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Oratirbeiiagen: „^UnftrirU^ SonntagsbLatt" «. „ZUrrstrikte tandwirthschaftliche Verlage".
«r. 14.
Liaftt den 1. Februar
1888.
Vestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Sonntagsblatt" ^ „Illustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 26. Januar 1898.
Die große Zahl der im letzten Jahre bei dem Herrn Regierungs-Präsidenten von Einwohnern des hiesigen Kreises angebrachten UnterstützungSgesuche beweist aufs Neue, daß seitens der Ortsarmenverbände den Hülfsbe- dürftigen nicht diejenigen Unterstützungen gewährt werden, wie solches die jeweiligen Umstände erfordern bezw. unumgänglich nothwendig ist.
Unter Hinweis auf das Ausschreiben vom 29. Mai 1897 I. I. Nr. 2964 (Kreisblatt Nr. 64) werden die Herren Ortsvorstände deshalb wiederholt angewiesen, für die Unterstützung der ärmlichen und durch U n gl ü cksf ä l l e in augenblickliche NothgerathenenOrtseinwohnerinaus- reichender Weise Sorge zu tragen. Falls aber der betreffende Ortsarmenverband nicht selbst leistungsfähig sein sollte, ist die Erwirkung einer Beihülfe seitens des Landarmenverbandes gemäß § 36 des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz vom 8. März 1871 bezw. § 42 des ZuständigkeitSgesetzes vom 1. August 1883 her- beizuführen.
Bemerken will ich noch, daß aus den staatlichen UnterstützungSsonds an die dauernd Hülfsbedürftigen und Ortsarmen Beihülfen nicht gewährt werden dürfen, auch aus denselben nicht alle durch Unglücksfälle rc. betroffene Bittsteller bedacht werden können.
I. I. Nr. 370. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
Großtante Helene.
Von H. Keller-Jordan.
(Fortsetzung.)
Anfänglich ging Karl Mittags hinunter zu Tisch, was ich selbst für mich, da ich jede Veranlassung zu einem Mißton vermeiden wollte, ablehnte. Aber schon nach mehreren Wochen unterblieb auch das, da sehr oft Gäste da waren und der Knabe einmal eine Aeußerung gethan, die ihm eine ungerechte Strafe von Seiten seiner Stiefmutter zugezogen hatte. Er weinte so bitterlich, als er dann wieder hinunter zu Tisch sollte, daß Constanze ihn ein für alle Mal, als Strafe, wie sie sich ausdrückte, zur Tante verwies.
Nun kamen drei Jahre, in denen unser stilles Schloß der Tummelplatz von Gesellschaften, Jagden und Zusammenkünften aller Art wurde, eine Zeit, in der Constanze Hermann an einem Gängelband führte und er blind den Weg ging, der unmöglich zu dauerndem Glücke führen konnte.
Ich las wohl mit der Zeit in den Zügen Hermanns die Qualen und Sorgen, die feine Lippen zu stolz waren zu nennen. Seine Gestalt war schlaff und sein Kopf gebückt, den er sonst so stolz trug. Ich hatte gleich anfänglich bemerkt, daß meine Gegenwart Constanze unangenehm, und daß sie am wenigsten leiden konnte, wenn ich mich um Hermann kümmerte. Ja, als ich einmal bei Gelegenheit des ersten Hustens, den Hermann so hartnäckig quälte, die feuchten Zimmer erwähnte, in denen er sich Vormittags aushalten mußte, verbat sie
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 29. Januar.
Gestern Mittag fand um B/+ Uhr bei den Majestäten Familientafel statt. Um 2'/2 Uhr kouferirte S e. Majestät d e r K a i s e r mit dem Staatssekretär des Innern, Staatsminister Dr. Grafen von Posadowsky- Wehner. Hierauf besuchten Beide Majestäten das Atelier von.Casal, wo die für die Siegesallee bestimmten Markgrafen-Standbilder der Prof. Unger und Uphues gearbeitet werden, ugd danach das Atelier des Prof. Karl Begas Cassel, der an einem Standbild des Markgrafen Otto IV. mit dem Pfeil arbeitet. Um 6 Uhr nahmen Beide Majestäten an einer Familientafel bei dem Prinzen Friedrich Leopold von Preußen Theil. Am Abend besuchte S e. Majestät der Kaiser die Vorstellung von Lauffs „Burggraf" im königl. Schauspielhaus, begab sich hierauf zu dem sächsischen Gesandten, Dr. Grafen v. Hohenthal und Bergen, und geleitete von dort aus Se. Majestät den König von Sachsen nach dem Anhalter Bahnhof.
