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ersscker meisblatt.

Gratisbeilagen:Illuftrirtes Sonntagsblatt^^ u.Illnftrirte landwirthschaftliche Beilage".

L lOik Acnftag ben 14. Zevtembkr M.

Berichtigung.

Aus Versehen wurde die Ausgabe des Kreisblattes om 11. d. Mts. mit Nr. 108 anstatt mit Nr. 107 Bezeichnet.

! Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 11. September 1897.

In mehreren Ortschaften sollen die kirchlichen Bezüge ider Lehrer, wie solche auf Seite 5 der Schulkompetenzen chachgewiesen sind, in Folge Ablösung der Tauf- und Trauungsgebühren eine Aenderung erfahren haben. Be- chuss Klarlegung der dienstlichen Einkünfte der Lehrer ersuche ich die Königlichen Herren Ortsschulinspektoren ergebenst, mir eine Abschrift der in Rede stehenden Fest­setzungen bald gefälligst zukommen lassen bezw. mir mit- iheilen zu wollen, welche Geldbeträge an Stelle der bisher ^veranschlagten Gebühren an die einzelnen Stelleninhaber aus dem Kirchenkasten bezw. aus der Gemeindekasse ge­zählt werden und seit wann.

4720, Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

I Aiser Wilhelm nl Frur Fosef.

I Wieder einmal weilt Kaiser Wilhelm II. auf öster- Imchisch-ungarischem Boden. Am Sonntag Nachmittag »ist der Monarch in Begleitung des stellvertretenden Staats- Vsekretärs des Auswärtigen, Herrn v. Bülow, in Totis I eingetroffen, um an der Seite des Kaisers Franz Josef »den Korpsmanövern beizuwohnen. Zum letzten Male war »unser Kaiser im April vorigen Jahres der Gast se'nes »hohen Verbündeten, und zwar in Wien. Wenige Tage vorher » hatte er, gleichwie dies schon früher und auch kürzlich in | ^mburg der Fall war, mit dem König Humbert von Italien I cine Zusammenkunft. Im Jahre 1895 wiederum war der österreichisch-ungarische Herrscher, der zurBegrüß- » ""g seines deutschen Verbündeten sich in dessen Reich I ^3ub. Der Schauplatz dieser Begegnung war Stettin. I So sehen wir, daß ein regelmäßiger persönlicher Verkehr I fischen den Verbündeten besteht.

| Die Vortheile eines solchen Verkehrs bedürfen wohl Ierst einer nähern Beleuchtung. Die auf der Jn- I ^"ssengemeinschaft gegründete und die Bewahrung des

Schlangenliebe.

Novelle von A. N i c o l a.

(Fortsetzung.)

I Worte übten ihre Wirkung; schlaff sanken Man- eioni g ärme nieder. Und diese Gelegenheit benutzend, I "Epfte der Herzog durch die Thür und folgte der eilends die Treppe hinunter.

k s ^nen Blickes sah Manconi ihm nach. Hatte Feind recht? War er krank? Stand er am Ende dem Punkte, wahnsinnig zu werden? Wahnsinnig einer herzlosen Circe willen!

Hahaha! Ja, das das war Wahnsinn!

»Was sagte der Mensch zu Ihnen?" fragte die .^"- uls derselbe sie auf der gewundenen Treppe i "holte, ihren Begleiter, indem sie den Kopf zu ihm SUrtickbog.

, A nur ein kleines Kompliment zum Abschied!" «er Herzog lachend zurück.Sie waren ein wenig schroff gegen diesen neuauftauchenden Stern! "mußte ich doch gut machen!"

n ^te Gräfin legte die Hand vor den Mund, als müsse E "" Gähnen unterdrücken.

»Dieser Mensch sing an, mir unerträglich langweilig werden!" antwortete sie.Sie können sich von seiner matzung mir gegenüber keinen Begriff machen! Aber

- ^/" wir nicht mehr von ihm! Kommen Sie lieber! denke, wir haben Besseres zu thun!"

die ^" unverständliche Antwort, leises Lachen; Und Stimmen verhallten.

