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Gratisbeilagen: „Illustrirter Sonntagsblatt" n. „)^nitrirte Lan-mirthschaftlicht Veilage".
Kr 91 IWlltrstliz kn 1 Allgust 1898.
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Amtlicher Theil.
Brückenau, den 16. Juli 1898.
Nach Bericht des Bürgermeisters in Unterriedenberg vom 8. (. Mts. wird der 23 Jahre alte stumme und schwachsinnige Matthäus Ziegler von Oberbach, welcher seit etwa 7 Jahren bei einer Wittwe in Unterriedenberg untergebracht ist und vor einigen Wochen sich schon einmal heimlich entfernt hatte, seit 6. l. Mts. wieder vermißt.
rc Ziegler sieht im Verhältniß zu seinem Lebensalter viel jünger aus, ist ci. 1,52 m groß, hat dunkelblondes Kopfhaar, graublaue Augen und fahles bartloses ®esid)t Bei seinem Weggange trug derselbe einen alten schwarzen Filzhut, abgetragene braune Tuckjoppe und Helle Sommerhose, karriertes Hemd von Baummollenbieber und gute lederne Schnürschuhe.
Ich erlaube mir um geneigteste Veranlassung von Nachforschungen ergebenst zu ersuchen.
Kgl. Negierungsrath.
(Unterschrift.)
An den Herrn kgl. preuß. Regierungs-Präsidenten in Cassel.
* * *
Cassel, den 23. Juli 1898.
Abschrift zur weiteren Veranlassung und Berichterstattung im Falle der Ermittelung.
Der RegierungS-Präsident. J. V: N u d o l p h. An den Herrn Polizei-Präsidenten hier und die Herren Landräthe des Bezirks.
* *
Hersfeld, den 1. August 1898.
Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königl. Gendarmerie des Kreises zur Fahndung nach dem Ver- wißten mitgetheilt.
Der Königliche Landrath.
J. V: Braun, Kreisdeputirter.
Die ^>ternwirthin.
Erzählung für das Volk von A. v. H a h n.
(Fortsetzung.)
„Da hätt' ich ein rechtes Narrenglück," widersprach Lenei wegwerfend, wenn ich mich weiter schinden und plagen wollte. Wo ich den alten Mann kriege, will ich wenigstens mein Leben jung genießen."
„Bist nicht gescheit!" eiferte die Mutter. „Der Wirth ist ein Mann in den besten Jahren und kann sich noch neben jedem Burschen sehen lassen."
Lenei aber hörte gar nicht hin, sondern blickte, den Oberkörper vorgebeugt, die Arme auf den Tisch gestemmt, auf das Gretei, dessen kleines Gestcht jetzt fahle Blässe bedeckte, während die erschrockenen Augen in Thränen schwammen.
„Was schaust mich denn so verwundert an?" fragte sie mit einem grausamen Lächeln. „Meinst' nicht, daß ich eine schöne Mutter für dich abgeben soll?"
Das Kind wurde erdfahl, alles Blut strömte nach seinem kleinen Herzen. „Du sollst meine Mutter nicht sein!" schrie eS in Herzensangst verzweifelt aus. „Du sollst den Benedikt —" Da aber stockte ihre Rede. Es kam ihr ganz schlimm an, dem Benedikt daS zuzusprechen, was ihr selber so verhaßt war.
„Den Benedikt, weißt' Gretei, den kannst' dir aufheben," höhnte Lenei. „Bis du groß geworden bist, ist
Hersfeld, den 2. August 1898.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit Erledigung der Verfügung vom 20. Juni 1882 Nr. 8170, Kreisblatt Nr. 49, Beseitigung der Hindernisse des freien Flußlaufes betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist b i S z u in 1 0. d. M t S. hieran erinnert.
Der Königliche Landrath.
I. V.: Braun, Kreisdeputirter.
Hersfeld, den 1. August 1898.