Heute Morgen hörte Se. Majestät von 9 Uhr ab die Verträge des Chefs des Generalstabes, Geueratadjutsnien Generals der Kavallerie Grafen v. Schliessen, und des Chefs des Militairkabinets, Generaladjutanten Generals ! der Infanterie v. Hahnke. Heute Abend fand im hiesigen königlichen Schlöffe der bereits gemeldete kleine Hofball statt.
Fürst B i s m a r ck , dessen Befinden sich so weit gebessert hat, daß er zum ersten Male wieder festes Schuh- zeug anlegen konnte, hatte am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers, wie alljährlich, außer seiner näheren Umgebung die in Friedrichsruh stationirten Beamten der Post und Eisenbahn wie die eigenen Beamten beim Mittagessen um sich versammelt. Es waren 26 Personen bei ihm zu Tische. Im Verlaufe der Tafel erhob sich der Fürst und brächte in warm empfundenen Worten den Toast auf Se. Majestät den Kaiser aus.
Beim Auswärtigen Amte gehen fortgesetzt in großer Zahl Gesuche von Personen ein, welche nach dem deutschen Gebiet an der Kiaotschau-Bucht überzusiedeln wünschen und um Auskunft über die dortigen Verhältnisse für die Errichtung eines Geschäftes oder den Betrieb eines Gewerbes oder auch um Anstellung in der Ver
sich so entschieden meine Einmischung, und Hermann bestätigte es mit einem so ernsten Kopfnicken, daß ich mir vornahm, ein- für allemal zu schweigen.
Das ging für die Zeit, in der Constanze es noch für der Mühe werth hielt, Hermann an ihren Vergnügungen theilnehmen zu lassen oder wenigstens Rücksicht auf sein Kommen und Gehen zu nehmen. Als das aber immer weniger geschah und sie schließlich nicht darnach fragte, ob er sein Mittagessen besam oder nicht, wenn er aus dem Walde kam, ob sein Zimmer kalt oder warm war, da hielt ich es doch für meine Pflicht, die Zügel in die Hand zu nehmen, die sie fallen gelassen hatte, und wenigstens so unmerkbar wie möglich für Hermanns Bequemlichkeiten Sorge zu tragen.
Den ersten Sommer während seiner Verheiratung hatte Constanze nicht an eine Reise gedacht; sie pries die Schönheit des Parks, die Annehmlichkeiten eines häuslichen Lebens und ihr idyllisches Glück an Hermanns Seite. Im zweiten Sommer war das nicht mehr genügend, ihr Garte mußte einen Gehilfen nehmen und seine nervenschwache Frau, die, wie sie behauptete, infolge des kalten Winters leidend geworden war, in ein Bad begleiten. Er biß in den sauern Apfel, so schwer es ihm auch in pekuniärer Beziehung wurde. Dennoch konnte er sich nicht entschließen, sich nur für Tage von der Frau zu trennen, die seine Sinne in eifersüchtiger Angst umklammert hielten.
Ich will von den Vorbereitungen schweigen, die dieser Reise vorhergingen, von dem maßlosen Ueberfluß der Toilette, die Constanze Hermann für unbedingt noth
waltung des Gebietes bitten. Die Ordnung der Verhältnisse der neuen Besitzung ist zur Zeit noch nicht so weit vorgeschritten, daß eine Antwort auf dergleichen Gesuche ertheilt werden könnte. Alle bezüglichen Eingaben sind daher verfrüht.
