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den von allen Aaiserlichen poftanftalten, irandbrief- trägern von und der Expedition angenommen.

Die Wehrstener.

Der Verband deutscher Kriegsveteranen, der gegen­wärtig etwa 38000 alte Krieger zählt, wird dem Reichs­tage eine Eingabe vorlegen, welche die Einführung einer Wehrsteuer vorschlägt, um mit ihrem Ertrage die Kriegs- wraliben und die Wittwen der Gefallenen mehr als bisher versorgen zu können. Eine mächtige Unterstützung erhalten die Veteranen dadurch, daß auch der ständige Kyffhäuser-Ausschuß der vereinigten deutschen Krieger­vereine eine Eingabe an den Reichskanzler gerichtet hat, die im Namen von l1^ Millionen ehemaliger deutscher Soldaten um Besserstellung der Invaliden und Hinter­bliebenen bittet und ebenfalls die Einführung der Wehr­steuer beantragt.

Die Frage der Wehrsteuer, das heißt der Besteuerung derjenigen, welche aus irgend welchen Gründen vom Heeresdienst entbunden sind, ist bereits wiederholt erörtert worden. Ueber die Zweckmäßigkeit einer solchen Steuer sind die Ansichten getheilt. Die einen verwerfen sie, indem sie geltend machen, daß der Waffendienst nicht mit Geld abzukaufen sei; auch sei es ungerecht, Sieche, Krüppel und Schwächlinge besonders zu besteuern, da solche Leute in der Regel in ihrem Erwerbe beschränkt seien; ebenso ungerecht sei die Besteuerung derjenigen, welche aus wirthschaftlichen Gründen von ihrer Dienst- Pflicht befreit werden; der Haushalt, welcher es nicht gestattet, daß ein Sohn für einige Zeit im Frieden ein-

Müllers Cent

Erzählung von Einanuel Hirsch.

(Fortsetzung.)

, Aber das Mädchen zuckte womöglich noch gleichgilttger "Ut den Achseln, und das machte dieBräuerin wüthend. Plötzlich fuhr ihr ein Gedanke durch den Sinn. „Oder w du vielleicht eine heimliche Liebe im Herzen?"

Ueber Leni« Gesicht flog eine flammende Nöthe, was w Tante zu der Bemerkung veranlaßte: „Laß sie fahren, °>w sie bringt dir keinen Gewinn! Eine Gräfin ist

was ganz Besonderes! Wenn du Gräfin würdest" 77 ^o erschauerte bei dem Worte in Wonne — „und ich —" n »Frau von Scharff!" ergänzte Leni mit einiger Bosheit.

»Ach, rede nicht!" schmollte die Bräuerin. 2lch, und 98 war doch der Traum ihres Lebens! Frau von scharff! Leni hatte schlaflose Nächte und thränenvolle Tage. haßte den Grafen, weil er sie liebte, weil ihn die ^wite begünstigte, weil ihn der Vater zweifellos selbst

Reichern als dem Pauli vorziehen würde. Sie lahte und verabscheute aber auch den Präsidenten als S Freund des Grafen, und weil sie instinktartig das in ihm ahnte. Sie beschloß aber, auf ihrer Hut sein. Einer wirklichen Bewerbung wollte sie ein ^Pchiedenes Nein entgegensetzen. Bis dahin wollte sie obwarten, was die Zeiten bringen würden. Und dabei achte sie mehr denn je an Hannes „Wäre er da, er ”Utbe mir sicher helfen!" Das war ihr Gedanke trotz

gezogen werden kann, sei nicht steuerkräftig. Gegen diese Gründe läßt sich wenig einwenden.

