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Ar. 48.

Iieilstis Den 28. April

1888.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 25. April 1898.

Die Herren Bürgermeister mache ich darauf aufmerk­sam, daß die Steuererheber verpflichtet sind, den Steuerpflichtigen über die Ablieferung der fäll­igen Staatssteuern und Gemeindeabgaben ordnungs- mäßigeQuittungen auszustellen. Aus denselben muß erstens der G e s a m m t b e t r a g der abgelieferten Beträge, zweitens die Vertheilung dieser Summe auf die einzelnen Steuerarten ersichtlich sein. Zur Erleichterung empfehle ich dringend, sich hierbei der in der Buchdruckerei der Herren Gebrüder Funk hier gedruckten Steuerzettel zu bedienen. Bei Nichtbeachtung dieser Vorschrift ordne ich die Ver­wendung von Steuerzetteln an.

I. III. Nr. 1251. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

$tr Misch - Mnkmsche Kriez.

Nach der Unterzeichnung des Ultimatums durch den Präsidenten Mac Kinley hat Spanien sofort die diplo­matischen Beziehungen abgebrochen; es ist also gar­nicht zur Ueberreichung des Ultimatums gekommen. Es ist auch schon der erste Schuß gefallen, und zwar auf ^ amerikanischer Seite. Es galt einem kleinen spanischen Frachtschiff, das bei der Insel Key West an der Spitze von Florida, wo ein Theil der amerikanischen Flotte versammelt ist, angehalten und mit Beschlag belegt wurde.

Bis größere Kriegs-Ereignisse geschehen, wird noch einige Zeit vergehen. Die spanischen Geschwader be­finden sich auf hoher See noch weit entfernt von den westindischen Gewässern und der Nordamerikanischen Küste; wohin ihre Segelordre lautet, ist natürlich un­bekannt. Sie können zur Vertheidigung der spanischen Antillen oder auch zu Offensivstöben gegen die nord- amerikanischen Häfen, insbesondere New-Iork, bestimmt

sein. Daß die nächste Aufgabe der Nordamerikanischen Flotte eine Blockade von Havanna sein wird, scheint sicher zu sein. Die regulären Truppen der Vereinigten Staaten werden angeblich in Chickamanga (Seorgi-", zusammengezogen. Da sie bekanntlich an Zahl ger' g sind, so müssen die Vereinigten Staaten erst eine A- iee aus der Erde stampfen, die über den Schutz der Küsten- punkte und der mexikanischen Grenze hinaus imstande wäre, den 100-150 000 Mann des General Blanco auf Cuba die Spitze zu bieten.

Wie auch die Kriegspläne auf beiden Seiten ent­worfen sein mögen, für Europa wird die nächste Auf­gabe sein, möglichst den Schädigungen des Handels und der Schifffahrt durch den Krieg vorzubeugen. Der Ver­kehr mit Spanien wird voraussichtlich ungehindert bleiben, dagegen wird der Verkehr mit Nordamerika zum Theil ganz lahmgelegt oder argen Belästigungen ausgesetzt werden. Die Linien, die nach blockierten Häfen gehen, müssen den Dienst einstellen, die neutralen Schiffe der übrigen Linien können der Durchsuchung von Kriegs- und Kaperschiffen unterworfen werden. Von den europäischen Staaten sind am meisten England, Deutschland und Frankreich an dem Verkehr nach Amerika interessirt; an die Regierungen tritt vor allem die Pflicht heran, die neutrale Flagge möglichst zu schützen. Eine gemein­same Aktion in dieser Richtung wäre natürlich wirksamer, als gesondertes Vorgehen nach verschiedenen Gesichts­punkten. Die deutsche Regierung hat daher nicht ver­säumt, in Verhandlungen mit den übrigen Großmächten einzutreten, um die Paffagier- und Handelsschiffe, die keine Kriegskontrebaude an Bord haben, nachdrücklich vor unberechtigten Belästigungen zu schützen.

