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$r. 102.
Iiciistliz heu 20. Agilst
1898.
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Amtlicher ®l|eiL
Hersseld, den 29. August 1898.
Der Untersuchungsgefangcne Carl Karkus, geboren am 4. Januar 1869 zu Bentwitz in Schlesien, bekleidet i mit grauem Rock, Weste und Hose, Stiefeln, buntem Hemd und dunklem Hut, ist aus dem Amtsgerichtsgefängniß zu Rotenburg a/F. am 26. d. M. entwichen, und werden die Königlichen Gendarmen und Ortspolizeibeamten angewiesen, nach demselben zu fahnden. Signalement folgt.
I. 48-16. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
Signalement. Alter 29 Jahre, Größe 1,68, Haare dunkelblond, Stirn gewöhnlich, Augenbrauen dunkelblond, Augen grau, Nase gewöhnlich, Mund gewöhnlich, Zähne gut, Kinn gewöhnlich, Gesichtsbildung gut, Farbe gesund, Statur kräftig. Besondere Kennzeichen: Auf beiden Armen und Brust Tätowirungen.
Gefunden: ein Regenschirm. — Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Sorga.
Nichtamtlicher Theil.
Zur Philippinenfrage.
Die französische Diplomatie, die in dem Präliminar- Frieden von Washington ihr eigenstes Werk siehst, hat alles gethan, um vor der Welt im Glänze dieses auf Kosten Spaniens zu stände gekommenen „Erfolges"
Die ^>ternwirthin.
Erzählung für das Volk von A. v. Hahn.
(Fortsetzung.)
Das war dem Sternwuth wie eine plötzliche Erleuchtung aufgestiegen und scheuchte alle Unruhe und Angst fort. ES war ja nur zu klar, daß der Wurzer, wenn er wirklich der gescheite Mann war, für den er sich ausgab, lieber den Dieb unbestraft ausgehen ließ, als daß er das ganze Geld, auf das die entwendeten Scheine lauteten, preisgab. Er würde schön den Mund halten und seine Zinsen weiter ziehen und abwarten, wie er den Richtigen ohne Aufsehen fassen konnte. Auf diesem Wege rettete er noch, was zu retten war. Er selbst mußte natürlich ebenso gewissenhaft seine Zinsen weiter zahlen und durfte es mit keiner Miene verrathen, daß er sich aus des Wurzers Händen befreit wußte. Später fand sich's schon, daß er auch mit den Zinszahlungen loskam. So wie der Wurzer jetzt gegen ihn gesonnen war, brauchte er ihm nur etwas vorzujammern, und er ließ sich gewiß vertrösten. Das mußte er dann normal und wieder und wieder so machen, und dabei blieb’6. Wenn der Wurzer ihm dann drohte: „Ich klag' die Scheine gegen dich ein!" dann bat und flennte er ihm noch ein Stückl vor und ließ die Dinge ruhig ihren Lauf nehmen. Eine Angst brauchte er ja nimmer zu haben.
Das ging ihm alles wie ein Mühlrad im Kopfe herum. Eine freudige Ruhe war jetzt an Stelle des Zitterns getreten, das ihn vorher so arg gepeinigt. Der
Parade zu machen. Den neuen Minister Herrn Delcasso erfüllte es mit Genugthuung, so schnell einen Beweis dafür geliefert zu haben, daß es auch ohne Herrn Hono- taux gehe. Felix Faure durfte mit Mac Kinley telegraphische Höflichkeiten austauschen, und für einige Augenblicke wurde der Draht zwischen Paris und Washington so warm, daß man in Petersburg allerlei Absichten merken und verstimmt werden konnte.
