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tWtr meisblatt.

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Soniinbeiiö in 21 August

1097.

Erstes Blatt.

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Amtlicher Theil.

Erledigungen.

1. Ausschreibenvom 26. Mai 1891 I. Nr. P.352791b, den unter Polizei-Aufsicht stehenden Gärtner Georg Dietz aus Bückingen,

2. Ausschreiben vom 6. April 1897 I. Nr. k. 330097 b, den Postanweisungsschwindler Kaufmann Adolf Litt- mann aus Luxemburg alias Weber aus Bremen, u. 3. Ausschreiben vom 25. Juni d. Js. I. Nr. P. 643797b, die unter sittenpolizeilicher Controls stehende Anna Ullrich aus Kleinsteinheim.

Hanau, den 24. August 1897.

P. 8909. Königl. Polizei-Direktion.

Nichtamtlicher Theil.

M Allsgstbcil unserer Nette.

Bei der Agitation gegen die Stärkung unserer Wehr­kraft zur See spielt die Behauptung eine große Rolle, daß unsere Flotte nur die Aufgabe habe, im Kriegsfalle die heimische Küste zu schützen. Wie alle Schlagworte besteht auch dieses Wort eine eingehendere Prüfung nicht. Versteht man darunter, daß es lediglich darauf ankomme, ein Vordringen feindlicher Streitkräfte an und in die Küstenstriche zu hindern, so ist darauf, so lange wir im Landkriege siegreich sind, nicht allzuviel Gewicht zu legen. Zu größem Landungen wird es dem Gegner an den nöthigen Kräften fehlen, und sollte er gleichwohl unter Schwächung seiner Operationsarmee stärkere Streitkräfte an die Küste bringen, so würden sie eben nach dem Moltke- schen Rezept bald wieder ins Wasser geworfen sein. Mag dabei hier und dort eine Küstenbefestigung zerstört oder sonst anderer Schade angerichtet werden, auf den Ausgang eines Krieges haben solche Kriegsschäden keinen ent­scheidenden Einfluß. Ganz andere Aufgaben aber eröffnen sich, wenn der Landkrieg sich mit wechselndem Erfolge länger hinzieht.

Unsere langgestreckten Ostsee-Provinzen lassen sich ohne Beherrschung der See und volle Aufrechterhaltung der Seeverbindung schwerlich auf die Dauer mit Erfolg ver­theidigen; aber auch abgesehen davon kann die Aufrecht­erhaltung unserer Seeverbindungen für den weitem Ver­lauf und Ausgang eines Krieges von entscheidender Be­deutung sein; sie ist jedenfalls für die wirthschaftliche Weiler-Entwicklung Deutschlands nach einem großen Krieg, für die ^Erhaltung seiner Stellung auf dem Weltmärkte und seines Nationalwohlstandes von größtem Werthe, ja, ganz unentbehrlich. Das müßte doch jeder objektiv Ur-- theilend ! begreifen können, daß von dem Augenblicke an, wo unse re Küsten blockiert werden, wir auch unsere Grenzen

Nach bei

See hin verloren haben.

Wen u der Vergleich mit Frankreichs Kriegsflotte durch den Hin weis auf den Besitz seiner ausgedehnten Küste Mückge niesen zu werden pflegt, so unterliegt es keinem Zweifel, ^daß die starke Entwicklung der französischen

Kriegsflotte allein weder durch seine Kolonialpolitik, noch durch die Absicht hervorgerufen ist, eine feindliche Landung oder die kriegerische Bedrohung des einen oder andern Küstenplatzes zu verhindern, sondern daß mit ihr der Zweck verfolgt wird, auch in Kriegszeiten den französischen Küsten den Verkehr und ihre Seeverbindung zu erhalten. Stellt sich der Küstenschutz nicht die Aufgabe, den See­verkehr der Küste gegen feindliche Störung zu sichern, so versagt er gerade in dem für Krieg und Frieden wichtig­sten Punkte.