(Amerikanisch,e Ansicht über diebevor- st e h e n d e n O p e r a t i o n e n.) Das LondonerDaily Chronicle" läßt sich aus Washington schreiben: Jetzt, da der Krieg unvermeidlich geworden ist, ist eine kühle und maßvolle Stimmung im Lande entstanden. Man macht sich allmählich die Bedeutung und die schwerwieg­enden Folgen des Unternehmens, welches die Vereinigten Staaten begonnen haben, klar. Die Nüchternen bedenken, daß der Krieg viele Tausend Menschenleben und viele Millionen Dollars kosten wird, ehe er zum Abschlüsse gelangt. Obgleich der Krieg nun schon mehrere Wochen in Aussicht steht, ist die Regierung durchaus nicht fertig,

sofort Truppen nach Kuba zu dirigiren. Wenigstens eine Woche wird vergehen, ehe die ersten Kontingente dorthin absegeln können. Die Militairbehörden sind sich darüber einig, daß mindestens 50 000 Mann Truppen womöglich in Matanzas gelandet werden müssen, um mit der Havana blockirenden Flotte zusammenzuwirken. Zur Zeit können aber nur 18 000 Mann Regulaire an der Küst zusammengezogen werden. Das Kriegsministerium besi^t gar keine Vorräthe, Uniformen u. s. w., um eine größere Armee auszurüsten. Die Habsucht der Lieferan- b n ist üppig ins Kraut geschaffen. Das Quartiermeister- A mt wünscht beispielsweise 4000 Maulesel zu TranS- p, rtzwecken anzukaufen. Der gewöhnliche Preis ist 80 Doll. Zum Preise von 90 Doll. hat der Generalquar- liermeister bisher nur 600 auftreiben können. Die übrigen Angebote schlug er ab, da durchschnittlich 160 Doll. für einen Maulesel verlangt wurden. Die für die Truppentransporte gecharterten Schiffe können vor Ab­lauf einer Woche weder im Norden, noch im Süden zusammengezogen werden. In Washington glaubt man, daß Kuba sich auf Gnade und Ungnade ergeben muß, sobald der Insel die Zufuhren abgeschnitten werden, selbst wenn kein Schuß abgefeuert wird. Man will jedoch die AuShungerungSmetl^de nicht anwenden, sondern so» bald wie möglich Truppen landen. Was den Militair- und Marinebehörden am meisten Sorge macht, ist die anscheinende Unthätigkeit Spaniens. In Washington versteht Keiner den spanischen Feldzugsplan. Anscheinend will Spanien Kuba nicht preiSgeben. Weshalb bleibt aber dann die spanische Flotte auf der anderen Seite des Ozeans? Im Allgemeinen herrscht in den Vereinigten Staaten die Annahme, daß Spanien erst die amerika­nische Flotte Kuba angreifen lassen will und dann plötz­lich absegeln und die amerikanischen Küstenstädte bedro­hen wird.

Folgende Kapernachrichten liegen vor, die aber wohl sämmtlich noch einer offiziellen Bestätigung bedürfen: Einer Newyorker Meldung zufolge eroberte ein amerikanischer Kreuzer das spanische SchiffGarzia" bei Kuba. Das von dem KreuzerNewyork" aufge­brachte spanische Schiff ist nicht das PacketbootAlfonso XII.", sondern der DampferPedro", welcher 1892 Tonnen groß ist, und am 17. d. M. von Antwerpen in Havana eingetroffen war. Wie aus Amsterdam tele- graphirt wird, soll ein spanisches Kriegsschiff an der englischen Küste den amerikanischen ViermasterShenan-

Unter der Kaperflagge.

See-Noman von Constanliu« Food.

(Fortsetzung.)

Draußen rief man noch immer Hurra, während Mutter Ellingsen auf allen Messingleuchtern des Hauses Licht machte, als wenn ihr Sohn, der Kaperkapitän Knud Ellnigseu, und die achtbare Jungfrau Elisa Reimer be­reits ihre Hochzeit feierten, nicht davon zu reden, daß an diesem Abend auch große Aussichten vorhanden waren, > daß vielleicht noch eine zweite Hochzeit im Hause statt- finden sollte.

Andreas hatte ein Halsband von roten Korallen be­merkt, und diejenige, die es trug, war keine andere als Jungfrau Alma.

