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Gratisbettasen rIUnstrirtes SonntÄ^blaH0 «.^Itaftrtrit lanSwirthschaftliche Bellage"*

Sr. 97. Ioiliieistiiz ätn 18. AilgH 1898.

AmtUcher Theil.

Am 11. d. Mts. dahier gestohlen: eine goldene Da­men,Nemontoiruhr, im Innern des Rückdeckels die Fab­rik Nr. 43 793, außen mit Blumen verziert. An der Uhr befand sich eine kleingliederige Kette mit Anhängsel, letzteres ist mit Perlen eingefaßt. Gesammtwerth 42 M.

Um Nachforschung und ev. Nachricht wird ergebend ersucht.

Hanau, den 13. August 1898.

Königliche Polizei-Direktion.

Nichtamtlicher Theil.

Waffenstillstand.

Der Präliminar - Frieden zwischen Spanien und Nordamerika ist unterzeichnet, und aus Washington wurde gemeldet, Präsident Mc. Kinley habe dem französischen Botschafter den Dank der Bereinigten Staaten für seine Mühewaltung ausgesprochen. Vom amerikanischen Stand­punkte aus ist dieser Dank wohl verdient. Hat doch Cambou die bedingungslose Unterweisung Spaniens unter sämmtliche Forderungen der Union betrieben und erreicht. In Madrid dürfte man es weniger eilig ha­ben, sich für die französische Vermittelungskunst besonders erkenntlich zu zeigen. Der unparteiische Beobachter kann es den Spaniern nicht verdenken, wenn sie an der Auffassung festhalten, um die Bedingungen des jetzt un­terzeichneten Protokolls durchzusetzen, hätte man des großen Staatsmannes Cambon nicht bedurft. Jeder spanische Legations-Sekretär hätte dieseErfolge" in Washington ebenso gut erzielen können.

Die Einstellung der Feindseligkeiten kommt nament­lich auf Kuba gerade noch rechtzeitig genug, um den Amerikanern die Ausführung dringender Maßnahmen zur Rettung ihrer kranken Truppen möglich zu machen. Die Leidensscenen im Lager der Unionstruppen bei Santiago, Scenen, die jetzt mit der Heimschaffung der Kranken auch nach der Küste von Florida verpflanzt werden, predigen mit eindringlichem Ernst die Unmög: lichkeit, in tropischen Gebieten mit Dtreitkrästen, die nicht die ausreichende Gewöhnung an das Klima und die sorgsamste Ausrüstung haben, Eroberungen ins Werk

Die ^-ternwirthin.

Erzählung für das Volk von A. v. H a h n.

(Fortsetzung.)

Es war dem Wurzer, nachdem er sich dre Sache eingehend und reiflich überlegt, im Grunde ganz recht, daß er den Vorstellungen des Pfarrherrn Gehör gegeben.

Zudem, was er für sich selber plante, war s nur gut, wenn er mit dem Sohn wieder in Ordnung war, und die Leute aushörlen, sich über seinen Familienzwist den Mund zu zerreißen.

Man ließ es ihn ja bei jeder Gelegenheit suhlen, für einen wie schlechten Vater man ihn ansah und man jetzt Gutes von Benedikt hielt, seitdem man von seinem Reichthum und dem Glück, das ihn betroffen, so sichtbare Beweise hatte, wie das marmorne Engelsbild, das in Lebensgröße über dem Grabhügel emporragte.

Ganz im stillen, stachelte ihn wohl auch die ^uel- keit, den reichen Sohn hier zu haben und die Habgier dazu auf, seinem tiefgekränkten Stolz nicht mehr die erste Stimme zu lassen.

Wenn der Benedikt jetzt vernünftig war, konnten sich am Ende die Verhältnisse für alle Theile recht erfreu­lich gestalten laffen. Der Wurzer dachte habet schon stark an die Huberin mit. Wenn er die in seinen Hof holte, er zweifelte keinen Augenblick, daß sie ihm mit Freude die Hand zum Ehebunde reichen wurde, hatte er an dem Sohn gleich einen zahlungsfähigen Käufer für den stattlichen Hof der Witwe.

