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Nichtamtlicher Theil.

Die Kgisktfidtl nach dem heiligen Fände.

12. Jerusalem. II.

D ie Grabeskirche.

Am folgenden Tage ließen wir uns, da es Freitag war, zu dem Klageplatz der Juden führen, eine kleine Gasse, welche an der untern Mauer des Unterhauses des alten Salomonischen Tempels entlang führt. Hier stehen Nachmittag von 34 Uhr die Juden Jerusalems, Männer und Frauen, betend und weinend und bitten Jehova, daß er ihr Reich wieder aufrichte und die Ungläubigen aus ihrem Lande vertreibe. Es war ein ungemein er­greifender Anblick, diealten, langbärtigen Juden hier klagen zu sehen, den Kopf auf die Quadern des Baues gelehnt, der sich hoch über ihnen erhebt und eine einst christliche Kirche trägt, die jetzt allerdings in eine Moschee ver­wandelt ist. Dazu schreien und weinen die Weiber laut, einzelne Juden darunter lesen mit lauter Stimme Ge­bete und singen. Sir Moses Montefiore hat ihnen diesen Platz mit großen Opfern erkauft, sonst dürften sie gar nicht einmal herankommen bis an die Stelle, auf der einst ihr Heiligstes stand. Es sind übrigens die meisten Juden hierher eingewandert, vorzugsweise aus Polen und Oesterreich, sie werden von ihren Glaubensgenossen in Europa sehr unterstützt. Das Klagegeschrei geschieht also gewissermaßen auf Kosten derganzen" Judenschaft. Eigenthümlich ist es auch hier, wie man die Juden an ihrer Gesichtsbildung sofort erkennt. Sie unterscheiden sich von den hier die Hauptbevölkerung bildenden Arabern

Die Sternwirthin.

Erzählung für das Volk von A. v. Hahn.

(Fortsetzung.)

Benedict überlegte seinen Rückzug, und ein banger Blick streifte Gretei. Durste er sie unbeschützt hier zu- rücklassen?

Da wurde eine Thür mit heftigem Ruck aufgestoßen, derbe Schritte wurden laut, und die Wirthin stieß einen Schrei aus. Mich! war durch die vordere Hausthür von der Straße ins Haus gedrungen.

Raus scheerst' Dich! Oder ich schick' Dir die Polizei auf den Hals!" zeterte Lenei mit gellender Stimme.

Hol sie nur!" tobte Michl.Jetzt kommst' mir nicht aus. Auf der Stell' schwörst' mir, daß' Dein Wort erfüllen willst, oder kommst mir nicht lebendig aus den Fingern!"

Er faßte sie mit eisernen Fäusten an den Armen und drückte sie hinterrücks über einen Tisch, daß sie wirklich nicht zu viel that, als sie jetzt in Todesangst laut um Hilfe rief.

Benedict sprang zu, riß den Knecht am Arm zurück, und Lenei rief befreit:Benedikt, rett' mid) vor dem Lump! Nichts ist wahr, was er gesagt hat!"

Michl taumelte zurück und starrte Benedict in wilder Aufregung an.Das ist er?" schrie er dann heiser vor Zorn.

Hier ist er schon? Steckt schon im Dunkeln in ihrer Kammer?" Mit rasender Gebärde stürzte er auf Benedict los, der vor dem Wütherich zurückwich.

nicht weniger als von uns. Die jungen Juden haben auffallend weibische, weiche und zarte Physiognomien, die meisten tragen die beiden langen Gebetlocken vorne, dazu den schwarzen Kaftan und eine Pelzmütze. Die Tempelmauer, an der wir standen, ist unzweifelhaft noch ein Rest aus der ältesten jüdischen Zeit. Es fiub Kalk­steinquadern von riesigen Dimensionen, ja bis zu 8 Meter Länge.

