Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
AbonnementSpreiS vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postaufschlag.
k-------------■-;....______-..--■ ........-^=X
■ - —------------X
Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theste 15 Pfg.
Reklamen die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender
Rabatt.
—- . ... ...J
KeMer äreiÄt
* I . L'.mJEUJ----1 ... llJM.!!L”J^JgWRMll *!^^ I. i LÜBW ...........................................................................
Avatirbettssen: „AlLmftrirter Sonntagsblatt" n. „Illnstkiets Lan-wirthschaftliche Beilage".
Nr. 23. IieHss -ei 22. Februar 1888.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Mustrirtes Somäagsblatt" und „Zllnstrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat März werden von allen kaiserlichen poftanftalten, kandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Ziegenhain, den 17. Februar 1898.
Unter dem Rtndviehbestand des Rittergulspächters Collmann zu Hausen ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Der Landralh von Schwertzell.
An den Herrn Landrath in Hersseld.
* * *
Hersfeld, den 18. Februar 1898.
Wird veröffentlicht.
I. 937. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Rath.
Die Abhaltung des Viehmarktes am 24. Februar b. Js. ist unter nachstehenden Bestimmungen genehmigt worden.
Außer den in der landespolizeilichen Anordnung vom 21. Juni 1897 — vergl. Nr. 74 des KreiSblattS — getroffenen Bestimmungen sind zur Durchführung der veterinärpolizeilrchen Aufsicht des Marktes folgende weitere Bestimmungen getroffen worden, deren Nichtbeachtung mit einer Strafe von nicht unter 10 Mk event, entsprechender Hast geahndet wird.
1. Vieh aus verseuchten Nachbargebieten, und zwar 1. Preußen: Sämmtliche Regierungsbezirke mit Ausnahme von Stade; 2. Bayern: Sämmtliche Regierungsbezirke; 3. Königreich Sachsen; 4. Württemberg: Sämmtliche Kreise; 5. Baden: Landeskommissariate Karlsruhe, Konstanz, Freiburg, Mannheim; 6. Hessen: Provinzen Star»
kenburg, Oberhessen, Rheinhessen; 7. Mecklenburg^Schwe- rin; 8. Sachsen-Weimar: Meiningen, Altenburg, Koburg, Gotha; 9. Oldenburg; 10. Braunschweig; 11. Anhalt; 12. Fürstenthämer: Schwarzburg; 13. Waldeck; 14. Reuß j. L.; 15. Bremen, Hamburg; 16. Elsaß-Lothringen, welches mit der Eisenbahn in den hiesigen Kreis eingeführt ist, darf nur dann aüf den Markt aufgetrieben werden, wenn der Besitzer nachweist, daß es der angeordneten Quarantäne von 5 Tagen unterworfen gewesen ist.
2. Am Tage vor dem Markte werden die Gastställe, Höfe der Gastwirthschaften u. s. w. thierärztlich beaufsichtigt werden.
3. Mit dem Auftrieb des Viehes auf den Marktplatz darf erst 7^/, Uhr früh begonnen werden. Der Auftrieb darf geschehen:
a) durch die Schloßstraße,
b) durch die Sturmiusstraße von der Rhabanusstraße aus, c) durch die Lindenstraße und
d) durch die von Ziehertz her durch den Eisenbahnvia- dukt führende Straße.
Hiernach bleibt von den auf den Viehmarkt mündenden Straßen nur die Heinrichstrabe für den Austrieb geschloffen.
4. Das Ausbringen von Vi.h auf den Markt ist nur dann gestattet, wenn den an den unter 3 genannten Auftriebswegen ausgestellten Polizei-Beamten eine von der zuständigen Ortspolizeibehörde ausgestellte Bescheinigung vorgelegt wird, daß in der Ursprungsgemeinde seit 4 Wochen nicht die Maul- und Klauenseuche herrscht und daß die Ursprungsgemeinde in den letzten 4 Wochen nicht zu einem Beobachtungsgebiet im Sinne des § 59a der Bundesrathsinstruktion gehört.