Für den am 16. Juni 1886 zu Nentershausen, Kreis Rotenburg, geborenen Sally Neuhaus zu Schenklengs- feld ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
I I. Nr. 4421. Der Königliche Landrath.
I V: Braun, Kreisdeputirter.
Nichtamtlicher Theil.
Bom Fürsten Bismarck.
Der „Reichs Anzeiger" meldet: Se. Majestät der Kaiser und König erhielt am Sonntag Morgen von dem Professor Schweninger die telegraphische Nachricht von dem Abends zuvor erfolgten Tode des Fürsten von Bismarck. Se. Majestät sandte darauf folgendes Telegramm nach Friedrichsruhe:
«Fürst Herbert Bismarck
Friedrichsruh.
In tiefer Trauer theilnehmend an dem Schmerz, der Sie Alle um den theuren großen Todten erfaßt, beklage Ich den Verlust von Deutschlands großem Sohne, dessen treue Mitarbeit an dem Werke der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes ihm die Freundschaft Meines in Gott ruhenden Großvaters, des Großen Kaisers Majestät, fürs Leben erwarb, und den unauslöschlichen Dank des ganzen deutschen Volkes für alle Zeiten. Ich werde seiner Hülle in Berlin im Dom an der Seite Meiner Vorfahre» die letzte Stätte bereiten. Wilhelm I. R.
Dem Kaiser war bei Absendung dieses Telegramms nicht bekannt, daß Fürst Bismarck selbst über seine Beisetzung und den Ort, wo er zur letzten Ruhe gebettet werden wollte, letztmillige Verfügungen getroffen hatte. Dem Kaiser ist inzwischen von der Familie Kenntniß davon gegeben, daß der Fürst seinem Wunsche gemäß im Sachsenwalde aus der dem Schloß in Friedrichsruh gegenüber liegenden Anhöhe in der Nähe der Hirsch-
er vielleicht noch ein bisset das geworden, was er jetzt nicht ist. Für dich wird er dann vielleicht grad gut genug sein, schaust. Ich mag ihn nicht."
In heller Aufregung sprang das Kind auf und schrie gereizt: „Der Benedikt ist noch viel zu schade für dich, denn er ist gut und du bist schlecht und — er ist ein Bauernsohn und du bist ohne Dach und Bett und bloß eine Magd, die ihre Füß' unter fremden Tisch setzt, hat die Bas' gesagt!"
Rasend vor Zorn erhob sich Lenei und wollte sich wie eine gereizte Tigerin über das Kind stürzen. Die Alte aber fiel ihr in den Arm und hielt sie zurück.
„Du Kröte!" schrie Lenei außer sich. „Kommst schon mit deinem Gift heraus? Wart! Das sollst' büßen! Auf Knieen sollst' noch vor mir rutschen und um ein gutes Mörtel betteln lernen!"
Athemlos rannte Gretei auf die Straße, ob der Vater noch nicht zu sehen war, und dann lief sie um das Haus herum, in den Hof und von dort durch den Garten nach dem Wurzerhaus. Gleich wollte sie der Wurzerin alles erzählen.
„Wenn nur der Wurzer noch nicht zurück wär'," dachte sie, vor innerer Aufregung bebend und langte athemlo« unter den Fenstern an. Erst blickte sie in des Wurzers Stube hinein und dann trippelte sie ans Neben- fenster und guckte durch die Scheiben.
