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Gratisbeilagen: „Illustrirtes Sonnragsblatt" n. „Zllurtrirte lanSwirthschaftliche Beilage".
Nr. 52.
Iicilftliz it« 1 Mai
1888.
Bestellungen auf das Hersselder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Jünstrirtes Sonntagsblatt" -"» „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate Mai und Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 28. April 1898.
Die Herren Bürgermeister des Kreises haben die Ihnen in den nächsten Tagen zugehenden Losungsscheine für die in ihren Gemeinden befindlichen Militärpflichtigen denselben alsbald auszuhändigen und das beigefügte Verzeichniß, nachdem der Empfang der Losungsscheine auf demselben bescheinigt ist, ungesäumt an mich zurück- zu senden.
I. II. Nr. 1454. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 29. April 1898.
Die Herren Ortsvorstände zu Allendorf, Asbach, Bie- debach, Friedlos, Frielingen, Heringen, Kathus, Kleinensee, Malkomes, Schenksolz, Stärklos und Unterhaun sind noch mit Erledigung der Verfügung vom 24. März d. Js. I. A. Nr. 1035, Kreisblatt Nr. 37, die Anstellung der Gemeinderechnungsführer rc. betreffend, im Rückstände, und werden m i t F r i st bis z u m 6. M a i d. I s. hieran erinnert.
A. 1035. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
"CaffelUn 12. April 1898.
Nach den §§ 10, 18 uud 24 des Feld- und Forst- polizeigesetzeS vom 1. April 1880 ist die Verfolgung und Bestrafung des in diesen Paragraphen angegebenen Feld- und Forstfrevels nur auf Antrag des Geschädigten möglich.
As kleiiikil Hauses ®IW und Lei».
Erzählung von Karl ZastroW. (Fortsetzung.)
Der schrille Klang der Klingel unterbrach Meister Stillere Worte. Der Alte zuckle mit bitterem Lächeln die Schultern. Er fürchtete neuen Aerger. Die Mutter ging zu öffnen, und gleich darauf trat Robert ein.
Er war mittelgroß, in seiner Haltung ungezwungen, in seinen Bewegungen lebhaft. Die nicht unregelmäßigen Gesichtszüge wären fad erschienen, wenn ihnen nicht ein schwarzes Schnurrbärtchen einen Anflug von Charakter gegeben hätte.
„Guten Abend," sagte er, seinen Hut ablegend und dem Vater, der ihm durchdringend ine Auge sah, die Hand entgegenstreckend. Der junge Mann wich dem väterlichen Blicke aus. Er warf sich in die Ecke bee Sophas und begann sogleich mit der Schwester ein Ge- spräch über die Bestrebungen eines Handwerkervereins, dem er angehörte und der sich gleich vielen andern Vereinen der Neuzeit die Verbesserung der gewerblichen Verhältnisse zur Aufgabe machte.
Dieser Verein verunstaltete an einem der nächsten Abende ein Tanzkränzchen, zu welchem Lucie eingeladen war. Es mangelte den Geschwistern daher nicht an Gesprächsstoff.
Der Vater wartete geduldig, bis eine Pause im Gespräche eintrat. Dann hob er in bedächtigem Tone an:
»Du bist in der letzten Zeit sehr spät nach Hause
Infolge dieser Bestimniung ist nach Ansicht der hiesigen Landwirthschaftskammer sehr häufig eine Bestrafung nicht möglich, einmal weil der Geschädigte aus irgend welchen Gründen die Anzeige unterläßt, dann aber auch weil oft der Geschädigte von den Anzeigen der Feld- und Forstschutzbeamten nichts erfährt.
Bei dieser öfteren Straflosigkeit mehren sich die Uebertretungsfälle und es häufen sich nach den Ausführungen der Landwirthschaftskammer die Klagen der Landwirthe über den ausgellbten Feld- und Forstfrevel in erschreckender Weise.
Die Landwirthschaftskammer hat daher angeregt, ob nicht den Geschädigten von der Anzeige in den bezeichneten Fällen Mittheilung gemacht werden könnte, damit diese in der Lage seien, Strafantrag zu stellen.
Da ich glaube, daß hierdurch in vielen Fällen thatsächlich dem erwähnten Uebelstande abgeholfen werden kann, so ersuche ich die Ortspolizeibehörden anzuweisen, bei Anzeigen der Feld- und Forsthüter, der Gendarmen und Polizeidiener in Fällen der §§ 10, 18 und 24 dem Geschädigten mit der Anfrage Mittheilung zu machen, ob ein Strafantrag gestellt wird rc.
Der Negierungs.Präsident. I. V.: F l i e d n e r. An die Herren Landräthe des Regierungs-Bezirks.
He *
Hersfeld, den 30. April 1898.
Wird den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Nach- achtung mitgetheilt.
I. 2509. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 28. April 1898.
Unter dem Rindvieh des Bürgermeisters Becker zu Heenes ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen, und ist über die Gemeinde Heenes Orts- und Gemar- kungssperre angeordnet worden.
J. l. Nr. 2467. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Ar Misch - ammkNische Krieg.
Das Bombardement von M a t a n z a s wird allseitig
gekommen, Robert. Einmal sogar sehr früh. Weißt du noch? Am letzten Dienstag früh 4 Uhr war's, wo wir beide zusammen trafen. Ich kam aus der Bäckerei und du aus der Kneipe."
„Das mag stimmen, Vater," gab der junge Mann ruhig zurück. „Ich denke indessen, du wirst mir dieser- halb nicht zürnen? Derartige Gegensätze berühren sich ja oft im Leben."
