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Gratisbeilagen: „IUuftrirtes Ssnntagsblatt" n. „Iünftrirte lanvwirthschaftliche Beilage".
1112.
Süiiiicritflfl Den 23. StvMtr
1897.
Köilmmeills-KllliiSiiilg.
Nit dem f. Oktober beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende
Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen
„Zlluslrirtes Sonntagsblatt" ™» „Mustrirte landwirthschaftl. Beilage".
Das „Kreisblatt" bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen zuverlässige Mittheilungen über Ereignisse in der Politik, Berichte aus dem Kreise und der Provinz. Reichhaltige Nachrichten vermischten In- i Halts bringen alle sonstigen mittheilenswerthen Ereignisse des täglichen Lebens zur Kenntniß der Leser. Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.
Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben nöthigen- falls durch Extrablätter verbreiten.
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die Expedition
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 20. September 1897.
Die Königlichen Herren Ortsschulinspektoren des hie- ugen Kreises wollen mein Ersuchen vom 21. Oktober i896 J. I. Nr. 5302, im Kreisblatt Nr. 126, die Ein- ^ichung der Uebersicht der im bevorstehenden Winter
Nachdruck verboten.
Treu bis in den Tod.
Novelle von I. PiorkowSka.
(Fortsetzung.)
Des Mädchens Lippen umzuckt es namenlos weh.
»Ich habe eine andere Idee," entgegnet sie leicht ; k ^ „Du sagtest wiederholt, Vittorio's Bild sei . Wn gemalt. Wenn ich das zu meinem alten Freunde der Rue d'Artois trüge und ihn bäte, es für uns zu verkaufen?"
sagbar traurigen Ausdrucks heften ihre Augen auf das Portrait an der ihr gegenüberliegenden ^and.. Die Züge eines Kindes schauen aus den ver- "Uchenen, alten Goldrahmen auf sie herab, — die offen- .ate Schöpfung einer Künstlerhand. Wie sehr ähnelt
Modell dem Bilde! Nur hat May's Gesicht das nndltche verloren und ihre Augen schauen nicht mehr ovhlich darein, wie in jener, ach, so fernen glückseligen ^nderzeit!
»Vittorio's Bild?" rüttelt des Vaters Frage sie auf. »Btttorio's Bild wolltest — könntest Du verkaufen? Ich mehr Gefühl zugesraut, als daß Du auch nur t ! Minute einen solchen Gedanken fassen könntest. w Du denn gar kein Herz für alle Erinnerungen? , »Du weißt das Gegentheil, Vater!" haucht sie mit e ef>den Lippen, und hastig wendet sie sich ab, um die Granen zu verbergen, die ihr bei dem ungerechten Vor- an den Wimpern hängen. „Aber lieber gebe ich mein Querstes fort, als Laurent zu Dank verpflichtet zu fern.
halbjahr eröffnet werdenden ländlichen Fortbildungsschulen betreffend, gefälligst thunlichst bald erledigen.
J. I. Nr. 4875. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Gefunden: ein Federbettpfühl mit 2 Ueberzügen. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Niederaula.___________________________________________
Gefunden: 1 Sack mit Birnen und 4 leere Säcke. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Obergeis.
Die landwirthschaftliche Winterschule Hofgeismar beginnt ihren Kursus am 18. Oktober d. Js.
Anmeldungen sowie Anfragen sind an den Direktor Heyden zu richten.
Hofgeismar, den 17. September 1897.
Das Curatorium.
J. V.: v. P a p p e n h e i m, Königlicher Kammerherr.
Politische Nachrichten.
Berlin, 22. September.
Inland.
Ihre Majestät die Kaiserin hat sich am Dienstag früh, begleitet von dem Oberpräsidenten Fürsten Hatzfeld, in das niederschlesische Ueberschwemmungsgebiet begeben. Die Kaiserin wird die Schäden in Schmiedeberg, Krumhübel, Petersdorf u. s. w. besichtigen, in Hirschberg Vertreter der Behörden und Vorstandsdamen der Frauenvereine aus den von dem Hochwasser heimgesuchten Bezirken empfangen und sodann über Marklissa u. s. w. nach Berlin zurückkehren.
DerPrinz-RegentLuitpold von Bayern hat an den bayerischen Kriegsminister v. A s ch anläßlich der Kaisermanöver ein Handschreiben gerichtet, in dem es heißt: „Es erfüllt Mich mit gerechtem Stolze, durch das hohe Urtheil Sr. Majestät des Deutschen Kaisers und Königs von Preußen bestätigt zu hören, daß die bayerische Armee hierbei ehrenvoll bestanden hat. Hatten schon die großen Paraden beider Armeekorps in der musterhaften Haltung der Truppe die Sorgfalt und Gleichmäßigkeit der Einzelausbildung erkennen lassen, so
Das Bild ist mein Eigenthum, gewissermaßen Vittorio's Vermächtniß; was es mich kostet, mich davon zu trennen, das kann ich Dir nicht sagen!"
Die Worte sind dem leichtlebigen Manne schon unangenehm.
„Meinetwegen thue damit, was Du willst!" antwortet er achselzuckend und läßt sich lässig in seine frühere, bequeme Lage zurücksinken.
May schreitet auf die Stelle zu, wo das Portrait sich befindet; mit Gefühlen, die jeder Beschreibung spotten, nimmt sie das Bild von der Wand.
