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Nr. 108. Aeilstag ha 11 Seyteiiiber M.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 24. August 1898.

Nachdem die Kurhessische Gemeinde-Ordnung vom 23. Oktober 1834 außer Geltung getreten ist, ist auch die im § 75 derselben zur Sicherung der Verbrauchsabgaben enthaltene Strafandrohung demnächst nicht mehr wirksam.

Es ist deshalb der Erlaß von besonderen Steuerord­nungen, welche die Erhebung der i n d i r e k t e n Steuer vom Branntwein in den Gemeinden regeln, auf Grund des § 6 der Landgemeinde-Ordnung vom 4. August 1897 bezw. § 18 des Kommunalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 erforderlich geworden, damit nicht Nebertretungen unbestraft bleiben, bezw. Bestrafungen wegen der mangelnden gesetzlichen Grundlage als unzu­lässig ausgehoben werden.

Die Herren Ortsvorstände aller derjenigen Gemeinden des Kreises, in welchen bisher auf Grund der bestehen­den älteren Bestimmungen Branntweinsteuern erhoben worden sind, werden hierdurch veranlaßt, alsbald in be­legter Sache von der Gemeindevertretung die erforder­lichen Veschlüsie fassen zu lassen, hiernach den Entwurf zur fraglichen Steuerordnung gemäß § 6 der Landge­meinde-Ordnung zwei Wochen lang öffentlich auszulegen und sodann die Aufstellung der Steuer-Ordnung in vor­schriftsmäßiger Weise zu bewirken.

Zur Herbeiführung einer einheitlichen Gestaltung der Letzteren und Erleichterung für die betreffenden Herren Ortsvorstände werde ich in Kürze denselben je 3 Druck­exemplare der zu erlassenden Steuerordnung zusenden lassen. Diese Druckexemplare sind sodann entsprechend auszufertigen und mir, mit Offenlegungsbescheinigung versehen, bis spätestens z u m 7. O k t o b e r d. I s. behufs Bestätigung durch den Kreis Ausschuß einzureichen. Bemerken will ich noch, daß eine Neu-Einführung oder Erhöhung der bisher erhobenen Branntweinsteuer unter keinen Umständen zulässig ist; vielmehr ist die Be­steuerung des Branntweins mit Rücksicht auf Art. 5 Nr. II § 7 des Zollvereinigungsvertrages vom 8. Juli 1867 nur denjenigen Gemeinden gestattet, welche schon vor dieser Zeit und seitdem ununterbrochen bis zur Gegenwart diese Abgabe erhoben haben und zwar zu demjenigen Betrage, zu welchem die Abgabe innerhalb der Grenze des vertragsmäßigen Maximalsatzes (8,73 Pfg. für 1 Ltr. 50procentigen Branntwein) erhoben

Die Sternmirt^in.

Erzählung für das Bolk von A. v. Ha h n.

Gelt, es ist doch eine seltsame Sach', daß der Lump just an dem Tage hier war, wo das Feuer ausgebrochen ist, und daß er sich zwei Tage daraus aufs Schiff gesetzt hat, wie er selber schreibt, und daß er den Brief, der halb vor einem Jahr abgegangen, erst vor vier Wochen bekommen haben soll und daß er so gut weiß, wo das Geld versteckt war, und daß just dieser Schränk zu Kohle verbrannte, in dem das Buch drin gewesen sein soll. Gelt, das ist doch eine zu merkwürdige Sach', als daß sie in allem stimmen sönnt, meint Ihr das nicht?"

Gott, verzeih ihm, er weiß nicht, was er thut!" betete der alte Herr erschüttert.

Ich weiß, was ich thu', und in der Sach' brauch ich keine Fürsprach'," brauste der Wurzer auf.Hier schaut her! Wenn's Euch noch nicht genug ist, was ich Euch zu erzählen weiß, dann lest, was andere zu sagen wissen. Seht, das hat am zweiten Tage nach dem Feuer an meinem Fenster gesteckt. Ich hab's mir schon gedacht, daß ich wegen der Sach' noch einmal mit Euch zusammenkommen könnt', und das Papier darum aufgehoben."

Damit legte er ein Papier, das er aus der Tasche gezogen, vor dem Pfarrer auf den Tisch.

Der alte Herr überflog die Zeilen, schüttelte nachdenklich den Kopf und sah den Wurzer dann ein­dringlich an.