So kam alles in den rechten Gang, ohne daß die

zu setzen. Vielleicht werden die Amerikaner die vor Santiago erhaltene Warnung schon bei der weiter» Behandlung der Philippinenfrage zu beherzigen haben. Noch bis in die letzten Tage hinein konnte man von der eifrig betriebenen Entsendung frischer Truppen nach Manila lesen. Jetzt wird es stiller von solchen Ankün­digungen; allem Anschein nach will die Regierung in Washington einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit den aufständischen Eingeborenen, wenn irgend möglich, aus dem Wege gehen. Mit Recht: denn die Tagalen würden sich für ihre Unabhängigkeit noch ganz anders schlagen, als die spanischen Truppen auf Kuba.Zeit gewonnen, alles gewonnen" das scheint vorläufig das Losungswort der amerikanischen Politik für die Philip­pinen zu sein. Die neutralen Mächte haben bei dieser Sachlage keinen Anlaß, aus ihrer abwartenden und be­obachtenden Haltung herauszutreten.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, 17. August.

Aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers von O e st e r r e i ch findet am 78'. "b. bei Ihren Majestäten dem Kaiser und der K a i s e r i n im Schloß Wilhelms­höhe bei Cassel eine größere Frühstückstafel statt, zu welcher außer dem dort anwesenden Gefolge der öster­reichisch-ungarische Botschafter nebst den Bolschasts-Mit- gliedern, sowie der kommandirende General des 11. Armee­korps v. Wittich, die General-Adjutanten von Schweinitz und von Werder und der Ober-Präsident der Provinz Heffen-Naffau, Einladungen erhalten haben. Der Darmstädter Zeitung" zufolge treffen der Kaiser und die Kaiserin in Bad Nauheim zum Besuche der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich ein

Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin werden nach den bisher getroffenen Bestimmungen am 29. d. M. Schloß Wilhelmshöhe bei Cassel wieder ver­lassen. Die Kaiserin beabsichtigte dann mit den kaiser­lichen Kindern einen kurzen Sommerausenthalt im könig­lichen Schlosse Oliva bei Danzig zu nehmen. Aus diesem Anlässe war der Hofmarschall der Kaiserin dort anwesend, um das Schloß eingehend zu besichtigen. Der geplante Aufenthalt dort wird jedoch nicht zur Ausführung ge­langen, da das Schloß Oliva zur Aufnahme der kaiser-

Leute von der schandbaren Handlung Benedikts, die Vater und Sohn getrennt, erfuhren und er in seinen Unternehmungen durch Rücksichten auf den Sohn ge­hemmt wurde. Wenn er wirklich inzwischen zu solchem Reichthum gekommen war, würde er sicher keine Ansprüche mehr an des Vaters Besitz stellen und am Ende gab er noch gern heraus, was er sich widerrechtlich angeeignet, wenn ihm dafür Verzeihung wurde.

Mit täglich wachsender Spannung sah er dem Be­scheid entgegen, den ihm der Pfarrer bringen wollte, sobald Nachricht von Benedikt eintraf.

Aber Wochen gingen hin, und die Antwort blieb aus.

Der alte Pfarrer war ganz trostlos über den schreck­lichen Fall in seiner Gemeinde. Nach des Benedikts Verhalten war an dessen Schuld jetzt nicht mehr zu zweifeln.

Er hätte sich doch wenigstens gegen ihn verantworten müssen, wenn er Ehrgefühl besaß und sich schuldlos wußte. Er hatte ja des Vaters Beschuldigung Haarklein aus­einandergesetzt und die Dinge beim rechten Namen ge­nannt. Daß ihn der Brief nicht erreicht haben sollte, war auch nicht anzunehmen, denn sonst wäre das Schreiben längst an den Absender zurückgelangt.

Es war nun ein halbes Jahr her, daß man die Wurzerin in die kühle Erde gebettet. Nach Recht und Gewissen glaubte der Wurzer jetzt daran denken zu können, sein Haus auss neue zu bestellen und seinem Leben wieder einen Inhalt zu geben. Es war ihm gar zu einsam geworden in seinem Haus.

lichen Familie sich als unzureichend erwiesen haben soll.

Am 18. d. M. wird auf Allerhöchsten Befehl Sr. Majestät des Kaisers um 7 Uhr Abends zum Gedächtniß der im Jahre 1870 in der Schlacht bei St. Privat gefallenen 128 Offiziere und 2313 Mannschaften des Garde Corps die große ^-Glocke der Kaiser Wilhelm- Gedächtnißkirche geläutet werden.

