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HerWer Aeisblatt.

Gratirbeilagen:^UuftrirUs Sonntagsblatt" n.Iünftkirte lan-wirthschaftliche Beilage".

Sr. 102.

Dienstag i« 31. August

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Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Mustrirtes Sonntagsblatt" und Mstrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat September werden von allen ^kaiserlichen poftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 26. August 1897,

Der Bürgermeister Conrad Steinberg zu Reim­boldshausen ist heute als solcher für einen weiteren acht­jährigen Zeitraum eidlich verpflichtet worden.

J. A. Nr. 2485. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Sie r O »uz.

Den Franzosen ist nun doch die Genugthuung zu theil geworden, aus dem Munde des Zaren das heißer­sehnte und stürmisch begehrte WortAllianz" zu ver­nehmen. Das Wort mußte endlich fallen. Wäre es nicht gesprochen worden, so hätte die ganze russisch-fran­zösische Verbrüderungs-Politik auf dem Spiele gestanden, und die Tage der Regierung der gemäßigten Partei in Frankreich wären gezählt gewesen. An der politischen Lage in Europa wird durch die Erklärung nichts geändert. Mit der Thatsache, daß zwischen Frankreich und Rußland freundschaftliche Abmachungen bestehen, die beide unter gewissen Umständen verpflichten, sich gegenseitig Hülfe zu leisten, haben wir Deutschen längst gerechnet. Die Hauptsache ist der Zweck, dem das Bündniß dienen soll. Daß dieser Zweck nicht darin besteht, den französischen Nevanchegelüsten Vorschub zu leisten und den Franzosen

Schlaugentiebv.

Novelle von A. Nie ol a.

(Fortsetzung.)

Tiefe Stille, nur das leise, regelmäßige Klirren der Stricknadeln war hörbar.

Die lästige Gegenwart einer Dritten, die stete Be- w°Mng ihrer Hände, das beständige, leise Geräusch der ^lahlnadeln raubte Enrico den letzten Rest von Ruhe und Geduld.

»Es ist wohl am besten, wir verständigen uns von vornherein," sagte er, indem er den Kreidestift mit nicht zu mißdeutender Miene beiseit legte. Ich denke nicht aran, Ihren Hund zu malen! Und wenn ich Ihr Por- rait nicht absolut nach meiner eigenen Idee malen kann, w will ich lieber ganz davon abstehen! Und wenn diese «läpperet mit dem Strickzeuge nicht aufhört," setzte er " sich immer steigernder Erregung hinzu,kann ich Überhaupt nichts thun!"

Die Gräfin schien sich eine Minute zu bedenken.

r .."Speck, Sie können gehen," meinte sie dann mit yalb geschlossenen Augen über die Schulter hinweg.

zursick ^se p"^ ihr Strickzeug ein und zog sich stumm . . Die Gräfin wartete, bis sich die Thür hinter ihr geichloffen hatte; dann ließ sie Fifine mit einer plötz- chen Bewegung so heftig zu Boden rollen, daß das Dhier laut aufquiekte, während sie aufstand und s dem für sie bestimmten erhöhten Sitz Platz nahm.

Nachdem sie eine anmuthig nachlässige Stellung an­

bei der Eroberung von Elsaß-Lothringen behülflich zu sein, liegt in den Worten des Zaren, daßbeide Nationen gleichmäßig entschlossen sind, mit ihrer ganzen Macht zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens im Geiste von Recht und Billigkeit beizutragen."

In diesen ergänzenden und erklärenden Worten liegt der Schwerpunkt des Zarentoastes. Auf das Verhältniß Deutschlands zu Frankreich übertragen, heißt das nichts anderes als die Anerkennung des am 10. Mai 1871 in Frankfurt geschlossenen Friedensvertrages. Dieser Ver­trag besteht zu Recht; und der Billigkeit entspricht es, daß die damals Besiegten sich endlich entschließen, eine auf rechtlichem Grunde historisch gewordene Thatsache als solche anzuerkennen.

