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Geatisbeilagen r „Illustrirtes KonnrassblaLt^^ u. „Illustvivte L«n-Vwthschaftliche Veklage".
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1898.
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mit den Gratisbeilagen „Mustrirtes Somitagsblatt" »^ „Jllustrirte laudwirthschaftl. Beilage" für den Monat September werden von allen Aaiserlichen Postanstalten, tandbriesträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Münden, den 2. September 1898.
An die Magistrate zu Dransfeld und Hedemünden, sowie an die Gemeinde- und Gutsvorstände des Kreises Münden.
Am 28. August b. I. ist am rechten Ufer der Weser bei Gimte die Leiche eines unbekannten etwa 50jährigen Mannes gefunden. Die Ortsbehörden veranlasse ich, Ermittelungen darüber anzustellen, ob in ihren Gemeinden eine Person vermißt wird, auf welche die nachstehende Beschreibung paßt. Bejahendenfalls ist mir uingehend Bericht zu erstatten.
Personalbeschreibung: etwa 50 Jahre alt, mittlere Größe, Haare blond, etwas grau, glattes Gesicht, dun- kelgraue Hose, Weste und Jacket, gestickte Hosenträger, weißleinenes Hemd, gezeichnet F. G., graue wollene Strümpfe, Schaftstiefel.
Der Königl. Landrath gez.: v. D ü r i n g. Zur Veröffentlichung im Kreisblatt am 3. d. Mts.
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Abschrift zur Kenntnißnahme und mit dem Ersuchen um weitere Veranlassung.
Sollte über die Person des Verstorbenen etwas ermittelt werden, so bitte ich mir eine kurze Mittheilung zugehen lassen zu wollen.
J. V.: Hagemeister, Kreissekretär. An das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld.
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Hersseld, den 5. September 1898.
Wird den Herren Ortsvorständen zur Kenntnißnahme mitgetheilt.
Sollte über die Person des Verstorbenen etwas ermittelt werden, ist mir Anzeige hierüber zu erstatten.
L 4967. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.
Die Sternwirthin.
Erzählung für das Volk von A. v. H a h n.
(Fortsetzung.)
Der Sternwirth schüttelte sich wie im Grauen und drückte den Kopf in ihren Schoß. Sie ließ aber nicht mit Drängen nach, und da erzählte er ihr alles, auch sein erstes Verbrechen, den begangenen Diebstahl und daß er bei dieser Gelegenheit die Papiere in dem Schränk habe liegen sehen. Auch daß der Benedikt darum von seinem Vater in Verdacht genommen sei, beichtete er, und wie sich das alles so gefügt habe, als wenn ihm das Schicksal einen besonderen Gefallen habe erweisen wollen.
Es drängte ihn, sich einmal alles vorn Herzen zu reden, was ihn so arg bedrückte.
Als er geendet, versank Lenei in ein tiefes Sinnen. Es kam ihr dabei ein, daß es wirklich wie ein Teufelswerk anzusehen sei, daß gerade sie das Papier aus dem Pfarrhof fortgenommen. Jetzt wußte niemand, wohin der Benedikt gegangen, keiner konnte ihm schreiben und ihm die Schuld vorhalten, und er konnte sich nicht vertheidigen. Kopfschüttelnd starrte sie vor sich nieder, mährend der Wirth noch immer in seiner zusammengesunkenen Stellung verharrte, als warte er auf ein ver-
Nichtamtlicher Theil.
Mt Kaisktfahrt «ach dem heilige« Lande.
