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hersscker Aeisblatt.

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K. lV.Ioiilitrftag ben 2. ve-tember M.

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auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" und Mustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat September werden von allen Kaiserlichen poftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 28. August 1897.

Aus Anlaß eines Specialfalles erhalten die Herren Bürgermeister der Landgemeinden des Kreises die Wei­sung, den Wirthen in Ihren Gemeinden in Erinnerung zu bringen, daß nach dem Staatsministerial-Beschluß vom 18. November 1829 (s. Brell's Handbuch Seite 507) auch zu Privat-Tanzlustbarkeiten (Hochzeiten u. s. w.), wenn sie in Wirthshäusern stattfindenx polizeiliche Er­laubniß erforderlich ist, wobei den Wirthen gleichzeitig zu eröffnen ist, daß, wenn sie ihre Räume dazu hergeben, sie auch verpflichtet seien, für Einholung der erforder­lichen Erlaubniß zu sorgen, im Unterlassungsfalls aber gegen sie selbst vorgegangen werden würde.

I. i. Nr. 4115. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 30. August 1897.

Die Herren Orlsvorstände derjenigen Gemeinden, welche während der diesjährigen Herbstübungen mit Ein­quartierung belegt werden, werden hiermit angewiesen, die Ihnen von den Truppentheilen ausgestellten Quar­tierbescheinigungen sowie die Bescheinigungen über ver­abreichte Fourage und geleisteten Vorspann alsbald dahier einzureichen, damit die Aufstellung der desbezüglichen Liquidationen beschleunigt wird.

II. Nr. 2856. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Schlangenlieve.

Novelle von A. Nie ol a. (Fortsetzung.)

Immer aber läßt sie mich empfinden, daß ich tief unter ihr stehe und daß es ihr infolgedessen überhaupt - »arQ^ ankommt, wie sie mich behandelt. Eigent- jEe ich mich darüber Hinwegsetzen, aber ich kann u '$ ärgere mich täglich von Neuem darüber. w1* '4 sie seit über acht Tagen nicht gesehen, nachdem sie drei Wochen lang ziemlich regelmäßig, ja, als mir eigentlich lieb war, gekommen ist, hat sie besuche plötzlich eingestellt. Ich bin nicht böse da- denn ich habe viel an dem Bilde, zu malen, wozu ste nicht brauche, und nicht lange wird es dauern, 10 kommt sie doch wieder. Ich bin dieser Frau über« "Ing; ich sehne mich überhaupt von hier fort, nach »Nieren Bergen, nach meinen alten Eltern, meinem Heim, und vor allem nach Dir, mein Liebling, meine Marietta, 2lb meine kleine Frau!"

h Manconi war ausgegangen. Es fing bereis zu -unrein an. Die großen Scheite Hol, im Kamin fielen

Asche zusammen; der Brief, den er in einer Witwen Anwandlung von Zärtlichkeit an sein fernes adchen geschrieben hatte, lag offen auf seinem Schreib- von n 5^ °ls die Sehnsucht nach der Geliebten mit .... ^ Leidenschaft in ihm erwacht war, überkam ihn m°?"ch wieder jener unbeschreibliche Widerwille, jene Neigung gegen alles, war während der letzten drei

Der Beginn des nächsten Kursus zur Ausbildung von Lehrschmiedemeistern an der Lehrschmiede in Charlotten- burg ist auf Montag den 1. November 1897 festgesetzt. Anmeldungen sind an den Direktor des Instituts, Ober­roßarzt a. D. Brand in Charlottenburg, Spreestraße 42, zu richten. (A. II. 8031.)

Caffel, den 5. August 1897.

Der Regierungs-Präsident. I. A.: A l t h a u s.

Nichtamtlicher Theil.

Sedan.

