Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
■*=--------------- ::j...-~ . -^.^.^:^
Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
AbonncinentspreU vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg^ excl. Postanfschlag.
.....—......— - . <
Gratisbeilagen r „Iünstrirtes Sonnragsblatt" n. „Illnftrirte landwirthschaftliche Beilage".
Sr. 115. Sonntritog St« 28. Senkmhr 1898.
DMmls-LMM
Mit dem f. Oktober beginnt ein neues Abonnenten^
auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen
„Wustrirtes Soinitagsblatt" »^ „Mustrirte landivirthschaftl. Beilage"
Das „Kreisblatt" bringt außer den amtlichen Lekannlinachungen zuverlässige Mittheilungen über Ereignisse in der Politik, Berichte aus dein Kreise und der Provinz. Reichhaltige Nachrichten vermischten Inhalts bringen alle sonstigen mittheilenswerthen Ereignisse des täglichen Lebens zur Kenntniß der Teser. Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.
Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben nöthigen- falls durch Extrablätter verbreiten.
Der vierteljährliche Abonnementspreis für das „Kreisblatt" beträgt f Mark 40 pfg.
^tt^At*^^ finden durch das „Kreisblatt" zweckentsprechende Verbrei tung und kostet die fünfgespaltene Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfg
Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein _____________die Gepeditisn.
Nichtamtlicher Theil.
Die Kaiserfahrt nach dm heiligen Lande.
10. Bon Jaffa nach Latrun.
Die meisten Palästina-Reisenden fahren von Alexa n- drien zu Schiff nach Jaffa, wo sie sich ausschiffen lassen, um von dort mit der Bahn nach Jerusalem zu fahren. In den Hosen führt ein enger Riff-Eingang. Bei bewegter See ist für die Ruderboote diese Einfahrt ein Kunststück, bei stürmischer See eine Unmöglichkeit Es ist dies wohl auch der Grund, weshalb unser Kaiser
Die E>ternwirthin.
Erzählung für das Volk von A. v. Hahn.
(Fortsetzung.)
Der Pfarrer sagte: „Ich sehe Gottes wunderbare Fügung in allein. Er wird noch mehr Licht senden und Aufklärung schaffen, was mit dem Wirth geschehen ist. Das walte sein heiliger Wille."
„Amen", sagten die andern, denn der Pfarrer hatte die letzten Worte wie ein Gebet gesprochen.
Der Wurzer zog sein Weib an sich und die andere Hand reichte er seinem Sohn. „Vergebt mir beide, ich bitt’ euch noch einmal", sagte er gepreßt, „damit der liebe Gott mir auch vergeben kann, — ich hab gar zu viel an Euch gut zu machen."
„Nur an Deinem Sohn", entgegnete Resei demütig. „Ich hab' Dir ja genug Bittres angethan, aber jetzt sollst' nur Freude an mir erleben."
„Laß nur die Vergangenheit ruhen, Vater", siel Benedict darauf ein. Ich habe keinen Grund, mit meinem Geschick zu hadern. Im Grunde, Vater, habe ich Dir zu danken. Du hast mich aus Deinem Haus, aber auch in die Arme des Glücks gestoßen — und gleichzeitig davor bewahrt, mein Leben an ein unwürdiges Weib zu ketten. Mir ist, als verstände ich's hent erst zu ermessen, wie reich mich Gott auch in dieser Beziehung mit Gnade überschüttet hat." —
Noch an demselben Abend fiel'« Benedict schwer aus'S Herz, daß er Gretei so hatte sortgehen lassen, und
nicht in Jaffa, sondern in Haifa landet, um auf der alten historischen Straße zunächst nach Jaffa, und dann von Jaffa nach Jerusalem die alte Pilgerstrabe zu benutzen, wie dies auch 1869 sein erlauchter Vater, der Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, nachmaliger Kaiser Friedrich III. gethan hat.