Dieser Aufgabe, dem Küstenschutz im weitem und allein wahren Sinne, kann die deutsche Flotte nur dann gerecht werden, wenn sie auch die nöthige Stärke zu einer kräf­tigen Offensive besitzt. Wir haben unsere Rheingrenzen wirksam bei Wörth und Metz vertheidigt, unsere Flotte muß in der Lage sein, unsere Seegrenzen ebenso wirksam zu vertheidigen.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 26. August.

Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin trafen mit Sonderzug, dessen beide Loko­motiven mit Guirlanden bekränzt waren, um 8 Uhr 15 Minuten auf der Wildparkstation ein. Zum Empfange waren die Prinzen Adalbert, August und Oskar er­schienen. Das sehr zahlreich anwesende Publikum be­grüßte die Majestäten mit Hurrahrufen.

Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin wohnten am Mittwoch in Magdeburg der feierlichen Enthüllung des von der Stadt Magdeburg dem Andenken Kaiser Wilhelms des Großen gewidmeten Denkmals bei.

Heute Abend um 7 Uhr empfing S e. Majestät d e r K a i s e r auf dem hiesigen Bahnhöfe den König von Siam. Zum Empfange waren anwesend die in Pots­dam wohnenden Prinzen des königlichen Hauses und die dort garnisonirenden Prinzen von souveränen deutschen Fürstenhäusern, die daselbst anwesenden Offiziere des Allerhöchsten Hauptquartiers, der Kriegsminister General­lieutenant von Goßler und der Chef des Generalstabes General der Kavallerie Graf von Schlieffen. Auf dem Bahnsteig hatte eine Kompagnie des Garde-Jäger- Bataillons mit Fahne und Hornisten als Ehrenwache Aufstellung genommen und spielte die siamesische Hymne, während die Majestäten die Front abschritten. Hierauf begaben sich die Allerhöchsten Herrschaften zu Wagen in das Stadtschloß, escortirt von einer Escadron des Re­giments Gardes du Corps, geführt von Oberstallmeister Grafen von Wedel. Auf dem Hofe des Stadtschlosses stand als Ehrenwache die Leibcompagnie des 1. Garde­regiments zu Fuß, im Oraniensaale die Schloßgardecom­pagnie. Die anwesenden Herren des großen Vortritts erwarteten die Majestäten am Fuße der Treppe und nahmen Vortritt durch den Oraniensaal bis in den Broncesaal. Um 8 Uhr fand ein Souper statt.

Die diesjährigeHerbstparadedesGarde- k o r p s vor dem Kaiser und dem König von Siam findet am 28. August auf dem Tempelhofer Felde bei Berlin statt.

Bezüglich einer in den Zeitungen unrichtig wiederge­gebenen Aeußerung des Kaisers im Lager von Krasnoje- Selo über sein I n f a'n t e r i e - R e gim e nt Wyborg geht denBerl. Neuest. Nachr." von verläßlicher Seite die Mittheilung zu, die Worte hatten gelautet: Er (der Kaiser) freue sich ebenso, wie wenn ein Regiment seiner Armee so glänzend bei der Besichtigung abschnitte, wie es heute das Regiment Wyborg gethan habe.

Zum KapitelStaatliche Fürsorge für die Ueberschwemmten" berichtet die Berliner Korre­spondenz", daß der Minister des Innern beschlossen habe, zur Beseitigung der durch die Hochwasserkatastrophen in den Provinzen Schlesien, Sachsen und Brandenburg herbeigeführten umfangreichen Zerstörungen Gefangene aus den zu seinem Reffort gehörigen Strafanstalten und

Gefängnissen unter Wahrung der nothwendigen Sicher­heitsvorkehrungen zur Verfügung zu stellen. Die Abgabe soll auf Antrag an Gemeinden und andere Korporationen, sowie an Private erfolgen.