Zum 27. Male erscheint der Tag wieder, wo die Weltgeschichte dem kleinen Nachfolger des großen Korsen zum Weltgericht wurde und auf blutiger Wahlstatt das neue deutsche Reich erstand. Die Ereignisse und Erin­nerungen, die mit dem 2. September 1870 verknüpft sind, tragen einen so unauslöschlichen Charakter, daß keine Zeit imstande sein wird, ihr Gedächtniß aus der Seele des deutschen Volkes zu beseitigen. Nach wie vor verlangt das natürliche Volksempfinden eine Erinnerungs­feier jenes Tages. Eine solche bedeutet nicht eine Ver­herrlichung des Krieges und seiner Schrecken. Wer das glaubt, versteht den Geist nicht, der die deutsche Sedan- feier durchweht.

Was am Sedantage die Herzen bewegt, das braucht nicht in Worte gefaßt zu werden. Es ist der alte, aber nimmer erlöschende Dank gegen den Herrn der Heerscharen, der unsere Fahnen mit Sieg gesegnet hat, gegen den Heimgegangenen gottgegrüßten Greis und seinen herrlichen Sohn, die Alldeutschland voranzogen in Frankreich hinein, gegen den großen eisernen Werkmeister des Reiches, der die Siegesfrucht den Kämpfern sicherte, gegen die theuern Todten, die mit ihrem Blute die Ehre des Vaterlandes gewahrt und des Reiches Bau gekittet haben, gegen die noch unter uns lebenden Kämpfer, hoch und niedrig, mit der Krone und der Mütze auf dem Haupte, im Hermelin und im zerschlissenen Wamse, die damals mitzogen, mit- kämpften, mitlitten, mitsiegten. Mit frohem Stolz und dankbarem Herzen sollen wir uns der Großthaten der Vergangenheit erinnern, um aus ihnen frische Kraft für die Aufgaben und Pflichten der Gegenwart zu schöpfen.

Nur zu oft finden wir heute, daß gute Patrioten durch den Hader der Parteien oder aus sonstigen Grün­

Wochen sein junges Leben beeinflußt hatte, daß er un­willig die Feder beiseit warf und vor der beengenden Luft hinaus ins Freie floh.

Das Atelier war ganz vereinsamt; denn auch sein Bursche, den die Pflicht täglich herführte, hatte, nachdem sein Herr seinem Heim den Rücken gekehrt, nichts Eiligeres zu thun gehabt, als sich gleichfalls aus dem Staube zu machen, um seine Zeit anderwärts zu verbringen.

Das große Zimmer mit den verlöschenden, nur noch schwach glimmenden Holzscheiten im Kamin machte einen kalten, unbehaglichen Eindruck.

Fort, keine Seele da!"

Von der spaltenweit geöffneten Thür her sah die Gräfin sich ringsum.'

Und alles offen für Jedermann! Wie vertrauens­selig diese jungen Künstler doch sind! Speck, zünden Sie die Lichter an. Weil Niemand da ist, einen Auftrag anzunehmen, werde ich einige Zeilen niederschreiben!"

. Jene kam gehorsam dem Befehl ihrer Herrin nach und stellte die Leuchter auf den Schreibtisch, vor welchen die Gräfin bereits Platz genommen hatte.

So," befahl diese jetzt,setzen Sie sich dorthin und warten Sie, bis ich fertig bin."

Die Alte rückte gehorsam den lederbezogenen Arm­stuhl dichter an den Kamin heran, entnahm ihrem rothen Pompadur einen langen, schwarzen Strumpf und setzte die Stricknadeln emsig in Bewegung, während der Gräfin schlanke, weiße Finger suchend zwischen den auf dem Schreibtisch liegenden, losen Blättern herumtasteten.