An die Spitze des türkischen Gefolges, welches Kaiser Wilhelm durch Palästina und Syrien be­gleiten wird, ist General Schakir-Pascha gestellt, der die Stelle eines Chefs beim Mililär-Kabinet bekleidet.

Der Deutsche Landwirthschastsrath hat es auf Er­suchen des Herrn Staatssekretärs des Innern über­nommen, die im Reichsamt des Innern sertiggestellten Fragebogen über die Rentabilität landwirthschastlicher Betriebe den landwirthschaftlichen Organen (Landwirth« schaftskammern u. s. w.) zuzustellen, damit diese sie an die einzelnen zu befragenden Landwirthe gelangen lassen. Demgemäß werden in diesen Tagen die Fragebogen nebst Anleitung zur Beantwortung und nebst Musteraus­füllung die bis auf einige Anlagen im Druck fertig­gestellt sind in der erforderlichen Anzahl von Exem­plaren von Seit^' ^S RsichsamtS des Innern dem Deutschen Landwirthschaftsrath übermittelt werden.

S. M. S.Nixe" wird am 15. d. die Ausland­reise antreten, beide Schiffsjungen-SchulschiffeNixe" undSophie" werden südamerikanische Häfen anlaufen und in der zweiten Hälfte des Dezember während der Feiertage im Binnenhafen von Buenos-Aires liegen. Auch der brasilianische Hafen San Franzisko in dem von deutschen Kolonisten bewohnten Territorium Donna Franziska mit der fast deutschen Stadt Joinville wird von beiden Schiffen angelaufen werden. Nach kurzem Aufenthalt auf einer der Azoreninsel werden die Schiffe Ende März wieder nach Kiel zurückkehren.

Dem Vernehmen nach geht die Inspektion der Jn- santerieschulen mit der Absicht um, eine Aenderung der Bestimmungen über das Ausscheiden der Zöglinge der U n t e r o f f i z i e r s ch u l e n herbeizusühren. Diese Aenderung dürfte von größter Wichtigkeit sein. Obwohl die in die Armee tretenden Unterosfizierschüler sämmtlich bereits zu Unteroffizieren ausgebildet sind, erreichen sie diese Charge gewöhnlich erst nach Ablauf von einer drei- bis sechsmonatigen Dienstzeit bei ihrem Truppentheil. Der Vorschlag der Inspektion der Jnfanterieschulen geht

Es war zu Frühlingsanfang, da warf sich der Wurzer eines Sonntags in seinen besten Staat, ging die Dorf- straße hinunter und trat in den Huberhof, wo die statt­liche Huberin als Witfrau hauste.

Wie ein Lauffeuer ging die Kunde von Haus zu Haus und die Leute traten tuschelnd vor den Thüren zusammen. Denn was der Wurzer bei der Hubei in suchte, darüber waren sich alle einig.

Die Huberin war gerade vorn Kirchgang heimgekehrt und legte eben Gebetbuch und Sonntagshaube in den Kasten, als der Wurzer würdevoll bei ihr eintrat.

Grüß Golt, Huberin," trat er jetzt bei ihr ein. Ich muß doch mal schauen, wie's bei Euch hergeht. Jetzt wo ich allein bin, hab ich Zeit, die alte Freund­schaft wieder in Ehren zu halten."

Grüß Gott, Wurzer," gab ihm die Huberin ge­messen Bescheid und maß ihn mit einem verstohlenen Blick. Dann schob sie ihm einen Stuhl zurecht.Setzt Euch."

Es war ihr erst ein leichter Schreck durch die Glieder gefahren, dann aber dachte sie, es könnte am Ende doch etwas Anderes sein, was den Wurzer hergeführt. Sonst hälte er doch den Freiwerber geschickt, wie's üblich war in der Gegend.

Der Wurzer aber hatte gemeint, sich die Ausgabe er­sparen zu können. Da sie beide Witsleute waren, kam'S doch nicht so daraus an, daß alles am Schnürchen her- ging, und die Leute wußten auch nicht gleich wo's bräunte, wenn er die Sache unter der Hand abmachte.

Daß die Huberin seine Werbung mit gebührendem