Diese Bescheinigung hat eine fünftägige Gültigkeit, den Ausstellungstag eingerechnet.
5. Die Musterung von Vieh rc. in den Zugangsstellen oder dicht davor ist verboten.
6. Am Markttage ist der Viehhandel in Gehöften, Gastställen 2c. innerhalb der Stadt Fulda verboten.
Fulda, den 14. Februar 1898.
Der Königliche Landralh
I. A.: Zober vier, Regierungs-Assessor.
Nichtamtlicher Theil.
Aus dem Reichstage.
Bei Berathung des Etats des Reichsheeres sind natürlich von der Sozialdemokratie auch diesmal wieder allerlei Beschwerden über Mißhandlungen und Beleidigungen von Soldaten erhoben worden. Wie es um die Richtigkeit der dabei gemachten Angaben in zahlreichen Fällen bestellt ist, dürfte aus früheren Verhandlungen genugsam bekannt sein. Die Leichtfertigkeit in der Verbreitung verleumderisch zugetragenen Stoffes tritt gerade auf diesem Gebiete besonders stark in Die Erscheinung. So mußte denn auch der Abgeordnete Bebel eingestehen, daß sich die von ihm behaupteten Dinge mehrfach nicht als richtig erwiesen hätten. Das hinderte ihn aber selbstverständlich nicht, von neuem allerlei Aeußerungen vor dem Reichstage breitzutreten, die aus Privatgesprächen und Jn- struktionsstunden entnommen waren, und dabei Pfeile gegen Personen zu entsenden, denen der Natur der Sache nach die Möglichkeit sofortiger Vertheidigung versagt ist.
In trefflichen allgemeinen Ausführungen wußte der Kriegsminister das ganze Verfahren, dem die Sozial- demokratie ihren Beschwerdestoff verdankt, zu geißeln. Er bezeichnete es mit Recht als einen Mangel an Muth und Moral, daß man sich eine schimpfliche Behandlung zu theil werden läßt, ohne diejenigen Schritte zu thun, welche in solchen Fällen durch die dienstlichen Vorschriften vorgeschrieben sind, und daß man, anstatt den geordneten Beschwerdeweg zu betreten, sich mit seinen Klagen in den Schutz der Sozialdemokratie flüchtet. Nur die moderne Zeitrichtung, die jede Autorität untergräbt und das Vertrauen zu den Vorgesetzten grundsätzlich erschüttert, vermag Erscheinungen wie die Scheu der Leute vor Beschwerden zu erklären. Wo nur irgend Mißhandlungen in der deutschen Armee zur Anzeige gelangten, hat bisher in jedem Falle eine eingehende Untersuchung und scharfe Bestrafung der Schuldigen stattgefunden. Jene Scheu und das mangelnde Vertrauen sind daher so ungerechtfertigt wie nur möglich.
Natürlich fehlte es auch in der diesjährigen Etats- Berathung nicht an lobenden Seitenblicken auf das Volksheer der freien republikanischen Schweiz. Selten aber ist die Abfertigung auch in dieser Beziehung eine so gründliche gewesen wie das letzte Mal. Der Kriegs-
Unter der Kaperflagge.
See-Roman von Constanliu« F I o o d.
(Fortsetzung.)
Noch am selben Tage wurde der Plan zur Ausführung gebracht. Es gelang ihnen unter der Vorderschanze, dicht neben der Klüse, wo einige alte Segel lagen, sich zu verstecken, während ihre Leidensgenoffen wieder in den Gefängnißraum eingejperrt wurden.
Bis dahin war alles gut gegangen; aber die geringste Bewegung konnte sie verrathen und ihnen eine Kugel statt der Freiheit bringen. Unter der vorragenden Schanze war es indessen ziemlich dunkel, und auf dem schmutzigen Fluß, der das Kloakenwasser der Millionenstadt in den Kanal hinausführte, lag überdies ein dichter Nebel, der die nächsten Fahrzeuge verbarg und selbst das Deck des Gefangenenschtffes dunkel machte.