„Ich muß ein ernstes Wort mit dir reden, mein Sohn. Du weißt, es giebt bei mir eine Hausordnung, und daß meine Kinder gegen diese verstoßen, habe ich nicht gern. Du wirst fortan deine freien Stunden hier im Hause zubringen und deine Zechgenoffen werden sich ohne dich behelfen müssen. Das Geld, welches du dort verthust, kannst du sparen. Es ist eine schöne Sache, wenn man in der Zeit der Noth etwas besitzt."
„Du magst es von deinem Standpunkte aus gut meinen, Vater," gab Robert zur Antwort. Thatsache ist jedoch, daß du über das Ziel hinausschießest. Was meine Zechgenoffen betrifft, so kann ich dir die beruhigende Versicherung geben, daß sie anständige Leute sind und ehrenwerthe Leute und talentvolle Leute, von denen ich etwas lernen kann. Daß letzteres bei mir die Hauptsache ist, solltest du nun nachgerade missen. Ich will weiter hinaus Will einmal selbständig werden und Patente haben. Ich habe das Glück, wissenschaftlich gebildete Männer zu Freunden zu haben, die sich ein Vergnügen daraus machen, mich zu belehren. Unter anderen kenne ich einen Ingenieur, einen außerordentlich
als ein Schaustück betrachtet, veranstaltet, um den erregten New-Dorkern Befriedigung zu gewähren. In Spanien wird das Ereigniß verlacht, ja der Kriegsminister Correa erklärte in der Deputirtenkammer, daß das einzige Opfer der Beschießung ein Maulesel gewesen sei. Der Generalgouverneur Blanco bestätigt die Meldung, daß das Bombardement keinerlei Schaden angerichtet habe.
Gerüchtweise wird über neueZusammenstöße berichtet, die aber einstweilen völlig unverbürgt sind. 9iacb einem Telegramm der „Evening Post" aus Key- West haben der Monitor „Terror" und das Kanonenboot „Machias" Cardenas bombardirt. Zahlreiche Spanier sollen getödtet sein. Nach zweistündigem Kampfe wären die Batterien zum Schweigen gebracht worden. Die Schiffe hätten keinen Schaden erlitten. Diese Nachricht wird von anderer Seite bestritten. Der Kapitän des Monitors „Puritan" bezweifelt die Richtigkeit der Meldung von einem Bombardement auf Cardenas und erklärt, es sei unmöglich, sich bis auf 6 Meilen der Stadt zu nähern; er habe auch keinen Kanonendonner gehört; des weiteren wisse er, daß zwei spanische Kanonenboote vor Cardenas versteckt seien. Andererseits meldet die „Morning Post", es sei in New-Iork aus East Port (Maine) sie telegraphische Meldung eingegangen, daß Kanonendonner aus Geschützen von großem Kaliber von Quoddy-Head her vernommen worden sei. Man glaube, daß sich der amerikanische Kreuzer „Minnea- polis" mit einem spanischen Schiffe im Gefecht befindet. Auch diese Nachricht hat noch nicht Bestätigung gefunden.
In Amerika beginnt man allmählich darüber klar zu werden, daß der Krieg mit Spanien kein Unternehmen ist, welches in drei Wochen erledigt werden kann. Trotzdem ist man noch nicht soweit gekommen, persönliche Gegensätze zurückzustellen, die namentlich zwischen dem Kriegsminister, dem Oberkommandirenden, General Miles, und General Schofield wiederholt vorgekommen sind. Der Kriegsminister scheint nicht ganz ohne Schuld zu sein. Denn was im einzelnen vom Kriegsministerium in diesen Tagen im Punkte der einzuberufenden Truppen - theile angeordnet worden ist, scheint in der That die Angabe über die herrschende Verwirrung zu bestätigen. Man möchte angesichts dieser Verordnungen an einen bedauerlichen Mangel an Sachkenntniß oder an ausgesprochene Abneigung gegen systematisches Vorgehen glauben. Der Staat Nem-Iork hat seit Jahren seinen Stolz darin gesetzt, die beste Kavallerie und leichte
begabten kenntnißreichen Mann, der mich im Zeichnen unterrichtet. Daß ich mit so guten, opferfreudigen Freunden hin und wieder ein Glas Bier trinken muß, liegt in der Natur der Sache."
Der Alte schwieg, aber sein eigenthümliches Lächeln verrieth, daß seine Ansicht über die guten, talentvollen und opferfreudigen Freunde unverändert geblieben war. Das sagte auch die entschiedene Haltung, mit welcher er sich jetzt erhob, seine Pfeife beiseite stellte und sich zum Weggehen anschickte, um seine Nachtarbeit in der Großbäckerei zu beginnen.
„Es ist kaum noch zu ertragen, diese Tyrannei," beklagte Robert sich, als der Vater die Wohnung ver- laffen hatte. „Ich werde mir ein möblirtes Zimmer miethen."
„Etwas nachsichtiger könnte er sein gegen uns," fügte Lucie hinzu. „Wenn mir nicht einmal ein kleines Tanzvergnügen vergönnt sein soll, wo ich doch sonst auf der Welt nichts weiter habe —"
„Tadelt den Vater nicht, Kinder," suchte Frau Stiller zu beschwichtigen, „im Grunde meint er's gut. Seine Jugend war ernst, wenn nicht rauh. Er mißgönnt euch das Vergnügen gewiß nicht, aber ihr sollt euch auch nicht daran gewöhnen und eure Pflichten darüber vernachlässigen."
„Nun, daran ist doch nicht zu denken," murrte Robert, „wozu also das Mißtrauen?"
Es wurde noch manches unzufriedene und begütigende Wort gewechselt, bevor der Schlummer die erregten Ge-