Von dort zog es mich zur Grabeskirche. Ich hatte geglaubt, in eine stattliche Kirche zu treten und war sehr enttäuscht, als ich fand, daß der an sich große Bau durch eine Menge von Einbauten in einen dunklen Reliquien- schrein verwandelt ist. Jede der verschiedenen christlichen Konfessionen besitzt einen Theil der Kirche, die Katho­liken, die Griechen, die Armenier, die Kopten, die Abessinier, die syrischen Christen usw, und jeder hat sich sein Eigenthum nach seiner Art ausgebaut. Nachdem man in das Portal getreten, sieht man links auf Teppichen die türkischen Wachsoldaten liegen, ihren Tschibuk rauchend und Kaffee auf Kohlen kochend. Sie sind dazu da, um den oft zwischen den Christen der verschiedenen Konfessionen voi kommenden Schlägereien Einhalt zu thun und Ruhe zu stiften; denn leider wird dieser Ort sehr oft durch die Willkür roher Pilger aus Rußland, Kleinasien, der Türkei entweiht. Diese erscheinen hier viel zahlreicher, als Pilger aus dem Abendlande. Dem Eingang gegen­über befindet sich der Stein, auf dem Christi Leichnam nach der Kreuzabnahme gesalbt wurde. Sieben kostbare Lampen brennen über demselben, und ist er mit einer Platte von rothem Marmor bedeckt, um ihu zu schonen. Die Gläubigen küssen diese Platte. Nicht weit davon ist der Stein in den Fußboden eingelassen, auf welchem Maria bei dieser Gelegenheit stand; er ist natürlich mit einem Gitter umgeben, um ihn vor dem frommen Eifer zu bewahren. Etwas weiter gelangt man unter die große Kuppel der Katholiken, unter welcher das heilige Grab ist. Daffelbe ist von einem besonders geschmack­losen Marmorbau überdeckt, und wenn man in denselben Hineintritt, kommt man zuerst in eine kleine Kapelle, welche den Platz enthält, auf dem der Engel stand, welcher Maria die Auferstehung verkündigte. Demnächst tritt man durch ein sehr niedriges Thor in die Kapelle des heiligen Grabes, einem Raum von etwa 5 Fuß Breite und 8 Fuß Länge, ganz mit bläulich weißem Marmor bekleidet, in dem sich das heilige Grab, von demselben Steine bereitet, befindet.

Michl griff in die Tasche, im nächsten Augenblick blitzte ein Messer in seiner erhobenen Faust und sauste mit wuchtigem Schlage nieder.

Aber es hatte nicht Benedict, sondern Gretei ge­troffen, die sich schützend vor Venedicts Brust geworfen und jetzt mit einem ächzenden Weheschrei in seinen Armen zusammenbrach.

Er hat sie getödtet!" rief Benedict mit so verzwei­feltem Schmerz, daß Michl darüber zur Besinnung kam.

Da hast' Deinen Trotz!" kreischte Lenei ihm zu und brach in ein gellendes Geschrei aus.

Die Verwundete regte sich nicht und hing schlaff in Venedicts Armen, der sie wie ein Kind emporgehoben und auf seinem Schooß gebettet hatt-e, nachdem er sich auf einer Bank niedergelassen.

Licht", sagte er gebrochen,sie blutet". Verzweifelt sah er auf den leblosen Körper in seinen zitternden Armen nieder, während es von der Schulter der Ver­wundeten warm auf seine Hand niederrieselte.

Der Wirthin Geschrei hatte vom Markt heimkehrende Leute hereingerufen.

Es wurde Licht gebracht, und endlich lag Gretei auf dem Bett. Bnedict merkte mit einem unbeschreiblichen Glücksgefühl, daß sie sich leise regte und schwache Laute von sich gab. Bald sah er auch, daß der Stich unter dem Schulter knochen den Weg nach aufwärts genommen und die Lunge kaum verletzt sein konnte.

Er war allein mit ihr, die Helfer suchten inzwischen dies und jenes Nothwendige zusammen.