Der LondonerEconomist" hatte verbreitet, daß die englische Regierung vor der Kündigung der Handelsverträge bei der deutschen und belgischen Regierung angefragt habe, ob man bereit sei, auf die Vertragsklausel, welche die Bevorzugung englischer Er­zeugnisse bei der Einfuhr in die Selbstverwaltungs­Kolonien ausschließt, freiwillig zu verzichten; in diesem Falle könnten die bestehenden Handelsverträge unver­ändert fortlaufen. Erst nach Ablehnung dieses Vor­schlages sei England zur Kündigung geschritten. Dazu wird derKöln. Ztg." von Berlin geschrieben:Wir können nur bemerken, daß die vomEconomist" ge­schilderten Verhandlungen, soweit sie Deutschland be­treffen, niemals stattgefunden haben."

In dem Schreiben desJustizministers, das den Uebertritt von Referendaren zur Marine betraf, handelt es sich, wie jetzt erläutert wird, um die Uebernahme von Juristen in den Marine­intendanturdienst. Hierzu sind die in dem Schreiben erwähnten Voraussetzungen bestimmungsgemäß erforderlich.

DenBerl. Pol Arche" zufolge, finden seitens der Reichsverwaltung Erwägungen darüber statt, ob die neuen, auf dem Wege der Landesverordnungen mit dem 1. Oktober v. I. in Kraft getretenen Vorschriften über die Abgabe stark wirkender Arzneimittel, sowie Beschaffenheit und Bezeichnung der A r z n e i g l ä s e r und Standgefäße in einem Punkt einer Abänderung bedürfen. Es handelt sich darum, ob die Augenwässer u. s. w., wie der Wort­laut der Verordnung vorschreibt, thatsächlich in runden Gläsern mit weißer Signatur abgegeben werden sollen, obschon letztere Gläser sonst für die Abgabe innerlicher Arzneien vorgeschrieben sind.

Ausland.

Der Petersburger Correspondent derKöln. Ztg." berichtet von einem Zwischenfall, der sich bei der An­kunft des Präsidenten Faure in Peterhof ereignete. Bei dem Verlassen des Schiffes wandte sich der Zar überaus mißgestimmt sofort an den Kommandeur des Hauptquartiers und sprach seine entschiedene Miß­billigung über das von ihm selbst bemerkte Vordrängen französischer Berichterstatter aus, wodurch ein starkes Gedränge entstanden war. Der Zar war sehr ernst, und die ganze Empfangs-Ceremonie fand dann genau nach dem Programm statt, ohne daß irgend welches Wort oder eine Bemerkung zwischen dem Zaren und dem Präsidenten gewechselt wurden.

In Frankreich hat der Verlauf der R e i s e des PräsidentenFaurenachRußland mancherlei Enttäuschungen hervorgerufen. Das erst ersehnte, dann verschämt geforderte und schließlich drohend begehrte WortAllianz" ist noch nicht von den Lippen des Zaren gekommen. Nach dem zwar freundlichen, aber doch kühlem Trinkspruch des Zaren in Peterhof hatten die Franzosen ihre Hoffnungen auf die Toaste in Krasnoje- Selo gesetzt Präsident Faure hatte hier mit nicht miß- zuverstehender Deutlichkeit eine Erklärung provozirt, in­dem er auf die Tage von Chalons hinwies, wo am 9. Oktober vorigen Jahres der Zar von demtiefen Gefühl der Waffenbrüderschaft" sprach, welches zwischen dem französischen und dem russischen Heere bestehe. Die Antwort des Zaren aber berührte mit keinem Worte die Beziehungen der beiden Reiche. Der Zar trank lediglich zu Ehren unserer Kameraden der tapfern französischen Armee", und die Franzosen sind so bescheiden, den Aus­druckunserer Kameraden" beredt genug zu finden. Jedenfalls spiegelt sich in den Toasten die Thatsache wieder, daß seit der bedeutsamen politischen Verständig­ung, die sich im Laufe dieses Jahres zwischen Peters­burg-Wien und Petersburg-Berlin vollzogen hat, eine Wandlung in den internationalen Verhältnissen einge­treten ist, die den Frieden zwischen den kontinentalen Großmächten auf eine sichere Grundlage stellte. Für die Chauvinisten an der Seine ist dies recht schmerzlich; es