So einem verworfenen, bösen Gesellen, der seinen

worden ist (vergleiche Art. 10 der Anweisung zur Aus­führung des Kommunalabgabengesetzes vom 10. Mai 1894 unter 1, 3ter Abs. b).

J. I. Nr. 4623. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei nitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Nichtamtlicher Theil.

Kaiserin Elisabeth f

Ihre Majestät die Kaiserin von Oesterreich, Königin von Ungarn, ist, wie bereits durch Extrablatt mitgetheilt, am Sonnabend zu Genf dem Dolche eines 'Dl ö r b e r 6 zum Opfer gefallen. Der Verruchte, ein französischer Anarchist italienischer Abkunft, fiel die hohe Frau an und stieß ihr die Mord­waffe so in die Herzgegend, daß die Kaiserin alsbald verschied.

Ein Schrei der Empörung geht durch die ganze Kul­turwelt. Nicht vor einem Frauenleben schreckte die Hand des Mörders zurück; nicht eine edle Herrscherin, der es galt, ihrer geschwächten Gesundheit in den Schweizer Bergen neue Kräftigung zuzusühren, vermochte diesen erbärmlichen Seudling derPropaganda der That" ab- zuhalten, seine verbrecherische Absicht in die verabscheuens- werthe That umzusetzen. Fürwahr, man faßt sich an die Stirn und vermag diese gewaltige Ueberraschung nicht zu fassen ; man fragt, ob sich denn wirklich diese Schreckenskunde bestätige, ob nicht ein Irrthum, eine Verwechslung vorliege. Und man erhält leider die traurige Bestätigung, daß die Botschaft wahr ist, grauen­voll wahr. Fluch über den Mörder, der noch dazu die Stirn hat, ein infam feiges Verbrechen mit dem erloge­nen Nimbus des Anarchismus zu umkleiden ! Der Abscheu der gesammten zivilisirten Welt und die unbeirrbar sühnende Strafe des Richters wird die Antwort sein auf diese meuchlerische Sorte von einempolitischen Ver­brecher".

In der Getödteten ist die Gattin des Kaisers Franz Josef, ist die langjährige Lebensgefährtin des Freundes und Verbündeten unseres Kaisers und des Deutschen Reiches dahingesunken. Seit 1854 war Kaiserin Elisa­beth dem Kaiser Franz Josef vermählt. Mehr als vierzig Jahre hat sie die Geschicke des Herrschers der

Namen zu nennen sich scheut, weil ihm die Lüge vorauf- geht, dem glaubt Ihr? Und dem Schwur Eures Sohnes wollt Ihr mißtrauen? Wurzer, Wurzer, das ist schrecklich!" Eine heftige Gemüthsbewegung malte sich auf seinem ehrwürdigen Antlitz. Nach einer Weile, während welcher der Bauer in verbissenem Grimm vor sich niedergesehen, fuhr er gefaßt fort:Der Zettel ist ein elender Wisch und sagt nicht mehr, als daß ihr einen bittern Feind habt, der Euch so recht tief in's Herz treffen wollte, als er diese schreckliche Beschuldigung ersann. Es muß jemand sein, der auch dem Benedikt feindlich gesonnen ist," setzte er nachdenklich hinzu,wenn ich auch nicht weiß, wie der gute Bub' sich solchen Haß zugezogen haben soll. Hebt den Zettel gut auf, Wurzer, oder besser laßt ihn mir. Mir kommt allerlei in den Weg. Es kann sein, es fügt sich, daß ich dem Uebelthäter auf die Spur komme."

Aufheben mögt Ihr das Papier," sagte der Wurzer finster.Aber sorgt, daß an der Sach' nichts gerührt wird. Ich möcht' zum Herzeleid nicht noch die Schand ernten. Aber was Ihr da sagt, hat nichts auf sich. Wenn der Zettel auch nicht geschrieben wär', wüßt ich's jetzt doch, daß er die Schandthat begangen. Er hat's zu schlau eingefädelt. Die Sach' mit dem Buch verrät ihn."

Als er ging, ließ er den Pfarrherrn mit sehr be­kümmertem Herzen zurück. Es bedrückte ihn schwer, daß er dem armen Benedikt kein tröstliches Wort schreiben konnte. Er sollte ihm vielmehr noch eine neue und viel schrecklichere Beschuldigung im Namen

österreichisch-ungarischen Monarchie getheilt. Und nun steht er sie furchtbar jäh auf die Todtenbahre gestreckt. Welch ein Schlag, welch eine grausame Wendung des Schicksals!