„Wünschest Du noch etwas, Vater?" wendet sie sich dann klanglosen Tones zu diesem, bevor sie das Zimmer verläßt.
„Bringe im Vorübergehen von Merlier eine Flasche jenes Weines mit, der mir neulich so gut bekam," war seine Antwort.
Fast unhörbar verläßt May den Salon; sie begiebt sich mit dem Bilde in ihr Zimmer, stützt es auf das Fenstersims und steht, in die Betrachtung desselben verloren, lange davor, bis Thränen ihr den Blick verschleiern.
Sie soll kein Herz für alte Erinnerungen haben? Führt nicht ein jeder Pinselstrich dieses Bildes sie lebhaft in jene Zeit zurück, in der sie dem jungen italienischen Künstler dazu Modell gesessen hat? Das Interesse an ihr ließ ihn Freundschaft mit dem Vater schließen.
Wie genau erinnerte sie sich seines Heims in Rom des großen, halbverfallenen Palastes. Wie deutlich schwebt ihr noch der Künstler selbst vor, — sein interes
wurde durch die darauffolgenden Feldmanöver überzeugend dargethan, daß die Armee auch für die Aufgaben des großen Krieges wohl vorbereitet erscheint. Die Ruhe und Ordnung, die stramme Disziplin, welche in den Gefechten herrschten, die Ausdauer auf den Märschen und bei den oft sehr großen von den einzelnen Heereskörpern verlangten Anstrengungen beweisen, daß die Truppe ein wohlgefügiges Werkzeug in der Hand der oberen Führung ist, die, in ihrer schweren Aufgabe von den unteren Führern aller Grade wirksam unterstützt, auch ihrerseits Entschlußfähigkeit und Initiative gezeigt hat. Der Eindruck, den Ich sonach von der Gesammt- leistung der Armee gewonnen habe, ist ein sehr günstiger; er erfüllt Mich mit der sicheren Zuversicht, daß die Armee, die als ein ebenbürtiges Glied des großen deutschen Heeres sich gezeigt, den Hoffnungen des Vaterlandes im Ernstfalle voll entsprechen wird."
Die erste Disziplinar-Sitzung des Bundesrathes nach der Sommerpause steht für den 7. Oktober in Aussicht.
Der Finanzminister und der Minister des Innern haben zu dem am 1. Oktober in Kraft tretenden Gesetz über TagegelderundReisekosten der preußischen Staatsbeamten Ausführungsbestimmungen erlassen, welche die Art der Liquidationen, die Feststellung, den Beginn der Reisen und anderes betreffen.
Eine allgemeine Landesfeier für Kaiser F r i e d r i ch am diesjährigen Geburtstage des verstorbenen Herrschers wird vom Verbände deutscher Kriegsveteranen geplant. Im ganzen Lande rüsten sich die deutschen Kriegsveteranen bereits hierzu.
In dem Majestätsbeleidigungsprozeß gegendenReichstagsabgeordnetenLieb- k n e ch t ist der Revisionstermin vor dem Reichsgericht auf den 12. Oktober festgesetzt worden.
«uslanv.
Ueber den Empfang Sr. Majestät des Deutschen Kaisers wird aus Budapest vom 20. d. Mts. gemeldet. Bereits um 9 Uhr waren Ministerpräsident Baron Banffy mit den Ministern, der Obergespan, der Bürgermeister und die Generalität, ferner Botschafter Graf Eulenburg, der deutsche Generalkonsul Prinz von Ratibor und Corvey mit Gemahlin, Botschafter v. Szögyeny, die Chefs des Civilkabinets und des Mili- tairkabinels Sr. Majestät des Deutschen Kaisers, v. Lucanus und v. Hahnke, sowie der Botschafter v. Bülow
santer Kopf mit der gelblich braunen Gesichtsfarbe und dem weltmüden Zuge um die schmalen, meist fest geschlossenen Lippen, die für sie, — seine Mignonne, wie er sie immer zu nennen pflegte, — doch stets ein Lächeln hatten. Andere sahen nur den genialen Künstler oder den Genossen toller Freuden in ihm. Ihr, dem Kinde, war er in dem einsamen, freundlosen Dasein einzig der treue Freund, der liebste Gefährte. Fühlte sie sich bei weiten Ausflügen erschöpft, so waren seine starken Arme stets bereit, sie heimzutragen; nimmer ward aber er es müde, ihr von seiner Heimath und seiner Jugendzeit in den schönen Thälern Toskana's zu erzählen; dabei wurden seine Züge weich und seine Stimme klang — ach, so traurig!
„So, nun komm' und sieh es Dir an, Mignonne," hatte er, als die Dämmerung sich herabsenkte, den Pinsel beiseit legend, an jenem letzten Abend gesagt, „nun ist das Bild fertig! Noch heute wird es gerahmt, — aber nicht verkauft. Es bleibt mein Eigenthum!"
Sie kam herbei; er legte die Hand unter ihr Kinn, richtete das liebe Kindergesicht in die Höhe und verglich das lebende Modell mit seinem Bilde.
„Der Ausdruck dieser märchenhaften Augen ist mir doch noch nicht ganz gelungen," sprach er halb zu sich selbst. „Wer im Enträthseln ihrer geheimnißvollen Tiefen wohl einst seine Ruhe verliert?"
Wie ein Sonnenblick gleitet es über May's Gesicht als sie sich erinnert, wie sie sich bei diesen Worten an ihn schmiegte, bevor er sie mit einem Abschiedskuß von sich gelassen hatte.