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Gratisbeilagen:Illustrirter Sonntagsblatt" u.Illnftrirte landwirthschaftliche Beilage".

Nr. 106.

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SoiiiitriKig Sei 9. SchtMer

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Amtlicher Tlseil.

Homberg, den 4. September 1897.

Die unter der Schafheerde des Schäfers Johannes Haffenpflug zu Oberhülsa ausgebrochene Räudekrankheit | ist erloschen.

| Der Landrath von Gehren.

k An den Herrn Landrath zu Hersfeld. I * *

I Hersfeld, den 6. September 1897.

I Wird veröffentlicht.

| I. 4638. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Zugelaufen: ein starker, schwarzer Dachshund mit I brauner Schnauze und braunen Beinen. Der Eigen- I thümer kann denselben gegen Futterkosten bei dem Förster | Kaufmann in Mecklar in Empfang nehmen.

Die Herbstkonferenz des Bezirks Hersfeld II wird am Mittwoch den 15. Sep­tember vormittags 10 Uhr in der hiesigen Schule ab- gehalten werden. Indem ich die Herren Lokalschulin- spektoren und die Herren Lehrer dazu ergebend einlade, bemerke ich zugleich, daß vor der Konferenz in meiner Wohnung ein Austausch der aus der Bibliothek geliehenen Bücher stattfinden kann.

Schenklengsfeld, am 3. September 1897.

Barchfeld, Kreisschulinspektor.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 6. September.

Kaiser Wilhelm und König Humbert trafen 6 Uhr 45 Min. früh in Hanau ein, stiegen zu Pferde und begaben sich in das westlich von Hanau gelegene Manöverfeld. Die Ostabtheilung stand gestern östlich und westlich von Aschaffenburg, die Kaval­leriedivision bereits jenseits der Kinzig. Heute früh besetzten die Bayern Hanau, ihre Vorhut drang bis Hochstadt vor. Nach heißem Kampfe warf die 22. preu­

ßische Division die Bayern bis Wilhelmsbad zurück. Dort waren auch der Kaiser und der K ö n i g von Italien mit großem Gefolge eingetroffen, überall von den Truppen und Zuschauern mit lauten Hurrarufen be­grüßt. Hier hielt der Kaiser die Kritik ab. Das Wet­ter war sehr schlecht, es fiel starker Regen und herrschte Wind. Die Wege waren durchweicht. Während der ganzen letzten Nacht fanden Truppendurchzüge durch Frank­furt und die anderen Orte in der Richtung auf Hanau statt. Hanau ist noch von den Bayern besetzt.

Die Generalidee für das Kaisermanöver ist die fol­gende: Eine Westarmee ist im Vormarsch von Koblenz und hat mit dem rechten Flügel Gießen erreicht. Die Ostarmee steht mit dem rechten Flügel bei H e r s f e l d. Ein Korps der Westarmee ist bei Mainz über den Rhein gegangen und im Marsch auf H a n a u, ein zweites Korps der Westarmee rückt in der Richtung auf Koblenz über Limburg nach F r i e d b e r g vor. Die Ostarmee steht am 5. September Abends in der Linie Aschaffenburg-Lohr. Davon befindet sich das erste Korps mit 2 Divisionen auf dem linken, mit einer Division auf dem rechten Mainufer in der Höhe von Aschaffenburg. Nach Osten zu steht ein zweites Korps. Jedes Korps ist in drei Divisionen formirt. Der Kriegs­zustand beginnt nach 12 Uh' Nachts.

Ueber den Verlauf der Manöver liegen fol­gende Meldungen vor: Hanau, 7. September. Im Verlaufe des gestrigen Tages gelang es der O st a b - t h e i l u n g , nach anstrengenden Märschen die Kinzig- Linie zu gewinnen und die Vorstöße des 11. Korps bei Hanau abzuweisen. Vilbel, 7. September. Das 11. Korps der Westabtheilung richtet sich zur Vertheidigung der Höhen zwischen Vilbel und Windecken ein; die Kavallerie geht auf dem linken Flügel vor. Bei der Ostabtheilung erhielt der linke Flügel den Befehl, die Höhen anzugreifen. Die auf dem rechten Flügel be­findliche Kavallerie geht in westlicher Richtung vor. Die Majestäten werden bei Windecken zu Pferde steigen. Das Wetter ist schön, der Himmel klar, doch sind die Wege noch durchweicht.