Friedens bezweckende Allianz der Staaten wird durch die aufrichtige, warme und durch die Besuche vor aller Welt stets vor neuem erhärtete Freundschaft der Staatsober­häupter wirksam ergänzt. Darin liegt eine politische Bedeutung, die bereits längst bei Freund und Feind die gebührende Würdigung erfährt. Auch in Totis wird der ungeschwächte Fortbestand des Dreibundes, die uner­schütterliche Intimität der verbündeten Monarchen be­kräftigt. Nicht durch irgendwelche politische Tagesfragen sind die neuesten Besuche verursacht, und sie bezwecken nicht neue Vereinbarungen. Sie sind nichts anderes als eine weithintönende Bekundung des Entschlusses der Verbündeten, daß alles beim Alten bleibt. Manche Zwischenfälle haben gezeigt, daß der Dreibund festge­fügt ist

Es ist wohl selbstverständlich, daß die verbündeten Monarchen bei ihren Zusammenkünften auch die allgemeine politische Lage in den Kreis ihrer Erörterungen ziehen, i Sicherlich ist dies in Homburg geschehen, und zweifellos wird es in Totis der Fall sein. Im Dreibund ist alles klar: seine Bestrebungen, seine Ziele. Der Dreibund will den Frieden und nichts als den Frieden; er hat sich lediglich damit zu beschäftigten, wie die Gefahren für den Frieden abzuwehren sind; er hat zu erwägen, wie die von den Verbündeten unabhängigen Vorgänge und Ereignisse, die vielleicht eine bedrohliche Gestalt zu gewinnen vermöchten, unschädlich zu machen sind. Der Dreibund beugt vor.

Zwischen den verbündeten Monarchen bestehen zur Zeit keine Meinungsverschiedenheiten. Der Gedanken­austausch wird auch diesmal wieder, wie seit so langen Jahren, eine ungetrübte Uebereinstimmung ergeben. Es ist diese Gewißheit eine besondere Ursache für die freudige Aufnahme, die man in Oesterreich-Ungarn nicht nur in den politischen Kreisen, sondern auch in der Bevölker­ung dem deutschen Kaiser entgegenbringt.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 11. September.

Im Verlaufe des gestrigen Manövers überschritten vier Armeekorps der Ostarmee die Defilsen bei Fried­berg, Karben und Vilbel, und griffen die auf den Höhen von Ober-Erlenbach bei Homburg stehende Westabtheilung

Manconi verschloß die Außenthür seiner Wohnung, kehrte in das Atelier zurück und ließ sich auf einen Stuhl sinken.

Die weißen, unschuldigen Lilien und der schöne, gemalte Kopf der Gräfin starrten ihn wie hohnlachend an.

Was blieb ihm jetzt noch zu thun?

Unstät schweifte sein Blick im Zimmer umher, bis er auf dem kleinen Dolch, der auf den Banknoten lag, haften blieb.

Da lag das beschimpfende Geld, der greifbare Be­weis der schändlichen Kränkung; und daneben gleich einem Fingerzeig die Waffe, die schon oft dazu gedient hat, eine erlittene Schmach durch Blut zu sühnen.

Langsam erhob er sich, durchschritt das Zimmer und nahm das glitzernde Ding in die Hand.

Ja, eins blieb ihm noch: die Rache! Wie von einem blitzartigen Gedanken durchflammt, umklammerte er plötz­lich den dunklen Griff des Dolches und spießte die Bank­noten eine nach der andern mit einer Wuth auf der spitzen Klinge auf, als durchbohre er damit ebensovielmal das treulose Herz der Kokette, die ihr ehrloses Spiel mit dem seinen getrieben hatte.

Alsdann wandte er sich dem Bilde zu und betrachtete es eine Minute lang mit zornfunkelndem Blick, um hier­auf mit grausamer Hand das Werk, das er mit so liebender Seele geschaffen hatte, gleichfalls mittels des Dolches zu zerstören.

Aber mit dem Ausdruck überlegenen Spottes sah das schöne Antlitz nach wie vor lächelnd zu ihm nieder.