Hoffentlich wird diese Erkenntniß in Bezug auf den wirklichen Charakter des russisch-französischen Bündnisses in Frankreich immer mehr festen Fuß fassen. Die ein­sichtigen Franzosen haben sich schon längst damit abge­funden, daß die Provinzen Elsaß und Lothringen deutsch sind und deutsch bleiben werden. Und so betonen auch die maßvollen Pariser Blätter den friedlichen Charakter des Zweibundes.

DerTemps" sagt:Unter der Aegide der beiden unlöslich verbundenen Mächte muß das brüderliche Zu­sammenwirken der beiden Schwesternationen und die Thätigkeit der beiden, ebenso von der Größe ihrer Auf­gabe als der Größe ihrer Macht durchdrungenen Regier­ungen Europa und der ganzen Welt neue Sicherheit geben. Nach der atomistischen Politik der Vereinzelung und des Egoismus beginnt die Politik der Mitarbeit, der gegenseitigen Unterstützung, die Bündnißpolitik mit Festigkeit und mit Ruhe für das Wohl aller. . . Die Allianz ist heute, was sie gestern war; die beiden Ver­bündeten sind entschieden friedlich; sie verkünden es, man hat es gesehen und täglich konstatiert." DieLiberts" erklärt:Frankreich und Rußland werden zwar ungeachtet dieses Werkes des Gesammtfriedens nicht die eigenen großen Interessen vergessen, aber keines dieser Interessen ist eine Drohung für den Frieden Europas. Das Bünd­niß, das sich auf imposante Kräfte stützt, strebt heute wie vorher nur darnach, der Welt die Wohlthat des Friedens und die Gewähr eines friedlichen Gleichgewichts der Staaten zu erhalten." Die Chauvinistenblätter aller­dings glauben, daß die Zeit der Rache nunmehr gekommen sei.Allons, enfants de la patrie/ ruft derRappel" aus,Ihr Landesschwestern Lothringen und Elsaß, die

genommen hatte, wandte sie sich mit einem unvergleich­lichen Liebreiz auf den schönen Zügen dem jungen Maler zu.

Ist es so recht?" fragte sie lächelnd.

In diesem Moment war sie einzig bestrickend schön. Wieder glühte Manconi'S Gesicht; diesmal aber waren es ganz andere Empfindungen, die ihm die heiße Röthe in die Stirn trieben.

Ausgezeichnet!" antwortete er in leis vibrirendem Tone, und mit vor Hast zitternden Fingern machte er sich daran, die bezaubernde Anmuth dieses Lächelns, dieser Stellung auf der Leinwand zu fixiren.

Volle zehn Minuten blieb sein neues Modell so re­gungslos sitzen, wie jedes Mädchen, das er mit einem Franc pro Tag bezahlte; aber gerade in dem Augenblick, da Manconi, als echte Künstlernatur vollständig in sein Werk vertieft, eben im Begriff war, der flüchtig ent­worfenen Skizze etwas schärfere Konturen zu geben, mußte er zu seinem großen Aergerniß sehen, wie die Gräfin gähnend aufstand und erklärte, sie sei zu Tode erschöpft.

Aber, Frau Gräfin!" rief er entsetzt.

Aber, Monsieur!" gab sie munter zurück, trat lachend zu ihm und zog die Augenlieder so eigenthümlich zu­sammen, daß er unwillkürlich lächeln mußte, als hätte er ein Kind vor sich.

Kommen Sie!" fuhr sie fort.Sie werden mich doch nicht so quälen wollen! Lassen Sie mich nur fünf Minuten lang in Ihrem reizendem Atelier Umschau halten!"

Und eine Melodie ausCarmen" vor sich hintrillernd,

ihr so lange unter Schluchzen die Arme nach uns aus­gestreckt, ihr werdet wieder französisch werden!"