Mit einem inbrünstigen Stoßgebet sank er in die

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Wenn auch die ganze Kirche mit ihrer Unzahl von gemachten Reliquien und heiligen Stellen dem Evange­lischen durchaus nicht einen günstigen, erhebenden Ein­druck macht, sondern ihn vielmehr bedauern läßt, daß an einer solchen Stätte so viel Mißbrauch mit der Frömmig­keit getrieben wird, so ist doch die Stelle der heiligen Grabes selbst als richtig anzusehen und schon von so vielen Millionen Menschen verehrt, daß jeder, der hier Hereintritt, wenn er sein Gebet verrichtet, tief ergriffen wird. Er vergißt das leere Marmorgrab, um welche» sich die Priester streiten wie ehemals die Soldaten unter dem Kreuze um Christi Rock und denkt nur, wie es sein sollte und wie es einst war; er erfreut sich des Bewußtsein«, in die Gemeinschaft jener zahllosen Pilger eingetreten zu sein, die seit anderthalb Jahrtausenden von allen Enden des Erdballs an diese Stätte gekommen sind, um Trost und Stärkung, Demuth und gläubige Zuversicht zu suchen.

Neben der Kuppel der Grabeskirche ist noch eine Ka­pelle,. in der Jesus der Magdalena erschienen sein soll, ein Stück der Säule, woran er gegeißelt wurde, eine andere Kapelle, in der er gefangen gehalten wurde, bevor er zur Richtstätte geführt ward, ferner in der Mitte der Kirche die Kuppel, welche über dem sehr reich, aber geschmacklos dekorierten russischen Theile sich er* hebt, dann eine den Armeniern gehörige Kapelle, zu der 30 Stufen herunterführen, worin ein Altar demguten" Schächer geweiht ist, daneben die Kapelle, in der das wahre heilige Kreuz gesunden worden, und noch sehr viele Kapellen, Grabstätten, u. dgl., welche alle irgend einen Bezug auf die Geschichte Christi haben. In der Kirche selbst aber, in einer etwa 20 Stufen erhöhten Etage rechts vom Eingang ist auf Golgatha die Stelle, wo das Kreuz stand, und der Riß, welcher im Felsen bei Christi Verscheiden entstand. Man sieht denselben auch unter Golgatha in seiner in den Felsen gehauenen sogenannten Adams-Kapelle. Der Golgatha-Felsen ist nämlich etwa 10 Fuß höher als die Stelle des heiligen Grabes, und daher kommt es, daß man zu der Golgatha- Kapelle eine Treppe hinaufsteigen muß, während die Adams-Kapelle, welche in den Golgatha-Felsen eingehauen ist, vom Flur der Kirche zugänglich ist.

Eine Menge von Gästen und Pilgern aus allen Ländern waren eingetroffen und drängten sich in den einen halbdunklen Raum zur Marmorkapelle, welche sich im Innern über dem Grabe erhebt, zu dem auf Treppen

Kniee und drückte seinen Kopf einen Augenblick neben ihr bleiches Antlitz in das Kissen.

Was er dabei empfunden, er wußte es später nie mehr nachzufühlen, denn es war mehr als Erdenglück, mehr als eine Menschenbrust auf die Dauer umfassen kann.

Herr, ich danke Dir! Herr, ich danke Dir!" strömte es inbrünstig von seinen Lippen.

Nur wenige Augenblicke gönnte er seinen Empfin­dungen, dann walteten wieder Vernunft und Ueberlegung.

Er befahl, und die Lente folgten seinen Anweisungen. Reines Leinenzeug war nöthig, denn die Wunde blutete stark. Aber was die Wirthin brächte, die endlich auch mit zugriff und mit Besinnung handelte, waren harte, grobe Tücher. Seitdem es im Stern nicht mehr an Geld fehlte, war auch alles gut im Stande, das schlechte alte Leinenzeug bei Seite gethan und neues Linnen beschafft.

Aber der Benedict konnte die derben, festen Tücher nicht brauchen. Er verlangte altes, weiches Zeug.

Lenei eilte fort. Im Frühjahr hatte sie das ver­brauchte Zeug oben in die große Truhe gelegt, die in Greteis ehemaliger Kammer stand.

Ein Anderer rannte inzwischen in den Stall, um die Pferde einzuspannen und den Arzt aus der Stadt zu holen.

Komm einer mit der Axt herauf", rief die Wirthin von der Bodentreppe herunter.Ich kann die Truhe nicht aufmachen, der Schlüssel ist fort."

Ein Bursche folgte dem Ruf.

Grade war Alles still um die Verwundete beschäftigt.