Die Stadt Jaffa nimmt sich vom Meere gesehen besser, als irgend eine orientalische Stadt aus Da der Blick an die Lehmhütten der kleinen Städte und Dörfer gewöhnt ist, kommen einem die in Kalkstein gebauten und mit Gewölben eingedeckten Häuser des Amphitheaters an der steilen Küste recht reich vor. Es sind nämlich hier, wie bei Neapel und auf Capri, auch einzelne Simmer der Häuser mit Kuppeln oder Kreuzgewölben überdacht, welche, oben mit Cement verputzt, frei über den Mauern heivorragen. So hat jedes Haus eine Anzahl von Kupp'ln und sieht weit stattlicher aus, als ein mit Ziegeln gedecktes europäisches Haus. Aber das ist freilich nur äußerlich, innerhalb der Wohnungen und auf den Straßen waltet der orientalische Schmutz vor, wenn auch in Jaffa die Straßen gepflastert sind.
Auch wenn man nicht von der See, sondern vom Lande kommt, sieht man inmitten dieses flachen Sandstreifens, der in ihrer fahlen Eintönigkeit fast verschwindenden Philisterküste' die Häuserkuppeln Jaffas, dieser uralten Hafenstadt Jerusalems, recht eindrucksvoll und majestätisch emporragen. Hier ist die Stätte, wo Jonas hingeflohen vor seinem Gott, wo König Hirams Cedernstämme ans Land gezogen wurden, und Petrus nach Tabea's Erweckung das für feine Lehrwuksamkeit so bestimmende Gesicht von bent unreinen Gewürm sah. In Sanheribs, des Assyrerkönigs, Felseninschriften liest MNN Jaffas Namen. Die Makkabäer haben hier Lorbeeren geerntet, und so oft auch die Kreuzzüge und Napoleons Kriegszug das Land heimsuchten, an Jaffas Mauern haben sie sich gebrochen. Unten von den dunkelblauen Wellen umspült, oben in den lichtblauen Aether getaucht und eingebettet in das saftige Grün der berühmten Orangengäiten, erscheint Jaffa wie ein Haufen vergilbter Marmorwürfel, schwimmend auf lila-grünem Tuch.
Draußen vor der Stadt in grünen Gärten liegt eine Anzahl freundlicher Quadersteinhäuser, eine evangelischdeutsche Ansiedlung der Tempelfreuude. Auf dem Marktplätze wimmelt eine tausendköpsige bunte Menge, Landbewohner, die auf Lastthieren ihre Früchte zum Verkaufe
er nahm sich vor, sie gleich am nächsten Morgen im Stern aufzusuchen.
Vor wenigen Tagen wäre ihm das noch unmöglich erschienen. Eine solche Empfindlichkeit für das, was die Sternwirthin ihm angethan, erfüllte da noch sein Herz. Jetzt aber, wo er sie gesehen, nein wo er Gretei gesehen, war ihm, als wäre die Sternwirtbin ihm immer eine gleichgiltige Person gewesen, als habe er niemals ein anderes Bild, als das seiner kleinen, unschuldigen Freundin Gretei int Herzen getragen.
Was er sich in seinem Kopf schon halb und halb zurecht gelegt, jetzt war es zum festen Entschuß geworden. Er wollte Gretei dauernd zu sich nehmen und dein vereinsamten Kinde ein Vater werden und ihm, wenu's anging, auch gesetzlich die Rechte einer Tochter einräumen. Dann war sein Leben nicht mehr vereinsamt, es besam einen schönen Inhalt, und er übte gleichzeitig ein Gotteswerk.
Mit der Absicht, die Angelegenheit gleich mit der Sternwirthin zu bereden und in Ordnung zu bringen — es konnte ihr ja nur recht sein, die Verpflichtungen für ihre Stieftochter los zu werden, ging Benedict am nächsten Morgen in den Stern.
Es war ihm so leicht um’s Herz, daß er's selbst nicht begreifen konnte, woher diese Freude über ihn gekommen.
Die Sterwirthin aber bekam einen Todesschreck, als Benedict so plötzlich und so unerwartet in die Wirths- finbe trat. Sie hatte die Aufregung des gestrigen Tages noch nicht einmal überwunden, und jetzt sollte sie mit
gebracht haben. Vor der Stadt nahm uns ein deutscher Gasthof auf. Der Wirth war ein Glied, der württem- bergischen Tempelgemeinde, welche in Palästina drei Niederlaffungen begründet hat, die eine in Haifa bei St. Jeand'Acre, die andere in Sarona bei Jaffa, die dritte bei Jerusalem. Sein „Hotel zur Stadt Jerusalem", in dem jedes Zimmer über der Eingangsthür auf emaillierter Tafel den Namen eines Apostels führt, gewährte uns freundliches Obdach, und der Garten seines Nachbars, eines russischen Barons, tropische Genüsse. In ihm wiegen herrliche Palmen ihre mannigfaltigen Wedel Wohlriechende Blumen verbreiten ihre Düfte, und ein Schwärm bunter Papageien macht sich durch unaufhörliches Schreien bemerkbar.