Um solchen Hetzereien die Spitze abzubrechen, würde es das Zweckmäßigste sein, den Allianz-Vertrag in seinem Wortlaut zu veröffentlichen. Vielleicht wird man sich dazu entschließen, umsomehr, als das Verlangen danach in Frankreich allgemein ist. Dann würde daran ist nach den Worten des Zaren nicht zu zweifeln die Ernüchterung in den chauvinistischen Kreisen nicht aus­bleiben.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 29. August.

Se. Majestät der Kaiser und König nahm gestern morgen um 9 Uhr auf dem Tempelhoser Felde in Gegenwart Ihrer Majestät der Kaiserin und Sr. Majestät des Königs von Siam die Parade über das Gardekorps ab. Nachmittags besuchte Se. Majestät der Kaiser das Atelier des Pros. Begas. Um 6 Uhr fand im königlichen Schlosse ein Parade­diner statt, um 8 /ihr im königlichen Overnhause Theätre pare.

Bei dem am Freitag zu Ehren Sr. Majestät des König von Siam gegebenen Diner brächte S e. M a j e st ä t der Kaiser und König nachstehenden Togst, und zwar in englischer Sprache, aus: Indem Ich Eure Maje­stät in Meinem Lande herzlich willkommen heiße, drängt es Mich, all den großen Unternehmungen, die Sie in Ihrem Reiche begonnen haben, und allen den Reisen, die Sie im Interesse Ihres Volkes unternehmen, Glück und Ge­deihen zu wünschen. Mögen die Bande der Freund­schaft und regen Handelsverkehrs, wie sie zwischen unseren Ländern so glücklich bestehen, zum Segen unserer Völker immer weitere Ausgestaltung finden. Ich trinke auf das Wohl Sr. Majestät des Königs von Siam! Se. Maje­stät der König von Siam erwiderte obigen Trinkspruck, gleichfalls in englischer Sprache, folgendermaßen: Ich bitte, Eurer Majestät meinen herzlichsten Dank ausdrücken zu dürfen für die gütigen Worte, welche Sie gesprochen haben, und Ihnen sagen zu dürfen, wie dankbar ich Eurer Majestät bin für den mir zu Theil gewordenen herz­lichen Empfang und die mir bezeigte Gastfreundschaft. Ich bin erfreut, in der Lage zu sein, meine Verehrung

fing sie an, sich zwischen den dicht stehenden, alten Möbeln gleich einer Katze hindurchzuschlängeln.

Die Liebe vom Zigeunerstamm!Wie staubig Ihre Bücher sind, Signore Manconi! Schämen Sie sich nicht? Ah, wie die Künstler doch immer die herrlichste Farben« zusammenstellung treffen! Und das Stück Brokat dort über der Thür! Ich glaube, ich wäre im Stande, meine Seligkeit dafür hinzugeben! - Und da steht meine gute Jeanne, das Gesicht der Wand zugekehrt! Es mag eine schwere Aufgabe für Sie Armen gewesen sein, aus diesem unbedeutenden, nichtssagenden Persönchen ein hübsches Bild zu machen! Sie hätten sie profil perdu malen sollen, in einen großen Mantel gehüllt.... Tralalala, tralalala . ... O, ein altes Florentiner Schränkchen! Und was sehe ich darin? Schokolade! Sie Näscher! Für die Kinder sagen Sie? Das glaube ich Ihnen nicht. Ich meines Theils schwärme für Schokolade, ebenso Fifine!"

Ihre schlanken Finger griffen in das Schränkchen und mit silberhellen Lachen zog sie eine Handvoll Bon­bons heraus.

Eins für Sie, eins für mich und für meine arme kleine Fifine! Wenn Sie das Ihre nicht haben wollen, Signore Manconi, so ess' ich es auch noch!"

Enrico, dessen Augen geduldig ihrer seltsamen Wan­derung durch das Zimmer folgten, war so vertieft in ihre geradezu kindliche Munterkeit, die ihn an der Hoch- müthigen blasirten Frau, als welche sie sich ihm noch vor wenig Minuten gezeigt hatte, gar seltsam berührte, daß er im Augenblick nicht gleich eine passende Antwort