Jetzt sind in diesen Freudenbecher schon die ersten Tropfen Wermuth gefallen. Da ist z. B. die Angelegenheit eines von den Amerikanern wegen Kontrebande aufgebrachten französischen Dampfers, dessen Freigabe von Paris aus mit wachsender Gereiztheit verlangt wird. Da ist namentlich das räthfelhafte Schweigen der amerikanischen Politik in der Philippinenfrage, das den Franzosen viel Aergerniß schafft und ihnen Vorwürfe aus Madrid zuziehl. Nach Andeutungen gut unterrichteter Pariser Zeitungen scheint die Regierung der französischen Republik bis vor kurzem in dem Glauben gewesen zu sein, die Union habe sich ihr gegenüber moralisch verpflichtet, die Philippinen nicht zu annektiren.
Dazu wird es ja auch wohl so ohne weiteres nicht kommen. Jedenfalls aber beweist das bisherige Verhalten des Washingtoner Kabinets in dieser Frage, daß man sich auf amerikanischer Seite durch Rücksichten auf Frankreich bei der Bestimmung des künftigen Schicksals der Philippinen in keiner Weise gebunden fühlt. Das Protokoll über die Kapitulation von Manila bezieht sich, nach französischer Auffassung, nur auf die Bucht, den Hafen und die Stadt Manila. In allen übrigen Theilen der Inselgruppe schaffe es keinerlei Rechte zu Gunsten der Amerikaner.
Darüber wird man in den Vereinigten Staaten wohl anders denken. So werden die Verhandlungen der Pariser Kommission schon im Zeichen grundsätzlicher Meinungs-Verschiedeuheiten beginnen, und die Durchführung der mit aufdringlicher Hast ergriffenen Vermittler-Rolle dürfte den französischen Diplomaten noch umso unbequemer werden, als Rußland, auf der gleichen Linie mit Deutschland die kühlste Zurückhaltung beobachtet, während England die neu entdeckten angelsächsischen Brüder gern zum rücksichtslosen Draufgehen in der Philippinenfrage drängen möchte — bisher freilich ohne Erfolg.
Branntwein hatte ihm wieder zu Muth und Selbstvertrauen verholfen. Er wollte auch gleich noch etwas nachfüllen, dann war ihm die Sache gewiß ganz vom Herzen herunter. Vorher mußten aber die Papiere gut versteckt werden.
Um einen passenden Versteck war er nicht verlegen. Er hob den Truhendeckel auf. Die mächtige Truhe, die aus dem Brautschatz der Seligen stammte, war jetzt leer. Lenei hatte die Kleider der Verstorbenen, die bis dahin darin aufbewahrt waren, in Gebrauch genommen.
Er hob den wenigen Kram, der darin war, altes Leinenzeug und verbrauchte Wäschestücke, heraus. Auf dem Boden der Truhe war ein Schieber angebracht, den ein Unkundiger nicht bemerkte. Der Vater der Seligen hatte die Truhe selbst gezimmert und seiner Tochter darin ein besonderes Versteck eingerichtet für ersparte Groschen, wie sie jede Frau beiseite schafft. Als sie im Sterben lag, hatte sie ihm davon gesprochen, damit keine fremde Hand daran käme. Es war nicht viel darin gewesen. Die Schatzkammer hatte sich ihre Daseinsberechtigung als solche nicht verdient.
Jetzt aber sollte sie ihm gute Dienste leisten. Er legte die Papiere in die kleine Lade hinein, die grade Platz darin fanden, und schob den Schieber wieder vor. Die Lumpen packte er drauf. Dann drückte er die Truhe zu, daß der Riegel laut einschnappte, zog den Schlüffel ab und befestigte ihn an seiner Uhrkette. Er durfte ihn vorläufig nicht von sich lassen.
Als das geschehen war, sah er noch einmal in den Ofen, warf die Asche durcheinander, bis nicht mehr zu
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 28. August.