2. Konstantinopel. I.
Von Venedig brächte uns der Dampfer zunächst nach Athen. Dann schifften wir uns im Pyräus auf einem französischen Dampfer ein, der uns nach Konstantinopel bringen sollte. Während der Nacht umfuhren wir das Kap Sunium und waren bei Tagesanbruch zwischen der Insel Andros und Euböa, fuhren dann zunächst auf die Insel Mitylene zv und an derselben entlang, bis wir an der kleinasiatischen Küste das Kap Baba erreichten. Weiter ging es zwischen der Insel Tenedos an der Küste entlang und zwar so nahe an derselben, daß wir gut die Ebene übersehen konnten, auf der einst Troja, das herrliche Jlion, gestanden haben soll, selbst den Hügel, der als Grabmal des Aeschylus bezeichnet wird, und das Gebirge Jda. Dann fuhren wir in die enge Straße der Dardanellen ein und hielten etwa ein Stündchen an dem Orte Dardanelli, wo die bekannten festen Dardanellen- Schlösser zu beiden Seiten des engen, aber sehr stark strömenden Meereskanals die Einfahrt beherrschen. Es war mittlerweite Abend geworden, sodaß wir nur die gute Beleuchtung des Kanals mit Baaken und Leuchtfeuern, nicht aber die Ufer sehen konnten und die alten Dardanellen-Schlösser, sowie die engste Stelle der Einfahrt, die nur 375 Klafter breit sein soll, wo einst die Städte Abydos und Sestos lagen und Leander zur Hero hinüberschwamm, Xerxes die Brücke schlug und der Sultan Soliman sogar auf einem bloßen Flosse von Asien nach Europa hinübersetzte. Als ich am nächsten Morgen auf das Verdeck kam, waren wir am Meere von Marmara und erblickten auf dem europäischen Ufer desselben, in dessen Nähe wir einfuhren, schön angebaute Felder und Baumpartieen bis an den Meeresstrand hinan, dazwischen einzelne Dörfer und Städte. Von dem asiatischen User waren wir noch zu fern, sahen aber den schneebedeckten bithynischen Olymp, der sich mit seiner stattlichen drei- gipfligen Pyramide am Horizonte erhebt. Der Himmel war klar und blau, die See glatt wie ein Spiegel, so hatten wir die schönste Einfahrt in den Bosporus und die herrlichste Aussicht auf das unvergleichliche Panorama von Konstantinopel, auf die beiden Seiten des Goldenen Horns auf Skutari an der asiatischen Seite des Bos- porus, auf Kadikoi, an Stelle des alten Chalcedonien, auf die Prinzen-Jnseln. Konstantinopels Zauber liegt in der unvergleichlichen Lage, in den Linien, in den Farben, in dem bunten Leben. Der Blick schweift über
sühnendes Wort aus ihrem Munde, wie der Sünder beim jüngsten Gericht auf Heil und Seligkeit.
Ein böses Leuchten flammte in ihren Augen auf und ein grausames Lächeln verzerrte ihre Züge.
„Es ist doch seltsam", flüsterte sie, mehr zu sich selbst, als zu dem Wirth sprechend, „daß der Benedikt sich grad' an dem Tag hier gezeigt hat, wo seinem Vater beinah das Haus abgebrannt ist, als wenn ihn der Bauer auch darum in Verdacht nehmen sollt'."
Der Wirth hob den Kopf und sah sie mit schreckens- starrem Blick an. „Lenei!" stieß er heiser hervor. „Was sprichst' da? Das darf nicht sein! Das wäre ja zuviel für mein Haupt!" Stöhnend brach er in sich zusammen, das Gesicht wieder in ihren Schoß drückend.
„Wenn er so schlecht ist und seinem Sohn das zutraut, was geht's dich an? sagte sie kalt. „Um den Benedikt laß dir nur kein graues Haar wachsen," fuhr sie haßer- stickt fort, „der hat mit seinem Glücksgriff gerade genug gefaßt, daß er's ruhig tragen kann, was hier wider ihn geschieht. Wenn's nicht herauskommt, hast' schon ein gutes Werk an uns gethan," schloß sie mit einem harten Auflachen.
Dann sprach sie ermulhigend auf ihn ein. Er möchte sich nun nicht mehr so arg härmen, es würde gewiß nichts herauskommen, davon sei sie jetzt auch überzeugt, und dann hätte er ja für sie beide ein Weil
das wundervollste Meeres- und Strandbild, das je einer großen Stadt beschert worden ist. Links blickt man auf die Stadtwälle, deren Thürme und Mauern uralter Epheu umrankt. Mit weitgeschwungenem Bogen öffnet sich das Goldene Horn nach Osten und verliert sich zwischen Stambul und Galata unter Brücken und Schiffen, die sie belagern. Jenseits badet Skutari in den blauen Fluthen des sib öffnenden Bospurus, rechts dehnen sich dann die Vorstädte aus, denen sich die häuserbesetzten Höhen von Galata und Pera anschließen.