Es war das gleiche Korallenband, das er ihr geschenkt hatte, als er von seiner ersten Westindienreise heimkehrte.

Andreas erkannte es sogleich, und was er überdies | entdeckte, das war der Umstand, daß Jungfrau Alma fast j ebenso rot war, wie die Korallen, als sie sich ihm gegen­über an den Abendtisch setzte. Diese Aussichten nun hatten die verwegenen Gedanken in ihm geweckt, daß es vielleicht noch eine andere Hochzeit im Hause geben könnte, als nur diejenige Knuds und Elisas. Freilich mußte Jungfrau Alma erst um den achtbaren Obersteuermann Andreas Christophersen freien, oder er um sie C welch letztere Möglichkeit in dem jungen Seemann ver- j schiedene Bedenken erregte. Schließlich aber kam ihm 1 eine leuchtende Idee.

B H Sein Freund Knud!

Knud würde die Angelegenheit für ihn schon ins Reine bringen.

Nachdem er zu diesem beruhigenden Ergebnis gekommen war, konnten seine Hoffnungen auch nicht Schaden leiden, als Mutter Ellingsen ihn hinauf in die Kammer führte und ihm alle seine Banknoten zeigte, die gut verwahrt in einem Bettüberzug in der blau bemalten Truhe lagen, auf der mit schnörkligen gelben und roten Buchstaben der Name:Alma Ellingsen" stand.

XIII.

Es war der Kirchgang auf Lister.

Eine Menge Volkes war vor der alten steinernen Kirche mit dem tiefen Dach und dem niedrigen etwas über die Dachfirst aufgebauten Turm vefammelt, eine ungewöhnliche Menge Volkes, das auf mehr als einen gewöhnlichen Kirchgang deutete. Man sah die Kutsche des Vogtes draußen vor dem Kirchhof halten und den Vogt mit einem Gefolge von Seeoffizieren in ihren blauen und weißen Uniformen aussteigen. Ein wenig nachher hörte man eine Trommel rühren, und die Küstenwehr in ihren bunten Trachten, mit einer großen Danebrogsflagge an der Spitze, kam in geschlossenem Truvp die Straße heraus und machte vor der Kirche Halt. Hier stellten sie ihre Steinschloßbüchsen in Pyramiden auf.

Es war aber offenbar weder die Küstenwehr noch der Vogt Seiner Königlichen Majestät mit Gefolge, die das Volk an diesem Sonntag so zahlreich angelockt hatten; denn noch eine gute Weile nachher, als die Truppen und die hohen Herren in die Kirche getreten waren, blieben

die Leute draußen stehen und sahen erwartungsvoll den Weg hinab, der nach Helvigstrand führte.

Der alte Propst im Predigerrock und Kragen kam aus dem Pfarrhofe. Man sah ihn in die Kirche gehen und hörte den Beginn des Gesangs unter Anführung des alten Küsters.

Aber noch blieben eine Menge Leute, namentlich die Jugend, draußen auf dem Kirchenhügel stehen.

In der Kirche wurde es still. Der Propst war auf die Kanzel gestiegen; aber noch stand das Volk zahlreich draußen.

Da, endlich, drunten am Ufer des Wassers kam etwas, ein dunkler, dichter Haufe, über dem eine Fahne leuchtete. Einen Augenblick nachher unterschied man in der Gruppe ein weißes Boot, das eben den Strand er­reichte, mit fliegender Eile über das Wasser schoß und herauf gegen die Kirche fuhr. Drei große Boote folgten nach, und in der leichten östlichen Brise hörte man die Töne von Hörnern, während die Fahnen über den vier Booten in der Brise flatterten.

Die große, weiße Schaluppe war an der Spitze.

Die Volksmenge vor der Kirche strömte nun hinab gegen den See.

In der Kirche mußten die Leute durch die Fenster gesehen haben; denn nach einer Weile, der Gottesdienst war kaum zu Ende, war die ganze Gemeinde draußen.

Die Jugend stellte sich auf der Kirchhofmauer auf.

Nun hatten sie doch auch Schaluppen auf dem Pfan- waffer gesehen! Die Leute begannen zu munkeln, daß man auch in der Großartigkeit Maß halten müßte