Nach Tisch setzten wir uns zu Pferde und ritten nach Jerusalem zu, durch die in der Bibel wegen ihrer herrlichen Rosen gepriesene Ebene Saron, in welcher Simsou mit den zusammengebundenen Füchsen die Felder der Philister verheerte. Vor den Thoren von Jaffa passierten wir erst eine große Anzahl von Orangen- gärten, in denen die größten Orangen wachsen, die es giebt. Sie sind jedoch bei weitem nicht so aromatisch, als die ägyptischen. Dann ging es in die Ebene hinein, und unsere Pferde bedurften keines Sporns. Sie hoben die Köpfe in die Hohe und sausten int Galopp davon, wie wir es nur wünschen konnten, über die schlechten Wege hinweg und durch die Felder, wo der Weg nicht passierbar war. Leider ist das schöne Land in der Ebene, welche sich von Jaffa nach Ramleh erstreckt, sehr mangelhaft' kultiviert. Dort steht das Getreide überall üppig, nur mit viel Unkraut vermischt. Wilde Tulpen waren in der Blüthe, schöner dunkelrother Mohn ebenfalls, die Lerchen sangen, und die Sonne schien klar und warm. Es war ein herrlicher Tag.
Die Türken bessern auch an der Straße und finden den Kies dazu dicht nebenbei, aber sie machen! die Gräben nur 2—3 Fuß breit ober auch gar nicht. Bordsteine legen sie auch, aber nur 2—2*/-2 Stein dick und dabei noch nicht einmal dicht, sodaß sich also die Steine sofort mit dem fetten Boden durcheinander mischen. Die Straßenwalzen der Türken sind Säulenstümpfe, 2—2V-1 Fuß lang und 12—15 Zoll dick.
Gegen 5 Uhr langten wir in der Stadt Ramleh an und wurden im Franziskanerkloster freundlich ausgenommen. Hotels giebt es hier nur wenig. Für die Aufnahme der Pilger sind die Klöster eingerichtet,
dem Benedict reden. Fassungslos starrte sie ihn an.
Benedict mußte ein kleines Lächeln unterdrücken, als er sie so jäh auffahren sah. Er merkte es jetzt erst, wie gleichgiltig ihm dies Stück Vergangenheit geworden, als er's bei ihrem Anblick wie Spott in sich regen fühlte.
Er konnte es nicht begreifen, daß sie ihm einst als der Inbegriff alles Begehrenswerthen erschienen war, die da so befangen und erschrocken vor ihm stand.
Sein Blick schweifte unwillkürlich zu Gretei hinüber, die mit gesenkten Lidern am Fenster stand und so lieb und unschuldig aussah mit ihrem weißen, schmalen Gesicht, daß er ihren blonden Kopf am liebsten gleich an sein Herz gezogen hätte. Er fühlte in diesem Augenblick wie nie zuvor, was am Weibe das wahrhaft Schöne sei, — die Reinheit und Unschuld des Gemüths und ein frommes, kindliches Herz.
Er gelobte sich int Stillen, den köstlichen Schatz, der ihm mit der reinen Neigung dieses lieben Geschöpfes beschert war, als seinen besten Besitz zu hüten.
Lenei hatte sich inzwischen soweit gefaßt, daß es ihr beitam, dem Besuch einen Stuhl anbieten zu müssen.
Eifrig wischte sie mit der Schürze einen Stuhl ab und schob ihn dem Gast mit niedergeschlagenen Augen hin, während Benedict mit ruhigem Gleichmulh „Grüß Gott, Sternwirthin", sagte. Gretei grüßte er gleichzeitig mit den Augen. Es war ihm noch rechtzeitig eingefallen, daß die Stiefmutter um ihren Besuch im Wurzerhaus nicht wissen durfte.
„Grüß Gott", antwortete Lenei in athemloser Beklemmung. Die Worte wollten ihr gar nicht aus der