Wer dieses Panorama einmal gesehen hat und sich Rechenschaft über die geographischen Eigenschaften dieses wunderbaren Fleckes der Erde giebt, welche zu der unvergleichlichen Schönheit hinzukommen, der begreift fortan das Sehnen der Russen nach dessen Besitz und nach der Erfüllung des Testamentes Peters des Großen Bei der Einfahrt erblicken wir zuerst das Schloß der sieben Thürme, die Südspitze der Stadt, dann die Umfassungsmauer, in der sich amphitheatralisch die Häuser, Moscheen und Gärten erheben. Wir fuhren an der Mauer des Serail entlang, welcher die Spitze zwischen dem Bosporus und dem goldenen Horn einnimmt, und legten uns dann quer vor das nördliche Ufer desselben, vor Galata und Pera. Nachdem die Erlaubniß-zum Ausschiffen gekommen, stiegen wir in die Barke, passierten bei der Douane durch, welche milde war, und gingen durch die steilen Straßen von Galata nach Pera hinauf. Glücklicherweise war der Weg trocken, sodaß wir ihn gut passieren konnten. Bei Regen- wetter muß es in diesen engen, steilen und schlecht gepflasterten Gassen furchtbar fein. Nur in wenigen kann man fahren, die Männer reiten oder gehen, die vornehmen Damen fahren in Karossen auf buntbemalten Gestellen, deren Glasfenster dicht verhängt sind, und die wie eine Schaukel in den riesigen Federn hängen. Der Kutscher geht nebenher und'leitet die Pferde vorsichtig am Zaun. Nachdem wir im Hotel Unterkunft gefunden hatten, schritten wir zur Besichtigung der Stadt.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, 7. September.
DenBeschluß derKaisertage inHanno - v e r machte das von der Provinz Hannover am Montag Abend den Majestäten und ihren hohen Gästen in dem reich geschmückten Provinzial-Ständehaus gegebene Festmahl. Auf den Trinkspruch des Vorsitzenden des Pro- vinzial-Landtages, Grafen zu Jnn- und Knyphausen, erwiderte der Kaiser mit einem Hoch aus die von «Mir
gethan, wie's besser nicht zu ersinnen sei. Als er da zusammenschauernd Vronis Namen nannte, meinte sie tröstend, das wäre nicht seine Schuld, wo's nicht in feiner Absicht gelegen. Wer wisse, warum die Alte solch ein Schicksal ereilt hätte. Am End habe sie das Büchel entwendet, das ihm die Wurzerin geben wollte und das dann so seltsamer Weise verschwunden blieb. Es könnte kaum anders sei», denn wer konnte wohl sonst bei der Todten gewesen sein und es ihr von der Brust genommen haben, ehe noch ihr Tod den andern bekannt war. Ganz gewiß sei er aber an dem Unglück der Magd schuldlos, das sei von selbst so gekommen. Wenn's Gottes Wille gewesen wäre, sie zu erretten, dann hätte er sie rechtzeitig erwachen lassen.
Der Wirth entsetzte sich zwar über LeneiS Ansicht, aber eine Erleichterung schus's ihm doch, daß sie seine That mit solchen Augen ansah
Er schlang die Arme um ihren Leib und preßte sie an sich, als wolle er sie nimmer lassen in seinem Leben.
Noch eine lange Weile sprachen die Eheleute zusammen. Dann hals Lenei ihrem Mann die befleckten Sachen im Ofen verbrennen und während er darauf in die Schank- stube ging, ließ sie den entstandenen Dunst durch die Fenster hinaus und blies die verkohlten und zu Asche verbrannten Reste in den Schornstein hinein. Tann