Nach einem bei der Reichspost-Verwaltung eingelaufenen Telegramm -^us T s i n t a u f o r t (Kiaotschau- Bucht) ist daselbst bereits am 26. Januar eine deutsche Postanstalt eingerichtet worden. Die Postbeamten und Inventarien für die neue Postanstalt waren gleichzeitig mit dem Landungsdetachement des Kreuzergeschwaders an Bord des Dampfers „Darmstadt" nach der Kiaotschau-Bucht entsendet worden, wo sie am 26 Januar eingetroffen sind.
Die „Kieler Zeitung" kann melden: Das Einlaufen des Dampfers „Darmstadt" in die Kiaotschau- Bucht erfolgte am 26. Januar, Morgens 8 Uhr, unter lebhafter Begrüßung der Besatzungen der deutschen Kriegsschiffe bei herrlichem Wetter. „Darmstadt" ging eine Seemeile vom Ufer entfernt vor Anker. Die Ausschiffung fand Mittags auf Marinebooten statt, und zwar zu der im Jahre 1897 von den Chinesen für ihre eigenen Zwecke gebauten trefflichen Landungsbrücke. Die Truppen wurden in den chinesischen Lagerforts untergebracht, we.che tivu bet Geschwadermauuschafi eingerichtet sind. — Die Ankunft des Prinzen Heinrich in Kiaotschau wird am 18. Februar erwartet.
Von der aus englischen Quellen durch die Blätter gehenden Nachricht, daß in Tsimo bei Kiaotschau außer dem Matrosen Schulze noch andere Matrosen ge- tödtet wären, ist an maßgebender Stelle nichts bekannt.
Dem Reichstag sind die Gesetzentwürfe, betr. Aenderungen der Konkursordnung, und eines dazu gehörigen Einführungsgesetzes zugegangen.
Der Direktor im Reichsgesundheitsamt, Dr. Köhler, hat im Reichstage eine Denkschrift des Reichsgesundheitsamts über die Untersuchungen angekündigt, welche über die Maul- und Klauenseuche augestellt sind. Er theilte mit, man habe schon jetzt festgestellt, daß der KrankheitS- keim eine viel längere Lebenskraft habe, als bisher angenommen wurde. Zu der von sozialdemokratischer Seite erhobenen Forderung der Beseitigung des Impfzwanges erklärte der Staatssekretär Graf Posadowsky, daß eine Verbesserung der Vorschriften über das Jmpfverfahren geplant sei.
Wenn in der Presse von Zeit zu Zeit aus angeblich
wendig erklärte und die sie ihm bei dem kleinsten Ein- mande seinerseits so kokett abzuschmeicheln verstand, daß er ihren Reizen gegenüber mir oft wie ein willenloses Kind erschien.
Als er damals von der sechswöchigen Reise aus dem Seebad zurückkam, fand ich ihn verändert bis zur Unkenntlichkeit. Durch seine schwarzen, dichten Haare zogen sich weiße Fäden, seine Brust war eingesunken, eine Reizbarkeit kennzeichnete sein ganzes Wesen, die ihm früher fremd gewesen war.
Nach dieser Reise betrat er zum ersten Male, nachdem er abends ziemlich spät und unerwartet mit seiner Frau eingetroffen war, unfern Erker. Da die Zimmer hinten hinaus nach dem Walde lagen, hatte ich nicht einmal ihre Ankunft bemerkt und mich, nachdem Karl zu Bett gegangen war, au das offene Fenster gesetzt und schaute, wie ich so gerne that, in die stille Herbstnacht und auf die feinen Nebel, die sich in feuchten Schleiern über das ferne Gebirge gelegt hatten. Als ich von dem späten Klopfen aufgeschreckt in die Höhe fuhr und Hermann im Reiseanzug, bestaubt, traurig und abgemagert vor mir stand, war ich im ersten Augenblick so bestürzt, daß ich ihn kaum wiedererkannte.
„Das ist in der That schmeichelhaft für mich, Helene!" sagte er, indem er mir herzlich seine Hand entgegenstreckte. „Du scheinst mich so sehr aus dem Gedächtniß verloren zu haben, daß du nicht mehr weißt, wie ick aussehe?"
„Bist du krank, Hermann?" stammelte ich erschrocken