Ueberrascht hielt sie in ihrem wimmernden Schluchzen
gruppe beigesetzt werden solle. Dazu melden die „Hamburger Nachrichten" :
An der Stelle, die vom Fürsten selbst zu seiner Ruhestätte ausersehen ist, soll ein einfaches Mausoleum errichtet werden, in welchem auch die Fürstin Bismarck mit beigesetzt werden soll. Die Herstellung einer solchen weihevollen Grabstätte, deren Pläne bereits feststehen, wird immerhin eine gewisse Zeit erfordern, und da eine provisorische Beisetzung dem Gefühle der fürstlichen Familie widerstrebt, wird für jetzt nur eine einfache Einsegnung der Leiche des Fürsten durch den zuständigen Geistlichen des Dorfes Brunstorf erfolgen. In einer eigenhändig unterzeichneten letztwilligen Verfügung hat der Fürst für den Fall seines Todes angeordnet, daß er an einer bestimmten Stelle des Sachsenwaldes begraben werden will. Die Anordnung schließt:
„Als Grabschrift wünsche ich: Fürst von Bismarck, geboren am 1. April 1815, gestorben .... und den Zusatz: Ein treuer deutscher Diener Kaiser Wilhelms I."
Se. Majestät der K a i s e r traf an Bord der Kaiseryacht „Hohenzollern" gestern Abend 9'/, Uhr unter dem Salut der gefammten auf der Rhede vereinigt liegenden Geschwader in Kiel ein. Ihre Majestät die K a i s e r i n traf in Kiel 9 Uhr 40 Min. Abends mittels Sonder- zuges ein und wurde am Bahnhof von dem Hofmarfchall des Prinzen Heinrich, Frhrn. v. Seckendorff, und der Ober-Hofmeisterin der Prinzessin Heinrich, Freifrau von Seckendorff, empfangen. Ihre Majestät, Allerhöchstwelche Trauerkleidung trug, fuhr mit Frau v. Seckendorff zum Schloß und begab sich von dort nach kurzem Aufenthalt auf die „Hohenzollern", von der Bevölkerung überall ehrfurchtsvoll begrüßt.
Auf Allerhöchsten Befehl Sr. Majestät bet Kaisers und Königs findet aus Anlaß des Hinschei- dens Seiner Durchlaucht des Fürsten von Bismarck, Herzogs von Lauenburg, am 4. d. M, Vormittags 10 Uhr in der Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche zu Berlin eine liturgische Andacht statt. Diejenigen Mitglieder des Reichstags und der beiden Häuser des preußischen Landtags, welche au dieser Andacht Theil zu nehmen wünschen, werden ersucht, die Einlaßkarten in den Bureaus der bezeichneten Körperschaften in Empfang zu nehmen.
Der Reichskanzler und Präsident des königlich preußischen Staatsministeriums. * *
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Aus Friedrichsruh wird gemeldet:
Der Verkehr in Friedrichsruh ist auch heute Vormittag trotz des prächtigen Wetters nur gering. Das
inne und sah mit großen Augen hinein. Die Bäuerin lag noch immer schlafend in ihrem Stuhl, wie Gretei sie vorhin verlassen, aber hinten stand der Vater vor dem offenen Wandschrank. Eben schob er etwas in die Tasche, verschloß den Schränk und ging mit dem Schlüssel in die andere Stube.
Gretei sah noch immer mit offnem Munde durch die Scheiben, sich wundernd, daß die Bäuerin nicht erwachte, als der Vater die Thür schloß und-die Klinke mit Geräusch einschnappte, sie hatte doch sonst einen so leisen Schlaf — da kam der Vater auch schon durch die Hausthür in den Garten und eilte in der Richtung seines Hofes fort.
Gretei, die er unter den dichtbelaubten Bäumen nicht gesehen und die vom schnellen Laufen und der Ueber« raschung noch ganz außer Athem war, sodaß sie keinen Ton in ihrer trocknen Kehle fand, um den Vater an- zurufen, folgte ihm so rasch es ihre kurzen Beinchen erlaubten. Sie wollte ihn noch einholen, ehe er zur bösen Lenei ging.
Aber er ging gar nicht ins Haus, sondern an demselben vorüber und durch die seitliche Einfahrt auf die Straße hinaus, auf der er mit raschen Schritten fort« eilte.
In schmerzlicher Enttäuschung sah das Dirndl hinter ihm her. Dann setzte es sich auf die Schwelle und stützte sein Köpfchen, athemloS vor Erschöpfung und Kummer,