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Kreta.
Die Beendigung des griechisch-türkischen Krieges hat für das Land, um dessentwillen er entbrannt war, noch leinerlej Erleichterung gebracht. Alle Nachrichten stimmen darin überein, daß das Sengen und Verwüsten auf der Insel Kreta fortdauert. Zwar sind die Hauptküstenorte durch Marinesoldaten der europäischen Mächte noch immer besetzt, aber diese kleinen Landungscorps sind ganz unvermögend, ihren Wirkungskreis über die nächste Umgebung ihrer Standorte auszudehnen. Vom Innern der Insel heraus bis an die Küste setzen aufständische Banden ihr Zerstörungswerk fort. Die Religion macht keinen Unterschied; die Christen sind nicht minder grausam in der Verfolgung ihrer Gegner, wie die Türken. Dabei werden die christlichen Griechen nicht sowohl von religiösem Fanatismus geleitet, als vielmehr vom Eignnutz. Es sind nicht bloß mohamedanische Dörfer verbrannt worden, es werden auch die Kulturen, die Mohamedanern gehören, verwüstet. Die Insurgenten beabsichtigen damit, die Mohamedaner zur Auswanderung oder zum billigen Verkauf ihrer Güter zu veranlassen und sich so auf mög- iichst billige Art in den Besitz der mohamedanischen Güter $u setzen.
, ^ewiß ist es eine betrübende Erscheinung, daß das cwilisierte Europa solange diesem Vandalismus zusehen wußte. Die Gründe hierfür liegen weniger in der Eifersucht einiger Großmächte untereinander, als in den
Müllers £eni.
Erzählung von Emanuel Hirsch.
rief
(Fortsetzung.)
»Gottes Barmherzigkeit, mein Kind stirbt ja!
w unglückliche Vater. Einer der Bootsleute zerriß um Halstuch, tauchte die Streifen ins Wasser und drückte " «»f die Wunde.
"Hat ein nettes Loch in der Stirn!" meinte der Ruderer.
t .(®ec andere warf ihm einem Blick zu, der Schweigen Mte, dann sprach er selbst: „Fahrt nur zu uns! "'"Haus ^ ^ch das nächste!"
m.''^uch recht, fahren wir zum Schieferdecker!" Dre h lbet tauchten ein, das Boot schwankte dahin, und Mnen rang ein verzweifelter Vater die Hände: „Laß c "icht sterben, guter Gott, laß sie nicht sterben!'
II.
Von einem steil abfallenden Hügel blickt ein Schimmer ™ Fluth, und diesem zu steuern die Männer. Cnd- nachdem sie mit unsäglicher Mühe die stürmenden °gen besiegt und das Fahrzeug nur mit Anwendung J* Kraft vor dem Umschlägen bewahrt haben, erreichen Ü Z^. Heute stößt das Schifflein unwert der ^ Wjiu aus Land, und man kann von dieser Stelle J ebenem Plane ins Häuschen gelangen, obwohl es gewöhnlichem Wasserstande den Bach tief, tief unter "^beiziehen sieht , M
-®olt sei Dank, da sind wir!" rüst einer der Boots
großen Opfern an Geld und Blut, die eine rasche Niederwerfung des Aufstandes hervorrufen würde. Die geographische Gestaltung der Insel mit ihren schwer zugänglichen Gebirgen erleichtert es den Insurgenten, den Aufstand mit allen Gräueln fortzusetzen. Als erste Maßregel, um Ordnung zu schaffen, erscheint die Einsetzung eines General-Gouverneurs. Schon bei Beendigung des Krieges war der Schweizer Numa Droz vorgeschlagen worden. Die Kandidatur wurde jedoch nicht von allen Mächten gebilligt, insbesondere nicht von Deutschland, weil Droz an der Spitze eines Komitees zu Gunsten der Armenier gestanden hatte, wie denn überhaupt die Schweizer Eidgenossenschaft während des türkisch-griechischen Konflikts türkenfeindlich aufgetreten war. Es fragt sich überhaupt, ob ein Civilist im stände ist, der Verwirrung auf der Insel Herr zu werden. Wie die Dinge liegen, empfiehlt sich vielmehr eine feste militärische Hand, und es dürfte sich wohl eine geeignete
i Persönlichkeit womöglich aus einer der neutralen Staaten finden.