Das Kaiserpaar mit dem italienischen Königspaar und der König von Sachsen trafen am Dienstag Abend 7 Uhr 10 Min. von Homburg in Wiesbaden ein und wurden vom Polizeipräsidenten am Bahnhof begrüßt. Der Kaiser in Generals -Husarenunisorm führte die Königin von Italien, König Humbert in der Uniform der

13. Husaren die Kaiserin. Nachdem noch der Ober­bürgermeister die Majestäten begrüßt und die Tochter des Oberbürgermeisters Blumensträuße überreicht hatte, bestiegen die hohen Herrschaften die Equipagen und fuhren zum Schlosse.

Die in- und ausländischen Blätter haben sich in diesen Tagen vornehmlich mit den in Homburg zwischen unserm Kaiser und dem König Humbert von Italien gewechselten Trinksprüchen beschäftigt. In den Drei­bundstaaten haben diese einen guten Eindruck gemacht. Wie die deutschen Blätter, so sind auch die ita­lienischen erfreut darüber daß in den Trinksprüchen so energisch der Friedensgedanke betont wird. Während einige radikale Organe wie derS e c o l o" die Wichtig­keit des Ereignisses herabzumindern suchen, legt der C o r r i e r e d i N a p o l i" die Vortheile, die der Dreibund Italien bietet, dar, undP o p o l o R o m a n o" nennt die Trinksprüche eine Friedenshymne.Fan füll a" schreibt über die Toaste: Sie haben eine völlige und für jedermann beruhigende Uebereinstimmung der Ziele und Ansichten kundgethan. Wenn der Dreibund nicht existierte, müßte man ihn schaffen, um den Frieden, die Ruhe und das Gleichgewicht Europas aufrecht zu erhalten. Der 4. September wird in dem diplomatischen Kalender ein Datum sein, das .Frieden verheißt, dessen alle Völker be­dürfen.Don Chisciotte" schreibt: Die in Trinksprüchen Kaiser Wilhelms und König Humberts ausgesprochenen Gedanken sind eine sehr klare Bekräftig­ung des Dreibundes, der um des Friedens willen ge­schlossen ist; und je länger er dauern wird, umso mehr Früchte wird er bringen.M essagero" bezeichnet die Trinksprüche als einen Hymnus auf den Frieden, der alle Befürchtungen zerstreut. Die Wiener Blätter bezeichnen die Homburger Toaste als die erste große Kundgebung des Dreibundes nach der offiziellen Pro- klamierung der russisch-französischen Allianz und als außerordentlich hervorragende Friedenskundgebung, welche deutlich ausdrücke, daß der Dreibund unerschütterlich fort- bestehe und auf der Friedenswacht stehe. In Paris, wo man ein Abschwenken Italiens zum Zweibunde erhofft hatte, werde der Text der Toaste einen unangenehmen Eindruck machen. Die franzöfischen Blätter machen gute Miene zum bösen Spiel und suchen sich, so gut es geht, mit dem klaren und deutlichen Inhalt der Trinksprüche, die eigentlich keine Deutelei zulassen, abzufinden. Die der französischen Regierung nahestehenden Blätter erkennen

Nachdruck verboten.

Schlangenlieve.

Novelle von A. Nie ol a.

(Fortsetzung.)

Enrico warf keinen Blick nach den Bildern. Wozu auch? War der Kontrast nicht tief genug in seinem Herzen eingegraben, mit Lettern, die, der Himmel stehe bei, sich niemals wieder wegwischen laffen würden?

Stumm, ohne den starren Blick von ihrem bestrickend Ichönen Antlitz abzuwenden, stand er eine Minute lang, ihm aber bei seiner Gemüthsverfassung wie ein ganzes Menschenleben erschien, ihr mit wildklopfendem H^zen gegenüber.

Da ertönte durch die nächtliche Stille von der nächsten Turmuhr ein Glockenschlag.

Die Gräfin schien betroffen.

