusern wiederholt arg mißhandelt wurden, und zwar deshalb, weil sie deutsch sprachen. Gästen, die in deutscher Sprache bestellen, wird nichts verabreicht, vielmehr wird ihnen bedeutet, daß sie das Gasthaus verlassen möchten. Die Präger Polizei ist mit der Untersuchung von acht in den Hotels vorgekommenen schweren Excessen beschäftigt.
Das Schiff, welches gegenwärtig Herrn F a u r e nach Rußland trägt, berührt kein deutsches Gestade; der Präsident von Frankreich verzichtet auf die Benutzung des Kaiser Wilhelm-Kanals, er wählt den Weg um das Kap Skagen, welches er am Freitag Morgen passierte. So entgeht er dem Dilemma, entweder wegen Liebenswürdigkeit Deutschen gegenüber von vielen seiner Landsleute zum Verrüther gestempelt zu werden, oder durch zugeknöpftes Benehmen dieselbe Rolle zu spielen, wie die französischen Marine-Osfiziere, die der Weihe des Kaiser Wilhelm-Kanals beiwohnten. Die Reise des Präsidenten hätte übrigens beinahe im letzten Augenblicke eine Stö-