Die deutsche Politik wird jedenfalls der weitern Entwicklung der kretischen Frage gegenüber, dem geringen Maße unserer unmittelbaren Jntereffen entsprechend, Zurückhaltung beobachten und lediglich dahin zu wirken suchen, daß die Großmächte- in Uebereinstimmung mit der Türkei keine Mittel ergreifen, die unwirksam sind und daher das europäische Concert nur bloßstellen können.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 12. Oktober.
Se. Majestät der Kaiser empfing gestern in Hu- bertusstock den kommandierenden Admiral v. K n o r r , den Staatssekretär des Reichs-MarineamtS, Tirpitz, sowie den Chef des Civilkabinetts, v. Lucanus, und den Chef des Marinekabinetts, Freiherrn ».Senden- B i b r a n, zum Vortcag.
Es bestätigt sich, daß eine Anzahl Ober-Postdirektoren, etwa 12, zu einer Ende dieser Woche im Reichs-Postamt stattfindenden Konferenz geladen sind, welche über Reformen im P o st t a r i f we s e n berathen soll.
Die „Berl. Pol. Nachr." schreiben: „Der Beschluß der Staatsregierung, die nächste Landtagssession von allen gesetzgeberischen Aufgaben frei zu halten, deren
leute. Dann schreit er laut und durchdringend : „Mutter, Mutter, komm geschwind heraus, aber geschwind!"
Gleich darauf stürzt eine Frau aus dem Hause, und mit dem Rufe: „Ach Gott, was giebt's denn ? empfängt sie die Ankömmlinge.
„Mutter, Mutter, fragt nicht lang!" lautet die Ant- wort'. „Hilfe braucht's, — eine warme Stube und ein reines Bett!"
„Ja, ja," entgegnete sie, und rasch wie der Blitz reißt sie Haus- und Stubenthür auf und läßt den traurigen Zug in das warme Gemach eintreten. Schnell ist ein Lager hergerichtet, worauf man das noch immer ohnmächtige Mädchen bettet.
„Schieferdeckern,," sagt hierauf der Müller, „müßt schon so gut sein und uns für kurze Zeit Obdach geben, wenigstens bis meine Leni wieder ein bischen in Ordnung ist!", ,.
.Dummes Zeug," unterbricht ihn die Angeredete, „bleibt so lang Ihr wollt und könnt! Und du, mein Hannes, lauf schnell um den Doktor!"
Hannes entfernte sich eilig, worauf die Hausfrau sich nochmals überzeugte, daß das Leben aus dem Körper des Mädchens nicht völlig entschwunden ist. Sie wäscht die Kopfwunde aus, reinigt das lange goldene Haar vom Blute, legt kalte Umschläge auf die Stirn und versieht die Kranke mit reiner Wäsche. Ab und zu läuft sie zum Ofen, unterhält das Feuer und setzt Wasser zu, „um einen guten Kaffee zu machen, die beste Medizin gegen kalte Bäder". Dann eilt sie wieder aus Bett, wenn das Mädchen sich rührt.
Erledigung nicht dringlich ist, bedeutet für eine Reihe von gesetzgeberischen Problemen die Zurückstellung in den nächsten Gesetzgebungsabschnitt. Dies gilt nicht nur von einer Aenderung des Wahlgesetzes, sondern von einer Reihe anderer gesetzgeberischer Aufgaben, namentlich auch der Reform des Enteignungsrechtes. Wenn daher mit einer verhältnißmäßig kurzen Landtagssession zu rechnen ist, so werden die Gründe für diese Ordnung der Sache noch sehr erheblich verstärkt durch den Umstand, daß die Legislaturperiode im Reiche im Frühsom- mer abschließt, und daß es sich nicht empfiehlt, die Landtagssession bis zu den Vorbereitungen für die allgemeinen Wahlen zum Reichstage auszudehnen."