Die Freunde der Wehrsteuer wollen Kranke, Ge­brechliche und Arme gleichfalls nicht besteuern. Sie be­gründen ihre Ansicht vom nationalen und wirthschaftlichen Standpunkte aus und stützen sich auf die Thatsache, daß Fürst Bismarck bereits im Jahre 1881 dem Reichstage den Entwurf einer Wehrsteuer vorlegte. Damals wurde ausdrücklich erklärt, daß nicht daran gedacht werden könne, ein Aequivalent für den persönlichen Dienst zu schaffen, da es keine der Ehrenpflicht des persönlichen Waffendienstes und den darin begriffenen Opfern gegen- überstellende Geldleistung geben könne. Gerechtfertigt wurde diese Steuer aus der Erwägung, daß „der Wehr­pflichtige durch die Heranziehung zur Militärpflicht . . . regelmäßig einen wirthschaftlichen Nachtheil gegenüber dem nicht herangezogenen Wehrpflichtigen erleide, indem dieser die für den Erwerb meist wichtigsten Jahre der Dienstzeit voll für sich ausnutzen und so einen erheblichen Vorsprung erreichen könne" Fürst Bismarck sagte da­

mals im Reichstage (28. März 1881):

. . Wir

wissen nicht, wie eine Ausgleichung zwischen dem, der im Heere dienen muß, und dem, der nicht zu dienen braucht, anders zu schaffen ist, und der Unterschied ist dock in der Belästigung zu Gunsten des Staates ein großer . . . ."

In der That ist der Waffendienst für das Vaterland von jeher als eine Ehrenpflicht des deutschen Mannes angesehen worden und wird stets und unter allen Um­ständen dafür gelten; die Freunde der Wehrsteuer nun behaupten, daß denen, die aus irgend welchen Gründen von dieser Ehrenpflicht befreit bleiben, so große Vortheile an Zeit und Vermögen erwachsen, daß der Versuch, hier einen Ausgleich zu schaffen, gerechtfertigt erscheine. Die Wehrsteuer vermindere die Ehre der im Waffendienste stehenden Männer nicht, wohl aber bringe sie dem Staate entsprechende Einkünfte.

Gegenwärtig besteht die Wehrsteuer in keinem deut­schen Staate; Bayern und Württemberg hatten im Jahre 1868 eine solche Steuer eingeführt, haben sie aber später

wieder fallen lassen. Dagegen haben Oesterreich auch die Schweiz unseres Wissens die Wehrsteuer

Jahren.

und seit *

*

Silberbach und Kirchweih, trotz Nanni und Rauf- handel.

IX.

Wie alle Jahre, so zog auch der alte Weißdorn und sein Sohn aus Großdorf in eine der größer« Städte und zwar diesmal nach Mauerberg. Ungeheure Stürme hatten in den letzten Wochen gewüthet und großen Schaden an Dächern und Fensterscheiben angerichtet. Es gab wohl i» der ganzen Stadt nicht ein Haus, das nicht Ausbesserungen an Dach- und Mauermerk nöthig gehabt hätte. Die Bauhandwerker hatten ihre besten Tage, namentlich die Dachdecker und Glaser. Die beiden Schieferdecker hatten von einem Meister in der Stadt eine größere Arbeit zu selbständiger Besorgung über­nommen, unter anderm auch, das alte Kloster frisch ein- zudecken, das Haus der reichen Braumeisterin Malzhuber. So saßen denn beide Männer auf einem der Dächer des ungeheuren Gebäudes und hämmerten schweigsam drauf los, denn sie waren seit der Silberbacher Ge­schichte auf etwas gespanntem Fuße. Der Vater hatte seinen Plan scheitern sehen und war mißmuthig darüber. Er hatte gehofft, die Nanni werde seinem Sohne wenigstens nicht mißfallen, und es könne sich daraus eine Bekannt­schaft entwickeln, die der aussichtslosen Liebschaft mit der Leni ein Ende bereiten werde. Der Sohn wieder war nicht gut auf den Vater zu sprechen, weil der ihn an ein Mädchen, wie die Nanni, hatte binden wollen. Er bedachte aber nicht, daß sein Vater ebenso wenig von ihrer Bekanntschaft mit dem Dreherhiesl wußte wie

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 2. November.

Se. Majestät der Kaiser arbeitete nach der gestrigen Mittagstafel allein. Heute Morgen unternah­men Ihre Kaiserlichen Majestäten einen gemeinsamen Spazierritt über Bornim und das Born- stedter Feld. Um 11 Uhr hörte'Se. Majestät der Kaiser den Vortrag des Chefs des Militairkabinets, General­adjutanten, Generals der Infanterie v Hahnke, und nahm darauf militairische Meldungen entgegen.