Se. Majestät der Kaiser traf mittels Son- derzuges gestern Abend 6 Uhr 55 Min. auf der Station Wildpark ein. Zum Empfang a^ dem Bahnhof hatten sich Ihre Majestät die Kaiserin, die Prinzen Adalbert, August Wilhelm und Oskar, sowie der Polizeipräsident D. Balan eingefunden. Sofort nach der Ankunft des Kaisers fuhren die Majestäten im offenen Zweispänner nach dem Neuen Palais. Zur Abendtafel waren geladen Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staatsminister ü. Bülow, und Gesandter Graf Wolff Metternich.
Die Bestimmung des Entwurfs der Friedens- Verpflegungsvorschrift, wonach der Anspruch auf Verpflegung bis zum Tage des Ausscheidens, letzteren ausgenommen, dauert, ist dahin ergänzt worden, daß die zu Uebungen eingezogenen Mannschaften am Tage ihres Ausscheidens die Mittagskost und das Brot für den Mittag (250 Gramm) durch den TrupPentheil dann erhalten, wenn ihre Entlaffung nicht vor 10 Uhr Vormittags erfolgen kann und sie nach Maßgabe der MarfchgebühnüßiBLr/ahrift weder Marjchgebührniffe rr, halten, noch durch den Transportführer verpflegt werden. Für Miitagskost ist der in der Friedens-Verpflegungs- ! Vorschrift bezeichnete Theil des BeköstigungSgeldeS zuständig.
Mittels Allerhöchster Kabinetsordre vom 3. August b. I. ist eine neue Dienstordnung der Kriegsschulen genehmigt worden, die vom 1. Oktober d. Js ab an die Stelle der Bestimmungen über Organisation und Dienstbetrieb der Kriegsschulen (Kriegsschnlinstruktion) vom 1. Juli 1882 tritt.
Wie die „Post" zu berichten weiß, wird eine Vermehrung d e r A r t i l l e r i e durch Aufstellung dreier neuer Telegraphen-Bataillone und eine entsprechende Ergänzung der Pionier-Bataillone, Lustschiffer-Abtheilung u. s. w. geplant. Wie aber im einzelnen diese Pläne verwirklicht werden sollen, ist bis jetzt noch nicht end- giltig entschieden.
Die diesjährige ordentliche Hauptversammlung des Vereins deutscher Eisengießereien findet am 13. September in Heidelberg statt. Auf der Tagesordnung stehen außer geschäftlichen Angelegenheiten und
ei kennen war, daß Papiere darin gebrannt hatten, verschloß den Ofen und ging hinunter.
Grade läutete es wieder, als er die Gaststube betrat. Die Kirche war aus.
Ein Schauer rieselte ihm über den Rücken. Es fiel ihm ein, daß er sein Werk grade mit dem Läuten begonnen und zu Ende gebracht, und es ging ihm dabei wie eine schreckliche Offenbarung durch den Sinn, daß ihm fortan keine ruhige Stunde mehr bescheert sein konnte, weil er des Herrgotts Tag so mißbraucht und entheiligt.
Aber sein Gewiffen hatte schon eine solche Last zu tragen, daß es mit dem neuen Packen auch noch fertig werden konnte.
Er ging gleich zu seinem Tröster und nahm einen ordentlichen Zug aus der Flasche. Lenei hantirte drüben in der Küche mit den Pfannen. Ihre Abwesenheit nutzend, that er sich ordentlich gütlich. Vor ihr durfte er's nur verstohlen, denn sie machte immer ein Gesicht dazu, das ihn bitter kränkte.
Grade hatte er für den ersten Durst gesorgt, da kam sie herein. Sie sah verärgert aus. Mit der Küche und den schwarzen Töpfen mochte sie nicht gern zu schaffen haben, und heute war Besonderes zu thun. Der Wurzer hatte seine ganzen Leute zur Feier seiner Hochzeit für den Abend in den Stern angesagt, dort sollte ihnen ein gutes Essen aufgetischt und an Getränken verabreicht werden, soviel ihr Durst begehrte.
Es wäre wohl auch mit einem Trunk abgethan gewesen. In seiner Herzensfreude hatte der Wurzer aber