Zur F l o t t e n f r a g e hat sich der bekannte Afrikaner D r. K a r l P e t e r s in der Wochenschrift „Die Zukunft" geäußert. Seiner Ansicht nach liegt die praktische Aufgabe unserer Flotte im Frieden in der Rückendeckung und dem Schutz unseres Handels in den außereuropäischen Gebieten. „Bis nach Honolulu und Tamatave reicht das Prestige unseres Heeres nicht mehr, hier wollen die Leute unmittelbar etwas vor Augen haben, wenn sie den genügenden Respekt vor deutschem Leben und Eigenthum behalten sollten, und ein Kanonenboot an ihren Küsten wirkt unter allen Umständen zehnmal mehr, als die Kun^e von sechzehn Armeekorps in der Heimath. In Ostasien, in der Südsee, in Afrika und Südamerika muß das Reich ein System von Flottensta- tionen mit Kreuzern unterhalten, um so viel Ansehen zu besitzen, daß seine einzelnen Bürger sicher und friedlich im Schutz der nationalen Flagge ihren Beschäftigungen nachgehen können. Dieses Verlangen ist kein phantastischer Flaggenschwindel, sondern beruht auf geschäftlicher Rechnung." — Nach Herrn Dr. Peters Ansicht hat unsere Flotte im Kriege zunächst die Aufgabe, unsere Küsten zu vertheidigen. Hierzu brauchen wir eine Schlachtschiff-Flotte. Soweit eine solche „zum Schutz unserer Küsten erforderlich ist, muß sie eben beschafft werden, und die Sachverständigen, die über den Umfang dieser Anschaffungen zu bestimmen haben, sind nicht etwa die großen „Politiker" im Reichstage, sondern doch wohl die Männer, die die Berechnungen nach den militärisch in Frage kommenden Gesichtspunkten anzustellen vermögen" — und, fügen wir hinzu, die Verantwortlichkeit in der Stunde der Entscheidung tragen.
Die internationale Lcpra-Konferenz ist am Montage im Reichs-Gesundheitsamte in Berlin
„Hörst, Toni," flüstert die Frau ihrem Manne zu, „mahl' die Kaffeebohnen, daß d' auch was thust! — Rück d' Milch weg, sonst lauft sie über, und 's giebt n' Mordgestank! — Wenn nur mein Hannes bald da wär' mit dem Doktor!" unterbrach sie sich selbst, „daß man doch müßt', wie's umS arme Mädel steht!"
So, bald bei der Kranken, bald beim Ofen beschäftigt, findet das kleine Weibchen noch Zeit, der Loisl ein Trostwort zu sagen; denn diese ist ganz außer sich, daß die Leni um ihretwillen und durch sie so krank geworden ist, und die Leute zu ermuntern, „ihr nasses Zeug und Wesen" abzulegen und in das „trockene Wesen" zu schlüpfen, das sie aus ihrer Ausstattung sowohl, wie aus der ihres Mannes und Sohnes hingelegt hat. Es war ein urkomischer Anblick, der sich nun darbot. Der Schwarzholzmüller hatte die Kleider des Schieferdeckers an, die ihm, groß und breitschultrig wie er war, an allen Ecken und Enden zu klein waren. Daneben saß der fünfzehnjährige Müllerbursche, der in dem weiten Gewände des Hannes förmlich verschwand. Der Loisl reichte der Rock der Hausfrau nur bis zum Knie. Dafür hatte sie eine Männerjacke an, deren Aermel fast bis auf die Waden hingen.
Man hätte nach überstandener Fahrt über den Anblick von Herzen lachen können, hätte nicht drinnen in dem kleinen Nebenzimmer ein armes Mädchen gelegen, das zwischen Tod und Leben schwebte. Man verzehrte' also den gebotenen Kaffee sehr schweigsam und wartete bangen Hrrzens auf den Doktor. Endlich hörte man Pferdegetrappel vom Dorfe her, ein Wagen rollte; kurze Zeit