Die Hand mit dem Dolch sank ihm schlaff herab;

an. Das linke Flügelkorps versuchte eine Umfassung des Feindes, wurde aber durch einen Vorstoß von Seiten der Westabtheilung wieder gegen Vilbel zurückgedrängt. Nun befahl Se. Majestät der K a i s e r der Kavallerie, einzugreifen. Die gesammten Kavalleriemassen der Ost­armee (zwei Divisionen) vollführten eine großartige Attake gegen das Centrum der Westabtheilung. Die Schützenlinien, die Reserven und die Artillerie wurden durchbrochen. Der Feind mußte seine Stellung räumen, hinter der Kavallerie verfolgten zwei Armeekorps tambour battant die zurückgehenden Westtruppen. Auch der rechte Flügel des Feindes mußte sich nun von Homburg zurück­ziehen. Die beiden Armeekorps auf dem rechten Flügel der Ostarmee verhinderten das Entweichen des Feindes nach Norden zur Haupt-Westarmee. Die Westabtheilung wurde in Folge dessen gegen den Taunus geworfen. Ganz zum Schluß brächte ein nochmaliger Kavallerie- Angriff die letzten Abtheilungen des Feindes, welche bei Ober-Erlenbach Stand zu halten versuchten, zum Weichen. Dem Manöver wohnten auch Ihre Majestäten die Kaiserin und die Königin von Italien, in einem Wagen sitzend, bei, ferner der König von Italien und König Albert von Sachsen zu Pferde, ebenso Prinz-Regent Luitpold von Bayern. Nach 12 Uhr verkündeten die Signale die Be­endigung der Uebungen und damit den Schluß der dies­jährigen Kaisermanöver.

Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, der König und die Königin von Italien, Prinz-Regent Luitpold von Bayern und König Albert von Sachsen kehrten um 1*/2 Uhr Nach­mittags zu Wagen nach Homburg zurück. Um 3 Uhr fand im Kurhaus eine Tafel zu 160 Gedecken statt, an welcher außer den genannten Fürstlichkeiten auch Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich, Se. kaiserl. Hoheit der Großfürst Nikolaus, die bayerischen Prinzen und die anderen in Homburg anwesenden Fürst­lichkeiten, sowie der Reichskanzler, Fürst zu Hohen- lohe, theilnahmen. Während des Mahles tauschten Se. Majestät der K ö n i g von Italien und Se. Majestät der Kaiser nochmals Worte der innigsten Freundschaft und hohen Verehrung aus. Der Trinkspruch des Königs von Italien galt dem ruhmvollen deutschen Heere, der Kaiser brächte ein dreifaches Hurrah auf die tapfere italienische Armee aus.

Nach dem Diner begaben sich Ihre Majestäten der Kaiser und der König von Italien, die

aber plötzlich rang sich ein leises, hartes Lachen über seine Lippen.

Heute Abend, nach dem Balle erwartete sie jenen Elenden, der dem Namen Mann' nur zur Schande ge­reichte. Mochte sie! Ungeladen, sollte sie finden, was sie nicht erwartete: ihn und seine Rache!

* *

Ein warmer Regen war gefallen; die Bäume und Büsche tropften noch, die üppigen Pflanzen und Blumen senkten sich unter der feuchten Last zur Erde; die alten Statuen, die kopflosen Rümpfe und rumpflosen Köpfe, die verschiedenen Torsi, welche die Allee, die nach Castel- capaccio, der Villa der Gräfin, führte, zierten, traten bei der düsteren Färbung doppelt grell hervor. Von Zeit zu Zeit strich ein Windstoß durch die hohen Bäume und schüttelte eine Fluth von Regentropfen hernieder. Sonst war alles still, todtenhaft still.

Es war fast zwei Uhr des Morgens, der Mond brach durch die Wolken und leuchtete in immer hellerem Licht an dem sich allmählich klärenden Horizont.

Deutlich hob sich das weiße Portal der Villa von dem grünen Laubwerk ab, zwischen dem hier und dort ein Zweig, ein Blatt silbern schillerte.

Aus einem der Fenster fiel ein rother Lichtstrahl, durch einen zeitweilig vorüberhuschenden Schatten hin und wieder verdunkelt.

Vermuthlich legte die Jungfer die letzte Hand an das kleine Souper, das die Gräfin und ihren Kavalier erwartete.