Im Dezember dieses Jahres sollte Kaiserin Elisabeth an ihres erlauchten Gatten Seite alle die Huldigungen entgegennehmen, die dem halbhundertjährigen Regierungs- jubiläum des Kaisers Franz Josef gelten würden. Frohe Feste sollten erklingen, dem Kaiserpaare die Liebe der Bevölkerung darzuthun. Jetzt trübt des Todes finsterer Schatten vor der Zeit das Jubiläum; jetzt muß der Kaiser, wenige Monate vor Abschluß des halben Jahr­hunderts seiner Regierung, diesen plötzlichen, gewaltigen Schmerz, geschaffen durch Mörderhand, erleben. Wie da die ganze Menschheit sich in Trauer neigt, wie das Volk Oesterreich-Ungarns sich in tiefem Kummer beugt, so weiß sich Deutschland nicht minder an Seiten des Kaisers Franz Josef, ihm sein tiefinnerlichstes Mitempfinden für diesen in so unsagbar fürchterlicher Art erlittenen Ver­lust auszudrücken.

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* *

Genf, 10. September. Das Attentat gegen die Kaiserin von Oesterreich wurde in der Nähe des Denkmals des Herzogs von Braunschweig be­gangen, a uf dem Wege zwischen dem Hotel und Beau- rivage und der Landungsstelle am Quai Montblanc. Ein Individuum, gefolgt von einem Greise mit langem Barte, welches der Kaiserin entgegen kam, stürzte sich auf sie und versetzte ihr einen heftigen Stoß. Jeder­mann glaubte, es handele sich um einen Faustschlag. Die Kaiserin erhob sich wieder mit Hülfe einer Dame ihres Gefolges und einiger Spaziergänger und konnte den Landungssteg erreichen und das Schiff besteigen. Inzwischen war der Angreifer verhaftet worden. Kaum an Bord angelangt, wurde die Kaiserin ohnmächtig; der Kapitän zögerte den Befehl zur Abfahrt zu geben. Einige Zeit daraus stellte man fest, daß die Kaiserin das Bewußtsein nicht wieder erlangte. Die um sie be­schäftigten Damen fanden auf den unteren Kleidungs­stücken eine kleine Blutspur. Das inzwischen abgegangene Schiff drehte alsdann und legte wieder am Quai an. Die Kaiserin wurde auf einer aus Ruder und Segeltuch gebildeten Bahre ins Hotel geschafft. Die Aerzte Golay und Mayer, sowie ein Priester wurden herbeigerufen und sodann wurde an Kaiser Franz Josef telegraphirt. Nichts wurde versäumt, um die Kaiserin zu retten,

des Vaters aussprechen, den Vorwurf der Brand­stiftung.

Noch an demselben Tage schrieb der alte Herr an den Entfernten. Er theilte ihm mit, daß Benedikt« Zeilen ihn vollständig von dessen Unschuld überzeugt hätten, wie er ja, für seine Person, überhaupt keinen wirklichen Zweifel gegen seine Aufrichtigkeit und Gottes­furcht gehegt habe. Er möchte nur beruhigt sein und seine Gottesfurcht aufrecht erhalten. Der liebe Herr­gott werde auch seinen Vater zurechtbringen, und den Dieb bezeichnen. In dem Gedanken möge er vorläufig Trost suchen. Wie der Herr ihm schon gezeigt, daß er ihn in seinen besonderen Schutz genommen, indem er ihn auf so seltsame Weise mit seinem Gönner zusammen geführt und ihn in die glückliche Lage versetzt habe, mit reicher Hand Gutes thun zu können, so werde er ihm in allen Dingen beistehen. Er möchte sich nur getrost seines Daseins freuen und das Leben, das sich so schön um ihn entfalte, froh genießen. Seine Sache sei hier in die besten Hände gelegt, was an ihm läge, sollte geschehen, den Wurzer zu besserer Meinung zu bringen. Das Gretei, das ihm so am Herzen läge, wolle er, der Pfarrer in seinen besonderen Schutz nehmen Vorläufig fei es bei des Wirths Schwester in Sturzbach gut ausgehoben, jedenfalls besser, als es hier in des Vaters Hause der Fall wäre, denn der Wirth sei leider ein arger Trunkenbold geworden. Er bäte ihn auch, bald wieder Nachricht zu geben. Von dem Feuer, in dem das Buch zerstört worden, sprach er nur beiläufig, um keinen Verdacht in ihm auftommen zu lassen, daß ihm auch hierin