Fünf Minuten lang hörte man nichts als das Ticken

den entmuthigt werden und an der Zukunft und Weiter­entwicklung des Reiches zu verzweifeln beginnen. Wer so kleinen Muthes ist, für den ist es gar nützlich, sich zu vergegenwärtigen, wie ganz anders die Männer leiden mußten, die in dem großen Kriege und vor ihm für die Einheit des Reiches stritten, und wie diese Männer trotz­dem nicht den Muth und die Hoffnung sinken ließen. Trotz all dieses Jammers haben Kaiser Wilhelm der Große, Fürst Bismarck und Tausende wackerer deutscher Männer mit ihnen niemals die Hoffnung auf die Größe und die Zukunft des deutschen Vaterlandes verloren. Diese Hoffnung hat den Tag von Sedan herbeigeführt. Darum sei uns der Tag eine Mahnung, auch in Zeiten nicht zu verzagen, wo, wie jetzt, vaterlandslose Gesinnung große Kreise unseres Volkes abtrünnig zu machen sucht, wo manche Parteien dem Grundsatz zu huldigen scheinen: Erst die Partei und dann das Vaterland!"

Darin vor allem liegt dieses nationalen Festtages segensreiche und mit jedem Jahre sich erneuernde Be­deutung, daß er dem Kleinmuth wehrt, der uns so man­ches Mal unter dem Druck der Alltagssorgen ergreifen will, und daß er's uns immer aufs neue erkennen und begreifen läßt, was wir errungen haben, und was zu behaupten und zu befestigen jedes deutschen Mannes erste und heiligste Pflicht ist.Mit Gott für Kaiser vnd Reich" das ist die Losung, die über jedem Sedantage mit Flammenschrift geschrieben steht und die auch heute als heiliges Gelöbniß in unser aller Herzen wiederklingt!

Politische Nachrichten.

Inland.

Ueber den EinzugSr. Majestät des Kaisers und Ihrer Majestät der Kaiserin in Kob­lenz wird unter dem 30. berichtet: AlsIhreMaje - st ä t d i e K a i s e r i n an der Moselbrücke eintraf, wurde sie vom Ober-Bürgermeister S ch u e l l e r mit einer An­sprache begrüßt. Auf diese und auf einen poetischen Willkommengruß der Ehrenjungfrauen dankte Ihre Ma­jestät huldvollst. Um 1 Uhr verkündete erneuter Kano­nendonner das Herannahen Sr. Majestät an der Spitze der Fahnen und Standarten. Der Ober-Bürgermeister, von Sr. Majestät durch Handschlag begrüßt, dankte für das der Stadt erwiesene Wohlwollen und für den Besuch, bot darauf Sr. Majestät den Ehrentrunk der Stadt dar

der Uhr und das leise, gleichmäßige Geräusch der Strick­nadeln; dann plötzlich erhob die Gräfin sich wieder und trat an den Kamin. Sie hielt ihren kleinen, elegant bekleideten Fuß an das verglimmende Feuer und lachte wieder.

Ich glaube," sagte sie,ich thue besser, Signore Manconi ein Briefchen zu schicken; er könnte er über­setzen, wenn ich es hier für ihn zurückließe."

Ihre Augen strahlten, sie schien bester Laune.

Kommen Sie, liebe Speck," rief sie lebhaft,es ist doch höchst unpassend, uns so ungenirt hier nieder­zulassen. Löschen Sie die Lichter aus und lassen Sie uns eilen, bevor uns Jemand hier überrascht!

Eine Stunde später etwa kehrte Manconi langsamen Schrittes heim.

Hell loderte das Feuer im Kamin; Raffaelo hatte die Lampe angezündet und die Gardinen zugezogen, Alles war in tadelloser Ordnung.

Auf der Schwelle blieb Manconi einen Moment stehen. Er glaubte, einen leisen Hauch von Veilchenduft zu spüren.

Ist irgend jemand dagewesen?" fragte er lebhaft.

Keine Seele, Signore."

Ich bin von Sinnen," murmelte der junge Künstler vor sich hin, trat an seinen Schreibtisch, griff nach dem eng geschriebenen Briefe, zerknitterte das Papier und warf es ins Feuer.

Marietta, vergieb, aber ich kann dir jetzt nicht schreiben!" entfuhr es ihm dabei.