Der Kaiser trifft am nächsten Montag früh in Hirschberg ein, besichtigt die Stadt und die vom Hoch­wasser hartbetroffen^r andern Stätten. Nach einstündigem Aufenthalte erfolgt eine Wagenfahrt im Gebiete des Zackens, des Gierdorfer Wassers und der Lomnitz bis hinauf nach Brückenberg.

Vom Gene.-il-Kommando des VIII. Armeekorps zu Koblenz ist, wie wir hören, Fürsorge getroffen, daß denjenigen ältern Unteroffizieren, die wegen Uebertritts in den K o m m u n a l - Ver­waltungsdienst aus dem Militär-Verhältniß aus- zuscheiden beabsich^gc.., während der Wintermonate Un­terricht in den in ihrer demnächstigen Civilstellung hauptsächlich in Betracht kommenden Punkten zu ertheilen ist. Es wäre sehr erfreulich, wenn dieses Beispiel Nachahmung fände. Personen, welche zur Ertheilung des Unterrichts geeignet und bereit sind, werden in jedem Garnisonort, namentlich unter den Beamten, leicht zu finden sein.

Generalmajor vonBülow, Kommandeur der 21. Kavallerie-Brigade, ein Bruder des Staatssekre­tär des Auswärtigen, ist in Darmstadt gestorben. Der General hat sich am Sonnabend bei einer Schleppjagd durch einen Sturz mit dem Pferde einen Schädelbruch, verschiedene Rippenbrüche, sowie schwere innere Verletz­ungen zugezogen. — Auf Allerhöchsten Befehl und Namens des Kaiserlichen Hauptquartiers zeigt der General-Adju­tant v. Plessen den Tod des Generalmajors v. Bülow an mit einem Nachruf, worin es heißt: Der Ver­ewigte war ein Mann, dessen felsenfester Charakter, dessen Treue und Beständigkeit ihm das rückhaltlose Vertrauen von dem obersten Kriegsherrn bis zum jüngsten Unter­gebenen erworben hat. Seine Begabung, sein rastloser,

er. Neberdies quälte ihn der Gedanke, wohin Leni ge­rathen sein mochte. Urplötzlich war sie verschwunden, niemand wußte, wohin, und der es wußte, sagte es ihm nicht. Seine Ueberraschung war daher keine geringe, als er am dritten Tage nach seiner Ankunft in Mauer­berg von seinem erhabenen Standpunkt aus eine Gesialt über den Hof schreiten sah, die seiner Leni zum Ver­wechseln ähnlich sah.

Schnell rief er sie an: „Leni, Leni!" Er bedachte nicht, daß von dieser Höhe aus der Schall seiner Stimme das Mädchen nicht erreichen werde; überdies wehte ein ungünstiger Wind. Der Vater, der diesen Ruf gehört hatte, fragte mißtrauisch und überrascht: „Wo? Wo?"

HanneS deutete erfreut nach unten, wo die Gestalt gerade verschwand; der Vater dagegen schien weniger erfreut. Er brummte etwas Unverständliches in seinen Bart und sagte dann seinem Sohne, er möge den Mund halten, damit er in seiner Unachtsamkeit nicht einen un­angenehmen Hopser auf den Hof herunter mache. HanneS war also genöthigt, die Gluth seiner Empfindungen in sich zu verschließen, was ihm bei dem kühlen Winde, der in der Höhe wehte, recht ersprießlich war. Der Alte aber hatte ein besseres Mittel gegen die „Malefiz- külte", einen guten Wachholderbranntwein, dem er für seine Person fleißig zusprach, den aber der Junge heute hartnäckig verschmähte. Leni mochte nämlich den Schnaps­geruch nicht gut leiden, und Hannes hoffte das Mädchen heute noch sehen und sprechen zu können. Da durfte er unmöglich nach Schnaps duften. In diesem Hause mußte sie wohnen, das war ihm klar; er sah nämlich,