Schon so spät!" hauchte sie mit scheinbarer Be- Mrzung, der aber sowohl das Funkeln ihrer Augen, wie auch das nicht zu unterdrückende Lächeln, das um ^re Lippen zitterte, lebhaft widersprach.Himmel, wenn das meine gute Chütelet wüßte, sie verginge vor 77 Eifersucht I Gute Nacht, Signore, gute Nacht!" Hastig §ng sie den Mantel um.Gute Nacht und vielen Dank!"

Jetzt war es aus mit Enrico's letztem Nest von Selbstbeherrschung.

Mit einem verzweifelten Sprung war er an der ^hür, um sie am Gehen zu verhindern; dabei stieß er °n einen Stuhl, der so gegen den gebrechlichen Tisch

anprallte, daß derselbe umfiel und alles: Teller, Lichter, Gläser, Essen, mit lautem Geklirr zu Boden riß.

Die Gräfin stieß einen Schrei aus, der in leisem Lachen endete. Sie waren vollständig im Dunkeln, nur das schwache Kaminfeuer verbreitete einen matten Schein.

Ihre Kleider zusammenraffend, suchte die Gräfin sich durch die Scherben und weingetränkten Speisenreste ihren Weg nach der Thür.

Gute Nacht, Signore!" nickte sie der ihr den Weg versperrenden, dunklen Gestalt zu.

Beim Himmel, nein, ich lasse Sie nicht fort!" brach er jedoch jetzt in wilde Leidenschaft aus.Glauben Sie, mich so zum besten haben, so mit mir spielen zu können, wie die Katze mit der Maus, mir schmeicheln, mich ver­lachen, mich nach Willkür in der einen Minute an sich fesseln zu können, um mich in der nächsten Minute weit von sich zu stoßen? Sie haben nicht eher geruht, als bis ich halb von Sinnen war, bis ich meiner Braut die Treue brach! Jetzt müssen wir uns verständigen!

Sie müssen mich anhören und werden mir antworten. So will ich mich nicht länger behandeln lassen; des bin ich müde! Hier bin ich Herr! Sie werden nicht gehen!"

Die Gräfin warf die Mantel-Enden zurück über die Schultern; ihr Gesicht schaute aus dem dunklen Rahmen der Kapuze seltsam bleich hervor; ihre Stimme bebte leise, vor Schmerz oder Furcht ? als sie murmelte:

Eh bin, ich bin in Ihrer Gewalt!"

In der Gewalt eines Menschen, der Sie bis zum

Wahnsinn liebt!'' rief Manconi heißer und streckte die Arme nach ihr aus, sie zu umschlingen.

Mit scharf beobachtendem Blick wich sie langsam vor ihm zurück, indem sie ihn mit der berückenden Zauber­kraft ihrer Sirenenaugen Schritt für Schritt nach sich zog.

Was sagten Sie? Daß Sie mich lieben?" sprach sie etwas gedehnt.So lassen Sie uns noch für ein paar Minuten wieder niedersitzen, wenn Sie durchaus wollen. Also Sie meinen mich zu lieben, Sie thörichter, junger Mann?"

Währenddessen hatten sie das Sopha erreicht und die Ausgangsthür war frei geworden.

Diese Gelegenheit benutzend, schoß die Gräfin, während der innige Ton ihrer letzten Worte noch in seinem Ohr nachzitterte, mit katzenähnlicher Geschwindigkeit geräusch­los durch das Zimmer und hatte die Thür erreicht, diese geöffnet und war mit flüchtigem Schritt und koboldähn- lichem Lachen verschwunden, bevor der Zurückbleibende in seiner Bestürzung und Aufregung Zeit hatte, ihre Ab­sicht zu errathen.

Mit einem zornigen Fluch auf den Lippen stürzte er ihr nach. Das leise Geräusch ihrer schnell enteilenden Schritte verlieh seinen Füßen Flügel, aber in demselben Moment, als er sie fast eingeholt hatte, als er schon ihren fliegenden Athem zu hören meinte, traf ihn ein greller Lichtstrahl, der durch das schnelle Schließen einer Thür sofort wieder verschwand, ein momentanes Knarren, wie wenn ein Riegel vorgeschoben wurde, und