Der Sicherheit wegen wollten die beiden Freunde aber doch die Nacht abwarten, ehe sie über die Brüstung zu entkommen suchten.
Plötzlich hörten sie einen leisen, stöhnenden Laut unter der Vorderschanze, und Knuds bereits an die Finsterniß gewöhntes Auge entdeckte eine menschliche Gestalt.
Er gab Andreas einen Wink.
„Wir sind nicht allein," flüsterte er und kroch vorsichtig „ach jener Seite, von welcher der Laut gekommen war.
Er unterschied im Dunkel ein bleiches, bärtiges Gesicht.
Das war just keine angenehme Entdeckung; aber es i ließ sich nichts anderes thun, als sich mit dem entdeckten ! Genossen in Verbindung zu setzen; denn daß er einer der Gefangenen war, darüber konnte kein Zweifel herrschen.
Es folgte ein leises Gespräch im Flüsterton drüben neben der Klüse, worauf Knud zurückkehrte und seinem Freund mittheilte, daß jener Mann entschlossen sei, sich mit ihnen in» Wasser fallen zu lassen.
ES war ein älterer Mann, der ihnen sicher mehr Mühe verursachen, als Nutzen leisten konnte; aber wenn er selber den Muth Halle, den Versuch zu machen, so wäre es an ihnen, ihm behilflich zu sein, meinte Knud.
„Ja, wir müssen ihm zu helfen suchen," erklärte Andreas ohne Zögern, und damit krochen beide nach dem Spriet hin und drückten ihrem Leidensgenoffen die Hand.
Man vernahm die Schritte der Marinewache. Die drei Seeleute, die im Schutz der Finsterniß unter der Vorderschanze zusammengekauert lagen, verhielten sich vollkommen still, bis sich die Wache wieder entfernte.
So verstrichen zwei, drei Stunden. Da erklärte Knud int Flüsterton seinen Kameraden, daß es jetzt wohl an der Zeit sei, den Versuch zu wagen.
Es war vollständig finster geworden, und der Nebel noch dichter als früher. Kaum hatte die Wache dem Versteck der drei Flüchtlinge den Rücken gewandt, als sie rasch auf die Brüstung kletterten, von da vorwärts nach dem Krahnbalken und sich nach dem Ankertau hinab- gleiten ließen. Um das Geräusch beim Aufschlagen ins Master zu verhindern, wenn sie sich hinabfallen ließen,
: hatten sie beschlossen, sich am Ankertau herabzulassen.
Es war eine verhältnißmäßig leichte Sache für die beiden, jungen geschmeidigen Seeleute. Knud und sein Freund befanden sich schon nach wenigen Sekunden im Master. Im nächsten Augenblick hörte man einen lauten Plumps; ihr Kamerad hatte das Tau loSgelasten und war in den Fluß gefallen.
Es hätte vonseiten Knuds und seines Freundes nur einiger Stöße bedurft, um in der Finsterniß zu verschwinden ; aber sie konnten einen Kameraden nicht ver- lassen, dem sie die Hand gereicht hatten. So blieben sie ganz ruhig im Flußwasser liegen.
Der Fremde war wieder in ihrer Nähe aufgetaucht. AVer er war offenbar ein äußerst schlechter Schwimmer. Er schlug unter starkem Geräusch mit den Armen um ' sich, um über Wasser zu bleiben.
Einen Augenblick später sah man das Aufblitzen von glühendem Zündkraut auf dem Deck des „Albion", und eine Kugel pfiff ins Master herab.
Die Flüchtlinge waren entdeckt.
„Ihr bringt uns ins Unglück!" murmelte Knud, indem er mit der einen Hand die Schulter des Schwimmenden ergriff. „Rührt Euch nicht, laßt Euch wie ein Sack treiben und mich für das Uebrige sorgen!"
Andreas hatte die Absicht verstanden und stützte den Mann mit der einen Hand, während er wie Knud mit der andern schwamm.
Es fielen noch ein paar Schüsse, die in die Finsterniß hinaus abgefeuert wurden; man hörte Kommandos und Flüche auf Deck. Aber nach wenigen Augenblicken